Ausgabe 
21.6.1909
 
Einzelbild herunterladen

379

Us-

iitt

)ir,

mb

lte, bcn

?en 'ler ii er

ich. t?"

er­ber zen des cich

Den ad, jen

igt,: em n." die

eit, md eit. vir tzte ar,

vie

Dir. Ich als nch Er

ent ine s!"

cm ren ort vir leit ick! flt len

er- m.

er,

ach ne.

zu tcr hie icht >öfe

Er nie :ud

das Theater keinen Einfluß; es wurde ruhig weitergefpielt, und man beklatschte Vaudevilles und Possen, als ob alles in bester Ordnung und kein Trauerspiel in Hessen vor sich gegangen wäre. Tie folgenden 18 Jahre (bis 1866) bedeu­teten für das Theater eine Zeit der Blüte. Der Oper ge­hörten ein Theodor Wachtel, ein Ferenzy, dem Schauspiel ein Ulram, ein Hesse und eine Marie Seebach an. Nach der Annexion Kurhessens erhielt das Theater die Bezeichnung Königliche Schauspiele", die es bis auf den heutigen Tag beibehalten hat. Der erste Leiter des Theaters unter preußi­scher Herrschaft wurde Albert v. Earlshansen, sein Nach­folger int Jahre 1875 der Freiherr von und zu Gilsa, dessen Verdienst es ist, den Neubau eines Hoftheaters beim Kaiser angeregt zu haben. Ngch 31jahrigem Wirken trat Gilsa aus Gesundheitsrücksichten zurück und überließ die weitere Durchführung seiner Pläne dem Intendanten Grafen v. Bylaudt-Rheydt, der sein Amt seit April 1906 versieht.

Die letzten Verhandlungen vor Ausbruch des Krieges M0.

