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tnlägett. Als setzen, verordnen und befehlen Wir hiermit (tn=- gnädigster Ernst, daß, wonit uns künfftig ein Soldat bei unserer! Militz ohne Unfern oder eines vorgesetzten Obersten oder Com- urandanten des Regiments schrifftl'ich unter dessen Hand und Siegel erlangter Confens heimlich Nur allein verloben, nicht aber sich priesterlich CoPulireN lassen wird, derselbe 4 Wochen lang, derjenige aber, so sich auch noch darzn mit einer Weibs-Person einlassen oder heimlich wird Copuliren" lassen, 8 Wochen über geschlossen mit öffentlicher Arbeit in dem Karren beleget ,Nnd Imch deren Beschluß nach befinden auch Noch mit Stockschlügen! abgestrafft, die Weibspersonen aber nebst der dreiwöchigen Thnrn- strafe, da aber die priesterliche Einsegnung geschehen Wäre, mit sünfwöchicher Thurnstrafe und öffentlicher Ziehung eines har- Kuuehmenden Mistkarrens angesehen, und bey dem Mann im Quartier nicht geduldet, über dieses auch 'Wann der Soldat oder dis Weibsperson etwas im Vermögen hätte, von solchen ein anderer tüchtiger, lediger und montirter Kerl angeschafft und dargegeii der Soldat ohne Abschied nach/beschehener abgedachter Bestrafung von der Compagnie weggejagt, Widrigenfalls aber, und da keines derselben soviel Mittel hätte, wo fron ein anderer jetzt gedachter Waffen an seine Stelle geschafft werden könnte, Er der Soldat zwar bey der Compagnie gelassen, doch daS Weib int Quartier und auf dem Marche nicht geduldet, sondern mit Schimpfs von der Compagnie jvrtgewiesen werden solle. Wornach 'sich ein jeder gehorsamst zu richten, und vor Schaden und Schimpfs zu hüten hat. .Urkundlich itfw.
Darmbstadt, am 20. Martii 1699.
Ernst Ludwig, Lg. zu Hessen.
Vermischtes.
* Bismarck in der Literatur. Die große Bismarck- Biographie von Erich Marcks, deren erster Band soeben erschienen ist, Wirb voraussichtlich, wenn sie vollendet ist, einen Markstein in der Geschichtsschreibung darstellen, die das Bild des großen Mannes der Nachwelt ausbewahrt. Marcks grundlegendes Werk vereinigt in sich die Auffassnngen, Resultate und Quelle^ die seit mehr denn 40 Jahren eifrige historische Forschung gewonnen und zusammengetragen hat. Die ersten Vorläufer einer Lebensgeschichte Bismarcks erschienen, wie wir der vor kurzem veröffentlichten Bismarck-Bibliographie von Arthur Singer entnehmen, im Jahre 1867. Es waren die anonymen Werke „Graf Bismarck", das von Dr. Wilhelm Rudolph Schulze verfaßt war, und das in der Sammlung „Deutsche Volksbücher" erschienene „Charakterbild eines deutschen Staatsmannes" „Graf Bismarck". 1868 gab Ludwig Bamberger zum ersten Male dem Nachbarvolke in französischer Sprache eine Lebensbeschreibung des „Monsieur de Bismarck", der sich 1869 eine Biographie von dem Franzosen E. de Mirecourt anschloß. Die Reihe der populären deutschen Bismarck-Bücher leitete Georg Hesekiels prächtiges, flott geschriebenes „Buch vom Grafen Bismarck" ein, das 1871 ins Englische übersetzt wurde. Die erste ungarische Bismarck- Biographie wurde 1876 von I. Cfukassy veröffentlicht; das erste englische Werk gab in zwei Bänden 1886 E. Kriens „Prince Bismarck. Bivgraphieal sketch". Die Reihe der Wissenschaftlichen Darstellungen von Bismarcks