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Einiges über die RevsiuLisn vom Jahr (830 in GbecheMn.
(Bei unserem Preisausschreiben mit deut 2. Preis aus» gezeichnet.) -
Nachdruck verboten.
Jin Jahre 1830 kam es in Hessen, insbesondere im Oden- tofllb- und in -Oberhessen, zu tumultuarischen Auftritten, obwohl ein besonderes politisches Ereignis nicht vorlag, was dazu hätte Veranlassung geben Wunen. In Oberhessen sind hauptsächlich die damaligen Landgerichtsbezirke Friedberg, Nidda, Büdingen, Schotten und Ortenberg von dieser Revolution betroffen worden. Wenn man nach der Ursache derselben forscht, so kommt man zu den: Ergebnis, daß sie einmal in der Nachwirkung der damaligen Revolution in anderen Ländern (z. B. Frankreich, Hessen-Kassel) zu suchen ist, dann aber auch, daß die Unruhen in der allgemeinen Unzufriedenheit der Bevölkerung ihren Grund Hütten. So war das Volk, wie ich aus alten Aufzeichnungen feststellen rannte, ungünstig gestimmt wegen der Einführung des: Stempelpastiers, das damals, nicht lange vorher (anstelle oks heutrgen Urkundenstempels Und der Gerichtsgebühr) eine geführt worden war; ferner wär es erbittert über di'e
Nun kam noch die Ungeduld dazu für den arnren Peter. Wnz zappelig! ward er. Er kaute am Daumennagel, er trommelte mit den Fingern, er nahm einen Schluck Weist, stellte sein Glas hin, nahm's gleich wieder und trank noch einen Schluck. Mer es war ihm, als kaue er Zunder.
Puh, so ekelhaft war alles, so Häßlich, so infam und falsch und heinrtückisch.
Es war ihm, als hänge ihm etwas an, ein Schmutz, eine Spinne. Wfchütteln wollte er's. Und so ängstlich ward ihm, als lauere etwas auf ihn, ein Unhold, ein Ihm tier. Als stehe ihm etwas Schweres bevor, dem er nicht entrinnen könne, das ihn packen würde und vernichten, ihn, alle seine Freudigkeit und Hoffnung, all fein Vertrauen und seinen guten Mut. Er hatte so schön vorgedacht, so schön hatte er das Leben gestalten wollen. Nun war's vorbei. Da ward er traurig. Als liefen ihm rote, kalte Tränen hinter der Stirn und rieselten und schmerzten so furchtbar. I
Er stützte den Kost-f auf.
Eine Wut kam ihm. Eine Wut über die Elise. Wegwerfen wollte er sie, hinwerfen. Da habt ihr sie, die Falsche, die Lügnerin! Diese Dirne, die sich jedem in die Arme schmeißt. Die ihn nur genarrt hüt all die Jähste, unr sich nun den andern im Tanz zu nehmen. Und um einen Tanz.
Die Wut kochte in ihm. Schlagen hätte er sie mögen. Dann ward's einen Moment still in ihm. Wer die Wut kochte wieder herauf. Er schluckte schwer. Er war ganz trocken im Munde.
Sie schlagen, mit Füßen treten, daß sie vor ihm liegen müßte, ihn anflehen, ihn um Erbarmen anflehen. Er würde aber kein Erbarmen haben. Nicht das kleinste Fühlen für sie. Zertrümmern würde er sie, bis das Blut liefe.
Wie Vorstellung machte ihn schaudern. Er erschrak. Er besann sich. Er schämte sich vor sich selbst.
Was hatte sie denn getan? Den „Dreher" getanzt, wie die anderen Mädchen auch. Was wollte er deshalb: von ihr? Er war ein Narr!
Wer er konnte sich nicht helfen, er konnte nicht dagegen. Stärker nur kochte die Wut in ihm auf. Nein, er wollte sie nicht mehr, die Falsche. Sie mochte hingehen. Sie hatte ihn nur daher geführt, um ihn lächerlich zu machen vor diesen Tölpeln.
Er bedachte nicht, daß gerade er zu dem Besuch gedrängt hatte. Sie hatte ihn nur blamieren wollen, recht blamieren und sitzen lassen.
Die Elise kam nicht zurück. Sie saß bei dem Nehers- Wdani. !
Ja, so einen brauchte sie, der war der Rechte für sie, der griff gleich zu. Er, der Peter, war ja viel zu gut und sanft und zurückhaltend für sie gewesen.
Nun war er unfähig, noch weiter zu denken.
Da begann ein neuer Tanz. Und richtig, die Elise kam mit dem Nehers-Adam. Sie nickte ihm frech herüber. Pfui, wie frech war sie.
Und wie tanzte sie wieder! So hatte er sie nie gesehen. Sie tanzte ja nicht mehr, sie tobte. Ganz vernarrt war sie, ausgelassen, ganz aus Rand und Band.
