Ausgabe 
20.10.1909
 
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ibid Stadt der großen Hüttenwerke, El Cerro de Paseo, ge- Wöhtt'lich Mr El Cerro genannt. Alle übrigen Städte leben von Ackerbau, .Handel, Viehzucht und Bergbau gemeinsam, wahrend vre Industrie in! ihnen noch so gut wie nicht vertreten ist. «ie können als Landstädte in unserem Sinne bezeichnet werden, mit Bevölkerungszifsern von fast 10 000 bis herab zu 2000 eie haben aber immerhin eine größere Wichtigkeit, da sie Haupt- Vrte der Tepartamentos und der Provinzen sind, in die das Land eingeteilt ist. Einige Tepartamentos sind volkreich, be- soiiders das im, Süden von Nord-Peru, oder wenn man will, rn Mittel-Peru gelegene Tepartamento Ancachs oder Ancash, gesprochen Ancasch, mit etwa 600000 Einwohnern, ungefähr dem fünften Teil der gesamten Bewohnerschaft Perus, so daß auch die einzelnen Provinzen, die Unterabteilungen eines Depot - taMentos, noch die Volksziffer der kleinen deutschen Bundes­staaten haben. Man kann also die Republik der Volkszahl nach Mit dem Königreich Sachsen, die Provinzen mit den thüringischen Staaten vergleichen, jedoch nicht! nach der Fläche, denn die Menschen wohnen in der Sierra von Pern auf ungeheure Räume verteilt jnnd nur in einigen WußMern und Hochbecken ist die V-olksi- dichte ein wenig höher.

Ancachs ist ehr Wort der Quechua-Sprache,, bic1 in der Sierra stioch vielfach die eigentliche Volkssprache ist, und heißt Blau? grüu. Ter Name kommt von einem Gipfel der Huaud-oh-Gruppe rn der Weißen Cordillere, an der man größere Mengen grikv- bläulichen Gletschereises sehen kann. An diesem Gipfel rinnt «in milchweißer Gletscherbach herab, der ebenfalls den Namen Ancachs fuhrt, und da an diesen» eine fite die Geschichte des Landes wichtige Schlacht geschlagen worden ist, so hat man dem ganzen Departament» ben Namen Ancachs" gegeben. Dieses er­streckt sich etwa von 8y3 bis 10y2 0 der südlichen Breite, von der Küste ostwärts bis zu>n oder nahe an den Maraflo».

Tie Hauptstadt von Ancachs ist Huaräz, eine Landstadt mit ännähernd 8000 Einwohnern; die Volkszählung von 1906 ergab etwa 7700 Menschen. Der hauptsächlichste Verkehrsweg, um nach Huaräz zu kommen, geht von dem Hasen Casma ans. Casma ist ein guter, wenn auch nicht ganz leicht zugänglicher Hafen, aber die dlnsiedlung Puerto de Casma ist sehr klein. Gewöhnlich gehen die Reisenden weiter nach denk iy3 Reitstunden land­einwärts gelegenen Pueblo de CasMa, einem Dorf, das jedoch Hauptort der Provinz Santa und Sitz eines Unterpräfekten ist. Von hier pflegt man- drei Tage zu brauchen, um- zu Pferde nach Huaräz zn kommen. Tie erste Tagereise führt über das wüste Küstenland; nur am Ufer des Flusses von Casma sieht man .Ackerbau und etwas Viehzucht, abseits davon ist das Land eine völlige Wüste, in der man auf 34 Stunden Weges kein Wasser findet. Am' Abend des ersten Tages bleibt man in der Naiitan genannten Häusergruppe, die zwar Kasfeepflanzungen und an­dere tropische Kulturen hat, aber zugleich, wie Casma, gefährliche Sumpsficber. Ter zweite Tag führt gegen Mittag nach Pariacoto, toieberum einer Häusergruppe, die um einen größeren freien Platz herumgebaut ist und bereits art 1400 Meter hoch liegt. Auch hier sind die Berge noch völlig kahl, grau, braun, sehr iöde, aber auf dem Wege finden sich doch schon, auch abseits vom! Flusse, Pflanzungen, Tabak, Bohnen und spanischer Pfeffer, Ajl, dessen äußerst scharfe Samen1 den Speisen beigegeben werden. Zugleich erfreut sich hier das Auge an dem- grünen Schimmer .auf den höhere!» Bergen, da etwa von 1600 und 1700 Metern pu die Vegetation! auch die Gehänge der Berge zu 'überziehen be­ginnt, zunächst noch- bis etwa 2000 Meter Höhe vorwiegend Kakteen, Opuntien und Dornbüsche, dann auch die als Agave be­kannte dickblättrige Pflanze, ans deren Blattkrone haushohe Mütenschäfte aufschießen-. Bald ist der Weg völlig von den blau- grünen Spitzblättern der Agave eingefäumt, zugleich aber be­ginnen sich Sträucher einzustellen, die im April und Mai eine Fülle reizender Blüten hervorbringen. Unter diesen fällt durch ihren Tust die uns bekannte, hier aber in Form großer Büsche auftretende Heliotrop auf, deren Blütenpracht so Auge wie Nase sie gleicher Meise entzückt, umsomehr, als die Hitze der tterrnj calieute, des heißen! Landes, allmählich erfrischender Berglust Platz macht. Damit verschwinden auch die Sumpffieber der Küste, aber dafür leiden diese Gegenden, wie alle zivischeu 1500 sind 3000 Meter liegender Täler Mittel-Perus, an der bisher noch nicht genügend untersuchten Warzenkrankheit, Verruga, die l-angdanernde Störungen ini Körper veranlaßt, in schweren. Fällen lanch tödlich enden1 kanrt und von der Bevölkerung auf den Genuß des Wassers zurückgeführt, wahrscheinlich aber durch Insektenstiche veranlaßt wird.

