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der sieben Jahrhunderte lang den Gewalten der Natur widerstanden und sieden Jahrhunderte die Geschichte der Stadt miterlebt hat. Das Erdbeben von 1783, dem die ganze Stadt zum Opfer fiel, hatte imr den Mittelgiebel des Domes heruntergeschleudert. Jetzt sind drei Spitzbogen- portale an der Eingangswand vernichtet, mit ihnen btc Skulpturen des Mittelportals, die von Baboccio di Pi- perno herrühren und nordisch anmutende Motive zeigten: Um schlanke Säulenschäfte sich rankende Weinstöcke, an denen nackte Knaben emporkletteru. Das Innere des Doms war dreischiffig, in der Form des lateinischen Kreuzes. Der stolze Mittelbau wurde von Säulen aus ägyptischem Granit getragen, die von dem antiken Neptunstempel im Hafen herrührten. Im 17. Jahrhundert, als die Kuppel erbaut wurde, unterzog mau den ehrwürdigen Tempel einer Modernisierung, respektierte jedoch die hölzerne Decke, die mit Hilfe der Zuschüsse König Manfreds des Hohenstaufen erbaut worden war, und die Mosaiken in den drei Tribunen, welche unter Erzbischof Guidotte de Tabiatis (f 1333) begonnen und zu Anfang des Quattrocento vollendet waren.
Das hölzerne Chorgestühl mit prächtigen Intarsien des Giorgio Veneziano aus dem Ende des Cinquecento, die Skulpturen Domenico Goginis und das Grabmonument Erzbischofs Guidotto, ein signiertes Werk des Sieuesen Goro di Gregorio von 1333, die Kanzel von Battista, Mazzola, der Baldachin über dem Hochaltar von Simone Gulli und Giacomo Serpotta, die zwölf Kapellen der Seitenschiffe mit dem kostbaren Fußbodenbelag von Giovan Angelo Montorsoli, die reichen Kirchenschätze, die Gemälde über den Altären, sind unter den Trümmern der Kirche begraben. Andrea della Robbias Rundbild der von Engeln und Seraphim umringten Madonna in der Kirche Santa Maria della Scola und die Madonna Lauranas in S. Agostino, eines der schönsten Madonnenbilder, mit denen der große Meister Sizilien beschenkt hat, die heilige Familie mit S. Georg in Santa Maria di Monialto von Pier Francesco Bissolo, Girokonto Alibrandis Bild der Darstellung im Tempel von 1519 in S. Niccolo, das Hauptwerk des Herri niet de Bles in S. Spirito, die Schätze der städtischen Gallerte, die griechischen Codices, — alles das ist jetzt vielleicht zertrümmert, zerfetzt, von Flammen verzehrt.
Dr. Walker Bombe.
NsrenEehtes.
* Vom „Bureau zur Vertiefung des Familienleben s". Im Kunstwart (erstes Januarheft) wird das folgende Zirkular der weiteren Oeffentlichkeit über» mittelt: „Sehr geehrte Frau! Gestatten Sie uns, Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zu dein freudigen Ereignisse in Ihrer Familie zu übersenden. Wir haben aus ähnlichem Anlasse eine hochfeine echt goldene Brosche mit echter Perle und Steinen anfertigen lassen, tvelche aus der Rückseite die Inschrift trägt: „Zur Erinnerung an mein Jüngstes". Wir senden Ihnen dieses hübsche Schmuckstück gerne frei zur Ansicht zu und stellen nur die Bedingung, es unfrankiert zurückzusenden, wenn dasselbe nicht Ihren Beifall findet. Diese Brosche, deren Werk über 16 Mark beträgt, liefern wir im Interesse unserer Bestrebungen zu etwa 8/4 des reellen Wertes. Diese Brosche wird auf unsere Anregung in den feinsten Kreisen getragen. Hochachtungsvoll Direktor Otto Reckentin, Bureau für Vertiefung des Familienlebens, Berlin SW., Charlottenstraße 97." — Auch wir, die diesen zeitgemäßen und geschmackvollen Prospekt ohne ein weiteres Wort der Kritik veröffentlichen, hoffen „zur Vertiefung des Familienlebens" bei«- zutragen.
