Ausgabe 
20.3.1909
 
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sprochen Hat, Sie heiraten zn wollen, so war das damalA Wohl ebenso ehrlich gemeint, aber es war mkkusMrbar und- er hat Ihne» das ht letzter Zeit auch, wie ich weiß, wiederholt ange­deutet, ohne daß Sie es anscheinend verstehen wollen. Er leidet, wie gesagt, schwer darunter -- wir Manner sind nun einmal so, wir wollen für wfete Liebe ein Ziel sehen, wir können nicht geduldig aus etwas noch dazu ganz Unsicheres warten geben Sie Hassingen frei-, Fräulciii Helene!"

(Fortsetzung folgt.)

Vas Volkslied in Oberhessen.

Von Pfarrer O. Schulte, Großen-Lindcn.

VI.

Gehen wir zu den Spottliedern über! Ter Spott fleckt ja unserem Volke im Herzen. Wir haben Spottnamen, Spvtt- i'einte, Spottlieder. Alle drei Arten finden sich in Oberhessen Überall.

Ganz besonders aber hat der Schneider unter dem Spotte zu leiden. Von ihm handelt auch das folgende Lied. So ein­fach verständlich es auch aussicht, den eigentlichen Spott hört nur der Wissende heraus. Im hohen Vogelsberge gilt die Katze, nicht die Geist, wie sonst, als das Lieblingstier des Schneiders. Tas hat seinen Grund. Wenn der Schneider dort aus, dem vom Bauer gelieferten Tuche diesem einen Anzug ansertigt, so sagt ihm der Volksmund gern boshafter Weise nach, daß er .einiges für sich behalte. Wahrend man sonst spricht:Er kommt in die Hölle," äußert der Vogelsberger:Ter Schneider hat mit ihm nach der Katze geworfen", womit er die Vorstellung verbindet, daß es auf die Erde gefallen und nmn bei Seite geschafft wor­den sei. Von hier aus wird auch verständlich, wie die Redens­art:Tas ist für die. Katz" entstanden sein mag. Wir wollen binnit sagen:Tiefes oder jenes hat keinen Wert", und der Schneider, der mit einem größeren Lappennach der Katze" wirft, erklärt sinnbildlich dasselbe, lind nun verstehen wir, warum das folgende Liedchen den Schneider so wütend sein läßt über den Verlust seiner Katze und so glücklich über das Wiederfinden.

Tas, Lied stamnit aus Eichelhain. Ich, habe cs sonst noch nirgendwo gehört.

Isiil D i

1. Der Schneider hat die Katz' verlor'», könnt'sie nicht fin-den,

-

sucht dnö ganze Häus-chen aus, könnt'sic nicht finden.

2. Und als er sic nicht finden könnt'. Fing er an zu zanken,

:,:Frau, schaff' mir die Katz' ins Haus, Sonst mußt du wanken!" :,:

3. Und als er sie gefunden halt'. War er so froh-, ja froh, :,: Tippte mit dem Finger drauf: Manschel, bist du do, ja do'?" :,:

Das ganz kunstlose Lied macht den Eindruck, als ob es, wie oben dnrgelegt, in einer Burschcnspiunstnbc, unter Anlehnung auf ein wirkliches Ereignis, dem Schneider zum Spott gedichtet worden sei. Tie Weise scheint auch von anderswo hergenommeii.

Dieses Liedchen mürbe einst auf einer Hochzeit von einem Schmiede auf den. ihm gegcnübersitzendei! Schneider, den er auf- ziehen wollte, gesuitgen. Ter Mann sprang dabei auf, setzte die Hände auf den Tisch, und so fing er an. Ter Schneider hörte es ruhig au, aber dann sprang er auf und sang demSchweißer" ein Spottlied auf dies Handwerk. Man sieht, man braucht nicht in die Alpen zu gehen, um Trutzlieder zu hören.

Teu Spoktliederir rechne ich auch das folgende, aus Ober- Erlenbach bei. Frankfurt stammende Lied zu. Obgleich es auch bis in die Nahe Gießens, wenn auch verändert, gedrungen ist (Grosteit-Lindenh sieht man doch gleich, daß ein anderer Geist oarm locht, als in _bcn Vogelsberger Liedern. Wer den Lokal- dichter Frankfurts, Stoltze, kennt, merkt gleich, daß derselbe Geist nltch tn dessen Gedichten weht. Ter Spott ist schärfer, humor­voller, witziger, breiter, als im Gebirge.

