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1909 Nr. 128

Peter Nockler.

Die Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holzamer.

(Nachdruck verboten.) (stortsetzung.)

Nun ging ein Aufruhr durch den Saal. Ein Signal war geblasen tvorden. Alles war -aufgesprungen tvie elek­trisiert. .

Dreher!" hieß es.De Dreher!" riefs überall.

Die Burschen rannten blind drauf hinein wie die Stiere.

ZumDreher" holte sich jeder die Liebste. DerDreher" wurde mit dem Schatz getanzt, und Wenns gleich nur der heimliche Schatz war.

Alt und jung war auf den Beinen. SeinenDreher tnuß her Odenwälder sehen, wenn er ihn nicht mittanzt. Wenigstens sehen muß er ihn. ,

Die Elise glühte vor Ungeduld. Kam doch einer! Zu ihr kommt jetzt gewiß keiner. Keiner will sie. Weil sie den Peter hat. O den!

Kommt keiner? v

Mußte sie denn auch einen Schatz haben! So einen schmachtlappigen! Hütt nicht ein starker, großer, kräftiger besser für sie gepaßt? Natürlich, so einer, mit dem sie hätte stolz sein können! Mit dem sie jetzt hätt den Dreher tanzen können.

Aber mit dem Peter! O, wär er nur

Nein, sie wollte ihn gar nicht mehr. Menn er auch brav war und ordentlich! Mas lag ihr dran! Sie wollte über­haupt keinen Schneider. Sie wollte einen starken, großem, kräftigen Mann, der was aushielt, mit dem man sich iiicht zu schämen brauchte, mit dem sie hält stolz sein können. Daß sie jeder beneidet hält! Uiid mit'dem sie jetzt hatt den Dreher tanzen können. .

So gingen ihr die Gedanken beständig im Kreise um den einen Punkt herum. .,

Da kam einer auf sie zu. Nicht rechts, nicht links hatte er gesehen, da er durch den Saal geschritten war. Keinem !war er ausgewichen, alle waren ihm aus dem Wege gegangen.

Der Nehers-Adam!" flüsterte es rings. Und alle .Hälse wurden lang. So schön und stolz wie der war keiner mehr auf der ganzenKerwe". Die engen, weißen Hosen trug er in den Stiefeln mit den gelben Stulpen oben, einen langen, dunkeln Rock hatte er an mit Hellen Silberknöpfen, eine Krone drauf.

Der Nehers-Adam!" Und geradenwegs ging er auf die Elise zu.

Die fragte wieder nicht lange erst, sie nahm feinen Arm und stand gleich mit ihm in der Reihe.

Maßt de, de Nehers-Adam is emol arig um die Elis tzrumgeschliche, wie se noch deham war," sagte der Vater dem Peter ins Ohr.

Die Mutter aber betrachtete leuchtciiden Auges das

Paar. Und alle betrachteten es. Schöner wär keines weit und breit zu finden gewesen.

Mer häwwe 's awwer net gelitte," sagte der Vater noch. ;

Der Peter nickte. Er begriff nicht ganz. Mer er ahnte es. Es stak etwas dahinter, daß der Adam die Elise zum Dreher geholt hatte, und so franchement daher gekommen war. i Und nun sah er's auch, er sah's mit dem geschärfter^ Auge des Liebhabers, der zu fürchten hat.

Er hatte die Augen vom Nehers-Adam gesehen. Er hatte das leise Rot der Elise bis in die Haare steigen sehen. Er begriff, er begriff mehr und mehr

Die 'Trompete schmetterte. Die Paare schritten den! Saal entlang. , , , . .

Dann die Hände auf den Schultern und herum qinq's, cheriim, wie an der Schnur gezogen, so leicht, so flink und so toll! Und ruck alle waren auseinander. Die Mädchen hielten zierlich den Rock mit der einen Hand, mit der anderen den Burschen, und so tänzelten die Paare den Saal entlang.

Trrrää -äm die Trompete ruck int Kreise, Antlitz gegen Antlitz, die Hände auf den Schultern immer rascher, immer rascher

Ich bin von Mitterschhause,

Mein Vatter is en Besenbinner,

Mer wohne dohinue drauße, Do hinne draus; am Wald!

Was geht's dich an, btt Hammelschwauz,

Wann ich mit meiner Basel danz,

Ich danz mit meiner Bäsel,

Was scher ich mich um dich!"

Der Peter staunte. Das waren die steifen Tölpel, Puppenköpfe, die Bubengesichter! Daß die so viel Leben in sich hatten und so viel Gewandtheit in den Gliedern! Er inußte es ihnen Anerkennen, so sehr er sich dagegen sträubte. Er iu u ß t e! , ,

Dann beobachtete er die Elise, tote sie ganz dem Tanz hiiigegeben war, ganz dem Nehers-Adam.

Er zitterte, er glühte.

Was geht's dich an, du Hammelschtoanz, Wann ich mit meiner Bäsel danz, Ich danz mit meiner Basel, Was scher ich mich um dich!"

Ein Ruck,- bet Tanz war aus.

Dem Peter saß etwas int Herzen, das brannte und stach Er sah die Augen der Elise, die Augen des Burschen. Er konnte es nicht los werden, er sah sie ganz still, ganz eins, ganz selig ineinander ruhen.

Uiid das brannte und brannte und stach und zerrte in ihm. Und machte ihn ganz schwach und elend. Als ob er vergehen 'müsse, hinsinken müsse. So zehrte es an ihm. Als ob jetzt alles Leid der Welt auf ihm ruhe, eine schwere,- schwere Last.

Die Elise kehrte nicht zurück mit dem Nehers-Adam.