schien sich zu langweilen und |te gab sich ferne MHe, dies zu Verheim'lickM; sie war zerstreut, verdrießlich lind horte kaum auf die Musik. Ludwig II. sah, daß seine Braut keine Wagnerianevin war. Er hätte ihr tausenderlei verziehen: itidjt dieses. Die Ehe kam nicht zustande. Mine. Gautier schildert dann eine Abend- aesell'chaft bei der Gräsiii Schleinitz, der' auch Lcnbach, Schurs und Billiers de l'Jsle-Adam beiwohnten. Mer der Mittelpunkt Ides Abends war Liszt. In seiner schwarzen Priesterrobe sah er fast klein ans; „aber ivelche Löwenaugen, tvclch dunkles Leuchten unter den struppigen Brauen. Welch souveräne Ironie in bent Schwünge seines großen dünnen Mundes. In seinem ganzen Auftreten welche Majestät, durch Wohlwollen gemildert!" Liszt war der Gegenstand dev Bewunderung.aller, ja fast der Anbetung. Die Frauen umringten ihn, knieten oov ihm nieder, küßten seine Hände und hoben die Blicke zum Himmel. Als Liszt mit Frau Gautier einige freundliche Worte wechselt, drängen die übrigen Bewunderinnen eifersüchtig herbei. Sie flehe», ihn an zu spielen. Aber er weist sie ziemlich 'kurz angebunden zurück und erklärt, daß die Gräfin Muschanoff spielen solle. Die von Heine, Müsset und Thsophile Gautier besungene Schöne, die frühere Gräfin Kalergis, die spätere Gräfin Muschanoff „erhebt sich nonchalant und verächtlich; sie streift langsam. die Handschuhe ab und ihr Lächeln sagt, daß sie nur, um Liszt eine Bürde zu ersparen, sich fügt; man spürt, wie sie sich über die Eifersucht, und den Zorn aller sicheren amüsiert, die ihr bald Beifall klatschen müssen." Franz Seichais erzählt Frau Gautier von der schrankenlosen Verehrung, mit der die Damenwelt Liszt verfolgt. Sie beten ihn au, sie folgen ihm auf seinen Reisen wie der Schweif dein Kometen und ihre Verehrung grenzt an Fetischismus. Sie stritten sich um eine Blume, die des Meisters Hand berührt hatte, und kämpften um einen Zigarrenstummel, den Liszt fortwarf. „Und das irritierte ihn nicht?" „Im Gegenteil, er wäre unglücklich, wenn er diese Atmosphäre von Liebe, die ihn umgibt, entbehren müßte. Ev liebt diesen Weihrauch und diese übertriebenen Schmeicheleien. Er bedarf dieser mystischen Königsherrlichkeit; und nm sie zu erhalten, weiß er sehr geschickt 'seine Anerkennung je nach Verdienst und« Neigung zu verteilen." Die französische Besucherin verwundert sich darüber, daß er! unter den zahlreichen Rivalinnen so meisterest-Frieden und Harmonie zu erhalten wisse. „Das ist das Uw- faßbarste", bemerkte Serdals; „er bringt es sogar fertig, in der Schar eine Begünstigte anerkannt und respektiert zu machen. Wenn rn.au sich über diese bei Frauen so ungewöhnliche Selbstverleugnung wundert, antivortet Liszt einem immer: „Sie lieben in mir sich selbst." Billiers de l'JAe-Adam sollte bei einest Soiree bei der Gstäsin Muschanoff sein Stück „Die Revolte" vorlesen, das in Paris so großen Beifall gefunden hatte und das der Dichter auch Wagner in Tribschen vorgelesen hatte. Der Abend nahm ein tragikomisches Ende. Auch Liszt war erschienen; Man bat ihn, zu spielen, er sträubte sich wie gewöhnlich, gab schließlich stach und wurde mit begeistertem Beifall überschüttet. Run sollte Billiers lesen. Er hatte mit Sorgfalt Toilette ge- machst, seine Brust ziert das Malteser-Kreuz; vor dem Flügel macht er gute Figur und beginnt' auch mit stolzer Miene und klarer fester Stimme zu lesen. Mit elegantem Gestus streicht er die Locken zurück. In dem illustren Auditorium nickt Mast sich beifällig zu. Einmal unterbrechen bewundernde Zurufe und Händeklatschen das Lesen. Aber nun kommt etwas Verblüffendes. Mair lauscht und hört nichts mehr. Billiers läßt das Manuskript auf die Erde fallen, starrt mit großen Augen ins Publikum: plötzlich knöpft er seinen Gürtel auf, zieht die Stiefel aus und setzt sich zu aller Entsetzen auf den Flügel. Man ist entrüstet, man lacht, man spottet. Kurz darauf entfernt sich hastig der Dichter. Die komische Szene hatte ihre Ursache in einem leichten Anfall nervösen Herzkrampfes; der Arzt hatte Billiers geraten, in solchen Füllen seine Kleidung zu öffnen, die Stiefel auslzu- ziehen und von hohem Sitz die Beine herabhängen zu lassen.
Und so tat er... ______
vermischter.