Tas Lied ivird gewöhnlich in Ober-Erlenbach bei der Hoch­zeit gelungen. Reällehrer Grimm aus Gernsheim hat's dort aufgezeichnet.

i ES so all sich doach koa-ner ment d'r Läi-be oab-gea-we, j 11 ( dal brcngk joa su manchen schl - inc Ker-le imS Leawe, i

3K

Do hont mir mal Tritt-schel die Läib oab - gc - sank, sich

hu» se tier - klaak, aich hun se der - klaat.

2. Wni harr aich doach immer doas Maadche su gern, Täi sonllt joa nach endlich mai Fraache wem.

To plookt se d'r Taiwel nun woallt maich näit mii, Doas wor joa näit schii.

3, Woas hun aich dem Maadche für Bänder grkaafk, Ulin hun se fit manchinoal hn Aeppelwai versagst, llnn als m'r minanner vom Ma ad haant sai gange, To woallt aich säi fange.

4. Trim dout m'r nach immer mai Herzi su wih, D'r Dokter, der soall nach baal üiver mich gih.

Aich kamt näit mii spoarn, aich kann näit mit werbe, Aich muß etz baal sterwe.

5. Eann sain aich gestoarwe, su loastt maich begroawe, Uitu loastt m'r vom Schreiner sechs Tttile oabschoawe, Unit loastt 'n nach e bissi mcat Bleach beschloage, Taß die Leut deiiooch frooge!

st. Vergcaßt nach uet eabbes uffs Groabloch se seatze> n fchnieweiße Staa inet monrmorne Featze, Umt loastt nach zwa faurige Herze druff moale, Aich will's joa bezoahle!

7.Hai lair er, d'r Kerl, der an d'r Läib eas gestoarwe, E prächtiger Kerle, der sich vill hat erwoarwc.

Hc ging immer su fai nun so wärst wäi die Kiwire." Toas loaßt m'r druff schraiivc!

Man vergleiche mit obigem Liede das Lied imWunder- hsorn".

>,Jch halt' nu Mei Trutschel in's Herz uei gefchlofse, Sie hakt mir geschworc, sei will mich itet lasse, To reit mir der Teufel den Schulzen sei Hans, Der führt sie zum Tanz" usw.

Nicht nur die Form, der Inhalt ist derselbe, auch so manche Ausdrücke und dialektische Formen weisen in dieselbe Gegend.

Ten Beschluß der Lieder soll einLärmen" bilden. Dieserj Ausdruck, der sich nur noch im. Buseckertal zu finden scheint, bedeutet ein kurzes Liedchen, das gewöhnlich nach einem Tanze Bnrschen und Mädchen zusammen fingen. Sie legen, paarweise, nebeneinander stehend und einen großen Kreis bildend, die Hände aus die Schultern der rechts und links daneben stehenden! Personen, und dann wird bei: Lärmengchept", indem sie all« zugleich in die Höhe hüpfen und singen'. Es ist nichts Schönes« meist ein wirkliches wüstes Lärmen, und verdient es, daß eS, wie es den Anschein hat, untergeht.

DWMWJWZU- - g

Ach, wär' ich ein-mal, ein -mal im Bu-sck - ker

Tal! Wo die Schönheit der Mädchen und die Falschheit der

] Üi

Bürschchenach,wär' ich ein-mal, ein-mal im Bn-sek - ker Tal! .

Es mag mit diesen Liedern, die nur eine geringe Zahl aus einer sehr großen Menge darstellen, genug sein. Ich hoffe, daß meine Leser wenigstens einen kleinen Einblick getan haben in eine Welt, die des Schönen viel hat. Aber ich hoffe auch zugleich, daß viele anfangen, diese Lieder zu samNieln. Dazu anzitregcn und zu bitten, daß die gesammelten an mich oder die hessische Vereinigung für Volkskunde" in Gießen eilige» sandt werden, ist mit der Zweck dieses Aufsatzes: Auch wir Oberhessen müssen so weit kommen, wie die Odcnwälder, die in der von Krapp herausgegebenenSpinnstube" eine schöne Sammlung haben, die zu billigem Preise jedem zugänglich ist. Darum.an die Arbeit! Jeder Beitrag ist hoch willkommen. Ich bin überzeugt, daß. die Redaktion des Gießener Anzeigers bereit ist, von Zeit zu Zeit die schönsten zu veröffentlichen.