Ausgabe 
20.3.1909
 
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Er nahm c§ auf. W stellte Lisbeth und .Helene bar, Arm. in Arm.

Tie blonde Brant straWend und blühend schon, -Helene mit so schwermütigen Augen iit einem Gesichtchen, dessen rührende Blässe mau ahnte, daß der Mann leicht zusamwenzuckte und die Sorgenfalte auf der ßtirn sich schärfer grub.

Ich habe cs in Harzburg ausgenommen," erklärte Espach. Tn weisst natürlich, daß Helene dort ist."

Es mar nicht ost der Fall, daß Helene Falks Name zwischen den Freunden genannt wurde, aber heut ftihlte Espach, daß der Freund sich gegen ihn aussprechen, wallte, und er wollte »cs ihm erleichtern.

Ja, ich weiß!" sagte der blonde Offizier,sie quält ja beständig, ich solle mal hinüberkommen, aber erst höre unter Dis­kretion, was mich zu dir führt. Ich habe heut einen Brief von einem wildfremden Mann erhalten, in dem er mich, geradezu flehentlich bittet, Helene Falk, Menn ich sie wirklich liebte, frei zu geben, weil diese Sache doch aussichtslos

Espach blickte ernst, aber befriedigt auf, ohne sich weiter über die Einmischung des Freniden zu wundern.

Tas ist längst meine Ansicht, Hans', dn mußt ein Ende machen."

Hassingen strich sich über die feuchte Stirn und! stöhnte ans.

Ein Ende machen! Tas sagt sich so leicht, Walter, ich Witts ja selber gern und bin schon seit langem bemüht, ihr die Hoffnung zu nehmen, die ich ihr in einer besinnungslosen Stunde gab aber dn solltest ihre Briese lesen, diese herzzeckeiKendie-N Priese. Immer die Bitte: Nur seht noch nicht, nur noch ein letztes Wiedersehen "

So fahr doch mal mit nach Harzburg hinüber, Hans!"

Ter wehrte geängstigt ab. ;

Ich bin feig, weiß Gott, ich fürchte mich vor ihrem Anblick, und ich kenne mich, ich würde hart bei einer Rührszene, iueil ich nm keinen Preis mehr weich werden darf. Zn einem versöhn­lichen Schluß soll es doch zwischen uns' kommen."

Tas wird es auch, Hans, davon bin ich fest überzeugt, dieser wildfremde Mann, der so- besorgt nm die kleine Helene ist, wird sie auch zn trösten.wissen, und bn du wirst die teiltet Schil­derung nach reizende Frau Don Meding heiraten."

Hassingen spielte nervös mit der kleinen Photographie.

Ich weiß gar nicht, wo sie sich aufhält, Walter, also liegt diese Möglichkeit in sehr weiter Ferne. Ihr Vielliebchengeschenk kam vor drei Wochen ans Berlin, gestern schreibt mir mein Onkel zufällig, die Besitzerin von Meusdorf befände sich wieder einimu aus Reisen, ruhelos wie stets."

Aber dn liebst sie, Hans?" fiel Walter Espach ruhig ein.

Eine kleine Panse.

Ter blonde Offizier ivar rot geworden.

Tie Antwort erlöst mir, Walter, die hab ich mir bis zur Stunde selbst noch nicht gegeben. Kann cs auch nicht, ehe icl Helene nicht aus meinem Leben gestrichen habe. Ich würde daun vielleicht zlvci Frauen untreu sein, und das geht mir wider die Natur. Aber jetzt sag mir, was soll ich. denr Manne," er machte eilte Bewegung nach, der Stelle, wo der Brief in der neuen Kroko dilledertasche mit dem ausgesetzten, massiv goldenen Monogramm, beut Geschenk Lena von Riedings, ruhte,antworten?"

Walter Espach samt eine Weile nach.

Schreibe ihm vor allen Dingen, wie du mit .Helene ge­standen, wie poetisch, wie rein Eure Liebe gewesen ist, das kann, auch wenn der Mann nichts Häßliches über Euer Verhältnis denkt, doch viel Wert für ihn und für Helenens Glück haben. Sei so ehrlich gegen ihn, wie du immer bist, mein Junge, schreib ihm, was du mir gejagt hast, und im. übrigen denke an die Trennung von dem Mädchen, ich halte nichts von der Schonung, der rasche Schmitt ist die beste Heilung."

Hans Hassingen erhob sich schwerfällig. Er hatte das Bild noch in der Hand, jetzt legte er es, einen letzten Blick darünt werfend', auf den Schreibtisch.

Schwer ist's doch, Walter, o Gott, sehr schwer. Lache mich aus, du bist im Recht, das Herz, das schon zu einer anderen hin strebt, kann sich von der alten Liebe nur mit Schmerz lösen. Glaube mir, hätte ich Helene heiraten können, nie wäre mir eine andere Fran gefährlich geworden."

Walter Espach war neben ihn getreten.

Glaub ich dir gern- Hans, und auch, daß dir das Scheiden von Helene weh tut, aber es ist hohe Zeit, auch für dich, daß. es kommt, du reibst dich auf in diesem Hin und Her, diesem nutzlosen Kämpfen."

Malter Espach wußte am besten zu beurteilen, was der blonde Kamerad in diesem Jahre voll Krankheit, Geldsorgen und innerem Zwiespalt gelitten hatte.

