Ausgabe 
20.5.1909
 
Einzelbild herunterladen

My Kk. 79

sfiTj

M

WW^

IllliliS

ihuw? B ]

M

MZ

seiner

mit ruhiger Stimme.Er kann ja mal mit ihr reden, **

Mehr durfte er nicht sagen, wenn er sich nicht verraten wollte.

*

Frauke war nicht wenig erstaunt, als Friech Jensen ihr die Stellung auf Spätinghof in Vorschlag brachte.

Ich will mir's überlegen," sagte sie,kommen Sie doch in einigen Tagen mal wieder vor." _

Tag und Nacht überlegte sie. Ihr Herz sagte bedrn» aungslos ja; ihr Verstand riet ihr ab.

" 'Führe mich nicht in Versuchung!" betete Frauke.

Jan liest sich absichtlich nicht sehen; er wollte sie nicht drängen. Sie sollte ohne seinen Einfluß mit sich selbst ins reine kommen.

Lockende Bilder ließ die Versuchung vor Frankes Augen aufsteiqen. Welch ein schönes Heim voll Liebe und Frieden ward ihr geboten! Sie brauchte sich nicht mehr git bangen, hatte es nicht nötig, sich in fremder Leute Launen zu schicken. Aber wenn Tiire zurückkäme? Nun, dann wurde Jan weiter sorgen; er verließ sie deshalb doch nicht.

Führe mich nicht in Versuchung!" betete Frauke.

Bis jetzt hatte sie keine Sünde begangen. Sie tour', i trotz ihrer treuen Liebe, rein geblieben.

Aber wie, wenn sie stündlich, täglich mit dem Geliebten I zusammen war? Wenn ihre Straft dann nicht mehr auv» I reichte, dem starken Manne zu wehren? ,r

Nein, nein, es ging nicht; ihre Mädchenehre ging ryr über alles. r

Wenn Friech Fensen wiederkam, wollte sic ihm faßen, I daß es nichts für sie wäre, und sie war sicher, Jan würde sie verstehen. - t n

| Am Abeiid ging sie zu dem Grabe des Vaters. Lange kniete sie an dem frischen Erdhügel, auf dem welke, modernde j Kränze lagen. Still betete sie um Kraft und Trost.

Als sie sich erhob, stand Jan vor ihr.

Sie reichten sich die .Hand und gingen nebeneinander

I bis zur Kirchhofspforte. ,

| Wenige Worte nur wechselten sie.Hast du dich ent»

I schlossen?" fragte Jan. . .

IJa," sagte sie ruhig.Morgen wird Friech dir Be»

I scheid .bringen."

|Ich danke dir, Frauke," flüsterte er.

Frauke sah uicht nnf. lieber ihren Häuptern rauschten | die alten Kirchhofslinden. Da blickte sie doch aus und I blickte in Jans Antlitz, das von Liebe und Sorge Der» I klärt war. ~

So gingen sie auseinander. In Fraukes Herzen fing I es an zu singen und zu klingen. Als blühe in ihr ein I neues, wonniges Gefühl auf. ;

Vor ihrer Haustür wartete Friech Jensen auf ne. I Friech Jensen mit dem Knotenstock und der kurzen Pfeife. I Und in Frauke sang und klang es und rief nach Liebe,, Ja, ich habe mich entschlossen," sagte Frauke in

Spätinghof.

Nloman von K. v. d- E i d LL- (Nacljdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wenige Wochen nach diesem Tage wurde Fan von Haushälterin der Dienst aufgesagt.

,Der Bauer wird mir's nicht verargen," sagte Jette Dau.'Hier in Witzwort sind die Aussichten für mich gering, weil es hier weniges lediges Mannsvolk gibt, ^ch habe eine Stelle bei Reimer Schmidt in Drage angenommen. Er ist Witmann und hat zwei erwachsene Sohne. Da kann eine arme Deern eher ihr Glück machen."

Jan hatte anfangs nicht gleich verstanden; dann be­griff er: das arme, alte Mädchen sehnte sich nach einem eigenen Herd. Nein, das konnte er ihr nicht verargen.

Noch an demselben Tage gab er dem Mietmann Be­scheid, ihm zum ersten November eine neue Haushälterin

zil mieten. I

Es dauerte nur vierzehn Tage, als sich Friech <r>cii)en, I der Mietmann, auf Spätinghof einfand.

Ich habe ein Stücker drei auf die Wahl," sagte er, | nun kann der Bauer aussuchen."

Jan Thomsen schob dem Manne den Tabakskalten hin: Stopft die Pfeife, Nachbar!"

Friech Jensen nahm den Tabakskasten zwischen die Knie und begann:Da ist die Tochter von Thieß Klasen aus Seeth. Ihr Vater ist Schneider Sie ist eine ganz an­sehnliche Person. Nicht groß, aber noch ganz ansehnlich, bloß ein bißchen schwach auf die Brust, aber"

Nein, nein, gesund must sie sein."

Na, dann hab' ich noch dem Schmied seine aus 0|ter» wohld, eine recht nette Person und ruhig dabei. Sie hat wohl ein bißchen rares Mundwerk, aber sonst wirklich ganz ruhig, und der Bauer ist ja auch sachtsinnig Wenn ihr man" nichts in die Quere kommt, denn" r. z

Ne, Friech, das ist mir zu ängstlich, unter die Tofseln möchte ich doch nicht."

Ja, denn ist bloß noch dem Kantor seine. Das ist ja ein rares, arbeitsames Mädchen, und mit der Milchwirt­schaft weiß sie auch Bescheid, denn Kantors haben vor der Pensionierung doch auch Kühe gehabt. Ja, mit der Milch­wirtschaft weiß sie Bescheid. Na, und in die vernünftigen Jahre ist Frauke Steffens ja."

Diesmal hatte Jan den Mann ausreden lassen. Er hatte Mühe, äußerlich gelassen zu bleiben. Also Frauke, . feine vielgeliebte Frauke, suchte eine Stellung als Haus­hälterin! llnd er zögerte noch, ihr die Stelle iit seinem Hause cknzubieten? Er wollte es zugeben, daß sie zu fremden Leuten ging, wo er ihr keine Decke unter die Füße breiten konnte?

Ja, tüchtig soll sie ja sein,"- erklärte Jan Thomsen