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H?/?delssperre, die damals in den deutschen Staaten geaen- sertig bestand und werter klagte man über zu strenge Kon- trollmaßregelu, dre bei Einziehung der indirekten Steuern angkwendet wurden. Es kanr hinzu, daß die Erwerbsver- haltmsse schlechte waren, und daß sich der Bauernstand dura) dre Landesherren gedrückt und in seinen Rechteck ae- ^malert glaubte. Dies alles rief Unzufriedenheit in der Bevölkerung hervor und trug wesentlich zu dem Aufstande 6ei' der im September 1830 zum Ausbruch kam. Er kam ganz Plötzlich, ohne daß er durch Pläne usw. vorbereitet tvar und ging aus von vermögenslosen Leuten, die nichts zu verlreren hatten, und denen vieles andere Volk folgte. Erne genauere Beschreibung der Revolution will ich hier nur von dem damaligen Landgerichtsbezirk Ortenberq geben, und zwar auf Grund von alten Auszeichnungen und Mitteilungen älterer Leute.
. , ~ie Heimsuchung des Ortenberger Bezirks von der Re- dol.ution bestand hauptsächlich in einem Streifzuge von Rebellen am 29. und 30. September, der sich in Asenburg- Budingiichen Orten (Sa-nmelort bei Düdelsheim) gebildet hatte und von Büdingen, ivo schon einige Tage vorher, tnsbes. am 19. September, Unruhen herrschten, nach Orten- berg führte. In Ortenberg.wurde am Wend des 29. Sep- lssaber das Landgerichtsgebaude verwüstet und dann setzte M .b.er Zug, teilweise über Eckartsborn, Lißberg, Schwickartshausen und Fauerbach, teilweise über Boben- hausen und Wallernhausen und teilweise über Stockheim, Wauberg u,w. nach Nidda fort. Am Morgen des SO Sep- ^u/ber kamen Rebellen-Aotten von Rinderbügen, Michelnau und Bindsachsen nach Gelnhaar; von dort aus zogen sie nach Weninas, Rieder-, Mittel- und Ober-Seemen und dann nach Gedern. Gleichzeitig bildete sich ein Weiterer Zug von Gelnhaar ausgehend, über Usenborn, Hirzenhain, Stein- uerg nach Gedern. Bon dort aus zogen die vereinigten Re- bellen über Kaulstoß, Eichelsachsen nach Schotten. Die Re- beilen waren ausgerüstet mit Gewehren, Säbeln, Heugabeln, Knüppeln, Sensen usw., in allen Orten, wohin sie Lamen, begingen sie Verbrechen aller Art, sie schrien „Freiheit und Weichheit", sangen, trommelten, fast überall verbrannten sie die Akten der Bürgermeister und sonstiger .Beamten, begingen_ Diebstähle und zwangen die Ortsein- wohner, daß ,re mit ihnen zogen. Manche schlossen sich frei* iWltff dem Zuge an, andere gingen nur aus Zwang mit. ° Urteil des Bezirks Ortenberg wurden
8— Effolderbach, Bergheim und Bolkartshain — von den Streifzugen nicht berührt. Ich lasse nun Einzelheiten folgen, aus denen ersichtlich ist, wie die Rebellen in deck ver- sctziedenen Orten gehaust haben:
1. in Bleichend ach: Am Vormittage des 29. September erschienen Einwohner von benachbarten Asen- burgischen Orten und verlangten, es solle gestürmt werden, Je - Gemeinde solle mit zu dem Versammlungsorte bei Düdelsheim ziehen. Da diesem Ansinnen nicht entsprochen wurde, verließen die Fremden den Ort unter Drohungen. Gegen Abend kam der ganze Rebellenzug von Büdingen aus nach Bleuheubach. „Freiheit und Gleichheit" war die Losung, es wurde gestürmt und den versammelten Einwohnern angekundigt, daß sie mitziehen müßten, sonst wurden ihnen die Höfreiten angesteckt. Nach den Dienst- papieren des Bürgermeisters wurde gesucht, und die Straf- xegister des Flur- und Forstschützen verbrannt, desql. auch die Papiere eines früheren Schultheißen.
. in Selters: Am Wend des 29. September kam Ker Rebellenzug hierher, welcher! von Büdingen nach Ortenberg sturncke. Es würde Sturm geläutet, die Papiere des Bürgermeisters, Ortseinnehmers und ChausseegelderWbers verbrannt; dem >Ortseinnehmer wurde seine Kliffe geraubt, bedroht, so daß er, als kurz danach mne Stoeue Kolonne mit drohendem Geschrei nach seiner.
-rU1r^ brmüg, es vorzog, aus einem Hinteren, zwei Stock- H Hiuauszuspringen. Die ganze Gemeinde
samt dem Geistlichen wurde genötigt, mitzuziehen.
