*— 584
das ungeachtet der zweimaligen Retirade der Kaiserlichen bei 'der vorteilhaften Stellung der Franzosen, doch endlich unter Anführung des Erzherzogs Karl nnt einem Siege der Kaiserlichen endigte, so daß die Franzosen die Flucht ergreifen mußten, wobei jwci) mitgewirkt haben die Kur-- sächsischen Völker.
Wie nun bei diesen Kaiserlichen und Kursachsrschen Truppen viele aus hiesiger Gegend Vorspann dabei getan haben, welche wie die Truppen den in Flucht geschlagenen Franzosen beständig nacheilen mußten und also in den Tagen vom 16. bis 19. Juni, wo auch noch verschiedene Attaquen zum Vorteil der Kaiserlichen vorgefallen sind, bis jenseits Altenkirchen bei Hcqselbäch und Weyerbusch sich die Franzosen wieder gestellt haben und mit der größten Hartnäckigkeit gefochten, aber auch hier, also den 19. Juni, ganz aufs Haupt geschlagen worden sind und daher ihre weitere Retirade über die Sieg nach Düsseldorf hin ge- nommen haben.
Da nun so viele Fuhrleute aus hiesiger Gegend nnt- gefahren sind, von Mein-Linden allein 14 Paar Ochsengespanne, so wurde auf eingelaufene Klage der Untertanen vom Fürstlichen Oberamt Gießen der Befehl gegeben, der Wohlgeborene Amtsvorsteher Gravelius von Gießen und ich, der Gemeindeschreiber Johannes Weigel von Klein- Linden, sollten den Fuhren nacheilen und bei den Offizieren ihre Entlassung erwirken.
Also haben wir beide uns dazu unterzogen und sind am 20. Juni von hier nach Groß-Rechtenbach im Kursächsischen Lager um 10 Uhr angekommen, dort aber nicht auf- gehalten, sondern unfern Weg über Wetzlar bis Herborn diesen Tag fortgesetzt. Am 21. nahmen wir unfern Weitermarsch zu dem Hauptquartier nach 'Hachenburg, allda waren wohl viele fremde Fuhren, aber keine aus dem Oberamt Gießen. Mr erhielten hier die Nachricht, daß ein Fuhrmann von KleinMnden mit Blessierten nach Butzbach hinfahre, wobei wir auch erfuhren, die anderen Führen seien noch bei den .Regimentern. Ich wurde mit einem Paß versehen und nahm meinen Weg nach Engelbach!, Altenkirchen, Weyerbusch, Hasselbach, Kirchhözz, Jckenrod in alle dort stehenden Lager, konnte aber niemand aus hiesiger Gegend ansichtig werden und ging wieder nach Hachenburg, Marienberg, Rieder-Roßbach, Herborn nach Katzen- furt. — Am 26. Juni kam ich nachmittags ganz ermattet, aber gottlob gesund, wieder bei den Meinigen in.Klein- Linden au." w-
Verrnischtss.
* Dichters Erden w allen. Von den furchtbaren Ent- behrmrgen und der grenzenlosen Armut, unter denen Edgar Allan Poe seine letzten Lebensjahre dürchlitt, werde» tmj „Zwiebelfisch" neue erschütternde Einzelheiten mitgeteilt. Der Verfasser verdankt die Mitteilungen Gabriel Harrison, der mit Poe befreundet war. Harrison war uni 1840 in Brooklyn ein sehr populärer Schauspieler, der sich nebenbei auch mit Malerei Mchäftigte. Unter den Künstlern und Politikern hatte er einen Soßen Bekanntenkreis. Es kamen aber auch für ihn Tage der Mehrung, der Schauspieler war genötigt, einen kleinen Laden aUfzumachen, in dem er so gut wie alles verkaufte. Eines Abends sieht er vor seinem Ladenfenster einen kleinen Mann mit einem großen Kopfe stehen, der mit begehrlichen Blicken die ausgestellten Tabakspakete betrachtet. Dann trat er ein und 'fragte nach dem Preise des Tabaks: aber bald merkte nran, daß er nicht imstande war, zU kaufen. Harrison schenkte ihm ein Paßet Tabäksblätter. Drei Wochen später kam der Unbekannte wieder. Harrison saß gerade am Tische und schrieb an einem Gedichte. Der Fremde sah, daß der Ladenbesitzer Verse skandierte uüd erbot sich, das Gedicht zu vollenden. In kurzer Zeit war es geschaffen: fünf Strophen. Aber der Dichter lehnte Geld ab, nur ein wenig Kaffee NahM er als Entschädigung an. Harrison fragte ihn nach seinem Namen. „Thaddäus Pevley", lautete die Antwort. Längere Zeit bekam man bett Fremden nicht mehr zu sehen. Plötzlich eines Abends erscheint er wieder im Laden. Am Ladentische saß Fitz-Greene Halleck, der Sekretär John Astors. Dieser erkennt in Perley den armen Poe. Edgar Allan war verwirrt, schließlich bat er um die Erlaubnis, sich äM Ofen ein wenig wärmen zu diirfeir, denn er hatte kein Quartier und zitterte vor Kälte. Halleck lud ihn ein, die Nacht bei ihm zu verbringen, und Poe nahm auch an. Aber die Leiden des unglücklichen Dichters waren damit Nicht zu beiseitigen. Harrison sah ihn noch öfters; er wollte ihn photographieren, aber Edgar .Allan besaß keine Kleidung mehr, die dazu geeignet gewesen wäre; schließlich erlaubte er dem Freunde, senw Lage mit dem Pinsel festzuhalten. Eines Abends ging Harrison mit Poei am Broadway spazieren. Plötzlich beginnt
Edgar Allan zu taumeln: der Freund führt ihn in ein nahes Cafs u'nd läßt ihm Rotwein und ein wehrig Zwieback reichen. Hunger und Schwäche hatten Poe der Ohnmacht Nahe gebracht, feit dem vorhergehenden Tage hatte der Dichter nicht einen Bissen genossen.
