— 587 —
un‘
tiHJ
M--
■yetminbern W»ii> Wir in 10 bis' 15 J'ahrm vielleicht eines der nüchternsten Völler Europas sein.
Die verbündeten Regierustgen stehest int Kampfe gegen den Alkoholmißbrauch jedenfalls auf unserer Seite, denn schon seit langem Planen! sie eine Verschärfung der bestehenden Schank-' gefetzgebung. Ich persönlich verspreche nrir von der Polize:gesetz- gebüng, die vielfach so leicht zu umgehen ist, Ni<A allzuviel Erfolg. Ich 'erwarte mehr von Sitte und- Beispiel. Von vorbeugenden! gesetzlichen Maßregeln möchte ich es aber immer noch für das wirksamste^halten, Schankschulden Ivie Spielschulden zu behandeln, d. h. für nicht klagbar zu erklären.
Daß die Regierung unseren Bestrebungen freundlich gegemwer- steht, ergibt sich 'auch daraus, daß einzelne Behörden zur Verminderung des AlkoholgeNusses in ihrem Geschäftsbereich geradezu musterhafte Einrichtungen getroffen haben. Auf Verminderung des Alkoholgenüsses Werben unzweifelhaft auch 'die urt Reiche kürzlich eingeführten erhöhten Alkoholsteuern hinwirken. Ob die Regierungen auch hierbei an die Förderung unserer Bestrebungen gedacht haben, möchte ich 'freilich nicht mit gleicher Sicherheit behaupten. Jedenfalls bedauere ich, daß jemals der Gedanke aut- tauchen konnte, auch alkoholfreie Getränke der Betreuerung _ y.i unterwerfen, und ebenso beklage .ich es, daß mast ans Kanee Ntid Tee einett erhöhten Zoll gelegt hat, im vollen Gegensatz zu dem Standpunkt, welchen die Kommission des Reichstages bet Beratung des Zolltarifs einttahM, indem sie daumls gerade zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauches nnb zvr Forderung des Genusses alkoholfreier Getränke den Zoll auf Tee und Kaffee tzerab-
Graf PosadsWZky Ader den MsholmWmuch.
Dieser Tage hat auf der Hauptversammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, die m Nürnberg tagte, Staatsminister a. D. Dr. Graf Posadowskh- Wehner einen Vortrag gehglten, der ernste Beachtung verdient. Graf Posadvwskh sagte:
Sie haben Ihre Sitzung in einem Staate anberaumt, zn welchem das Alkoholgewerbe eine hervorragende wlrtschaftriche Bedeutung hat, gestützt auf eine.mit großer Einsicht geführte Ed- wirtschaft. Daneben hat der Staat an dem Bestehen die,es Gewerbes ebenso wie das Reich ein hervorragendes ftskalifches In- teresse. Es könnte hiernach scheinen, als ob zwifchen den Ii teressen des Staates und bett wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und des Alkoholgeroerbes auf der einen Seite und zwischen Ihren Zielen, die auf eine Verminderung des Alkoholgenüsses hm- strebeN, ein unüberbrückbarer Gegensatz bestände. Eni solcher Gegensatz scheint mir aber nicht unbedingt zu bestehen. Ich! glaube, selbst die größten Optimisten unter Ihnen werden nicht glauben, daß der MSolwlgcnuß gänzlich uiiterdrückt werden kaNtt und wird, wenn auch die schärfere Richtung unter Ihnen dieses Ziel aufs dringlichste zu erreichen sucht. Ich glaube, wir könnten cs schon als einen sehr schönen Erfolg betrachten, wenn die Heranwachsenden Geschlechter nur das Quantum an Alkohol verbrauchten, um das sich der Alkoholgenuß des lebMen Geschlechtes allmählich verringert, mit anderen Worten, Wenn der absolute Verbrauch an Alkohol zu einem BeharruNgszustande gelangte. Bei unferer schnell wachsenden deutschen Bevölkerung würde sich dann das auf den Kopf der Bevölkerung Mfgllen.de Quasttum Alkohol schnell
