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des Königs Paares, das alle äußerest Anforderungen seines Ranges achtlos beiseiteschiebt, an den Statten der größten Gefahr allen anderen unerschrocken vorangeht und iiberall selbst mit Hand anlegte. „Gewiß, unzählig sind die Akte von Heroismus: aber an der Spitze aller stehen doch, ohne jede Ueöertreibung, unsere Herrscher. Sie sind wahrhaft gwß. Der König setzte sich hundert- ntal nst bett bedrohtesten Stellen achtlos der Gefahr aus, nicht um sich selbst besorgt, sonderm nur erfüllt von deut Drange, Hilfe zu leisten und zu retten. Sein Beispiel hob den Aiut aller. Die Königin ihrerseits ist unvergleichlich. Was ikh zu ihrenr i&be auch sagen, würde, es wäre zu wenig. Ganz allein, ohne Begleitung, hat sie ohne Unterlaß Taten der Barmherzigkeit und Taten deö Heldensnutrs verrichtet unb ich kenne feilte andere Frau auf der Welt, wie groß deren Aufopserung auch sein möge, die das hätte vollbringen können, was die Königin getan hat, mit jener Selbstverständlichkeit, mit jener Einfachheit, Klugheit und Geistes- gegenwart, Von denen die Königin in diese» fünf Tagen Probe ablegte. Unerkannt und ohne erkannt werden @u wollen, wurde sie von vielen für eine einfache Krankenwärter in gehalten. Es genügt zu sagen, daß die Königin selbst mehr als 200 Verwundete verbunden hat und überall selbst Hilfe spendet. Eine Schar unbekleideter Verwundeter flehte weinend um Kleidung. Stoffe waren nötig, eine Werkstatt fehlte. Im Nu hatte die Königin tut Hospital ein Arbeitszimmer eingerichtet, sie selbst begann zu arbeiten und mit ihr die leichter verwundeten Frauen. Man erzählte ihr, daß ein Waggon mit Stoffen vor einigen Tagen für irgend emen Kaufmann eingetroffen sei. Sofort befiehlt die Königin auf ihre eigene Verantwortung, oie Stoffe in Besitz zu nehmen, sie werden in die Werkstatt geschasst, und sie selbst beginnt sofort Röcke und Beinkleider für die Verwundeten und Kindergetvlmder zu schneiden und zeigt dann den Frauen, was man mit Eifer und Energie leisten kann. Eigenhändig hat sie viele Leute bekleidet. Im Hospital muß eine schwerverwundete Frau sofort operiert werden. Größte Sorgfalt ist nötig, und keine Sekunde Zeit zu verlieren. Im Zimmer ist außer der Kranken, und der Königin nur der Chirurg, sonst fein Mensch, der Hilfe leisten könnte. Ohne Zögern saßt die Königin die Beine der Verwundeten, legt sie sich auf die Schultern und hält sie so während der Operation; dann, als die stöhnende Frau unruhig wird, beruhigt sie sie, tröstet sie, redet ihr zu und hält dabei die Beine etwa eine halbe Stunde lang, bis die Operierte endlich von einer herbeieilenden Krankenschwester gebettet werden darf. Rastlos ist ihre Sorge für die Kinder. Weinend klagt ein kleines Mädchen: „Ich habe meine Puppe verloren!" Im Nu hat sie die Königin beruhigt. In zwei Minuten hat die hohe Fran aus Stoffresten eine neue Puppe gemacht und mit glücklichem Lächeln nimmt das Kind die Gabe in Empfang. Ach glauben Sie mir," so wiederholte Orlando, ,chie.K"nigin ist unvergleichlich, unvergleichlich durch ihre Güte, du ch "yr GeftiMstiefe und ihre wirklich außerordentliche Klugheit."
DersmhMes.
° Die „nackte* Mode vor hundert Jahren. Die Besprechung der Naütdarstellungen im preußischen Abgeordnetenhause lenkt den Blick zurück auf die „nackte" Mode, die von Paris aus ihren Siegeszug durch die zivilisierte Älelt antrat, als tm Jahre 1795 nach dem Sturz der Schreckensherrschaft die schöne Frau Tallien, „Notre Dame du Thermidor", den verwaisten Thron der Mode einnahm. Tie vom Drucke der bösen Zeit befreiten Pariserinnen, die sich sofort in die lange entbehrten Vergnügungen stürzen, treiben die neue Tracht zur äußersten Extravaganz, indem sie unter dem Vorwande, antik sein zu wollen, aus der „englisch, n" Mode mit der kurzen Tackle die „nackte" machen. Nicht nur das Korsett und die Unter» rocke fallen, auch das Hemd folgt — dre Mondaine trügt au bloßen Füßen Ringe, seidene Trikots, und als einziges Kleidungsstück die bis zum Knie offene „Chemise". Unter den halbtollen Eleganten entsteht ein Wettstreit, welche imstande ist, am wenigsten anzuziehen. Man sprach nicht von „gut angezogen", sondern von „gut ausgezogen", und es begann eine Art Gesellschaftsspiel, die Anzüge der Damen zu wiegen. Wie wir dem ersten Band des kürzlich veröffentlichten fesselnden Buches, „Die Mode int 19. Jahrhundert" von Dr. Oskar Fischet und Max von Boehu — München F. Bruckmann — entnehme», durste die gesamte Kleidung einer Frau, Schuhe und Schmuck inbegriffen, im Jahre 1800 das Gewicht von 16 Lot nicht überschreiten, Fran Ha- rnelin, die schöne Frau eines reichen Schweizer Bankiers, ging einst, nur mit einem Gazeschleier bekleidet, im Garten der Tuilerten spazieren, bis die Zudringlichkeit des Publikums sie nach Hause trieb. Fräulein Saulnier übertrumpfte sie jedoch noch, denn sie trat in dem Ballett „Das Parts- Urteil" vollkommen unbekleidet aus. Wie nun das „eng