* Mahlzeit! Einen wackeren Vorstoß gegen eine höchst alberne deutsche Unsitte las man kürzlich: im Sprech- faal der Bremer Nachrichten. Der Mahnruf ist so trefflich, daß er uns weitester Verbreitung wert erscheint. Ec lautete ungefähr: „Mahlzeit!"" „Mahlzeit!" Es geht nichts über die Höflichkeit, ei ja! Unser höfliches, gebildetes Zeitalter, es lebe! Gibt es denn auch einen sinnigeren, geschmach- volleren Gruß als dies wunderbare „Mahlzeit!", das allerorten, in allen Kreisen, zu den unmöglichsten Tageszeiten! ertönt?! — „Mahlzeit!" lieber all dieser Gruß. Der heimkehrende Hausherr grüßt: „Mahlzeit, Frauchen!" Im Geschäft grüßen sich die Angestellten: „Mahlzeit!" „Mahlzeit!" Im Verkehr mit Freunden und Bekannten, in der Elektrischen, in der Eisenbahn überall schallt's immer wieder^ „Mahlzeit!" — Es gehört ja heutzutage schon Mut dazu, einer so eingerosteten Unsitte eulgegenzutreten; aber sollten denn nicht einige wenige verständige und beherzte Menschen sich bereit finden, ihr die Stirn zu bieten? Mit einigem guten Willen könnte sie gar leicht bekämpft und ausgerottet werden, wenn nur jeder in seinem kleineren oder größeren Kreise dafür wirken Wollte. „Mahlzeit!" Sollten wir wirklich nicht im täglichen Verkehr eüi wenig mehr Rücksicht auf unsere Angehörigen, ein wenig mehr Achtung und .Höflichkeit für Vorgesetzte, Gleichgestellte oder auch Untergebene haben können als diesen geschmacklosen „Gruß", der schlechter ist als gar keiner, der vielmehr nur eine Rücksichtslosigkeit, ein sinnloses Nachplappern dieser überall eingebürgerten Unsitte ist? — „Mahlzeit!" Warum wir dis Tatsache unserer täglich! drei- oder meinetwegen mehrmaligen NahrungAaufnahme immer wieder zu erledigen oder bereits erledigt in die Welt hinausposaunen, ist doch unerfindlich. Laßt uns höflich sein mit Bewußtsein! Rechte Höflichkeit ist der beste Beweis einer echten Herzensbildung, und wir alle können unser Scherflein dazu beitragen, dieser ein- gewurzelten Unsitte ein Ende zu machen; birgt doch unsere schöne, geliebte deutsche Sprache einen so reichen Schatz an Worten und Redewendungen, daß wir dieses als Gruß häßlich klingende „Mahlzeit!" wirklich entbehren können. — Gewiß folgen wir nach redlich getaner Arbeit fröhlich dem Ruse zur „Mahlzeit" und mögen uns hernach gern eine „gesegnete Mahlzeit" wünschen, dann aber auch Schluß damrt. — „Mahlzeit!" Bei einigem lieber legen müssen wir alle einsehen, wie unsagbar töricht und unschön ein solcher Gruß ist! Also weg damit, daß die rechte, echte Höflichkeit wieder zu Ehre und Ansehen gelange!
* Ein gl tt ckl i ch e r Zufall. Gastwirt (zu dem Touristen, der sein Nachtlager besieht): „Sie habens halt gut getroste, Freitags überzieh' mer halt immer!"
* Le i cht ab g eho l fen. Sie (nach vorausgegangenem Streit schmollend): „Max, das ist nicht schön von dir, daß du so eim silbig bist!" — Er (ärgerlich): „So, da rufe mich doch Maximilian !"
* Doppel sinnig. Köchen (zu ihrem neuen Schatz): „Schau dir mal die Speisekammer an." — Grenadier: „Donnerwetters — da muß sich unsereins verstecken."
Diamautriitsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aabedeeet fhhiiikll n n n o o r s derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben.
2. Fluß in Rußland
3. Einen Raubvogel.
4. Bekannte Malersamilie.
ö. Germanische Gottheit.
6. Musikalische Bezeichnung.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummert Esche, Asche, Ischl.
Redaktion: I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Bratschen Universitäts-Buch- und Steiudruclerei, R. Lange, Gießen.