Leben und Werken wurde durch das fünfbändige Buch von Ludwig Hahn eröffnet, dessen beide ersten Bände 1878 erschienen und die Zeit bis 1877 umfaßten. Im gleichen Jahre trat die erste der Aufsehen erregenden Bismarck- Beroffentlichungen von Moritz Busch „Graf Bismarck und seine Leute während des Krieges mit Frankreich. Neue Tagebuch- blätter" hervor, von dem in zwei Monaten neun Uebersetzungen und bis 1884 sechs Auslagen erschienen. Nun begannen auch die systematischen Veröffentlichungen von Briesen, Reden Und diplomatischen Akten, und die eigentliche Grundlage für eine exakte Lebensgeschichte wurde durch die beiden 1891 und 1892 von Horst Kohl herausgegebenen Bände „Regesten zu einer wissenschaftlichen Biographie des ersten deutschen Reichskanzlers" gelegt. Unterbetten aber hatte bie Bolksphantasie die Gestalt des „Reichsschmiedes" nicht nur in populären Lebensbildern — "1878 erschien z. B. ein „Plattdütscher Bismarck" von Wilhelm Schröder —, sondern auch in dichterische n Erzeugnissen aller Art darzustellen gesucht. Schon 1871 war eine französische Gedichtsammlung unter dem bezeichnenden Titel „Während des Sturms" erschienen, die auch eine „Epitre ä Bismarck", „den Manen der Opfer des Krieges und des Bombardements von Paris geweiht", enthielt. Auch bie französische Karikatur beschäftigte sich m Spottgedichten und -Bilder viel mit dem siegreichen Staats- manne. Zahllos sind die deutschen, an Bismarck gerichteten Gedachte. Die ihm zu feinem 80. Geburtstage gewidmeten poetischen Gaben hat E. Brausewetter zusammengestellt; sie enthalten neben d^>s_Preisliedern der deutschen Studentenschaft und den Dichter- grußen vom Rhein Paul Heyses Gedicht „Deutschlands Dank an Bismarck - Eine epische Behandlung wurde der Gestalt Bismarcks zuerst 1888 durch die „Neuzeitliche Nibelnngenmär" von H. Hofmeister „Der eiserne Siegfried" zuteil; 1893 erschien dann ©. Scherenbergs „Karfer-Gnadenblume, eine Bismarcksage in drei Abteilungen und 15 Bildern". Seinen Weg auf die Bühne hat der Reichskanzler schon 1875 gefunden. Damals schrieb der Bvr-
sitzende des deutschen Lehrer-Schriftstellerbundes Hermann JahnkS ein Genrebild in einem Akt „Nachbar Bismarck oder eine diplomatische Großmagd". Im Jahre 1881 erschien von H. Paris ein Lustspiel: „Chapeau Bismarck", 1890 veröffentlichte W. Rey- moild ein deutsches Fastnachtsspiel „Der Reichsfaßbinder", das mit 30 Personen zii agieren unb 3 Akte nebst Vor- und Nachspiel hatte. Zn gleicher Zeit kam ein Wachsfigurenscherz in 4 Bildern heraus, mit bem Titel: „Bismarck und Jules Farre". Sein; Verfasser verbarg sich hinter dem Prendonym „Hyosoiamus". Ter Scherz war für Aufführungen in Privatkreisen und Vereinen bestimmt. Ter 80. Geburtstag brachte bie Festspiele von Martin Greif: „Tas erste Blatt zum Helbenkranz", von Johanna Baltz: „Des Kaisers Krvnenschmieb" ober „Getreu bcn Hohenzollern" und von Ernst Ege: „Beim 80 jährigen Bismarck". Aus ber belletristischen Bismarck-Literatur find mtS bem Jahre 1884 der zeitgeschichtliche Roman von I. G. Findel: „Schach Bismarck" und „Ramses und seine Feinde", „Eine altägyptische Haupt- und Staatsaktion", fron M. Horn, von O. Wagner im altägyptischen Stil illustriert, zu neunen.
humoristisches.
