Ausgabe 
18.3.1909
 
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17G

Da heißt es Tag unb Nacht: Hab dich zum Mann gemacht. Du Lump, du Schelm, die Prahler, Du hast kein'n halben Taler . Zu mir in's Haus gebracht.

3. Frei' ich mir eine Arm«, Desgleichen ich auch bin, Da heißt's: Gott soll sich erbarme! . Wo woll'n die zwei nur hin-? Keine Leinwand und kein Tuch! Kein Strümps' und auch kein Schuch! Kein Haus, kein Hos, kein Kammer! Ist das nicht großer Jammer, Wenn man's betrachten: tut? usw.

Der Hochzeitslieder aber gibt es manche. Ein Teil derselben wird der "allgemeinen Sitte nach am Abend des Hochzeitstages vor dem Hause von den Spinnstubenkameraden der Braut oder des Bräutigams gesungen, und diese Lieder heißen tm beson­deren Bräu- oder Braitlieder. Eines der m Oberhesten be­kanntesten ist das sogenannte Ehestandslied, das das Ehestands­leben mit dem Klosterleben vergleicht und offenbar auf katho­lischem Boden, wie auch das oben geiiannte:Es welken alle Blätter", erwachsen ist. In der zweiten Strophe srud die Worte: Ich will heirat'» in der Still" so ält verstehen:Ich will so heiraten, daß es die Mütter gar nicht' werft." Auf die ganz eigenartige Melodie, die mir alt scheint, mache tch besonders aufmerksam. Ich Habe das Lied in Engclrod und Beuern auf- geschriebcil. Hier die erstere Fassung:

" 1, Btw ge - fällt das Eh'-standsle - ben bes-ser als das

Kloster-zieh'n, ja Klosterziehw. In das Kloster mag, ja mag ich

nicht, beim ich bin zu der Eh' ver-pflicht', ja Eh' verpflicht't!

2. Ach, was wird die Mutter sprechen, Wenn ich sie verlassen muß, ja lassen muß! Sie mag sprechen, was, ja was sie will. Ich will heirat'» in der Still', ja in der Still'.

3. Vater, tut euch doch erbarmen

Und verschafft mir einen Mann, ja einen Mann (eine Fran), Der (die) mich drückt an sei, ja seine (ihre) Brust, Tenn zum Heiraten hab' ich Lust, ja hab' ich Lust!

Dermifebtes.

* M r s. T a f t sP a t r i o t i s ch e" Robe, lieber die helden­haften Anstrengungen der amerikanischen Schneider, die mit allen Kräften am Werke sind, bei den Festlichkeiten in Washington jetzt zu beweisen, daß die amerikanische Modekunst ber Vormundschaft der Pariser entraten kann, wird unterm 3. März von Newyork allerlei..Interessantes berichtet. Mrs. Tast, die neue Präsidentin, hat Stunden schlimmer Aufregung hinter sich. Die schwierige Toilettenfrage harrte der Lösung und sie mußte sich klar sein, daß ihr erstes Auftreten in Washington darüber entscheiden würde, in welcher Weise sie die ihr zukommende gesellschaftliche Führer­schaft ausfüllen wird. Mrs. Taft hat sich auf die patriotischen Pflichten besonnen, die ihr als der neuen Präsidentin der Union obliegen: nach langen Beratungen hat sie in Newyork bei ameri­kanischen Schneidern die Robe für den Jnaugurationsball bestellt: sie ist der Entwurf eines amerikanischen Schneiders, aus ameri­kanischem Material gefertigt und bedeutet die entscheidende Lkriegs- erkläruug gegen den Terrorismus der Pariser Modeschöpfer. Die Robe der' Präsidentin ist ein klassisches Muster von eleganter Einfachheit und soll zugleich im Gesellschaftsleben von Washington eine neue Aera einleiten, in der die alten Toiletten und Schmuck­exzentrizitäten verbannt sind. Sie ist ganz aus zartem weißen Chiffon gearbeitet und nur mit Goldrutenblüten, der ameri­kanischen Nationalblume, verziert. Im Gegensatz zu der europäischen Mode wird die lange Schleppe des .Meides nicht von ben Schultern aus zur Erde fallen, souder» ist in der Taillengegend befestigt. Nur in den Haaren wird Mrs. Tast einen Diamantschmuck und eine Federaigrette tragen: sonst wird kein Schmuckstück die lichte Einfachheit und die elegante Schlichtheit, der Toilette beeinflussen. Aber am Tage vor dem Präsidentenwechsel herrschte trotz der Lösung bet Toilettenfrage im Hause Tafts eine seltsam gedrückte Stimmung. Als ein Bekannter Taft nach der Robe seiner Gattin fragt, wurde er ärgerlich und lehnte es ab, sich über Frauen- mode» zu unterhalten. Die Nervosität bei den Damen war noch