f Bote
' Der Mißbrauch alkoholischer Getränke verstößt unzweifelhaft gegen die guten Sitten: Der Staat hat sittliche und ideale Auf- aabett zu erfüllen. Wenn wir durch die Bekämpfung des Atkozpli«- mus schlechte Sitten durch gute ersetzen wollen, so Wen W hiernach den Staat mit vollem Rechte als unseren üaturlichett Bundesgenossen betrachten. Sollte indes im Lame der Zeit durch
fere Bestrebungen ein Rückgang der Alkoholsteuern emtretett und damit eine Verminderung des fiskalischen Einnahmen, so wird sich dieser Ausfall für Staat und Gemeinden fedenfallI reichlich decketi durch die MinderausgabeN auf dem Gebiete per Polizei, der Rechtspflege, des Strafvollzuges und der allgemeinem
Friß blieb stehen, unbeweglich. Ich! freute mich schon Und frohlockte innerlich, daß die Kugel fehlgegangen. , . Aber plötzlich sank Fritzens Hand. Ich merkte, tme er Noch einmal versuchte, sie zu erheben. Es gelang nicht, sie sank wieder. Die Pistole glitt zu Boden. . Ich hatte mich sofort bei dieser Bewegung genähert. ZiesoW, auch der Arzt kam herbei. Wir zögerten noch einen Augenblick.. Wir konnten's nicht fassen, nicht verstehe,t. Da brach Frch ut die Knie und fiel leise, ohne einen Laut auszustoßen, vornüber. Mit dem 'Gesicht blieb er im Grase liegen.
Wir drehten ihn herum. Der Arzt untersuchte. Fritz hatte die Augen geschlossen. Er schlug ste noch einmal auf. Mir war's, als träfe mich sein Blick, aber nicht ängstlich, sondern befriedigt und stolz, als wollte er sagen: Gott sei Dank — vorbei, und die Nerven haben gehalten! Dann klang noch ein leises Röcheln. Der Arzt zuckte die Achsel und sagte, aus der knieenden Stellung im Grase zu uns a.ufblickend:
— Ich bin überflüssig.
Ich war so niedergeschmettert, daß ich mich nicht zu fassen wußte. Ich begriff nicht, es wär alles so furchtbar schnell geschehen, und ich merkte, daß es allen andern auch so ging. „ _ t .,
Nun traten die übrigen Herren heran. Ter lebhafte, kleine Herr Petrowitsch fing an zu barmen und m jammern. Er war ganz außer sich. Herr Boschano!vtisch stanb steif dabei. Aber ich sah, daß er gerührt war. Auch ^ritzens Gegner wollte sich ihm nähern. Doch da stand Zcefow auf, stellte sich vor die Leiche und sagte, indem er kühl den Hut lüftete *
—'Sie erlauben wohl, daß wir die Sache jetzt allein erledigen. t ,
Die Serben grüßten und zogen sich zuruck.
Der Arzt blieb da. Ich hatte zuerst geglauot, es mußte ein Schuß ins Herz sein, aber die Kugel war m den Hals' gedrungen und offenbar in der Wirbelsäule stecken geblieben. Ein Austrittskanal war nicht zu sehen.
Ich aber sagte mir, als ich neben dem toten Freunde die Hände faltete, um ein leises Gebet zu sprechen, nnb innerlich nach Worten suchte, wie ich vor meinem Schöpfer diese Seele verantworten sollte, es sei eigentlich für den unglücklichen Freund gut, daß es so gekommen. Wollte er die Kämpfe ausfechten, so war sein Todesurteil doch gesprochen: traf ihn nicht der erste, so traf ihn der zweite, dritte oder der vierte. Die Qual ward nur verlängert, und dann hielten vielleicht doch seine Nerven nicht mehr stand.
Und als ich mich von beit Knieen wieder erhob und das blasse, ernste, aber doch friedliche Gesicht dst unten betrachtete, sprach ich mir:
— Es ist gut so. Er ist glücklich. Und ein Feigling war er doch nicht, denn er hat seine Nerven überwunden, wie es unser alter Oberst verlangt.
