248
liegt nur 28 Kilometer von der portugiesischen Hauptstadt iu den Montes lnnae (den Mondbergen) der Römer. Eine reiche Feuchtigkeit zeitigt die iippigste Vegetation. Die mit losen Granitblöcken bedeckten Berge weisen einen herrlichen Bestand an Eichen, Pinien, Zedern, Palmen und Eukalypten auf, und zwischendurch, wie hineingestreut, blitzt das blendende Weiß vornehmer Villen.
Schloß und Park von P e n a konnten wir leider nicht besichtigen, da der Zutritt bei Anwesenheit der Königlichen Familie nur Sonntags gestattet wird. So wanderten wir denn nach den Ruinen des Maurenschlosses, das von den Ueberresten seiner zinnengekrönten, mit Efeu überwucherten Mauer einen herrlichen Rundblick bot. Der Weg nach bent Mute Mvnserrate führt vou Cintra aus auf schattiger Straße, 'an der üppige Gärten, niedliche Landhäuser und vornehme Billen liegen. Ein schönerer nnd reichhaltigerer Park citS- der von Monserräte, dürfte int ganzen Lande nicht zu finden fein.
Der 13, Tag ließ uns Lissabon wieder schauen, dessen Besichtigung wir den verbleibenden Rest unserer Zeit widmeten.
Nur allzuschnell waren die Tage dahingeeilt. Die schönen Tage von Aranjuez! Uns viel zu zeitig mahnte das Erscheinen des „Corcovado", eines neuen Dampfers der Hamburg-Amerika-Linie, an die Heimreise. Aber tioch heute zehrt der Geist von den zahllosen, herrlichen Ein- drncken, die er empfangen. Und, mein liebes Tagebuch, es kann zaubern- es bringt mir die Einzelheiten zu den Gesamteindrücken und läßt mich in der Erinnerung schwelgen.
Szenen vom Beginn der türkischen Revolution schildert der Konstantinopeler Korrespondent des Daily Telegraph. „Ans dem Wege zur Sophien-Moschee hatte mein Wagen die Brücke erreicht, als dichte Gruppen aufgeregter Bürger mir die Weiterfahrt versperrten. Wir mußten zurück. Am Wege sah ich einen toten Soldaten liegen; er war auf beit Rücken dahingestreckt, der Kopf lag in einer Blutlache, der Schädel war zertrümmert Und die Gehirntcile herausgeschlagen. In der Trambahnstraße wurden wir wieder aufgehalten, dichte Menschenmengen drängten sich und man befürchtete ein Gemetzel. Die Sorgen waren unbegründet. Am Eingang zu dem großen Platze endlich versperren mir Bürgerposten den Weg, nur Soldaten und Geistliche dürfen passieren. Der amerikanische Konsul muß zurück. Zum Glück treffe ich zwei mit bekannte Deputierte, die mich mitnehmen. Nach langer Verhandlung mit den Soldaten, darf ich den Kordon passieren Und das Parlamentsgebäude betreten. Hier freilich hört das Weiterkommen auf. Die Torhüter, die mich gut kennen, verweigern mir Heute den Eintritt. Ich muß auf dem Platze bleiben. Alle Seiten sind angefüllt mit den blauen Uniformen der Soldaten luitb der Khaki färbe der Jäger von Saloniki. In der Mitte des Platzes sitzen türkische Soldaten mit untergeschlagenen Beinen in großem Kreise auf der Erde. Nirgends ist ein Offizier zu sehen. Von Gruppe zu Gruppe schreiten weißbeturbante Hodschas und sprechen mit den Soldaten. Einer der Agitatoren spricht mich au: „Sie sehen, wir wollen nichts als die Anwendung des heiligen! Gesetzes. Wenn jemand mordet, so bedeutet das Todesstrafe; wer stiehlt, verliert die Hand. Dann wird alles gut gehen. Aber jetzt wird das Gesetz nicht angewandt. Und es darf den Soldaten nicht verboten werden zu beten." Ich antwortete, ich sei erstaunt, zu Hören, daß mohammedanische Soldaten in der Türkei nicht beten dürften, während in Europa alle die Freiheit dazu haben. „Ja," sagte er, „Ihr seid Christen. Ihr habt eine Religion, unsere Regierung aber hat keine. Ahmed Riza hat keine und auch nicht seine Freunde, sie sind Freidenker. Wir wollen nicht von ihnen regiert werden." Und das ist die Tendenz dessen, was-auch alle anderen sagen. Von Zeit zu Zeit klingt der Schall von Hörnern über den Platz, die Soldaten treten zusammen und mit lauten Zurufen werden die neuen Trupps begrüßt, die ciutreffen. Plötzlich entsteht lebhafte Erregung. Kinder stürmen vorüber, laute Rufe ertönen und nun sieht man die Ursache: von dest Sultan Ahmed-Moschee kommt eine gewaltige Menge von Ulemas Und Sofias herangezogen. Die breite Straße gleicht einem Meer von weißen Turbanen. Der endlose Zug erreicht den Platz, kreuzt ihn, indes von allen Seiten brausende Hochrufe ertönen. Und bildet endlich gegenüber dem Parlamentsgebäude einen riesigen Menschenhaufen. Die Geistlichen kommen, um den Klagen der Soldaten ihre Unterstützung zu leihen. Ich wollte dableiben, um den Verlauf der Begebenheiten zu beobachten, aber ein Zwischenfall vereitelte das Vorhaben. Von dem Hause, vor dem ich auf einer Bank stehe, fällt ein Pistolenschuß. Sofort entsteht Erregung Unter den Soldaten, wütend erklimmen einige das Fenster. Ich werde dabei umgeworfen, die Soldaten fragen mich, was ich hier zu suchen Habe. Ich wäre gern geblieben, aber eilt Polrzei- sergeaut bittet mich zn gehen. Unbelästigt verlasse ich den Palast