* Zwei hübsche L istcv ln - Anekdv t en veröffentlichst die Boss. Ztg. Im Kreise seiner näheren Bekannten hatte Lincoln die Gewohnheit, seine eigenen Erlebnisse, namentlich sein Zusammentreffen mit Menschen des verschiedensten Schlages, in dem ihm besonders eigenen, von Mutterwitz sprudelnden Don zu est- zählen. Als Beispiel dafür, wie Man einem vielbeschäftigten! Staatsmann.manchmal in ebenso naiver, wie zudringlich-unverschämter Weise die hochnäsige Arbeitszeit schmälert, erzählte er, wie sich einmal ein Wann bei ihm astnkelden ließ, der ihn in einer wichtigen Angelegenheit sprechen müsse ; ein nicht gerade den Eindruck der Wohlhabenheit machendes Individuum stand vor ihm und bat, ohne lange Umschweife zu machen, um — den Gesandtschaftsposten in England! Ein solcher Bittsteller gehörte jedenfalls Nicht zrc den Alltagsmenschen, Lincoln selbst fand den Fall so erheiternd und interessant, daß er sich in ein längeres Gespräch mit ihm einließ, um sich ein Urteil über die Bildung, und Fähigkeiten des vor ihm stehenden Mannes zu bilden, und da kam bald zutage, daß der diplomatische Aspirant weder lesen noch schreiben konnte! Dankbar und befriedigt entfernte ep sich schließlich, nachdem er von
Lincoln — ein Paar abgelegte Hosen zum Geschenk erhalten hatte. — Als nach dem Falle Richmonds — es war kurz vor dem Nn Lincoln verübten Meuchelmord — die Frage erörtert wurde, ivas man mit Jefferson Davis, dein Präsidenten der Südstaaten, an- fangen solle, wenn er gefangen werden würde, und wie die Regierung in Washington über den Full denke, daß er sich durch die Flucht dem ihm drohenden Strafgericht entzöge, da die öffentliche Meinung im Norden der Union in erster Linie Jefferson Davis für die grausame Behandlung der in die Hände der .Kon- förderierten gefallenen Gefangenen des Unionstzecres verantwortlich mache und eine strenge Strafe verlange, kleidete Lincoln seine Meinung darüber in folgenden, von ihm selbst erlebten Fall: „Als ich noch auf Meiner Farm wohnte, kau: eines Tages ein Quäker, der zugleich strenger.Temperenzler war, nach einem Ritt von acht Stunde!: in glühender Sonnenhitze, mit Schweiß und Staub bedeckt, bei mir an. Ich bot ihm ein Glas Whisky an, aber mit Entrüstung wies er diese Erfrischung zurück, sagte aber ein« lenkend: „Wenn Sic, während ich mein Pferd im Stall besorge, in das für mich bestimmte Glas Wasser in Gedanken und ohne, daß ich es sehe und es Weiß, ein paar Tropfen Whisky gießenp nun dann nehme ich eben das Glas und trinke es als Wasser aus." So geht es mir im Augenblick mit Jefferson Davis; läßt mau ihn entschlüpfen, ohne daß wir darum wissen und ohne daß man uns die Absicht, ihn laufen zu lassen, niitgeteilt hat, so wüßte ich nicht, ' was wir dagegen eiMvenden sollten; es geht uns dann wie dem Quäker, wir nehmen etwas, was uns eigentlich verboten ist, als vollendete Tatsache hin und sind, wie dieser, int Grunde des Herzens noch "dankbar dafür."
* Bettlerlogik. Dame: „Hier sind fünfzig Pfennige; ,ich gebe sie Ihnen, nicht weil Sie es verdienen, sondern weil es mir Freude macht." — Bettler: „Wenn Sic mir nun eine Mark geben, Madame, würde Ihnen das doch doppelt so viel Freud« machen."
* Lakonisch. Arzt: „Wie haben Sie die verordneten Bäder gefunden?" —■ Patient: „Raß!"
Literatur.
—• Grieberls Reiseführer. Band 3: Thüringen. Verlag von Albert Gioldschtnidt tu Berlin W. Wer Thüringen zu besuchen gedenkt, findet im vorliegenden Führer einen erprobten Bekannten, der mit praktischen Winken für die Wanderung und mit geologischen, botanischen und geo-, graphischen Notizen an die Hand gehst. Die jetzige 25. Aus-, läge, die. genau durchgesehen ist, enthält viele Karten, Angaben über Unterkunft und Werpfleguug und knapp« gc- schichtliche Mitteilungen. Für kürzere Reisen int Thüringer Walde ist eine kleine Ausgabe des Buches erschienen. Band 112: Friedrichroda und Umgebung. Verlag von Albert Goldschmidt in Berlin W. Der in zweiter Auflage erschienene Führer enthält unter Weglassung jedes unnötigen Beiwerks alles Erforderliche. In gedrängter Kürze sind in den etn- zelnen Abschnitten. Unterkunft und Verpflegung, Verkehrswesen, Friedrichroda als Sommer-- und Winterkurort, Unterhaltungen und Sport behandelt. Der Abschnitt „Allgemeines" gibt Aufschluß über Klima und Gesundheitsverhält- uisse des Kurortes. Rechst brauchbar wird sich der Führer namentlich bei Ausflügen in die Umgebung Friedrichrodas erweisen. ___________
Zitateu-Rütsel.
Aus jedent der folgenden Zitate ist ein Wort jtt nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:
1, Wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu tun.
2. Was willst du dich das Stroh zu dreschen plagen?
3. Unterdessen erzähl' ich der Residenz eine Geschichte, wie man Präsident wird.
4. Wenn die Rose selbst sich schmückt, Schmückt sie auch den Garten.
5. Du schaust mich an, als wolltest du mir zürnen.
6. Sag' ihnen, mein Handwerk ist Wiedervergeltung.....
7. Sonst spielt' ich mit Szepter, mit Krone und Stern.
8. Laß nicht zu viel uns an die Menschen glauben.
9. Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn.
10. Ihr Mann ist tot und läßt Sie grüßen. Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummert Z i r E e 1 Europa P n i f t v Pfanne Elbrus JL o I l a r
I t a l i a W a t o r p Zeppelin — Par seval.
Redaktion: I B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießt»-