Ja, es war gut so!
Wohlfahrtspflege. , , ,, m •
Wir haben aber wirkliche Gegner, gchemte und otftne. Bet iinserer Stellung zur Oeffentlichkeit muß ich bisweilen an eine Inschrift deuten, die ich 'irgendwo über dem Tor eines bltett Rathauses fand. Ich glaube, es war tn Wernigerode. Dort htetz fg': „Der eine acht's, der andere betracht'S, der dritte verlacht s>
habest 6;etoitg; Weü£j Preise erobert, die unserer Bewegung Achtung zollen'; namentlich ut den Großstädten hat die Beschränkung des Alkoholgettusses m allen Krctsen der Gesellschaft offenbare Fortschritte gemacht; weniger ist dies vuu- leicht der Fall in der Provinz, wo es biswetlett an gettugendep geistiger Anregung und au Gelegenheit zu erlaubten Zerstreu- ungen fehlt. Eine Persönlichkeit, bte berufsmäßig verpflichte! ist, öffentliche VersamMümgeik in Berlttt zu besuchen, sagte nur, daß Nian in srüherett Jahrzehnten dort btelfach angehet.erte Personen getroffen hätte, während 'sich letzt solche Versammlungen! meist ist größter Mchleruheit, Ruhe und Ordnung vollzagen.
Sehr viel« unserer Mitbürger betrachten aber leider Nüx unsere Bestrebungen; es sind das die Gleichgültigen, die nach Tantes Göttlicher Komödie aus dem aschgrauen Rande des Feg^- seüers sitzen. Jene geistig- tragen Egoisten, bte da Mubest, be.ft die Teukschen, seit sie eine Geschichte habest, trinkfeste ^eute waren und vost dieser Leidenschaft nicht ablasten werden, so lange es eine deutsche Geschichte gibt. Diese Gleichgültigen haben noch! nicht die Bedeutung unserer Bewegung für Mster gesanckr» leben zü begreifen vermocht. Sie haben! noch nicht ernannt, daß die Mäßigkeitsbewegung nur ein untrennbarer Teil einer not« wendigen uttb vernünftigen Sozialpolitik ist, dH. jener flößen Bew-eauna unserer Tage, bte bewußt bahm strevt, allen K tetsett unseres Volkes bas, höchstmögliche Maß geistigen, sittlichen und körperlichen Wohlbefindens zu sichern.
Einen mir bekannten Franzosen, mit dem ich einmal m FrE reich durch eine französische Provinztalstabt ging, wtes ich pM- auf die ungewöhnlich große Zahl von Cafes, m beiten man wentger [ Kaffee als höchstbedenkliche nlkohGetränke zu verbrauchen, pstegt.
antwortete mir: „Was wollen Ste? Die Cafes smb bte Salons ber kleinen Leute" Ich kaust nicht leugnen, baß btese Etti chul- biquttg eine gewisse innere Berechtigung verdtettt. Der BcLM» der asts dumpfiger Amtsstube ober aus larmenben und s.aiwtom Fabrikrämuen abends nach getaner 'Arbeit nach Hause konmtt und m'n-mfV oemütliches, stilles Heim findet, wirb nur zu leicht Versucht sM, im Wirtshaus. .Licht, Wärme und Gesellschaft zu suchest, um bte Mühen unb Sorgen der Arbeit ustb vielleicht auch | skamilimkummer für' ein paar Stundeu zu vergessen. Im Alkohol glaubt er einen Sonnenstrahl vorübergehenden Glückes zu trinken.
Es ergibt sich 'hieraus, baß die Alkoholfrage ebenso Jettfl! I der Wohnungsfrage zusam-mesthängt, wie mit bett Fragen bei BolMesmtdheit und ber Kriminalität. Daß bie Alkoholtrage nur ein Teil ber sozialen Frage 'überhaupt ist, fotnntt m unserem i&ereine zstm sichtbaren Ausdruck, da sich him VerwaltungSoeamw, | Juristen, Lehrer, Aerzte nttdi Svziätpolitiker rusaWnengefunlwk


