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fort nach Büdingen. Anbei diesen Oberrock, das Tnch bitte ich mir zurückznsenden." —
4. in Wippenbach: Ein Teil der von Ortenberg wegziehenden Rebellen traf nachts hier ein. Es wurde Sturm geläutet und die Papiere des Beigeordneten, des Iorst- schützen und des früheren Schultheißen verbrannt.
5. in Babenhausen: Auch hier wurde gestürmt Und getrommelt, „Freiheit und Gleichheit" gerufen und die Gemeinde genötigt mitzuziehen. Die Wohnung des Forst- schützen wurde ebenso wie das Landgerichtslokal Ortenberg verwüstet und die Dienstpapiere des Beigeordneten sowie die Stempel verbrannt. Der Zug ging dann über Finkenloch nach Wallernhausen.
6. in Eckartsborn: Ein Teil der Rebellen, etwa 100 bis 200 Mann zogen über Eckartsborn, Lißberg, Schwickartshausen, Fauerbach und Michelnau nach Nidda. In Eckartsborn fanden sie wenig Unterstützung, so daß. sie abzogen ohne Verheerungen anzurichten. Es wurde nur gestürmt, „Freiheit und Gleichheit" gerufen und die Gemeinde genötigt, ein Stück Wegs mitzuziehen. Nur tvenige Eckartsbörner blieben lange bei dem Zug.
7. in Lißberg: Als der Zug nach Lißberg kam, verbrannten sie die Dienstpapiere des Steuerboten, des Forstanffehers, des Gemeindeeinnehmers, des Speicherverwalters, des Feldschützen und des Bürgermeisters. Die Kfandgegenstände des Steuerboteu wurden gewaltsam weg- genommen und demselben 40 fl. Privatgeld entwendet. Der .Geistliche und die ganze Gemeinde mußte mitziehen und unter dem Rufe „Freiheit und Gleichheit" ging der Zug mit Trommelfchlag weiter. Sehr wenige Lißberger blieben lange dabei.
8. i n S ch w i ck a r t s h a u s en: Hier trafen die Rebellen in der Rächt ein, als die Einwohner im tiefsten Schlafe lagen, sie mußten Licht anzünden und der Rotte ein Stück Wegs folgen und mehreren Einwohnern wurden die Fenster eingefchlagen. Bon hier aus wollten 100 Mann nach Ortenberg 'zurückkehren um noch bei Beamten zu plündern, wurden aber durch Zureden eines Ortenbergers davon abgehalten.
9. i rttG k a u b e r g: Die Gemeinde wurde durch mehrere von der Zerstörung des Landgerichts zurückkehrendeu Rnhe- Börer alarmiert; es wurde Sturm geläutet, die Papier^des rtseinnehmers verbrannt und die Gemeinde zum Mitziehen nach den Orten Heegheim, Ober-Mockstadt usw. genötigt.
10. in Hainchen: Die Gemeinde wurde durch den Rebellenzug alarmiert, es wurde Sturm gelautet, die Dienstpapiere des Bürgermeisters,, des Forstschützen und die Ma- aaziubücher einiger Krämer verbrannt. Die Einwohner samt dem Geistlichen wurden gezwungen, mitzuzieheu.
11. i n Enzheim: In der Rarht vom 29. auf. den 30. September wurde die Gemeinde durch das Sturmgeläute tu der Umgegend in Schrecken versetzt; bald darauf kam Peter S. aus Hainchen, der von der Zerstörung des Landgerichts zurückgekommen war, und spiegelte vor, er sei von einem Trupp vorausgesandt, dieser werde bald Nachfolgen. Es wurde Sturm geläutet, die Dienstpapiere des Bürgermeisters und des Waldschützeu verbrannt und die Gemeinde mußte mit nach Lindheim ziehen.
12. in Lindheim: Hier wurde ebenfalls Sturm «Mutet und die Dienstpapiere des Bürgermeisters verbrannt. Die Gemeinde sollte mit nach Altenstadt ziehen,"als sich aber bei Tagesanbruch herausstellie, daß die Gemeinde den Rebellen überleben war, widersetzte sie sich und die Ruhestörer zerstreuten sich.
13. in Ranstadt: Es kam der Rebellenzng, welcher sich von Glauberg aus über Heegheim-Ober-Mockstadt gebildet hatte, am Morgen des 30. September unter Trommel- kchlag hier an, die Papiere des Bürgermeisters, des gräfl. Revierförsters und des Unterförsters wurden verbrannt. Die Gemeinde wurde zum Mitziehen genötigt, auch der Geistliche, der Revierförster und der Schullehrer sollten, gezwungen werden mitzuziehen. Nur mit Mühe gelang cs, von den beiden Ersteren abzukommen, der Schullehrer aber mußte mit und ward sogar genötigt, auf dem Weg mit dem Hausen „Schelmenlieder" zu singen.
14. in Gelnhaar: Am 30. September bei Tagesanbruch kamen die Gemeinden Rinderbügen, Michelnau, Biudsachsen, Pferdsbach und Dudenrod nach, Gelnhaar. Alsbald erhob sich die ganze Gemeinde und schloß sich dem Zuge an. Es wurde die Sturmglocke gezogen, die Papiere
des Beigeordneten, die Feldrügen und Kirchenstrafverzeickp nisse verbrannt. Der Beigeordnete mußte bezahlte Strafgelder zurückbezahlen. Die Gemeinde Gelnhaar zog allein nach Usenborn, während die übrigen Ortschaften mich Wenings weiterzogen.
