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Die Pflastermeisterin.
Roman von Alfred Bock.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Sobald Friedmar frühmorgens das Haus verlassen hatte, begab sich die Meisterin in ihren Garten, lieber dem Gelände lag schon der erste Hauch des Herbstes. Hier Und da spielte das Grün der Blätter ins Gelbrot hinüber. Die Teerosen an ihren schlanken Zweigen strömten noch ihren feinen Wohlgeruch aus, aber ihr Kolorit war stark verblaßt. Nur die Moosrosen und Zentifolien standen in Unverminderter Pracht. Für jeden ihrer Lieblinge hatte die Meisterin einen innigen Blick. Unwillkürlich glätteten sich die Falten auf ihrer Stirn, und der Mißklang löste sich auf, der ihr die Brust zerschnitt. Langsam schritt sie! Rose um Rose ab. Wie lange währte es noch, da bog man behutsam die zarten Stämmchen um und bedeckte die Kronen mit Erde und Laub., Unter der warmen Hülle hielten sie ihren Winterschlaf, bis sie im Frühjahr zu neuem Blütenschmuck erstanden. Die Rosen schliefen nur, sie kannten kern Sterben. Aber die Menschen, die man in die Erde versenkte, wenn ihr Winter gekommen war, machte kein Frühling lebendig. Die gingen hin auf Nimmerwiedersehen. Nein, nicht auf Nimmerwiedersehen. Das war sündhaft zu denken. Es gab ein Himmelreich. Freilich, genmt wußte man nicht, wie's kam. Einmal hatte der Schreiner Mobrus darüber im „Liederkranz" etwas gesungen. Wunderschön, daß einem ganz weich zu Mut wurde. Das Lied klang ihr immer noch im Ohr:
„Hab' schon öfter sagen hören,
Daß man dort sich wiedersieht, Aber niemand kann's beschwören. Keiner weiß, was dort geschieht. Wenn es fest und sicher stände, Daß man da sich wiederfände, Wär' in jenen lichten Höh'n Wohl das schönste Wiedersehn!"
. Wenn dermaleinst ihre Stunde schlug und sie ins Jenseits einging, traf sie ihren seligen Mann. Wie sie ihn kannte, nahm er kein Blatt vor den Mund: „Hatt'st du ma;t als Witfrau dein gut Brot? Was brauchst du den Friedmar zu nehmen? Guck nur herunter. Der sitzt jetzt im Speck und lacht sich ins Fäustchen." „Laß den Friedmar Kusammenschrapp-en, soviel er will," antwortete sie dann, „die Freud' währt nicht ewig. Von drunten nimmt keiner nichts mit." Wenn ihr seliger Mann, kam ihr plötzlich der Gedanke, und der Friedmar sich droben einmal „kappel- ten", und sie stand daneben. Herrgott, sie als Schlichterin zwischen ihren beiden Männern. Darüber durfte man nicht spintisieren. Das konnte einen aus dem Häuschen bringen.
Wie um sich von dieser beunruhigenden Vorstellung zu befreien, griff die Meisterin zu Schippe und Rechen und
arbeitete so angestrengt, daß sie erst nach einer guten halben Stunde schweißtriefend und erschöpft innehielt. Am Staket, das die Grundstücke der Meisterin und des Nachbars Kip- ping voneinander trennte, erschien der Schlossermeister.
„No, junge Frau, wie tut's?"
Sie wandte ihr erhitztes Gesicht dem Alten zu und sagte nicht eben freundlich:
„'s tut so."
Der Schlosser sah sie scharf an. „Was siehst du dann so verknittert aus?"
„Ich wiißt' nicht."
„Habt ihr euch karbatscht, du und der Friedmar?"
„Dumm Gewäsch."
Kipping ließ nicht locker. „Vor mir brauchst du dich nicht zu versteckeln. Wo fehlt's?"
„Nirgendwo."
„'s klappt was nicht bei euch. Ich kenn' mich aus." „Schwätz' du dir nur was vor."
^„Wie kann man nur so störrig sein. Mach' dir doch
Die Meisterin schwieg. Der Alte aber, der sich halb und halb als Stifter der neuen Ehe betrachtete, salbaderte weiter.
„Seit ein Paar Wochen läufst du mit einer Visage herum, als wollt'st du die Pfalz vergiften. Hat der Friedmar was pexieri?!'
„Nein."
„Ist er daun nicht auf seinem Posten? "
„Doch."
„Blitz, Donner und Hagel, was willst du dann mehr?" „Ei gar nix."
_ „Meisterin, ein Querschelkopf warst du immer. Jetzt fei gescheit. Wann man verheirat' ist, heißt's Kordel uach- lassen. Du hast's doch schon einmal durchgemacht. Wir sind all' keine Engel. Der Friedmar hat seine Naupen. Und du auch. Eins muß sich ins andere schicken. Sonst gibt's Krakeel." ”
„Hat er dir was gesagt, der Friedmar?"
„Kein Wort hat er gesagt."
„Das ist's eben, daß er alles in sich hineinfrißt."
„Was ein echter Kerl ist, der trägt das Herz nicht itnmetf auf der Zung'."
„Ist das daun ein Selten ?" gab die Meisterin, sich vergessend, ihrem Unmut Ausdruck. „Ich hätt' noch das erste freundliche Wort von ihm zu hör'n. Und wann er heim- kommt, ein Brüten und Drucksen. Nur daß er bei mir in der Kost steht und mir nachts was vorschnarcht, sonst wiißt' ich weiß Gott, nicht, daß ich verheirat' bin."
Der Schlosser deutete sich der Meisterin Mißstimmung auf seine rüde Weise. „Aha," dachte er, „der Friedmar gibt nicht genug Feuer. So sind die Weibsleut'. No, sie wird ihn schon in Trab bringen. Da hab' ich keine Sorg'." Und er lachte gemütlich:
„Der Friedmar ist kein unrechter Mensch, nur ’n bißchen