* Das Gebet der Jungfrau. Eine sehr niedliche 'Lieblingsgeschichte Andrew Carnegies tveiß die englische Wochenschrift ,,M. A. P." zu erzählen. Sie handelt von einem hartnäckigen Junggesellen und einer alten Jungfer, die ganz gegen ihren Willen zu dieser Würde gekommen war. Die beiden sitzen in einem Konzert. Der Junggeselle ist im äußersten Grade musikunverständig, aber die Töne von Mendelssohns Hochzeitsmarsch kommen ihm doch ziemlich bekannt vor. „Das scheint ein bekanntes Stück", meint
er zu dein Fräulein. „Ich bin in der klasstscheu Musik nicht sehr bewandert, aber das ist gut. Was ist es?" DaI Jungfräulein schlägt die Augen nieder. „Das," flüstert sitz verschämt, das ist das Gebet der Jungfrau."
* Die Farbe der Geweihe. Wir lesen im Prometheus: Die Geweihe der einzelnen Hirscharten und auch die Gehörne der Rehe lveichen je nach den einzelnen Gegenden nicht nur hinsichtlich der Form, sondern auch in der Farbe mehr oder weniger voneinander ab. Im allgemeinen; gibt der Nadelwald dunklere Geiveihe als der Laubwald, So findet man in den Fichtenveviereu des Harzes und Thüringer Waldes, im Böhmerwald und in den Alpen dunkle, in Mecklenburg, im Rheinlandc und in den Gegenden am Harz, wo das Laubholz vorherrscht, dagegen heller gefärbte Geweihe. Die Bergländer der Donaustaaten erzeugen dunkle Geweihe, die ungarische Tiefebene bringt helle hervor. Auch die Rehbocksgehörne aus den Nadelholzrevieren des Wesergebirges zeigen eure bläulich-schwärzliche Färbung, Offenbar liegt die Ursache dieser Farbenunterschiede in den äußeren Verhältnissen des Aufenthaltes begründet, aber nicht in einer etwaigen Verschiedenheit der Aesung, da hierdurch zwar Unterschiede in den Größenverhältnissen der Geweihe und Rehgehörne entstehen können, aber wohl kaum je so erhebliche qualitative Unterschiede obwalten, daß dadurch die Farbe der Geweihe beeinflußt werden konnte. Wäre dies übrigens der Fall, dann müßte naturgemäß ebenso das Gewcihinnere beeinflußt werden und jeweils dunkler oder Heller sein, was keineswegs der Fall ist, denn das Innere ist bei allen Geweihen gleichmäßig >veiß. Auch der Eisengehalt der Bodengewächse, insbesondere der Heidelbeere, kann nicht zur Erklärung der verschiedenen Färbung herangezogen iverden, da die Heidelbeere sowohl im Laub- wie im Nadelwalde vorkommt. Und doch dürfte die Verschiedenheit der Geweihfarben in der verschiedenen Art der Bestockung des Waldbodens zu suchen feilt. Sehr wahrscheinlich wird die Farbe durch die Säfte — Gerbsäure und Harze — derjenigen Holzgewächse beeinflußt, woran der Hirsch oder Rehbock fegt und schlägt, um die wollige Bedeckung oder den Bast abzureiben, wovon das neugebildete Geweih überzogen ist. Das Fegen geschieht aber gerade im Frühjahr zur Zeit des stärksten SaftsteigenS in den Holzgewächsen, und zu dieser Zeit läßt sich das junge Geweih wohl noch in der Farbe beeinflussen, später aber jedenfalls nicht mehr. Diese Zeit ist jedoch verhältnismäßig kurz, und dieser Umstand schließt die Vermutung aus, daß es sich bei den verschiedenen Geweih f ärben um eine Anpassung au die besonderen Belichtungsverhältnisse des Laubund Nadelholzwaldes handeln könnte, zumal auch die Lichtverhältnisse im Laubwalde int Sommer und Winter verschieden sind.
* I m Theater. „Na, was hältst du von dem Stück, lieb« Therese?" — „Ganz nett, aber zu unwahrscheinlich. Sieh mal: der zweite Akt spielt drei Monate nach dem ersten, und sw haben noch immer dasselbe Dienstmädchen."
* A ns eine m Schn la uff atz. Der Fürst von Montenegro hat hunderttausend Einwohner.
Lvgogriph.
Ein frommer Sang vielstimmig klingt Au§ friedlicbem, geiveünem Crie.
Ein e daran, wenus dann noch singt, Sprich ls deutlich inhallsschivere Worte, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogrivhs in voriger Nummerr Kelle Aloe Noüer Laa
Wall Ewer; Karl Loewe»
Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag der Brülzl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerri, R. Lange, Gießen.