Tie Nacht verbringt man gewöhnlich in dem Wirtshause des Oertchcus Chacchan1, einem gräulichen Aufenthaltsort, dessen einziger Raum zum Ueberimdjten an ben Wänden aus trockenem Lehm gefertigte Bettladen enthält, auf die .Kissen und Bettzcug- gelegt werden. Zurzeit ist dieser trübselige TaMbo gesperrt, weil Man endlich das Bedürfnis empfunden hat, ihn umzubauen; Reisende gehen daher gewöhnlich bis zur Hacienda (Gutshof) Llanca weiter.

Wo die Büsche und Agaven den Weg zu zieren beginnen, da tritt man irt bic Sierra ein, und zugleich; wechselt die Bevöl­kerung; art Stelle der Küstenbewohner finden wir Jnbianer- Mischlinge, die sogenannten Cholos, uttb hie und da auch noch reinfl Indianer. Auf den frischen Weiden der Bergabhänge

scheiuelt vereinzelt -oder in Gruppen die Bauteil dieser Leute, Meist runde Hütten mit Strohdächern über einem runden ©teilt» lundamc-nt, ohne Fenster und Türen; der offene Eingang ist so niedrig, daß man sich zum Eintritt bücken muß. Davor stehen die charakteristischen Gestalten der Bewohner selbst, mäßig hoch gewachsene Menschen mit dem tiesschwarzen Haar, wenig Bart, dick Füße bloß oder auf Sandalen, den Körper bekleidet mit Hose, Hemd und Poncho, der über ben Kopf geworfen wird, auf beut Kopfe breitrandigen weißen Stvohhut mit Band oder auch grauen Ftlzhut. Die Frauen tragen das Haar vielfach in Köpke geflochten, darüber dieselben Hüte, auf dem Körper aber Hemden und buntfarbige Kleider, oft von greller Wolle, auch Tücher. Ihre Kinder pflegen sie auf dem Rücken in einem! großen Tuch mitzuführen, aus dem die Köpfe der Kleinen heraus- schauen ober her aushängen; gesäugt werden diese, wenn es eben nötig ist, ohne Rücksicht auf die Umgebung, auf der Straße oder auch zu Pferde, wenn die Reise eilig ist. AngeManzt werben, die drei alten Kulturpflanzen, die Hirse Quinova, und die beibeit Kttollenplanzen Oca und Olluco, ferner die großen, bei uns vielfach Saubohnen genannten Bohnen, dann Erbsen und an Gc- treibenrtert je nach der Höhenlage Mais, Weizen, Gerste, endlich in großer Menge die Kartoffel. An Vieh sieht man besonders Schafe, aber auch Rinder, von Lasttieren hauptsächlich Esel, sel­tener Pferde und Maultiere. Diese freilich sind häufig auf den' Wegen, da die Warent alle aus Maultieren und Pferden, leichtere Lasten auf Eseln zur und von der Küste befördert werden. Ter sehr lebhafte Verkehr bringt es mit sich, daß beständig große Warenzüge, oft als arge Hindernisse für rasch Reisende, an­getroffen werden, zuweilen an Stellen, wo der Pfad das Atts- wcichen kaum gestattet. Jin ganzen aber ist der Weg von Casma nach Huaräz in einem für hiesige Verhältnisse gutem Zustande.

