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sie wieder zu sich und kehrten, sich ihrer Taten schämend, tn ihre Heimatsorte zurück; viele sah man vereinzelt mit Paketchen, in denen sie ihren „Raub" verborgen trugen, zurückkommen. Es wurde alsbald eine eingehende Untersuchung eingeleitet und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Hier interessiert vielleicht die Wiedergabe einer alten Aufzeichnung, aus der die Art der damaligen Ordnungsstrafen gegen Arrestanten ersichtlich ist. Einige Unter- fnchungs-fGefangene, die wegen Teilnahme an den Auftritten zusammen inhaftiert waren, ließen sich allerlei Ungehörigkeiten zu schulden kommen, beschrieben die Wände mit schmutzigen Berschen und prügelten sich sogar untereinander. Zwei von ihnen wurden deswegen zu Disziplinarstrafen, der eine zu fünf, der andere zu zwölf Hieben verurteilt, mit der Maßgabe, daß bei letzterem die Strafe auf zweimal zu vollstrecken sei. Ueber die Vollstreckung dieser Strafen besagt die Aufzeichnung: „Ortenberg am 16. Novbr. 1830. ..... Hierauf lies man dem W. L. — fünf, dem £. R. sechs Hiebe in Ermangelung eines Varrenschwanzes mit einer geflochtenen Rute auf den Hinteren geben" und weiter „Ortenberg am 17. November 1830. Heute lies man dem L. R. nochmals sechs Hiebe als den Rest der ihm zuerkannten Diszipl-Strafe auf den Hinteren geben."
Schon einige Wochen später wurden die Verbrecher vor Gericht gestellt und sie erhielten namhafte Zuchthausstrafen, verschiedene Rädelsführer sogar sieben Jahre. Später wurde ihnen der größte Teil ihrer Strafen im Gnadenweg wieder erlassen.
Die auf das Jahr 1830 folgenden Jahre verliefen in unserem Hessenlande ruhiger und ohne besondere Zwischenfälle, bis das Jahr 1848 herankam, in welchem von neuem der Ruf „Freiheit und Gleichheit" die Gemüter aufregte.
A. Decher.
Vermischtes.
* Wie man in Oesterreich die Raucher kontrolliert, darüber plaudert im Augnstheft von Velhagcn & Klasings Monatsheften Balduin Groller in dem amüsanten Aufsatz: Das österreichische Tabaksmonopol: Der Staat stellt sich auf den Standpunkt: Du sollst keinen Verkäufer haben neben mir! Gut. Da muß man sich fügen. Er geht aber weiter und sagt: Du darfst auch uichts verschenken! Und das ist gerade bei Zigarren und Zigaretten ein ganz unsinniges Verbot. Läßt einer sich ein paar tausend Stück Zigarren aus Havanna kommen, und ist der Zoll auch ordnungsgemäß entrichtet worden, so hat er zu gewärtigen, daß nach einigen Wochen der Staat ihm einen Aintsdiener ins Haus schickt, um feststellen zu lassen, wieviel von der Sendung noch vorhanden sei, und um dann weitere Untersuchungen vorzunehmen, falls schon zu viel fehlen sollte. Der Raucher muß sich förmlich ausweisen, ob er wirklich imstande sei, soviel zu rauchen, wie der Abgang ausweift!. Das ist die Schikane. Der Verkauf ist ohnedies mit so strengen Strafen belegt, daß kein vernünftiger Mensch sich auch nur auf einen solchen Versuch einlassen wird; daß aber das Anerbieten und Verschenken verboten sein soll, wobei dem Staat keinerlei Nachteil erwachsen kann, das ist doch etwas, womit das moderne, staatsbürgerliche Gefühl sich niemals befreunden wird. Tatsächlich hält sich auch kein Mensch an dieses Verbot, und daß schließlich trotz der Schnüffelei die staatliche Autorität dagegen doch nicht aufkommen kann, das ist für die allgemeine Steuermoral viel schädlicher, als wenn das Verbot überhaupt niemals erlassen worden wäre. Ein Beispiel aus tausenden, lute es gemacht wird: Der dicke Baron Sp., einer der reichsten Lebemänner Wiens, läßt sich immer um die Weihnachtszeit herum eine große Sendung ausländischer Zigarren kommen und bezahlt immer so viel Zoll, daß die bekannte Beamteu- familie, die stets zur Exemplifizierung herhalten muß, in der ebenso bekannten Behaglichkeit ein Jahr davon leben könnte. Der Baron liebte es, seinen Freunden und Angestellten mit Zigarrenkistchen eine kleine lleberraschung zu bereiten. Einmal, kurz nach Neujahr, erscheint ein staatliches „Organ" bei ihm, um die Bestände zu revidieren. Der Mann stöberte in dem mächtigen Zigarrenkasten herum. Bedenkliches Schütteln des Kopfes. Es fehlte mehr, als im .Hinblick auf die Kürze der verstrichenen Zeit der Leistungsfähigkeit auch eines bedeutenden Rauchers vernünftigerweise zugetraut werden konnte. Der Beamte macht pflichtgemäß
seinen Vorhalt. „Das kann ich Ihnen schon erklären," entgegnete der Baron. „Wollen Sie nicht Platz nehmen?" Er Lietet dem Gaste nicht nur einen Sitz am Kamin, in dem ein lustiges Feuer prasselt, sondern auch eine feine Zigarre mit einer achtunggebietenden Bauchbinde an. Dann nimmt er selbst Platz am Kamin und läutet seinem Kammerdiener. „Drei Kisten von der schweren Sorte!" Der Diener bringt die drei Kistchen, und der Baron wirft eines nach dein andern ins Feuer. Da wendet sich der Gast mit Grausen, der Baron aber plaudert mit der unschuldigsten Miene von der Welt weiter und 'gibt seine 'Aufklärung. „Sehen Sie, verehrter Freund und Gönner, so — aber verraten Sie mich nicht! — genieße ich den feinen Duft des edlen Havannakrautes. Man weiß übrigens, daß ich ein Gourmet bin. Ich finde es viel hübscher, als immer nur an einem Stengel zu suzeln. Schließlich kann ich mir, Gott sei Dank, auch dieses Vergnügen gönnen. Hoffentlich ist das nicht auch verboten?" „Nein, das ist nicht verboten. Davon steht in keinem Gesetz und in keiner Verordnung etwas." Da war nichts zu machen. Das „Organ" zog ab.