Aus dem in den nächsten Tagen erscheinenden großen Werke Emile Olliviers über die Vorgeschichte des deutsch-franzö- sischen Krieges wird jetzt im Gaulois ein außerordentlich in­teressanter Abschnitt verösfemlicht, in dem derMann mit dem leichten Herzen" seine genaue Kenntnis der Vorgänge und seine persönlichen Erinnerungen den herrschenden Geschichtsdarstellungeni entgegensetzt. Seine Ausstihrungen gipfeln in dem Versuch eines Beweises, daß Gramout und er niemals von König WitbelM einenE n t s ch u l d i g u n g s b r i e f"g e f o r d e r t" hätten, zu­gleich übt er eine scharfe Kritik an dem bekannten Bericht des preußischen Gesandten von Werther in Paris, der in der Vor­geschichte des Krieges eine so bedeutsame Rolle gespielt hat. Er weist darauf hin, daß der Werthersche Bericht entgegen dem diplomatischen Brauch weder ihm noch Gramout vor der Ab­sendung mitgeteilt worden sei; der Bericht seiin aller Hast redigiert, denn Werther verließ uns um vier Uhr und der Bericht ist um fünf Uhr von Paris abgegangen. Er ist wirr, irremachend, gibt ein schlechtes Bild von dem Charakter der llnrerhaltnng und enthält schwerwiegende Irrtümer. Ich war verblüfft, zu lesen, daß wir, wenn er es nicht übernehmen könnte, unseren Vorschlag! dem König zu unterbreiten, gezwungen wären, Benedetti zu bitten, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen" und daß wir von ihm verlangten,die Unterhaltung zu telegraphieren." Werther hat falsch verstanden und, was er sagt, ist das Falscheste des Falschen. Der gröbste Fehler ist, daß Werther einen offiziellen diploma­tischen Bericht erstattete, über eine Unterhaltung, aus der Ver­handlungen nicht hervorgingen; nur ein vertraulicher Brief an den König wäre am Platze gewesen. Trotzdem ist es'unmöglich, selbst aus diesem schlecht abgefaßten ungenauen Bericht den Be- wcis dasur zu entnehmen, daß wir das Verlangen nach einem Entschuldigungsbrief gestellt hätten." Er zitiert daun einige Ltellen aus dem Wertherschen Bericht, in dem der preußische Gesandte davon spricht, Gramoutstelle es meiner Erwägung anhemi, zu beurteilen, ob ein Brief des Kaisers au deu Königs nicht das geeignete Mittel wäre." Diese Fassung beweise, daß von einem gestellten Verlangen nach einem Entschuldigungsbrief nicht die Rede sein könne. Bon diesem Punkte aus tritt er gegen die tendenziösen Geschichtsdarstellungen auf, die in Deutschland eiitstanden und von französischen Historikern aufgeitommen wor­den seien: Gramvnt habe einen Entschuldiguugsbries gefordert Gramont hat öffentlich in einem Zirkular diese Version demen­tiert:^ch habe vom König nicht verlangt, daß er einen Ent- schuldigungsbrief schreibe." Und nun wendet sich Oklivier mit leidensehastlicher^Bitterkeit gegen das Zeugnis Benebettis, das cte bisherige historische Darstellung der Ereignisse bestätigt hat "Kur Franzose, ein Botschafter, zwischen eine Bestätigung seines Ministers und bte der Gegner gestellt, hat seine Pflicht als Patriot, als Beamter und als Mitarbeiter verletzt, als er die lügnerische Version des Gegners annahm, beglaubigte und ver- brcitete. Denn das hat Benedetti in seiner gegen Gramout ge­richteten Rechtsertigungsschrift getan." Wenn je ein solches Ver­langen gestellt worden wäre, so führt der ehemalige Minister aus, so hätte Benedetti als einer der ersten davon verständigt werden müssen und er hätte in seinen Instruktionen darüber Aufklärung bekommen.Um eine Lüge zu rechtfertigen, erfindet er eine andere:die Forderung wurde gestellt, aber sie wurde wieder aufgegeben und 'darum habe man ihn weder von der Forderung noch von dem Fallenlassen verständigt." Warum diese Entstellung der Wahrheit? Um int öffentlichen Unglück seine Eitelkeit zu stützen.Werther," so sagt Benedetti,gab seinem Souverän direkt Bericht über die Unterhaltung, die er am 12 mit Gramout und Emile Ollivier hatte. Der Bericht wurde um fünf mit dem Postzug abgesandt und kam in Ems noch vvr Mittag an.

Der König wurde durch diese bedauerlichste der Forderungen und durch die neuen und unerwarteten Ansprüche, die Werther den Mmtstern zuschrieb, erregt: von diesem Augenblicke an wär alles ans.Keine dieser Behauptungen", fährt Ollivier fort,

