Ausgabe 
20.10.1909
 
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Rheinlandstöchter.

Roman von Clarg Vie big.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

,,M), wie lieb?" Agnes eilte ihnen entgegen. Die­selbe Freude, dieselben Umarmungen wie vorhin bei Nelda. Die beiden Rosenhute wippten. Das war ein Geraschel, ein Geflatter, ein Gewirtschaste, bis sie endlich zum Sitzen kamen!

Reizend hier," sagte Anselma und ließ ihren stolzen Blick umherschweifen.Ah, Fräulein Dallmer!" Sie reichte kühl die Fingerspitzen zum Gruß.

Die Neine Röhling fand gleich Inas zu lachen, sie prustete förmlich heraus:Nein, Anselma, wie ich über dich lachen mußte, als uns eben die Offiziere begegneten! Dein Mann war tauch drunter, Agnes! Sie machten schon von weitem Front wie vor ein paar Königinnen. Und Anselma haha hör' nur Agnes! Sie spannte rasch den Sonnen­schirm auf und hielt ihn nach der Richtung; sie konnten keinen Gruß anbringen, es war zum totlachen! Ich guckte mich mal rasch nach deinem Mann um, der machte aber ein enttäuschtes Gesicht- Haha, haha!"

Alle lachten, nur Nelda nicht; das Gesicht gefiel ihr nicht, mit dem die schöne Koch auf die jnnge Frau her­unter sah'.

Warum wir kommen?" plauderte Lena Röhling weiter. Ihr müßt Ende der Woche unbedingt an der großen Partie teilnehmen, es wird eine Monstrepartie, alles nur irgend Passable kommt. Anselma und ich unterstützen das Berguügungskomitee; tuest wir besonders mögen, fordern wir persönlich auf, an alle übrigen sind schriftliche Ein- lcidungen schon ergangen!"

Nelda, weißt du was" Agnes lächelte die Freunden andeine Mutter wird gewiß deinen Papa nicht ganz allein lassen wollen, ha kannst du dich uns" jie stockte. Anselma zwinkerte ihr warnend zu, Lena trat sie unter'm Tisch auf den Fuß.Aber was ist denn? Ich weiß gar nicht"---

Agnes sah'dunkelrot und verlegen von eener zur andern. Die beiden in beit Rosenhecken wechselten einen verständnis­vollen Blick. Nelda starrte in ihren Schoß; es war klar, man wollte sie übergehen. In früherer Zeit hätte sie darüber gelacht, jetzt tat es ihr weh; sie mar empfindlich geworden.

Auselneas Lippen kräuselten sich hochmütig.Wir glaubten, Fräuleiie Dallneer sei zu sehr anderweitig in Anspruch genommen, durch" eine vielsagende Pause nun eben durch die Pflege ihres Herrn Papa. Uebrigens" die schöne Koch lächelte grausamwenn Sie teil zu nehueeil wünschen, Fräulein Dallmer, sehr angenehm!"

Bedaure!" Nelda hob den Kopf, die alte kampflelstige Stimmung kam über sie, ihre Augen blitzten.Ich danke

sehr, ich rechne es mir nicht als Ehre, in einer Gesellschaft zu fein, zu der, wie Sie sagen, alles nur irgend PassablA aufgefordert ist. Ich bleibe lieber zu Haus. Ich weiß bann wenigstens, ich welcher Gesellschaft ich bin!" Da, da hatten sie's! Nelda fühlte sich ordentlich erleichtert, der Druck auf ihrer Brust war augenblicklich fort. Sie sah sich mit einem herausfordernden Blick um, ihre Nasenflügel zitterten leicht.

Ganz wie sie wünschen, Fräulein Dallmer!" Anselma von Koch neigte den schönen Kopf; sie war eine wohlgeschulte junge Dame, keine Muskel in ihrem Gesicht zuckte.A propos, Agnes, was ich dir sagen wollte" sie legte der jungen Frau die Hand auf den Armhat dein Mann dir nicht erzählt? Der Leutnant von Rainer der mit der Vergangenheit, du weißt doch! ist nach Mainz ver­setzt als Hauptmann ; gestern ist's herausgekommen. Papa sagt sehr angenehm für die Achtmeosechziger, daß er wea- kommt, man sieht doch nicht gern solchen Namen im Regi- ment. klebrigeres, er hat selbst seine Versetzung nachgesucht; er soll hier irgend eine Liaison haben, der er wohl gern ein Ende machen möchte," '

Log sie? War das wahr?! Der letzte Ton der klingenden Stimme Ivar verhallt. Neldas Ohren füllte ein gewaltiges Rauschen, ihr Herz pochte rasend; wie leerer Schall glitt alles an ihr vorder, nur deutlich das eine: er geht fort, fort nach Mainz! Sie hätte aufschreien mögen vor Schmerz. Aber bann: Hauptmann Hauptmann! Ihre Blicke verdunkelten sich und plötzlich ein blendendes' Licht, eine paradiesische Seligkeit Hauptmann, Haupt­mann ! Nun war es Zeit, nun konnte er sprechen!

Ungestüm sprang sie auf.Ich muß jetzt gehn, adeeu,

Adieu, Nelda!" Die junge Frau sagte nichtliebste Nelda," jihr Kuß war einigermaßen befangen, sie war zu befremdet. Was sollte dies alles?!

Adieu!" Nelda nickte Lena Röhling zu, Anselma von Koch streckte sie die Hand hin. Ans einem plötzlichen Impuls hatte sie's getan; die war doch die erste, die ihr die Freuden­botschaft gebracht, was waren da all die kleinlichen Nadel- fließe?!

Die andere nahm die Hand, ein leichtes Rot glitt d<p> bei über ihr stolzes Gesicht; sie senkte den Blick.

Bald Mitternacht, Mein lieber, mein guter, mein geliebter

Ferdinand!

Ich bin glückselig! Du bist Hauptmann geworden r- gestern schon ich gratuliere Dir viel, vieltausendmalr Könnten wir jetzt beieinander sein, mir eine einzige, kurze Minute. Heut bei Ostens erzählte es Anselma von Koch; ich glaube, ich habe mich sehr töricht benommen. Ich bin über die Schiffbrücke gestürzt, ich rannte an Deinem Hans vorbei zwei, dreimal ich dachte, meine Liebe mußte Dich an's Fenster ziehen, Du mußtest mich scheu, Du