Ausgabe 
18.11.1909
 
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Donnerstag den |8. November

II

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Rhemlandstöchter.

Roman von Clara Biebig.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Es is ja akkurat so wunderbar, daß Sie hier sind! Ne, noch viel wunderbarer, denn Sie sind doch die jüngste net mehr, Madam," sagte Hommes ziemlich grob. Er war ärgerlich auf das garstige, alte Frauenzimmer und den schlappen Menschen, der, weiß wie Käse und zitternd wie Espenlaub, sich an die Wand drückte.Wir sind vor zwei Stuirden beim schönsten Wetter von Manderscheid weg-- gegangen, wer kann't wissen, daß ei'm so was in die Quer kömmt! Wundern Sie sich als net so Viel, Madam, sein Se froh, daß Se unter Dach sind. Eweil geht et erst recht los!"

Welch' ein grober Mensch! Fräulein Planke war empört, aber sie machte gute Miene. Sie begann eine Unterhaltung mit Nelda, wenn auch ziemlich bekniffen; sie erzählte, daß sie zur Erholung einen kleinen Ausflug in die Eifel unter­nommen, und zum Schutz hierbei schlug sie die Augen nieder einen jungen Freund mitgenommen habe.Ah, Sie kennen sich noch nicht?! Herr Heinrich Susemiehl, so Gott will, bald Prediger Fräulein Nelda Dallmer aus Koblenz!"

Der junge blonde Mensch verbeugte sich linkisch und sah Nelda schüchtern an.

Fräulein Aurora fuhr klagend fort:Wer hätte dieses Wetter geahnt, als wir heute von Daun zur Besteigung de« Mosenkopses auswanderten! Nein, daß unser letzter Reisetag so enden muß! Lieber Heinrich, kommen Sie hier­her, Sie können noch auf der Bank sitzen." Sie kreischte laut auf.Ein Blitz!"

Tageshell ward alles erkeilchtet, in der Oeffuung der Tür erschienen Hunsrück und Moselberge auf einmal tn blendendem Glanz, aber nur für kurze Augenblicke. Jetzt schwarze Nacht und rollende Donnerschläge, neue Blitze und wolkenbruchähnlicher Regen.

Aurora Planke kam nicht aus dem Entsetzen heraus; bei jedem Mitz kreischte sie aus und umklammerte krampf­haft den Arm ihres Beschützers. Der Blonde schien ganz geknickt.

Heinrich, lieber Heinrich ha huh-1" In sinn­loser Aufregung ließ sie seinen Arm fahren und hielt sich die Augen zu. Ein Donner krachte, der den Berg in seinen Grundvesten erschütterte. . rr .

Hah !" Sie warf sich ihm mit einem Entsetzensschrei Mi die Brust.

Er stand da wie ein Steinbild, die langen Arme hingen ihm anr Leib herunter.

Ein furchtbares Wetter.

Auch Nelda tvar bleich geworden, aber sie verhielt sich Whig; neben ihr stand Hommes, seine Hand glitt verstohlen

............- _______sie keuchte, als sie lief, trat achtlos "in das aufgeweichte Erdreich; das Unwetter hatte tiefe Rinnen in den Weg gerissen und nut braunem, schart, mendem Wasser gefüllt, sie sprang hinirber, zu kurz, das

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an den Falten ihres Kleides herunter. Nun hatte er ihre kalten Finger gefunden, nun hielt er sie fest. Das Dach bot nicht länger Widerstand, der Regen lief von allen Seiten herein; Hommes hielt den Schirm über Nelda, jetzt zog er sich mit ihr in die geschützteste Ecke zurück. In dert anderen kauerten Fräulein Aurora und der blonde junge Mann. Bis jetzt hatte letzterer noch kein Wort von sich gegeben, nun sagte er plötzlich, nach Luft schnappend:Ich mutz nach dem Wetter sehen!" machte sich los und schritt der Tür zu.

Nein Heinrich!" Ein schreckliches Rollen dröhnte. Lieber Heinrich, bleiben Sie!" Mit gellendem Aufschrei stürzte sie ihm nach sie wankte sie sank ihm in dis kirnte.

Er machte Miene, sie auf die Bank niedergleiten zu,

lassen.

Nein, nein!" Sie hielt ihn krampfhaft fest.

Werschüchtert setzte er sich neben sie nieder. Der Regen floß ihm auf's Haupt, er senkte es tief wollte baÄ Gewitter denn nie enden?!

Nach zwei Stunden wagten sie den Abstieg. Der Himmel hatte sich geklärt, der Regen aufgehört. Fräulein Aurora glitschte den Berg herunter, mit einer Hand sich an den lieben Heinrich klammernd, mit der andern Hommes am Rockschotz fassend. Das Kleid hing schlaff um ihren magern Leib, der Zopf war verrutscht, aus den glatten Scheiteln hatten sich Haarsträhnen losgemocht und wehten um's Ge­sicht. Aber sie war guter Laune.Welches Erlebnis, mein lieber Heinrich! Ja, solche Erlebnisse verbinden; habe ich nicht recht, lieber Heinrich?!"

Nelda konnte daslieber Heinrich" nicht mehr mit anhören, der blonde Mensch tat ihr in der Seele leid, er sab so angstvoll drein. Sie eilte voran. In ihr tobte ein wilder'Aufruhr. Was hatte Hommes geflüstert unter dem Schirm in der dunklen Ecke? Sie fühlte seine heißen Lippen auf ihrem Nacken. Die lagen da, als wollten sw sich festsaugemHeinrich, lieber Heinrich!" Ja richria, der blonde Jüngling hieß so, wie Hommes auch - ob sw je zu dem auchlieber Heinrich" sagen könnte?! Sie ötinete heftig und rannte tollkühn bergab, beide Hande auf das klopfende Herz drückend, das Mut stieg ihr in den Adern auf und nieder.Morgen, morgen", hatte er geflüstert,in aller Früh am Tempelchen, ja? Fräulein Nelda, Swsind netter als alle Mädchen in der Welt!" Und dabei hatte seine Hand ihre Taille umspannt und an der herumgefmgert! Und sie? Sie hakte einen Blick getan nach dem Paar druben in der Ecke selbst - die Planke, die alte Jungfer mit den herben Grundsätzen fühlte sich hingezogen zu einem andern Wesen, Nelda lachte nicht darüber, ***