lische" Meid, das langärmelig und bis au den Hals geschlossen über den Kanal nach Paris gezogen war, tief dekolletiert und ärmellos zurückkam, da lehnten die Engländerinnen es ab; als Mrs. Jordans es int Drury Lane- Theater auf die Bühne zu bringen ivagte, warf man ihy aus dem Parkett Taschentücher zu, um sich damit zu bekleiden, und zwang sie, sich umzuziehen. — Im Jahrs 1801 wettete eine Dame in Hannover, sie würde, nur mit Hemd und Halstuch bekleidet, spazieren gehen, ohne daß man es bemerke — und sie gewann die Wette glänzend. Schwerer kann man sich jedenfalls vvrstellen, heißt es in dem angeführten Buche, daß im Jahre 1799 aus einen Maskerade in Bückeburg ein Pärchen als A^am und Eva erschien, in „Nichts, als seine Unschuld" gehüllt. Anständig oder unanständig, kleidsam oder nicht, die Mode warf jedenfalls viel zu neu und überraschend, als daß sie nicht sofort zündend hätte wirken müssen. Im Jahve 1794 hatte ein Berliner Kritiker der Schauspielerin Baranius noch vorgeworfen, sie gehe in die Grenzen der rohen NatuU zurück, sei der Moralität zuwider, beleidige die Sittsamkeit, ja, erwecke Ekel — und das gtles nur, weil sie egt wagte, mit bloßen Armen auf der Bühne zu erscheinen. Ein Jahr später sind die Schnürleiber samt langen Aermelitz und Trorupeusen schon verschwunden, und die „nackte"- Kleidung triumphiert allerorten.
* Gegen die gemusterten Zeme ttt zie ge ld ächer. Seit einigen Jahren hat "eine Neuerung in der Dachbedeckuns Eingang gefunden, die mancher tief bedauert. Es sind die Zetnent- ziegeldächer mit Buchstaben, Jahreszahlen und Mustern in schreiend bunten, häßlichen Farbenzusaminenstellnngen. Ei» einziges fokv-8 Dach genügt, um das Bild einer anmutigen Ortschaft zu schänden. An vielen Orten bemühten sich die Pfarrer unb Lehrer unb andere einsichtige Menschen, die Hausliesitzer von einer derartigen Verunstaltung ihres Hauses zurückznhalten, aber meist vergeblich. Nun steuern in einer Reihe deutscher Staaten erfrenlicheriveis« die Behörden durch den Zwang des Gesetzes solchem Unfug. Den Anfang damit hat Preußen gemacht. Nachdem zuerst bie Kreise Schmalkalden, Münsterberg und Süderdithmarschen selbständig Maßnahmen gegen bie bunten Dächer auf Grund des! Verunstaltungsgesetzes von 1907 ergriffen hatten, gab das preuß. Ministerium der öffentlichen Arbeiten im August 1908 einen Erlaß heraus, in dem daraus hiitgewiesen wurde, daß § 1 dcS Berunstaltungsgesetzes gegen bie bunten Dächer anwendbar sei. Im September folgte Sachsen-Weimar mit einem Erfolg ähnlichen Inhalts, dessen bemerkenswerter Schlußsatz folgendermaßen! lautet: „Den anderwärts gemachten Erfahrungen nach zu schließen, würde es übrigens auch beit beteiligten Fabrikanten nur erwünscht stin, bie zeitraubende und wenig lohnende Fabrikation der buitteii Dachsteine bei zurückgehenber Nachfrage einschränken zu können, so daß also mindestens in diesem Falle ein Widerstreit ästhetischer und industrieller Interessen nicht besteht." In Württemberg waren inzwischen die Oberäinter Sulz unb Oberndorf dem Uebel durch besondere Verfügungen entgegengetreten. Und nun hat auch Sachsen- Meiningen in gleicher Sache einen Erlaß herausgegeben. Ueberall wird es mit Freude unb Dank begrüßt, daß die'Behörden bestrebt sind, die Allgemeinheit gegen diese Beleimgnngcu des Geschmacks in Schutz zu nehmen. Es ist zu wünschen, daß die übrigen deutschen Staaten beit angeführten Beispielen bald folgen.
* Ein Charakter. „Wissen Sie, Kamerad, viel Redensarten machen, bas ist nicht meine Sache, dazu bist ich zu einfach und zu aufrecht. Ich halte mich an die biblische Vorschrift: Euer Wort sei jawohl, jawohl — ausreschlosseu, ausjeschlossen!"
Avithmogriph.
1 6 4 4 6 Handwerkszeug.
2 4 5 » Arzneivflanze.
3 5 4 6 3 Erfinder eines stenographischen Systems»
4 2 2 Siebt in Ntrderösterretch.
4 5 4 2 Pettou ans der „Sizilianischem Bauernehrr".
■5 6 4 eine FltMgkeik.
6 4 4 6 Näheres Längenmaß.
7 2 4 4 Schutzvorrichtung.
6 7 6 3 ein Fahrzeug.
Die Anfangsbuchstaben der geümbenen Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, den Namen eines Komponisten,
Auflösung in nächster Nummert
Auflösung der Königspronienade in voriger Nutumerr
AiS Mann auch halt die Mutter hoch,
Es wird das Herz ihr laben;
Tie Blutter sieht im Atter noch
Im Sohne gern bett Knaben. E. M. Schmilka,
Rediltton; E. Anderson. — Rotationsdruck unb Verlag der Brüht'sehen Umverfttäts-Buch» und ©teuiöruderet, R- Lange, Gießen.