_ O rtenb e r g: Bei Ankunft der Rotte mußten ^he Wirte und Kramer Brot, Branntwein und Tabak unentgeltlich hergeben. .Hierauf wurde der Ortseinnehmer TO Seuotigt, seine Dienstpapiere auszuliefern und unter Drohung mit einem „bespannten" Gewehre aufaefordert das herrschaftliche Geld herauszugeben. Dann wurden dem Pfarrer K., in dessen Haus man Stempelpapier vermutete, I b'e Fenster eingefchlagen und gleichzeitig ward die Vermietung des Laudgerichtslokals begonnen, wovon der Wbel |
vj)e.r ^bließ, als bis von dem Gebäude und allem bramck blieb "am weiter unzertrümmert und unver- blieb als das Dach- und Fachwerk des Hauses: Unterdessen wurden mehrere Privatwohnunaen, nament- rickckers W., des pensionierten Land-
H hpa S' beä r ?tuars H, des pensionierten Aktuars U., des Steuererhebers B. und des Stadtrechners R. an-
und an denselben die Fenster teilweise eingeschlagen. geschahen jedoch immer nur von 15—20 Ä bayer zum Teil abgewehrt werden. Das
Landgerichtsgesangnis wurde erbrochen und ein Gefangener m Freiheit gesetzt. Hierauf wurden alle Einwohner zn- !^'Engerusen und ckiit Ansteckung der Stadt bedroht, wenn sie sich nicht dem Zuge anfchlöfsen und nachdem die meisten Einwohner niitgezogen waren, entfernte sich endlich dis Rotte, um den schon zu Büdingen beschlossenen Zug nach
Während dieser Vorgänge wurden mit ^rrzen Unterbrechungen die Sturmglocken gezogen, die Trommeln gerührt und mit dem Rufe „Freiheit und Gleich- hert Vermischte sich, wahrend die Flammen zum Himmel emporloderten, das Zubelgeschret der tobenden Menge, die m der Verwüstung des Landgerichtslokals und der Re- gistratur em Siegesfest zu feiern schien. Der Lärni war derart, daß er bis aus Hof Louisenlust — li/3 Stunde von s r 'eor^rg entfernt — gehört wurde. Durch, das Brennen r61' dUten und Mooel bei dem Landgerichtsgebäube war davselbe in Feuersgefahr und es mußte die ganze Nacht hindurch gelöscht werden. 1
Von einem Friedr. H. aus O., der sich ast dem Tumult hervorragend beteiligt haben muß, besagt ein Schriftstück: „Fr. H. ist den Rebellen eine Strecke wegsweit entgegen! gegangen, hat fte hierauf in die Wohnung des Ortsein- nehmers M. geführt, daselbst zu Exzessen angereizt und sich rann auf das Landgericht begeben. Hier war von einigen fremden Haupträdelsführern bereits die Auslieferung des Stempels der Feldrügen, der Darmstädter Berordnungeck und der Stempelkasse gefordert und es waren diese Gegenstände too» dem Landgerichtsdiener R. bereits ausgelieseri worden, die Rebellen hatten dagegen versprochen, alles andere schonen zu wollen und die Gerichtsstube bereits verlassen;, es war diese sofort wieder verschlossen und der Rückzug aus dem Hause begonnen worden, wobei man nur noch nach der auf einem Stalle befindlichen alten Re- gistratur fragte, welche den Rebellen nunmehr gezeigt werden
Während dieses im Haus vorgegangen war, hatte sich vor diesem eine unübersehbare tobende Menge angesammelt und die hächsteSpannung war eingetreten. Ehe noch dis oben erwähnten fremden Hauptführer zu der Menge zurückkamen, gerade als sie mit dem Stempel und den Feldrügen die Treppe hinabgingen, hat Fr. H. ein Fenster von außen her eingefchlagen und hierdurch das Zeichen zum Angriff! auf das Haus gegeben. Alsbald ist die wütende Menge in alle Teile des Gebäudes gedrungen und hat mit unbeschreiblicher Wut große Verheerungen angerichtet. Fr. H. hat hierauf persönlich in dem Wohnzimmer des Landrichters Hausgeräte zerschlagen und nachher dreimal die Rebellen in die Wohnung des Steuereinnehmers B. gefüllt, auch einen der Ortestberger, ivelche hier abwehrten, mittels einer Laterne und eines Schreinermessers auf dem Kopf „blut- rissig" geschlagen, worauf er selbst mißhandelt und nach Haus gebracht worden ist."
Ein Josef Sp. aus Lindheim soll die Landgerichts- Assessoren W. und S. und den Landgerichtsdiener K. mit dem Tode bedroht haben, ferner soll er es gewesen sein, der den Landgerichtsdiener R., den man für den Landgerichtsdiener K. versehen hatte, zum Fenster hinaus ins Feuer stürzen wollte. Als die Menge den Irrtum gewahrte, schrie sie laut „den tut, es ist der falsche!"
Ein Georg N. aus Bleichenbach hat, nachdem schon alles andere im Landgerichts-Gebäude zerstört war, noch ein Nachtgeschirr des Landrichters zerschlagen. Gewiß, ein grenzenloser Uebermut!
(Schluß folgt)
Schweizerdeutsch.
A. Loosli-Bümvliz schreibt in den „Südd. Monatsheften", Reiche draußen," wie man in der Schweiz etwa sagt, wckchert ent unausrottbarer Aberglaube; der Glaube an einet sonderbare Mundart, das „Schweizerdeutsch". Die Reichsdeutscheck stellen sich darunter .einen, allen DeutsMAveizern eigenen nM