* Rückwirkung. Hausfrau: „Was fehlt Ihnen beim!, Karolille?" — Dienstmädchen (schluchzend): „Mein Schätz ist mir untreu geworden, weil — der Herr nicht raucht!"
* „Was ist denn eigentlich aus Ihrem Neffen geworben?" „O, ber ist jetzt ein bekannter Dichter." —• „Schau, schau —. und ich dachte immer, gerade ans dem Wirb einmal was Örbentt liches."
* Verdorbene Freude. Paul und Peter sehen lauge Zeit Arbeitern zu, die eine große Glasscheibe in ein Schaufenster einsetzen. „Komm, Peter," sagt Paul zu fehlem Kameraden, „gehn wir — die lasse se ja doch net falle!"
* Stirn m t. Er: „Was machen wir nur mit unserem- Jungen; das Mädel, bie Selma, hat ihm ganz den Kopf verdreht." — Sie: „Laß sie heiraten, als seine Fran Wirb sie ihm beit Kops schon wieder zurechtsetzen."
* Gut gegeben. Witwer (znmi Sohne): „Du, wenn Wit nicht in bie Patsche kommen wollen, muß einer fron uns beiden! heiraten!" — Sohn: „Da heirate nur du, du bist's schon gewohnt !"
* Schwere R o 1 l e. Schmierenschallspieler (zu einem Herrn beim Biertisch): „Meine schwierichste Rolle is "Sie 'entschiede«! der Cäsar." — Herr: „Wieso?" — Schauspieler: „Wenn ich Sie nämlich ba tob auf ber Bahre lieche, da gifteln mich immer bis Ludersch mit Pfaufebern."
Literatur.
— Charles Dickens ' ausgewählte Werke. Ueber- fe'jt unb herausgegeben von Richard Zoozman». Leipzig, Max Hesses Verlag. Dickens' Werke erfreuen sieh in Deulfch- land seit jeher berfelben stets wachsenden Volkstümlichkeit wie in ihrer Heimat England. Den Grtmd dafür darf mau wohl in der bem germanischen Volksgeist ganz besonders zusagenden Knnstweise des Dichters erblicken, die uns einerseits das lieben ohne jede Beschönigung zeigt, anderseits es aber auch versteht, alles Tote unb Reglose in der Natur zll poetischem Leben zn erwecken und dadurch wiederum das Dasein mit einem echt dichterischen Schimmer zu rnnkleiden. Die neue Ausgabe von Dickens' Meister- lverken durch den befannieit Leipziger Klassiker-Verlag Max Hesfe ist daher freudig zu begrüßen, um so mehr, als sie in Richard Zoozmann, dem bekannten Dichter und Ueberseher, einen berufenen Herausgeber gefunden hat. Ter von Herzen fommeiibe Humor und bie tapfere Lebensbejahung, bie ans ihnen sprechen, sind ivie geschaffen, bem Leser für sein eignes Leben Mut, SluSbauet unb Fröhlichkeit zu verleihen.
Silbenrätsel.
a, ce, ck, d, d, edj, ei, cl, er, er, fe, sich, hu, la, (ast, it, nach, net, s, sau, te, ter, va, ze.
AuS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart imtereinanber gesetzt werden, baß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen einen Dichter und ein Werk besfetben bezeichnen. Es bedeuten aber bie einzelnen Wörter folgendes:
1. Landschaft in Westfalen.
2. Einen Baum.
8. Spanische Provinz.
4. Stadt in Luxemburg.
5. Einen Philosophen.
6. Afrikanisches Raubtier.
7. Fluß in Tirol.
8. Eine Waffe.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nunmer: Leben heißt träumen.
Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen llniversitäts-Buch- und Steindruckerei, i>>. Lange, Gießen,