größer: sic erklärte sich aus der Besorgnis, das Kleid würde nicht zur rechten Stunde fertig werden. Der Korrespondent eines eng­lischen Blattes hat das in Frage stehende Newyorker Modehaus aufgesucht und sich das Kleid zeigen lassen. Es soll in der Tat wundervoll werden, war aber am zweiten abends gerade fertig geschnitten und wurde mit Nadeln zusammengesteckt. Man habe in Washington zu lange beraten, dniuit erklärte der Chef des'Hauses die Verzögerung. Aber er fügte nicht ohne Stolz hinzu:Mrs. Taft braucht sich jedoch nicht zu beunruhigen. Wir kennen unsere patriotische Pflicht. Wir werden die Nacht durcharbeiten und die Robe morgen früh mit einem besonderen Boten nach Washington schicken." Bei der Fahrt zum Kapitol wird die Frau des neuen Präsidenten ein geschmackvolles Dirertoirekostüm anlegen und als Schmuck nur ein Perlenhalsband tragen. Ihre Abneigung gegen Juwelenluxus ist in den Salons bereits bekannt und die Damen richten sich danach. In der Tat erklären die Juweliere, daß der Verkauf von Schmuckstücken vor den Festtagen nicht im geringsten zugenommeu habe, ja eher einen leichten Rückschlag erlitt. So be­ginnen die Tafts im Zeichen der Einfachheit ihre Präsidentenzeit unb lehnen das luxuriöse Auftreten der früheren Präsidentenfamilie ab.

* Sam art in eS Schulde n. Wenn Balzac, dessen An­sprüche auf eine, vornehme Lebenshaltung mit seinen Einnahmen nicht harmonierten, von Sorgen und Gläubigern geguält wurde, dann pflegte er sich als Trost zu sagen:Lamartine geht es noch schlechter als mir." lind in der Tat bedeutete Lamartines Leben eine endlose Kette von Finanzschwierigkeiten großen Stils. Für seine erste Orientreise machte er rund 2 Millionen Schulden; das Werk, das er bann über die Reise schrieb, brachte ihm nicht ganz, aber doch fast ebensoviel wieder ein. Lamartine arbeitete mit allen Mitteln, um den steten Mißklang zwischen Einnahmen und Ausgabe» notdürftig zu dämpfen; er kaufte en gros Wein ein und verkaufte ihn dann wieder mit recht erheblichem Nutzen, aber alle Unternehmungen konnten nicht ausreichen, die rastlos au- wachseuden Schulden z» tilgen. Der Dichter hatte eine unbezwing­bare Vorliebe für schöne Pferde; es gab Zeilen, da er allein in Paris sich 18 Pferde hielt; er umgab sich mit einem ganzen Hofstaat von Bedienten und Gehilfen, gegen 20 Leute, Sekretäre, Kopisten und Expedienten, unb auch in feiner Kleidung entfaltete er den größten Luxus. Bei ihm war es gewissermaßen zum System geworden, überhaupt nur noch nach Dutzenden zu kaufen. Wenn er bei feinem Schneider einen besonders schönen Sammct- stoff sah, so kam unfehlbar der Auftrag:Schicken Sie mir bitte 12 Weste» von diesem Sammet." Und nicht anders handelte er bei seinem Schuster. Eines Tages besuchte er den wackeren Meister, um sich über einen Schuh zu beschweren, der nicht tadellos saß Der Schuster erklärte ihm die Ursache des schlechten Sitzes und erläuterte die Möglichkeit, den Fehler künftig zu vermeiden! Schön," meinte Lamartine,also dann machen Sie mir doch bitte 12 Paar." Seine Werke brachten ihm bisweilen außerordentlich große Einkünfte, allerdings nicht die Dichtungen, die nur geringen Gewinn abwarfen. Aber für die Histoire des Giroudins empfing er 250 000 Frs. und die Geschichte der Türkei brachte ihm nahezu die gleiche Summe. Wie Balzac, so arbeitete auch Lamartine unter dem Druck der Verhältnisse, aber während das Lebeuswerk Balzacs noch heute lebendig vor uns steht, sind die meisten Ar­beiten Lamartines, die int Zwange der Notwendigkeit hingeworfm wurden, so gut wie vergessen. Heute durchblättert man selten lene Bücher, die seiner Zeit ihrem Verfasser int Laufe vom 14 Jahren 41/25 Millionen Frs. eingebracht haben. Aber weder diese Summe noch die anderen Einnahmen wenn Lamartine Geld brauchte, opferte er auch seine Würde, weinte und flehte nm Hilfe wie mit ein Almosen noch die halbe Million, die die Nation ihm zum Geschenk ntachte, reichten aus, alle seine Schttlden zu bezahlen; doch hatte er, als er starb, 7 Millionen bereits abgezahlt.. v J

Arithmogriph.

1 2 2 7 weiblicher Vorname.

2 13 4 1 früheres Weginaß.

3 4 4 6 österreichischer Feldherr.

4 7 2 7 ein Tier.

14 5 Nebenfluß des Rheins.

5 7 4 7 ungarisches Romitat.

6 4 1 spanischer Tanz.

4 6 4 7 Figur aus derSizilianischen Baueritehre.

7 4 6 1 eine Arzneipflanze. ,

Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, den Namen eines modernen Roinanschriststellers.

Auflösung in nächster Nummer.f

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:

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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schon Universitäts-Buch- und Steindntckerei, R. Lange, Gieße».