* Goethe und Bildhauer Kl au er. Von dem Weimarer Bildhauer Martin Klauer, einem Zeitgenossen Goethesj erzählt Wilhelm Bode im neuesten Hefte der „Stunden mit Goethe" (Verlag Mittler & Sohn in Berlin). Erst vor kurzem, 100 Jahre nach Klauers Tode, ist sein Name weiteren Kreisen bekannt geworden, als Wilhelm Bode durch Zufall eine aus Ton gebrannte, halb zerstörte Goethebüste als Klauers Werk entdeckt« und gerechter Würdigung zuführte. Klauer wurde als der Sohir eines Schneiders am 29. August 1742 geboren. In seiner Lebensführung blieb er stets in kleinbürgerlichen Verhältnissen. Als er nach Weimar kam', mußte er alsbald ein Schutzbefohlene« Goethes werden, denn Goethe hatte seit 1776 die „Allotria unter sich, besonders auch alles Bauen wtb Verzieren". Klauer erledigte einen Auftrag Goethes bei dem Umbau des abgebrannten Schlosses zu dessen Zufriedenheit und dies stellte ein näheres Verhältnis des Dichters zil dem Künstler her. Am 18. September 1778 steht schon in Goethes Tagebuch: „Ließ meine Büste von Klaueru versuchen". Die Arbeit schien nur ganz langsam vorwärts zu gehest und unterdessen hatte Goethe auch schon den sechsjährigen Fritz seiner Frenndin Frau v. Stein zu Klauer geführt, damit sein Köpfchen nachgebildet werde. Trotzdem nun Klauers Begabung von Goethe und dem Herzog unzweifelhaft erkannt worden war, wußten und fühlten doch die Beiden genau, !vas Klauer zum großen Bildhauer fehlte: Die Erziehung durch die Antike. Rach Italien konnte mau ihn nicht schicken und so dachte man denn an Mannheim, wo eine schöne Äntikensammlung zur Fortbildung des Künstlers viel beitragen konnte. So verfügte denn am 22. Mai 1779 der Herzog, daß an Klauer 200 Taler zu einer Reise nach Mannheim zu zahlen seien. Der 35 jährige Meister unternahm die Fahrt, von Goethe war er auch an den bekannten Leiter der Mannheimer Bühne, Wolfgang Heribert üon Dalberg empfohlen. Ende August desselben Jahres kehrte Klauer nach Weimar zurück, und seine Arbeit war nun wieder die gewöhnliche: Leicheilsteine für wohlhabende Bürger und Bauern, steinerne Gartcn- tische, Konsolen und Postamente, Rosetten usw. Nach einigest wohlgelungeneu Proben der Porträtkunst, die er liefern konnte, bekam Klauer viele Aufträge. Den Herzog hatte er schon 1779 nachgebildet, die Herzoginnen Amalie und Luise folgten 1780 und der Herzog ivnrbe int Jahre 1782 abermals modelliert. Es bildete sich nun eine ausgebreitete Kundschaft. Unter den ersten Käufern seiner Gipsabgüsse finden wir alsbald einen großen Teil der Personen, die in der Geschichte der weimarischen klassischen Zeit genannt werden. Aus seiner Armut wurde Klauer dadurch herausgehoben, daß der Herzog int September 1781 fein Gehalt von 25 ans 75 Taler jährlich erhöhte. Dafür mußte er aber auch als Lehrer in der „Zeichnungsakademie" wirken. Die Abbildungen von Klauerschen Skulpturen, die das neue Heft der „Stundest mit Goethe" schmücken, zeugen von seinem schönen Talent.
Magisches Dreieck.
In die Felder nebenstehender Figur sind __die Buchstaben aaaabeeggssssuu derart einzutragen, daß die einander ent- — sprechenden wägerechten und senkrechten
Reihen gleichlautend Folgendes bedeuleu:
1. Ätldeuden Künstler.
2, Biblischen Namen.
3. Lustsörmigen Körper.
4. AuSruf des Schmerzes.
5. Einen Buchstaben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Aliägppiischeu Hieroglyphen in vor. Nummer: Den Baum soll man ehren, von d e in in a n
Schatte n h a t.
Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lauge, Gießen.
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