Ter dritte Reisetag führt über die Cordillera Negra, die schwarze Cordillere,. in einem 4200 Meter hohen Passe. Tie schwarze Cordillere ist aber keineswegs schwarz, sondern auf dem westlichen Abhang in der Höhe grün, unten braun und grau, auf dcirt östlichen oben grün, unten grau, weiß, gelb und braun. Sie führt ihren Natneu nur im Gegensatz zu der ihr gegenüber» liegenden weißen Cordillere, der Cordillera Bianca, östlich des Flusses Santa. Tie Steigung wird jetzt bedeutend, auf und ab geht es. über Bäche, an gru-neu Weidete entlang' und an Gutshöfen vorbei, zwischen deut Hütten der Cholos hindurch und am Orte Bupash vorbei auf die Höhe. Dörfer finden sich zwischen Casma und Huaräz überhaupt nicht, wenigstens keine geschlossenen Siede- lungeit, wohl aber viele Häusergruppen auf beiden «eiten des Flusses und, wie bemerkt, einzelne Haciendas, die Ackerbau und Viehzucht betreiben. Neber dem Orte Mpash liegen nur noch einzelne Hütten, Tingo, auf der grasbewaDenen Puna, dem' Graslande der großen Höhen; bis etwa 4000 Meter Höhe reichen die kandclabcrarti.gen! stachlichten, als Espinos (Tomen) bezeich­neten! Opuntien, dann herrschen Gräser und Kräuter allein. Ter Paß Callän selbst ist eine kleine GraSfläche mit großen Hauf­werken von AndesiMöcken, auf bereit einem ein Kreuz, wie überall iM Lande, die Paßhöhe bezeichnet. Wer nicht an der Bergkrankheit, an Kopsweh, Uebelkcit, Luftmangel, Herzklopfen, Schwindel leidet, kann hier an klaren Tagen den großartigen Anblick der int Osten gegenüberliegenden Schneekordillere, der Cordillera Blanca, ge­nießen, die in der Länge von etwa 80 Sm. viele Dutzende weiß­glänzender Gipfel zeigt, deren gewöhnliche Höhe an 5500, deren höchste Spitzen aber bis zu 6700 Meter erreichen. Auch selbst bei bewölktem Himmel macht die Weiße Cordillere- einen mächtigen Eindruck auf den von der dürren Küste kommenden Reisenden, und Dort ganz besonderer Schönheit ist sie in klaren Mondnächten, und des Abends, wenn die Strahlen der scheidenden Sonne ihre Häupter in rosiges Licht tauchen.

(Schluß folgt.)

Eine heiraLsvewrdmmg für das Yser aus My

dürfte! besonders militärische Kreise interessieren. Die lautet:

Von Gottes Gnaden, Wir Ernst Ludwig, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Mcrßfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Tietz, Ziegenhain', Nidda, Schauenburg, Bsenvurg und Büdingen usw. Fügen hiermit allen und jeden Unfern Ober- und Unter-Bcambten, Amts-Ber-- wesern, Kellern, Schultheiseu, Bürgermeistern uttb Gerichten, auch allem und jeden unfern Unterthemen, Eingesessenen und .Ange­hörigen ztt wissen, daß, ob wir zwar schon vor mehr als einem! Jahr bei) Unserer Militz zu Roß und Fucß eine gewisse Ver­ordnung, wie es mit der Ehelignng Unserer Unter-Offiziere und gemeiner Soldateska gehaltert werden solle, haben pnbliciren lassen, dennoch wir zu Unferm ungnädigen Mißfallen haben ver- iiehmcn müssen', Ms massen beh gedachter Unserer Militz zu! Roß und Fueß. das Heimlichs Eheversprechen und Copulirert,- sogar äusser Lands, und b-ey wjedrigeu Religions-Verwandten! fast gement werden wolle, wodurch nicht allein diejenige -Per­sonen, die sich dessen! eigenmächtig unternehmen, sich selbst in viel Ungelegenheit setzen, sondern auch durch die verheurahtete, Soldaten in den Märchen und Quartieren und sonstete große Beschwertem verursachet werden'. Damit nun dieses' Unbefugte und schädliche Beginnst endlich mit Nachdruck abge- stellet werden', imb jedermann sich umb so viel destomehr dafür! üiib Ur beü darauf gxsetzxj ustd hierunterfolgMden .Strafe hüten