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Samstag den 18. September

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Nerven.

Novelle von Georg Freiherr von Ornpteda.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ich erinnere mich eines Rittes, den ich im Manöver, als ich in der Nacht als Patrouille fortgeschickt worden, durch den Wald gemacht. Auf der Straße hallte das Ge­klapper der Hufe wieder, ab und zu schien der Mond, ab und zu verbarg er sich hinter den Wolken. Einmal lag alles im tiefen Dunkel da, und nur die Straße hob sich matt ab. Da war es ryir, als waren überall Hinder­nisse auf dem Wege, als müßte ich jeden Augenblick mrt dem Pferde fallen, als wären Seile ausgespannt, Drähte, so daß der Gaul' stolperte und sich überschlüge. Dann meinte ich wieder, wenn der Mond durch die Wolken brach, in dem Schatetn irgend etwas zu sehen: es lag jemand am Wege, unter einem Baume saß eine Gestalt, unb bestärkt wurde ich darin, daß der Gaul hie und da einen Seiten­sprung machte, scheute und nicht vortvärts wollte.

Ich weiß ja jetzt ganz genau: das Pferd war nur bodenscheu und ängstigte sich vor jedem schwarzen Fleck loder weißen Punkte. Ich wußte es auch damals, aber diese Erklärung genügte mir nicht, daß ich hätte die Furcht Hintanbalten können.

Und dann, weißt du: ist es nun Ueberreizung der Nerven oder was, aber ich kann nicht allein schlafen. In einem Hotel allein im Zimmer zu sein, ist für mich geradezu eine Qual. Ich denke immer, ich bin nicht allein, ich denke immer, es müsse jemand im Zimmer sein, und wenn ich auch zuschließe, er müsse herein kommen. Em unbestimintes Grauen packt mich dann. Ich wehre mich mit dem Verstände dagegen, aber es nützt nichts.

Wenn ich nach Haus komine und schlafen gehen will, habe ich mir ein paarmal schon eingebildet, es läge einer in meinem Bett. Natürlich war es nichts als eine momen­tane Erregung der Nerven. Das hat Jahre gedauert, aber ich habe es allmählich überwunden. Dafür hat sich immer mehr bei mir das eine ausgebildet die Angst vor der Gefahr. Ich habe vor morgen eine Angst, ich tarnt dir's gar nicht beschreiben. Es überläuft mich immer. Ich weiß, daß mein Herz schneller schlägt, wenn ich nur daran denke. Wenn ich meine Brust befühle, merke ich, tote erregt es ist. Ich bekomme Sausen in den Ohren. Es scheint mir, als trübe sich mein Gesicht, als träte mir das Blut in die Augen. Ich werde unsicher, ich weiß nicht mehr, was ich denke und was ich rede.

Der Augenblick der Pistole gegenüber ist es nicht mein Gott, einmal kann man ja nur sterben aber der Gedanke, wieviel Zeit vergeht, bis es dahin kommt! Das bohrt mir in den Knochen.

Und doch, es erregt mich nicht, daß die einzelnen Sachen vor sich gehen, die nun einmal im Laufe eines

Duells bestimmt sind, sondern tote ich das Einzelne ttujt assen werde, ob man mir meine Furcht ansehen wird. .Es ist ja lächerlich. Wenn dieser Serbe mich nun morgen über den Haufen schießt, ist die ganze Sache erledigt. Es könnte mir also ganz gleich sein, und doch nein, netn^ es ist gräßlich, es ist furchtbar! Werde ich zittern? Werde ich frieren? Laß es doch kalt sein, dann friere ich. Aber wenn ich nun warm angezogen bin, oder wenn es nicht kalt ist, und es ist doch heute kein kalter Tag gewesen- was habe ich für einen Grund zu zittern? Und dann denke dir das verächtliche Gesicht des Serben, wenn er sähe, daß ich zittere. Vor dem Tode zittere ich nicht. Ich habe an meine Angehörigen geschrieben, habe meine Ver­hältnisse aeordnet, habe schon einen Strich unter mein Leben gemacht. "Also siehst du, den Tod fürchte ich nicht. Aber denke dir bloß einmal, wenn ich die Pistole hebe, und der Lauf geht hin und her! Denke dir, daß mich plötz­lich die Angst so überkäme, daß ich, ehe ihr ein Kommando gegeben habt, schieße. Dann wird mich der Serbe stehen lassen, und seine Sekundanten werden sagen:Der Kerl ist nicht satisfaktionsfähig." Nnd ich? Ich stehe zu Schimpf und Schande da, als Opfer meiner Nerven. Kannst zu verstehen, was ich dir da sage? Ich.glaube, ein andrer kann es gar nicht begreifen. Kannst du das mitfuhlen, sag mal, bitte, kannst du das? . . .

Mir wurde es schwer, aitf Fritzens Worte zu ant­worten. Nachfühlen konnte ich es nicht, aber einen Trost mußte ich ihm doch geben, darum sagte ich:

Du hast mir das alles so, genau erklärt, daß ich wohl imstande bin, dich zu begreifen. Du tust mir leid- Fritz, ich kann ja gar nicht sagen, wie. . . Aber raffe dich zusammen, sei doch vernünftig, so ivas wird nicht geschehen^ behalte mich im Auge und tue ganz genau das, was ich dir sage. Ich gebe dir das Versprechen, es läuft alles glatt ab. .

Ich setzte mein Zureden noch eine Werte ।oct, und es schien auch Eindruck auf ihn zu machen: er lvurde sichtlich TUfjtCICE. *

Die Stunden verstrichen, ich merkte, es war keine Rede davon, daß er schliefe. Aber ich war, während mir nun Fritz immer noch weitere Beweise gab von dem, was er seine Feigheit nannte, so müde geworden, daß mir ditz Augen zufielen. ,, . . , . .

Aus dieser halben Duselei erwaaste ich dadurch^, daß Fritz sich an meiner Seite niedergelassen hatte und mich herzlich flehen" 'ragte:

Bitte, > mir nur eins: verachtest du mich sehr? Aber wie kannst du nur so was meinen!

Dabei reichte ich ihm die Hand:

Wenn ich dich verachtete, glaubst du, daß ich dem Sekundant sein würde?

Es leuchtete freudig in seinen Augen auf:

Das ist richtig. Daran habe ich nicht gedacht. Siehst du, das ist mir ein Trost.