Ausgabe 
18.3.1909
 
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Wsaau» »m«i» t ii.,

Auf Liebespfaden.

Roman von H. Ehrhardt.

'Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

In seiner Wohnung angelangt, schickte er das Mädchen nach einem Wagen. Mit der Meldung seines Vorfahrens zugleich brachte sie zwei Briefe mit. Er öffnete sie, wie sic ihm gereicht wurden, der oberste Dar von seiner Schwester, am gestrigen Vormittag geschrieben.

Mensdorf ist nun verkauft, au wen! wissen wir noch nicht. Mutter bekam einen Herzkrampf, als Onkel, es depeschierte, sie soll nach Nauheim, sagt der Sanitätsrat, aber ich glaube nicht, daß Onkel wird das Geld geben können. Vater kann cs nicht, er ist in arger Geldnot, so tvie noch nie, sagt er. Hoffentlich gewinnt er was."

Tie schlanke Gestalt des Mannes durchlief ein Schwankeu, so daß, er sich, die Zähne zusammenbeißend, auf die Tischplatte stützen mußte. Auch das noch! Tie Mutter war seit langem schon nicht recht wohl, er hatte nie gedacht, daß es etwas Ernst­liches sein könnte.

Freilich, der Verkauf von Mettsdorf, der brach ihr fast das kranke Herz.

Er blickte unwillkürlich auf den zweiten Brief.

Tie Handschrift des Onkels.

Er riß ihn so hastig auf, daß der Bogen mit. entzwei ging, er mwßte die beiden Stücke zusammenhalten.

Eine freudige Mitteilung, Mensdorf zwar verkauft, aber Wenigstens darf ich bis an mein Lebensende da wohnen bleiben, eine Dame Frau von Rieding

Tie Buchstaben tanzten vor Hassingens Augen, er deckte die Hand über die brennenden Lider.

Lena von Rieding hatte Mensdorf gekauft, keine Fremde würde auf dem lieben, alten Besitz wohnen, sondern die reizende Frau, die plötzlich in all ihrer Schölcheit und Anmut, vom Glanz des Reichtums umflossen, lockend als gütige Fee vor denk Mutlosen, Niedergedrückten stand und ihm und den Seinen die rettende.Hand bot.

Ein überwältigendes Glücksgefühl, eine leidenschaftliche Dank­barkeit wallten in ihm auf und mischten sich, mit der Sorge imt die kranke Mutter und der Last der Geldnot zu einem Gänzen, in dem für Minuten die ganze Welt um ihn versank,

Herr Leutnant!" Tie schüchterne Stimme des Dienstmädchens klang etwas Ängstlich von der Tür her.Der Kutscher sagt, mm sei es doch sckwn zu spät zum Kölner Schnellzuge, ob der Herr Leutnant denn etwa mit dein nach Halle weg wollten?"

Hans Hassingeu war cmporgeschreckt und strich sich wie er­wachend über die Augen.

Tie Fahrt nach Köln, das Zusammentreffen mit Helene' er hatte cs vergessen.

Einen Moment durchrann cs ihn tvie lähmendes Entsetzen.

Tann gab er sich einen Ruck.

Seine Stimme klang heiser, aber ruhig:

Ich werde über Halle fahren, sagen Sie dem Kutscher, ich käme sofort."

XIV.

Zu derselben Stunde stand Helene Falk in einem düsteren, \ auf einen schmutzigen Fabrikhof hinaussehenden Zimmer am Plätt­brett und führte das heiße Eisen sorgsam und etwas ängstlich über den dünnen Battist ihres weißen Kleides.

Sie hatte es selbst am Tage vorher gewaschen, weil die Mutter nur unter dieser Bedingung ihre Erlaubnis zum Anziehen des- selben gegeben hatte. Es war ja doch auch Unsinn. Wenn ihre Töchter Ende April schon weiße Kleider tragen wollten, nähme das Waschen und Plätten das ganze Jahr hindurch kein Eiche.

Lina, das Faktotum des Hauses, maulte schon genug über die viele Wäsche. Sic sah scheel zu de» Plättversuchen des jungen Mädchens, das sonst so wenig verstand', tüchtig mit im Haus­halt anzugreifen und ließ es nebenan in der Küche nicht an anzüglichen Bemerkungen gegenüber der Hausfrau fehlen.

Frau Falk steckte nach einer Weile den schon stark grau Me­lierten Kopf durch die geöffnete Küchentür.

Bist noch nicht fertig, Helene? Das dauert aber lange!" sagte sie, mit den unruhigen Augen dec abgehetzten Hausfrau, die immer auf der ängstlichen Suche nach -Spinnweben und Staub sind, das ganze Zimmer Musternd, in dem all jene Arbeiten ge­macht wurden, die geeignet waren, Unordnung in eine Wohnung zu bringen. ~

Auf dein, einen Fenster zeigte eine Nähmaschine Spuren schneiderischer Tätigkeit, die im Moment den Inhalt eines großen Flickkorbes vor zu haben schien, neben dem großen Mitteltisch stand ebenfalls ein Korb voll Wäsche.

Auf diesen wies Frau Falk jetzt hin.

Sobald bu fertig bist, mußt du Mit Aenne Wäsche legen!, Lina ivird sie gleich nach Tisch rollen mtb noch nachmittags plätten, wir Müssen allein das Geschirr anstvaschcn, dabei mußt du noch helfen, cs nutzt dir nichts."

Helene zog ein klägliches Gesicht.

Aber Maina, ich soll doch um 4 Uhr in Schwelm sein,"

Bis dahin ist noch lauge Zeit, mein Kind, erst die Arbeit, dann das Vergnügen."

Vom Herde her klang ein verdächtiges Zischen, und Frau Falk zog sich schleunigst in ihr Küchenrevicr zurück.

Dafür trat durch die Tür voni Flur aus ein junges Mädchen, eine kleine, rundliche Gestalt,, mit einem unschönen, aber frischen Gesicht unter glanzlosem, brauneni Haar.

Ihre gutmütigen, blauen Augen richteten sich sofort ans das glühende Gesicht der -eifrig plättenden Schwester.

Nun, Lenikind, welcher Weizen ist dir denn verhagelt?"

Sic trat näher mtb faßte die Schlankere und Größere nm die seine Taille.

Ich denke, heut haben wir doch nur Grund znrn Lachen." lieber Helenens liebliche Züge breitete sich eilt seliges Leuchten. Sie nickte.

Du hast recht, Aenne, heut darf ich mir gar nicht die Stnmunng verderben lassen. Heut bin ich ja so glücklich, als ob es direkt in den Himmel gehen sollte. Mer weißt du," sie dämpfte die Stimme noch mehr wie vorher schon,Hans ist