15. in Usenborn: Nach Sturmläuten und Verbrennen der Dienstpapiere der Forstbeamten mußte sich die Gemeinde anfchließen und der Zug ging weiter nach Hirzenhain.
16. in Hirzenhain: Gegen Mittag am 30. S'epl- tember kam die Rebellenrotte über Hof-Louifenlust hierher; sie verbrannten die Papiere des Unterförsters und bedrohten Leute mit dem Tode.
17. in Steinberg: Die Rebelleurotte von Hirzenhain kommend traf nachmittags um 1 Uhr hier ein; sie verbrannte die Dienstpapiere des Ortseinnehmers und des. Unterförsters.
18. in Nieder-Seemen: .Hierher kamen am 30. September Rebellenhorden in 2 Abteilungen, die eine über Illnhausen, Ober-Seemen, die andere über Bös-Gesäß und Burgbracht; sie verbrannten die Regierungsblätter des Beigeordneten und des Gräfl. Forstjägers. Sie zogen dann nach Mittel-Seemen.
19. in Mittel-Seemen: Nach Verbrennung der Papiere des Bürgermeisters und des Pfarrers entferntes sich die Meuterer nach Ober-Seemen. i
20. in Ober-Seemen: Am 30. September nach? mittags zwischen 1 tunÄ 2 Uhr erschien die erste Rebellenrotte, über Hitzkirchen und Illnhausen kommend, und fordertet die Dienstpapiere des Bürgermeisters und des Gräflichen Mllereiverwalters L. und verbrannte sie. Später gegen 3 Uhr kamen die Meuterer von Mittel-Seemen her, stürmten ebenfalls in das Haus des Kellereiverwalters und benahmen sich aufs schändlichste, sogar erlaubten sie sich körperliche Mißhandlungen des Hausherrn. Vorzugsweise beteiligten sich au diesen Exzessen die Ober-, Mittel- und Rieder- Seern en er. Gegen 4 Uhr zogen beide Kolonnen vereinigt/ geführt von 3 Anführern zu Pferde und mit Fahnen geschmückt, nach Gedern.
21 in Gedern: Hier erschienen die Rebellen in 3 Kolonnen; die erste, von Wenings kommend, traf um 9 bis 10 Uhr vormittags ein, verbrannte die Dienstpapiere des Alzisor, zerstörte die Registratur des Polizeirats E., des Rentmeisters H„ der Gräflichen Forstbeamten und, die in der Mnzlei befindlichen Akten. Die zweite Kolonne von Steinberg her, traf um 2—3 Uhr ein und vernichtete die Akten gänzlich. Die dritte Kolonne von Ober-Seemen her kam zwischen 4 und 5 Uhr an. Es wurden mehrfache Verwüstungen an Gebäuden vorgenommen und zwischen 5 und 6 Uhr zogen die vereinigten Rotten nach Schotten zu.
Ueber die Beteiligung eines Christian O. ans Gedern an den Unruhen daselbst ist niedergeschrieben: „O. soll noch mit zwei anderen Leuten in das Schloß gedrungen sein und von dem Herrn Grafen Verwilligung der früheren Gerechtsame für die Gemeinde Gedern gefordert haben; bei seinem Erscheinen hör dem Herrn Grafen soll er seine brennende Tabakspfeife im Munde behalten und sich ungebührlich benommen zu haben." —
Von einem Pfarrer W. aus entern Nachbarorte, der merkwürdigerweise auch zu den Unzufriedenen gehörte, besagt eine alte Chronik: Ist mit den Rebellen nach Gedernj gezogen und hat dem dortigen Inspektor K. erklärt: „Seine Vorgesetzten könnten ihn nicht mehr schützen, deshalb rufe er mit den Rebellen „Freiheit" aus, Gleichheit könne er nicht zugeben;" er hat die Rebellen angereizt, den Inspektor mitzunehmen. Den Georg L. hat er angeredet: „Er ist auch: ein Gederner, wo ist der Inspektor, wenn der nicht mitgeht, bleibe ich auch hier, wenn er schon mein Vorgesetzter gewesen ist, jetzt ist alles aus." Hierauf hat ihm dieser L. geäußert: „Wenn du den Inspektor haben willst, so hole dir ihn." W. hat hierauf erwidert: „Ich bin der Pfarrer W. ans......."• „Um so viel schlechter", spricht L. und
gibt ihm eine Ohrfeige. W. hat spater entschuldigend erklärt, sie hätten ihn mitgenommen und ihm so lauge Branntwein zugetrunken gehabt, bis er ganz beduselt gewesen sei." — 1
Nachdem die Rebellen in Nidda und Schotten ähnliche Exzesse begangen hatten — in Schotten wurde das Gesang nis erbrochen und Gefangene befreit — und nachdem sich ihr Brauntweinrausch, den sie sich unterwegs gekauft, oder richtiger gesagt, „geraubt" hatten, verflogen hatte, kamen