Das alte Kasseler hoftheater

ist am 14. ds. mit der Aufführung der OperJessonda" von dem ehemaligen Kasseler Hofkapellmeister Louis Spohr und einem nachfolgenden Epilog von Joseph Laufs für immer geschlossen worden. .Am Abend vorher ging als letzte Schanspielvorstelliing ShakespearesMacbeth" in einer vom Oberrcgisseur Hertzer besorgten vortrefflichen Ren- einstudiert'.ng in Szene. Oskar Bohnee als Macbeth und Frau Mahrhammer als Lady boten Leistungen, die deu Kasselern den letzten Schauspielabend im alten Hause un­vergeßlich machen werden. ShakespearesMacbeth" war von der Intendanz aus historischen Gründen als letzte Schau­spielvorstellung gewählt worden, denn Macbeth ist, wie die Köln. Ztg." mittcilt, auch die erste deutsche Schauspiel- aufführung gewesen, die vor 124 Jahren im Juni 1785 im Hoftheater, damaligen Opernhause, stattgefunden hat. Das alte Haus, das jetzt verschwindet, um einer neuen Ver- bindungs- und Geschäftsstraße nach dem Westviertel Platz zu machen, kann auf eine 150jährige, schicksalsschwere Ver­gangenheit zurückblicken. Im Jahre 1710 als Palais des Prinzen Maximilian von Hessen erbaut, wurde es 1766 zum Theater eingerichtet, mit überladenem Prunk ausge­stattet und ausschließlich zur Aufführung von italienischen Opern und von Balletts benutzt, während sich das fran­zösische Schauspiel mit einem bescheidenem Komödienhanse begnügen mußte, das sich im Garten der jetzigen Kriegs­schule dicht bei dem vor seiner Vollendung stehenden Neuen Hoftheater erhob. Die italienische Oper unter der Leitung des Kapellmeisters Jgnatio Fiorillo konnte in dem damals 20 000 Einwohner zählenden Kassel nicht recht populär wer­den, sie blieb ein kostspieliger Zeitvertreib für den Hof des prachtliebenden Landgrafen Friedrich II. Als dieser starb, löste sein Nachfolger Wilhelm IX., der spätere erste Kurfürst von Hessen, sowohl die Oper als auch das französische Schau­spiel auf. Es wäre nunmehr der geeignete Augenblick ge­wesen, dem in Kassel bis dahin völlig vernachlässigten deutschen Schauspiel eine Pflegestätte zu eröffnen, allein der erste Kurfürst hatte andere Interessen, er bevorzugte einseitig die bildenden Künste; er duldete das deutsche Schau­spiel, aber er machte es nicht zum Gegenstände seiner 9iei= gung. Hub wenn auch 1785 dem aus Bonn, vom Hose des Kurfürsten von Köln herüb'ergekommenen Direktor Groß­mann, der übrigens selbst dramatischer Dichter war, ge­stattet wurde, mitMacbeth" und Schillers Jugenddrameu Einzug in das frühere Opernhaus zu halten, so blieb doch bis zu den Kriegsstürmen des Jahres 1806 Kassel nur ein Matz für kleine reisende Gesellschaften. Als der Kurfürst aus seinem Lande verjagt wurde und die Franzosen sich häuslich in Kassel niederlietzen, traten im alten Theater Opern und Balletts die Herrschaft an und behielten sie bis zum Zusammenbruch des westfälischen Königreichs. Eine gewisse Berühmtheit erlangten auch die damals im kur­fürstlichen Theater vom König Jerome veranstalteten Maskenbälle, bei denen man außer idem Tanze auch dem Pharao", der Roulette und andern Spielen huldigte. 1814 erreichte dieses Treiben ein Ende, und mit der Rückkehr des Kurfürsten Wilhelm L, der sich den Kapellmeister Guhr aus.Wiesbaden mitbrachte und den Regisseur Feige berief, begann eine etwas fruchtbarere Zeit deutscher Kunstübung in Kassel. Aber erst mit dem Regierungsantritt des Kur­fürsten Wilhelm II. im Jahre 1821 trat das Theater in ein neues entscheidendes Stadium seiner Entwicklung, und es begann jener Abschnitt (1821 bis 1830), der mit Vorliebe als seine eigentliche Glanzperiode bezeichnet wird. Das Theater, das .fortan amtlich, den NamenKurfürstliches Hoftheater" führte, wurde vergrößert und neu ausgestattet, Loms Spohr als erster Kapellmeister berufen, Feige auf ^rbenszeit zum Generaldirektor ernannt und eine Menge. tref,licher Künstler nach Kassel berufen, an ihrer Spitze Ludwig Löwe, der Tenorist Gerstäcker und der berühmte Seydelmann. Oper und Schauspiel blühten, bis die politi- ,chen Ereignisse von 1831 die Entwicklung abermals unter» ^rwchen. Doch erholte sich das Theater wieder unter dem Nachfolger Wilhelms II., dem nachmaligen letzten Kurfürsten von Hessen, der zuerst den Generalmajor v. Lepel, später den Kammerherrn Josias v. Heeringen zum Generalintendanten ernannte. Zu den damaligen Künstlern des Hoftheaters gehörte der Komiker K. Birnbaum, dessen Name durch die unheilvolle Ehe seiner Tochter mit einem Sohne des Kur­fürsten und durch feinen tragischen Selbstmord allgemeiner bekaiint gewordeii ist. Dastolle" Jahr 1848 hatte auf