Also so war sie! Ja, ja, so war sie. Vergnügen und Vergnügen, und den nehmen, der ihr dazu am besten dienen kann. Wenn er nur einmal schreien könnte! Er würde gepiß keine Stimme haben. Er war ausgetrocknet wie ein Holz. Er lvürde einen Skandal machen. Koste es, was es wolle ! Er wollte fordern, was ihm gehörte. '
Freilich, der Kerl würde ihn auslachen. Er >oar ja wie ein Bär, wie ein Baum! Was konnte er gegen den ausrichten? Er würde den Kürzeren ziehen. Und die anderen Burschen, die würden sich erst freuen. Sie würden ihn auslachen. Er hörte schon ihr Gebrüll, und er mußte sich an die Ohren halten.
Ach, sie Ivar ja das all gar nicht wert! Nein, aber sagen wollt er's ihr, und wie! Und wenn's gleich, zum Bruch käme. Was hatte er ihr getan! Geopfert hatte er für sie seine ganze Fremde! Ihr zuliebe! Und das war der Dank! Sie hing sich an den anderen.
Menn er nur fort könnte! Ins Wasser möcht er am liebsten. Alles war ihm verleidet, das ganze Leben! Was wollte er noch, was sollte er noch? Es hatte alles keinen Wert mehr, all sein Tun und Sorgen, 's war alles für nichts. Alles für nichts !
' Dann Mach wieder so etwas wie Hoffnung in ihm.
Ganz hermlich erst, dann lauter. Und immer stand's hinter dem, was er dachte und sich vorsagte. Das quälte doppelt es machte so weh und ungewiß. '
Als der Tanz aus war, drängten die Alten zum Aufbruch, Es sei Zeit zum Nachtessen. Wenigstens „Mm Richten", sagte die Mutter. Der Peter könne ja noch da bleiben. Er könne sich zur Elis' setzen auf die Wiese. Da wär's gewiß lustig, wo der Nehers-Adam wär.
Wer der Peter wollte ja fort.
Der Vater ging hinaus, wo der Nehers-Adam seinen Tisch hatte. Er wollte die Elise holen.
„Ho, ho!" lachte die, es sei noch viel zu früh, sjq gehe noch nicht mit. Der Peter könnt sie ja später abholen,- wenn er absolut heim wolle. Sie bleibe noch da. Es sei nur -einmal „Kstrwe" im Jahr, und da wolle sie tanzen. Essen könnt sie jeden Tag,
Sie ging nicht mit.
Der Peter ging allein mit den Eltern, ganz zerschlagen/ knirschend.
Das sei doch, keine Art, sagte er den Eltern.
Diesen war's ja auch nicht recht. Wer sie fanden es eher erklärlich-.
Der Peter aß nichts. Er sann nur vor sich hin. Wenn er nur fort könnte!
Es war Weird geworden. Es hielt ihn nicht länger/ er ging vom Tisch weg dem Wirtshaus« zu.
Ja, er solle sie holen, hatte der Vater gesagt. Er wolle ihr auch den „Beusel" gehörig stecken.
Gänz mutlos ging der Peter. Die Elise mußte ihn ganz vergessen haben. Das mußte der Wein bewirkt haben und die Hitze und der Tanz und — der Nehers-Adam. Wie nur so etwas möglich war! Wie man nur so auf einmal ganz anders sein konnte! Sich selbst vergessen konnte, sich nicht mehr verstehen konnte! Es war ja furchtbar! Sic? war doch ein anständiges Mädchen. So hätte sie doch nicht über alle Gstenzen schlagen dürfen. Ein jeder Mensch macht ja einmal einen Fehler, jeder tollt einmal gern. Wer da muß man hoch wieder Vernunft annehmen und an sein« Pflicht denken. Es war ja unverzeihlich.
Es lqar unbegreiflich. Was es nur war, das die Elise,auf einmal so gänzlich verändert hatte!
Immer mehr sank dem Peter der Mut. Was würde er ausrichten? Sie tat ja, was sie wollte. Sie hatte schon immer ihren Kopf gehabt.
Der Peter ging um das Wirtshaus herum. Er ging erst oben hin, wo er in den Saal sehen konnte. Sie war nicht da, sie tanzte eben nicht.
Er ging nach der andern Seite, wo er in die Wirtsstube sehen konnte. Sie saß auch da nicht.
Er ging durch den Gang. Nun war's ihm, als gehe er auf heißen Kohlen. Er zitterte. Er mußte einen Augenblick stehen bleiben und ausatmen. Er sah sie nicht.
Er ging noch ein paar Schritte vor und stellte sich in die Tür. Vielleicht hatte er vorhin nicht genau aese-hen,- vielleicht tanzte sie doch. Er blickte eine Weite scharf hin) bis jedes War an ihm vorüber getanzt war.
(Fortsetzung folgt.)


