Ausgabe 
21.7.1909
 
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Nun ward sie mit Friedmar bekannt. Dieser legte nichts von alledem an den Tag, was sie im Verkehr mit dem starken Geschlecht verletzt und abgeftoßen hatte. In mancher Stunde beschäftigten sich ihre Gedanken mit ihm. Er war ein gar stattlicher Mann, zwar ein bißchen lang geraten, aber nicht klobig nnd plump. Und treue Augen hätte er. Man mußte Zutrauen zu ihm fassen. Darum hatte'sie ihm auch vielerlei gesagt, was sie sonst vor aller Welt verborgen hielt. Und sie berente es nicht, denn sie wußte, daß er keinen Miß- brauch damit trieb. Schade, daß er jetzt erst über ihren Weg kam, hätte man früher miteinander Bekanntschaft ge- macht, so wäre vielleicht was daraus geworden. Sie war sehr wählerisch, aber wenn der Friedmar sich ihr angetragen, hätte sie nicht nein gesagt. Das waren eigentlich unnütze Gedanken. Die mußte sie sich ganz aus den: Kopf schlagen. Er ivar ja vergeben. Aber ihn heimlich gern haben, durfte sie deshalb doch. Tas konnte ihr niemand verwehren. In der letzten Zeit war ihr der Vater öfters im Traum er­schienen. Wenn man von Verstorbenen träumte, das bedeu­tete Glück. Bisweilen, da es ihr zu eng in der dumpfen Wirtsstube ward, klomm sie dieDietkirchener Höhe" hinauf und spähte ins Land, von wannen das Glück kommen sollte. Was galt ihr als Glück? Viel Geld? Gewiß nicht. Damit hatte sie nichts anzufangen gewußt. Aber jemand, den man von Grund aus leiden mochte, alles zuliebe tun. Da­nach stand ihr Verlangen. Daß sie der Mutter im Haus alles leichter machte, war Kindespflicht. Darüber hinaus regte sich etwas, das heiß und immer heißer in ihr anf- glühte. Von wannen sollte das Glück kommen? Wenn mau scharf über den Wald sah, erkannte man das Städtchen, wo Friedmars Behausung lag. Neulich war in der Wirt­schaft die Sprache davon, seine Fran wär' viel älter als er. Aber ein Haus hatte sie und Geld dazu. Der Eigen­nutz war ein Schelm. Ter hatte, ihn wohl in die Heirat getrieben. Freilich sah er nicht danach ans. Vielleicht hatte er sich bereden lassen. Ein bißchen hampelmännisch war er schon. Nun saß er drin und konnte nicht wieder heraus. Denn daß ihn etwas drückte, das merkte mau ihm wohl an. Er nahm den Namen seiner Frau nicht in den Mund. Dazu konnte man sich seinen Vers machen. War sie eine böse Sieben, widerborstig und zänkisch? Plagte sie ihn mit der Eifersucht, weil sie ältlich war, und er blühend und jung? Wie töricht war er gewesen, sich von der Schlaubergerin fangen zu lassen. Akkurat tote der Herr Baumeister in Hanau. Der hatte sich auch schön hineinge­ritten. Wenn der allein zu Haus war, lief er Ivie be- sesseu in seinem Arbeitszimmer auf und ab und schrie: Wer befreit mich von diesem Drachen?" Und dann stöhnte und seufzte er, daß einem angst und bange wurde. Sie machte es ihm auch danach, die Frau Baumeisterin. Unter der Fuchtel wollte sie ihren Mann halten, daß er nicht mehr jappen konnte. Das war ein ständiger Spektakel. Wenn aber Besuch aus der Stadt kam, schlich der Herr Baumeister trübselig in sein Zimmer, und die Fran Bau­meisterin ging den Leuten mit lachendem Gesicht entgegen. Das reine Theater. Und der Mann verzehrte sich in seinem Elend, und sie sah rot und rund aus. So vergrämte sich auch wohl der Friedmar, und die alte Spinne zog ihn immer mehr in ihr Netz. Aber sie kannte die Meisterin doch gar nicht und lästerte sie. Tat so eine ehrliche Christen­seele? Daß sie nicht schamrot wurde! Die Meisterin sollte eifersüchtig sein. Auf wen? Was leugnete sie's denn? Sie selbst war eifersüchtig. Den Friedmar hätte sie sich auch gegönnt. Das wär' ein Leben geworden. Gar nicht aus­zuhalten vor Lustigkeit. Und jetzt? In ein paar Wochen war er auf und davon. Sie hatte das Nachsehen. Und das tat weh. Aber auskosten wollte sie's bis zu Ende. Ihn anschauen, wenn er kam, recht lang' anschauen, weil sie ihn lieb hatte schrecklich lieb. Und da sie von der Höhe talwärts schritt, sang sie leise vor sich hin-

Freude, Freude über Freude, Halt' gefunden meinen Schatz, Durfte springen, Durste singen,

Halt' gesunden meinen Schatz. Trauer, Trauer über Trauer, Müßt' verlieren meinen Schatz, Immer weinen Um den einen,

Müßt' verlieren meinen Schätz."