Und gehe zur Pforte. Auf dey Terrasse stehen Dolmetscher und Gesandtschaftssekretäre mit sorgenvollen Mienen. Man versucht zum Kriegsmiuisteriunt zu kommen, aber der große Platz vor deut Gebäude ist von einem Truppenkordon abgesperrt, der Befehl hat, scharf zu feuern. Aber dies sind treue Truppen; sie stehen unter bent Befehl von Mahmud Muktar Pascha. Als ich versuche, zum Sophien-Platze zurückzukehren, zwingt mich eine bewaffnete Menge, meinen Wagen zu verlassen. Es ist ein langer Zng, der dem Ministerium zustrebt. Man sieht die blauen Sol- datenuniformeu, einige Jäger von Saloniki, Arbeiter aus den Armeewerkstätten, ja selbst halbwüchsige Burschen und Knaben von zehn Jahren, die mühsam alte Martinigewehre mit aufgepflanz- tcm Bajonett einherschleppcn. In einiger Entfernung höre ich Schüsse fallen: die angsterfüllte Menge preßt mich in eine Seitenstraße. Nachdem die Furcht gewichen ist, sieht man auf dey Straße Wagen mit Verwundeten vorüberfahren. Dann kommt ein Deputierter, ebenfalls int Wagen, der von zwei Soldaten zum' Parlament begleitet wird. Einer sitzt int Inneren des Gefährtes, der andere als Wächter ans dem Bock. Kaum ist dieser Wagen vorüber, als wieder Gewehrfeuer einsetzt. Die bis zum Aeußcrsten erregte Volksmenge strömt in die Seitenstraße, die Schüsse mehren sich. Uni den Kugeln auszuweichen, gehe ich mit meinem Kutscher in ein Cafo gegenüber dem Polizeiministerium und dem Gefäug- uisse. Ich sehe Polizisten vorbeieilen, die die Feuerwehr alarmieren, weil das Gefängnis in Brand steht. Als man mich sieht, fordert man mich auf, so schnell als möglich zn gehen. Die Straße zur Hohen Pforte gewährt einen trüben Anblick. Alle Läden sind geschlossen und überall stehen Gruppen umher, Männer, die mit leidenschaftserregten Mienen miteinander flüstern. An der Brücke stoße ich auf neue Hindernisse. Matrosen ziehen heran, mit einem Maschinengewehr nnd einer Gebirgsbatterie. Sic sind auf dem Wege zum Sophien-Platz. Bürgersleute führen sie, sie reiten auf Pferden, die man Offizieren abgenommen hat. Man fordert mich auf, den Wagen zu verlassen und droht mit Gewalt. Ich treffe Nun eine Gruppe von Korrespondenten: von ihnen erfahre ich, daß die Regierung allen Telegrammverkehr verboten hat."
vermischtes.
* Ein Engländer vor einer Jury von Negerif. Der Fall, daß ein reicher Mann vor ein Negergericht geschleppt und von schwarzen Geschworenen verurteilt wurde, hat sich aü der englischen westafrikanischen Goldküste ereignet und dürfte einzig in seiner Art dastehen. Vivian William Dcnton war Erster Ingenieur der „Gold,Mining-Compagny" an der bekannten Goldküste. Eines Tages wurden ihm 800 Mark und ein Revolver sowie andere Wertsachen aus seinem Zelte gestohlen. Der Verdacht lenkte sich auf- William Johnson, einen Neger, der flüchtig wurde. Gefangen genommen, gestand er den Diebstahl und würde in der Stadt Axim vor Gericht gestellt. Mission« r e besorgten nun dem Neger einen Rechtsanwalt mit dem Ergebnis, daß Johnson mit einem Tag Gefängnis davonkam. Jetzt zeigte Johnson den Ingenieur wegen versuchter Körperverletzung an, und ein schwarzer Richter sowie zwölf schwarze Geschworene fanden den weißen Mann schuldig und verurteilten ihn, da sie schon dabei waren, zu — drei Jahren Gefängnis. Anfang Januar d. I. wurde Denlon nach England gebracht, wo er in bent Parkhurst- Gefängnis seine Strafe antrat. Gestern nun ist der Gefangene freigelassen worden, da Zweifel an der Gerechtigkeit, des Urteils aufgetaucht sind.
* Schlagfertig. „Sag' mal, macht denn deine Frans die. ganze Wirtschaft allein, hattest du nie ’lte Köchin?" —- „Versteht, sich — als Soldat."
Bilderrätsel.
Auflösung des Geographischen Vcrschiebrälsels in vor. Nr.: Serbien
Rußland
Baden
Türkei
Teutschland
Bulgarien Bayern.
Auflösung in nächster Nummer.
Redaktion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