Als er allein war, ging er noch eine Zeitlang int Zimmels auf und ab, wie. immer, wenn er irgend einen Entschluß fassen wollte.

Er sah ein, daß feine Freundespflicht ihm gebot, bei denr Punkt für Hassingen einzuspringen, wo dessen Energie versagte.

Wenn er am Sonntag nach Harzburg hinübersuhr, wollte er mit Helene Falk sprechen.

*

Es begünstigte seinen Plan, daß Lisbeth ihn diesmal allein! am Bahnhof erwartete. Helene und Fran Schäffer waren in die Kirche gegangen.

Sie sah brillant ans, blühend in Gesundheit, die nach, einem! alten Satz schon an sich Schönheit ist, und strahlend vor Glück.

Tas Vorhaben Walters weckte zuerst ihren Widerspruch, sie hing mit großer Liebe an der armen, kleinen Helene, und der Gedanke, daß ihr Bräutigam es übernehmen wolle, ihr den letzten, tödlichen Stoß zu versetzen, war ihr entsetzlich.

Aber sic war nicht umsonst auch die vernünftige Lisbeth, die ruhigen Erwägungen zugänglich war, und Walter Espach wußte ihr klar zn machen, daß cs viel besser sei, sic erhielte den Stoß durch einen Fremden als durch den Geliebten selbst, nnd daß der Zeitpunkt dazu günstig gewählt sei, nicht nur weil die arme Kleine dann einen Trost an der Freundin habe, sondern auch der Gefahr entgehe, sich erst ihren Eltern zu verraten.

Besonders das Letztere leuchtete Lisbeth ein, und sie versprach dem Verkokten ihre Unterstützung.

Helene Falk erlitt, als sie aus der Kirche zurückkehrte, eine herbe Enttäuschung.

Sie' hatte so inbrünstig zu Gott gefleht um ein Wiedersehen mit dem Geliebten, daß ihr Kinderglaube ihr Zuversicht ins Herz geraunt und eilt törichtes Hoffen. Sie hatte viel gelitten in den letzten Wochen, feit die Briefe ihres Hans immer seltener und kürzer geworden waren und er für fein Ausbleiben damals nur eine sehr unklare, flüchtige Ausrede und Entschuldigung ge­sunden hatte.

Nach Tisch zog Fran Schäffer sich in ihr Zimmer zurück, und die drei jungen Leute gingen iit bett' kleinen Garten hinter, denk großen Logierhansc, das zu Anfang der Saison noch schwach besetzt war.

Er stand in der größten Ucppigkeit seiner Vegetation, die Fliederbüsche konnten die Last ihrer lila Bliitendolden kaum tragen.

Sie waren erst einige Minuten in den verschlungenen Wegen langsam citthergcwandcrt, das Brautpaar Arm in Arm in der kindischen Art verliebter Menschen, miteinander plaudernd, Helene tu tiefe Gedanken versunken daneben, da erklärte Lisbeth plötzlich, Walter solle ihnen einen Roman vorlesen, den er selbst ihr neulich geschenkt hatte, und ging, ihn en holen. Sie ließ sich sonst gern solche Wege von ihrem Bräutigam abuehmen, und da dieser heut nicht einmal den Versuch machte, ihr seine Tienste anzubieten: oder sie, zn begleite», so schöpfte Helene sofort Verdacht nnd fühlte, oaß Walter Espach ein Alleinsein Mit ihr suchte. Tas konnte nur fein, weil er eine Botschaft von Hassingen für sie hatte. Sie wurde rot und wieder blaß vor erwartungsvoller Ausregting', dachte an ihr Gebet in der Kirche, und ob Gott vielleicht doch .inen Teil desselben erhört hatte.

In schüchterner Frage blickte sie zur Seite in das. niibcw.gte Gesicht ihres Begleiters. Er fühlte den fragenden Blick nnd be­gann, nicht ganz frei von Befangenheit:

Ich möchte einmal von Hassingen mit Ihnen sprechen, Fräu­lein Helene,"

Tie Mädchenaugen lächelten bang und doch glücklich. Also hoch!

Was ist mit ihm?" fragte sie unbeholfen.

Er malträtierte seinen dicken, dunklen Schnurrbart. Wie fing er die Sache nur am besten an, es war doch nicht so leicht oicsen glückschimmernden, hoffenden Augen gegenüber. Aber nun muffe es feilt. Er gab sich innerlich einen Ruck.

Er leidet sehr unter der er wollte sagenTrennung", besann sich aber und vollendete:unter beit Verhältnissen.^ Wie meinen Sie das, Herr Leutnant?"

lieber Helenes feine Züge glitt ein ansdännnerndes Miß­trauen. Wie fettfam Leutnant Espach heut war! Verlegen und unsicher. Er fühlte es selbst, und eine Art Zorn faßte ihn gegen das Mädchen, das in acht Monaten die Aussichtslosigkeit ihrer Liebe nicht begreifen gelernt hafte.

Fräulein Helene," sagte er entschlossen, den Blick geradeaus richtend, um das blasse Gesichtchen nicht zn sehen,zeigen Sie Mal, daß Sie ein tapferes Mädchen sind und- ein stolzes dazu Sie wissen, die Liebe zwischen Ihnen und Hans war Wort Anfang an aussichtslos als ehrlicher Kerl hat er es Ihnen! nicht verhehlt, und wenn er später auch unüberlegt davon ge­

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