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Auf Liebespfaden.
Roman ton H. Ehrhardt.
'Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
In bem uin diese Stunde stark besetzten Casst fanden sie zu Meisenbergs Entzücken doch noch einen Platz, bet ifmen gestattete, den beiten Damen, die sich einen Tisch am Fenster erobert hatten, direkt ins Gesicht zu sehen. Hassingen hielt unbefangen Musterung.
Die Schzvarze mar entschieden ein schönes Geschöpf, ihr Gesicht von südländischem Typus, jedoch mit Hellem, rosig angehauchtem Teint, gewann feinen höchsten Reiz durch leuchtende, blaue -Augen, die von langen, schwarzen Wimpern beschattet und Von gleichfarbigen, dichten Brauen überwölbt waren, aber Rase und Mund waren sehr grost.
Das störte den Anspruchstolie» gleich wieder. Sie könnte mir nicht gefallen, dachte er, und seine Äugen suchten die Blonde. Mer trotz seiner Borliebe für blondes Haar mißfiel diese ihm geradezu.
„Hören sie/ Kamerad, die Blonde finde ich scheußlich und die Schwarze gönn' ich ihnen!" äußerte Haus Hassingen gelassen und lubitte einem der bedienenden Mädchen.
„Soll ich für Sie auch Kaffee bestellen, Meisenberg'?"
„Ra ja, natürlich, nnb Sie, Hassingen, sind selbstverständlich mein Gast hier — trinken sie Kaffee so viel sie wollen und effen sie Kuchen dazu, als früherer Kadett lieben sie den noch heut, wie ich weist, bloß bleiben sie. fürs erste ruhig sitzen es wird sich schon alles vrogrammätzig entwickeln."
Er war ganz zappelig und nervös, der gute Meisenberg.
Hassingen überliest ihn feinem lSchicksal, warf nur von Zeit ö» Zeit eine Bemerkung hin, wenn ihm in dem kaleitofkopartigen Bilde des ab- und zugehendrn Publikums irgend etwas fesselte oder amüsierte.
Allmählich wurde, dieses Sitzen ihm aber langweilig. Dir elektrischen Glülilichtbirnen strahlten jetzt schon von Decke und Wanden, die bedienenden Mädchen räumten weniger eilig als sonst die stehen gebliebenen Tassen und Teller zusammen, eine trat zum Fenster und zog den gelben Vorhang vor bi? große Spiegelscheibe, Hasfingeus Augen folgten der kleinen, zierlichen Blondine auf dem Wege zu dem zweiten Fenster. Dort winkte eben die schwarzhaarige Schöne mit einer von Brillanten und farbigen Edelsteinen sprühenden Hand irgend jemandem auf der Straße draußen lächelnd und auffordernd zu.
Gleich darauf trat eine einzelne Dame durch die Tür und wandte sich so rasch den Beiden am Tische zu, daß Hassingen, der ihrem Erscheinen unwillkürlich interessiert entgegengesehen 'hatte,. so gut wie nichts von ihrem Gesicht erblicken konnte.
Er konnte nur konstatieren, daß sie eine entzückende Figur lmtte, mittelgroß, sehr schlank, aber mit weichen Formen, dir ein tadellos sitzendes schwarzes Tuchlostüm mit glatt qnliegenKtx, kurzer Zacke umsckloß.. Auch bemerkte er mit- Vergnügen, daß.der Fuß, hier unter de-nr hochgehoben-en Noch sichtbar war, z» der
schönen Gestalt paßte, denn er war schmäl und gut geformt und ebenso wie die kleine "Hand, die auf der Lehne eines Stuhles ruhte, tadellos bekleidet.
„Sehen sie, Meisenberg," entfuhr es ■ ihm fast unwillkürlich, „die. könnte mir gefallen."
Und in seinen hübschen, hellen Augen blitzte es befriedigt, auf. als die Neugekommene sich an dem Tisch drüben niederliest.
Meisenberg grinste, was seinem hageren Gesicht etwas Toten- kopWnliches gab,
„Ra also, ich sagte ihnen dock, Sie werden mir noch dank- schön sagen. Was machen wir aber mit der Uebcrzähligen?"
„Die wird irgendwie versetzt."
Hassingen fühlte sich Plötzlich sehr nnternelmmngslustig.
Auch er starrte nun wie gebannt zu den Damen hinüber, die lebhaft plauderten und lachten.
Wenn er mir endlich ihr Gesicht hätte sehen können. Eins Schönheit brauchte sie nicht zu fein, ihre Züge mußten nur seinem Gefühl nach zu dem eigenartigen Charme, der ihre Erscheinung, ihre Anmutigen Bewegungen umgab, passen.
Wie komisch, daß es wieder keine Blondine war, die ihn mit zarten Fäden an sich zog.
Ihr Haar, das über dem schneeweißen, steifen Herrenkragech in losen' Puffen am Hinterkops aufgesteckt war, schimmerte hellbraun wie das Helenens, mit denselben goldigen Lichtern, cf«: einfacher, aber sehr aparter Hut auS schwarzem Pelzwerk mit einer Seiteitgarnittcr aus blaugrün schillernden Bogelfchwingest schmückte, das zierliche, htzchgetrageue Köpfchen.
-Sie wandte sich nicht-'-ei» einziges Wal nm. DaS ärgerte beit' jungen Offizier und gefiel ihm zu gleicher Zeit.
Auch die Schwarze hielt sich jetzt zurück, vielleicht wünschts. sie der.Neugekommenen ihre gemachte Eroberung zu verheimlichen. Frauen wittern immer gleich Rivalinnen.
„Zahlen!" schiuarrte Meiienberg, dem die Sache nun auch fdjion zu lange dauerte.
Seine Stimme durchdrang das ganze Lokal, und an beut; leichten Zucken in dem schönen Frauengesicht erkannte er die gewünschte Wirkung. Irr dem Moment, als seine magere, blasse Hand dem Mädchen ein Markstück über die weifte Marmorplattei hinschob, brachen die drei- Damen auf.
*
Nun begann eine regelrechte Jagd hinter ihnen her.
In der Bnrgstrafte sahen sie plötzlich nut zwei ton den Damm ■ wr sich. Hassingen stieß ein halblautes „Verflucht" aus. Die BrautWarige fehlte. Sie mußte sich, gleich, nachdem sie um die Ecke gebogen waren, von den Anderen getrennt haben, Die blieben jetzt stehen und ließen die beiden Herren an sich vorüber.
Hassingen hatte vorher jedoch so energisch erklärt, daß er die Blonde keinesfalls übernehme, daß Meisenberg seiner B* gebeteten nur einen Blick zuwerfen konnte, dar „später!" hieß und richtig gedeutet wurde.
„Gehest «Sie allein. Meisenberg, ich tu nicht mehr mit," sagte der Jüngere nach ein paar Schritten.
,,'Sei.m sie doch fein Spielverderber, Mensch! Warten sie ■ • r. -■ ■ .. -• ’ 7< .. :■ . : ; - . ..,