Seitdem der junge Pflastermeister Tag für Tag der schönen Einyornlina in die Augen sah, war er wie verwandelt in seinem Wesen. Die Heirat der Meisterin hatte er ledig­lich als klugen Streich betrachtet, der ihm zu Ansehen und Besitz verhalf. Herz und Gemüt hatte er nicht zu Rate gezogen. Der arme Fischbacher Bäuernbub, dem die Not aus der Hütte der Mutter das Geleite ins Leben hinaus gegeben, der sich als Pflastergesell sechs Tage in der Woche abplacken mußte, war stets von einem trotzigen Ehrgeiz gehoben worden, der ihn anspornte, sich unter den Stanerabett in seiner Arbeitsleistung hervorzutun. Die Hoffnung, einmal als Meister auf der Arbeitsstätte den Pflasterhammer zu schwingen, bildete den Brennpunkt, um den seine Gedanken kreisten. Auf der Landschaftskasse lagen seine Sparpfennige. Das Sümmchen schwoll von Jahr zu Jahr an. Viel war's nicht, und bis es reichte, ein eigenes Geschäft zu gründen, konnten noch zehn oder fünfzehn Jähre vergehen. Aber nur Geduld. Eines Tages stand er doch am Ziel. Der Pslasternreister starb. Die Meisterin gab ihm die Aufsicht über die Handlanger und Gesellen. Allmählich kam der ganze Geschäftsbetrieb in seine Hand. Die Höhe, der er zustrebte, lag nun nicht mehr fern, und der Meisterin Ent-, gegenkommen half ihn: mit einem Sprung über die letzte Steile hinweg. Voll Selbstgefühl könnte er zurückschauen. Den Weg hinauf hatte er sich selbst gepflastert und stand nun droben stolz wie ein Turm. Auf der Straße schüttelte man ihm glückwünscheud die Hände. Scute, die srüher gleichgültig an ihm vorbeigegangen, boten ihm jetzt höflich die Zeit oder blieben gar bei ihm stehen. Der armen: Häuslerin Söhn, den die Fischbacher Bäuernprotzen über die Achsel angeguckt hatten, war unter den Bürgern der Stadt zu Meisterrecht und Rang gekommen. Aus offenem Marktplatz redete ihn der Pfarrer an, obwohl er ein schlechter Kirchengänger war. Der Pfarrer sah darüber hinweg, denn die Meisterin war fromm. Wo er hiuhorchte, verkündete man ihr Lob. lind mit Fug. Es ließ sich mit ihr leben. Bei! all ihrer Gescheitheit war sie keine Klugfchwätzerin. Murren und Widerspruch kannte sie nicht. Nur daß man nicht recht warrn wurde bei ihr. Das lag wohl an ihren Jahren. Nun, was sie darin voraus hatte, kam ihm durch ihre Er-, fahrung und Sicherheit in Geschäftssachen zugute. So hatte Friedmar im wohlgeschützten Hafen Anker geworfen. Ar­beiten mußte er nach wie vor, das war klar. Aber es war nicht mehr die alte Hatz und die ängstliche Sucht, bis er sich! jedesmal am Samstag die Sparpfennige für die Landschafts-' lasse abgeknapst hatte. Der Geschäftsgewinn floß in seine Tasche. Wer, wie er, ein Habeinchts gewesen, wußte das doppelt zu schätzen. Er konnte die Dinge tat sich herankommen lassen und der Zukunft gemächlich entgegen sehen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Mner LuftschiMalle.

Hunderte von Händen sind emsig bemüht, das Dach der Liist- schiffhalle einzudecken, die großen Flügeltore fertig zu montieren! und im Innern wenigstens einstweilen Ordnung zu schaffen, um' dem Z II, der am Montag den 26. Juli mit Bestimmtheit hier erwartet wird, eine vorläufige Unterkunft zu gewähren. Die Lustschiffhalle, die derKöln. Ztg." zufolge jetzt schon einen fast fertigen Eindruck macht, liegt genau in der Mitte des Dreiecks, das die Vororte Bocklemünd, Bickendorf und Ossendorf miteinander bilden, und zwar in einer geschützten Mulde, am sogenannten! Mühleuweg.

Mit Seit Fundamentierungsarbeiten würde anfangs Avril begonnen, nachdem man schon seit Mitte März die nötigen Erd­bewegungen vorgenommen hatte. Mit dem Aufstellen der Eiseu- konstruktion wurde am 7. Mai begonnen, und zwar an der Ein­fahrt (an der Seite nach Bocklemünd zu). Die Halle hat eine Länge von 152 Meter, eine Breite von 50 Meter, also einen! nutzbaren Flächeninhalt von 7600 Quadratmeter. Sie besteht aus einem Mittelschiff, das eine lichte Höhe 'von 27(4 Meter und eilte Breite von -10 Meter hat, ferner aus zwei Seitenschiffen von je 7 Meter Höhe und 5 Meter Breite. Die Vorbauten an beiden Längsseiten, die sich aus der Eisenkonstrnktivn ergeben, sind in­sofern nutzbar gemacht, als man an der einen Seite längs der Säulenreihe der Mittclhalle eine massive Mauer mit Zwischen­decke aus geführt und damit Räume geschaffen hat zur Unter» bringung von Ballonhüllen und für Werkstätten; ferner sind dort Räume zu Heizzwecken, und zur Aufbewahrung von Kohleit­zum Aufenthalt für Offiziere und zur Unterbringung von Gas­flaschen vorgesehen. An der andern Längsseite befinden sich Ein­bauten, die als Wagenhallen dienen und vou außen durch große Tore zugänglich sind. Die Eisenkonstruktion besteht aus 20 Bm- tant, ote in Entfernungen von je 8 Meter auseinandersteheu. Die Binder sind unter sich mit Pfetten verbunden. Die mächtigen