Ausgabe 
20.1.1909
 
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WitWSch den 29. Januar

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Diaria Hendrina von Goch.

Novelle von Luise Schulze-Brück.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.-

Sie saß und samt und grübelte. Dumpfe Zweifel gingen durch ihren Kopf, an Beert dachte sie, der sie auch liebte, der nur so sonderbar war, so ungleich zornig und doch wieder so still, so ganz anders wie früher. Und sie fühlte, das; das es war, was ibr Kummer machte, und doch ihr schwer war, darüber hinweg zu kommen. Wie seltsam das war. Man konnte doch nicht zwei Menschen zugleich lieben! Und den Georg Werner, den liebte sie, ja den ganz allein.

Jetzt ging er wohl schon ungeduldig am Rheinufer auf und ab. . Er wartete auf sie, es sollte ja heute Gissest sein auf dem Rhemeis. Freilich bei dem Wetter, da war wohl nicht daran zu denken. Sie wischte die beschlagene Scheibe ab. Ach, es harte aufgehört zu schneien. Vielleicht wurde es doch noch, die Bor- bereitungen waren doch nun einmal getroffen, und wenn der Schnee weggekchrt wurde, dann konnte es noch ganz schön werden. Nachher sollte es dann iroch einen Tanz geben im Gasthaus. Sie waren ja so unersättlich hier, sie genossen den Tag und die Stunde. Nun würde sie also auch hier leben am schönen Rhein. Würde auch sich ihres Lebens freuen, so lute sie sich's geträumt hatte. Und Beert würde manchmal mit dem Schiffe hier vorbei fahren, und dann würde er kommen, um sie zu besuchen. Ob er ivohl kam? Ob er ihr'S verzieh, daß. sie den anderen nahm, und wieder froh wurde, so heiter, wie er früher immer gewesen war?

Es fuhr ihr durch den Kopf, ob sie daun wohl je wieder fvoh werden könnte, wenn der Georg eine andere nehme. Aver sie wollte nicht daran denken. Nicht darüber grübeln. Ob kk heute mit ihr reden würde, sie bitten, seine Frau zu werden Ach nein, heute noch nicht. Sie fürchtete sich davor, cs war so schön, dies Heimliche, wenn erst alle cs wußten, dann kanr die Hildegard und schwatzte und lachte, und sie mußte mit zu seiner Mutter, vor der sie sich ein wenig fürchtere, weil sie doch eine Amerikanerin war und nicht viel deutsch sprach, und die Ete Sett. kam und zankte, sie hatte es wohl gemerkt, daß sie Nicht dafür war. Ihre Gedanken gingen immer um Georg herum. --- Ach, Beert hatte häßlich von ihnr gesprochen. Hatte d^agt, daß der schon viele» Mädchen den Kopf verdreht hatte iAber das hatte ihr Georg doch schon selber erzählt, ihr selber Besagt, daß. er sich schort manches Mal verliebt habe. Abe- das

^uremals das Rechte gewesen, nur flackerndes Stwhfcuer. Aber da habe er sie geschert und da--------Und

£Hm!! ^te cr sie geküßt, ach so heiß und so süß.

.. .,lU Hendrina ton Endert schloß die Augen und träumte, vis rhr Haler heimkam, schlecht gelaunt und mit rotcur Kopf. iMun machte sie sich schnell zurecht.

Wohin gehst dir?" fragte er'lauernd.

Nach dem Eisfest." ,

,, ,"Dch! Das sind ja alles nix ivie Narreteien'. Eissest! Und Mchher da wird wieder getan,A und karressiert. Mach nur, das;

eS mit dem Karressieren « gut End' kriegt. Da machen se erst schön Redensarten, un nachher, da is et all nich so! Die Ober- rheiner, dat sin schon die richtigen."

Er war sehr Zornig. Den Georg Werner hatte er richtig getroffen. Er hatte mit ihm einen Schoppen getrunken und dabei versucht, ihn wegen der Hendrina auszuhorchen. Aber der hatte ja nicht standgehalten, er war ihnr entschlüpft wie ein Aal. Wer wußte nun, wie dem seine Meinung eigentlich war? Ach, wenn er mir von der ganzen Sache nix mehr zu hören brauche. Frau-- leutskmm, das war Deuselskram. Sein altes Sprichwort wurde immer wieder wahr.

Er sah Hendrina nach, wie sie über das Gaugbord balancierte uird den Hafenweg entlang ging. Beert ging mit ihr. Da machten sie nun ein Wesens aus der Schönheit des Boädchens. Ihm war das nie aufgefallen. Weiß und rot und wohlgewachsen, so gab's doch schließlich viele, da war weiter nichts dabei. Und er könnt« sich auch nicht so mit der Hendrina haben, wie der Weingartner mit seiner Hildegard! Wenns cm Junge gewesen wäre, der mit ihm hätte fahren können, und mit dem er weiter keine Umstands gehabt hätt! Aber das Mädchen, Frauleutskram!

Die beiden jungen Menschen gingen schweigend nebeneinander. Beert nagte an den Lippen, und Hendriuas Blicken liefen schon weit voraus, dahin, wo drunten auf dem Rheineis Schnüre von bunten Lampions durch das Dunkel leuchteten, Teertonnen ein rötliches Licht warfen und gualmten, daß man den scharfen Geruch bis hierher merkte. Musik setzte ein, zwischen dichten Menschengruppen bewegten sich Scharen von SchlittschuMuferm

Der Mäuseturm rheiuabwärts leuchtete in bengalischem Feuer auf. Hendrina fuhr zusammen:

Ach wie schön, wie schön!"

Und in. Freude und Erwartung strebte sie ungeduldig voran, während Beert fast eine Schwere in seinen Füßen fühlte. Und als sich dann von einem der Uferbäume eine dunkle Gestalt ablöste, und Georg Werner auf sie zukam, da fühlte, er einen so heftigen Haß, daß er am liebsten den Menschen, der so siegest froh lächelte und seine weißen Zähne zeigte und Hendrina mit seinen blitzenden Augen, fast verschlang, etwas angetan hätte.

Mit dem Eisfest wurde es freilich nicht viel. Sie hatteik kaum ocn Festptatz erreicht, als ein Windstoß daher fuhr und die Lampions ausolies und wegfegte. Ein lauer Wind war's duuwind Westwind. Er blies erst nur leise und wie Versuchs" weise, dann immer heftiger. Der Qualm der Teertounen schlug den Menschen beißend ins Gesicht, daun flogen brennende Stücken umher, lind als es nun wieder stark zu schneien begann, in wässrigen großen Flocken, die auf dem Gesicht und den Kleidern zergingen, da gab's eine allgemeine Flucht.

V-ert hatte Hendrina aus dem Gesicht verloren, nun stand er au dem durch Seile abgegrenzteii Eingang und wartete. Hun­derte strömten hindurch, mir Hendrina sah er nicht. Schon "war < slch ganz- leer, da kam ein Pärchen, eng aneinander! gedrückt Hendrina und der Amerikaner. Ganz langsam käme»! «5'. <0$?$ lil versunken, ohne auf die neugierigen und hämisches Micke der^ einzelnen zu achten, die noch in ihrer Nähe waren.

»c eei t schoo sich dicht an den Eingang. Die andern sollten wenigstens