Ausgabe 
18.2.1909
 
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w« Europa macht uitfr schließlich feen. Unwillen

Dank Wissen,

Venn zwei dasselbe sehen..

man sieht, wie Sie beständig Geschenke mistcilen bei all Ihrem wlbeschreibiicheir eigenen Luxus; das muß Ihre Völker auf- wiegelu. Sie sind jung, leichtsinnig und verstehen nicht, mit deur Gelbe zu rechnen, und dies noch in einer Zeit, in der

Ihrer Volker Pferde, Ihre

Sie sind der Schuldcutilgungskasse noch 2 Millionen schuldig. Sie haben Ihre Wechsel zu Protest gehen lassen; das tut kein Mann von Ehre. Verkaufen Sie doch Ihre Diamanten, Ihr Tafelgeschirr und treiben Sie nicht so tollen Aufwand, der Sie zum Gespött

April 1809 bereitete sich in Niederhessen unter der liind- lichen Bevölkerung ein großer Aufschub vor. Bauern rotteten sich zusammen und planten, von Homberg (an der Efze) aus auf Kassel toszugehen, den König Jöröme gefangen zu nehmen, das westfälische Regiment zu stürzen und den Kurfürsten wieder ein» Hetzen. Man hoffte auf eine große gleichzeitige Erhebung in uvrddemschchnt , da man mit Schill geheime Verbindungen unter­hielt. Em westfälisches Regiment war für den Ausstand gewonnen wotbcn. Ter Oberst der Gardejüger, Freiherr von Dövn- verg, oer saromes Vertrauen genoß, stellte sich an die Spitze oer ^n,urgenten. Durch Verräter wurde das geplante Untrr- uehmeu entdeckt. Roch ehe die Aufständischen das Kasseler Gebiet erreicht hatten, waren ihnen schon die königlichen Truppen ent» gegengeruckt. Bor Tagesanbruch hallte von den Kasseler Höhen, her der donner der Geschütze; ihre Geschosse spieen Tod und Ver­derbe!: ur die Rethen des erschrockeneitBolkSheeres". Der mist- Amgeiie Handstreich brachte gar manchem braven Hessen Flucht, Gefangenschaft und Tod.

Auf die Nachricht von der hessische.« Insurrektion richtet MWcon au Jvrome ans Burghausen unter dem 2 9. A prik

Seröntc besaß, durchaus nicht die militärischen' Eigenschaften seines Bruders. Sehr ost kam er Napoleons Befehl nicht nach und handelte auf eigene Faust. Dazu war er noch ein schlechter Oberbefehlshaber. So geht ihm unter anderen nachstehende ernste Rüge von Schönbrunn aus, am 17. Juli 1809, zu:

Ter Generalmajor hat ntir Ihren Brief vom 7. Juli vor­gelegt. Ich kann nur nochmals wiederholen, die unter Ihrem Kommando stehenden Truppen müssen bei Dresden versammelt sein. Im Kriege kenne ich keinen Bruder, noch einen König von Westfalen, sondern nur den kommandierenden General. . . Ich Hobe Ihren Tagesbefehl gesehen, der Sie vor Deutschland, Oester­reich und Frankreich lächerlich machen muß. Haben Sie denn gar keinen Freund nur sich, der Ihnen die Wahrheit sagt? Gewiß, Sie sind König und Bruder des Kaisers, Vorzüge, die im Kriege lächerlich wirken. Map muß Soldat sein und wieder Soldat und nochmals Soldat. Man braucht da keinen Minister, kein diptomatisches Korps, noch Aufwand zu haben. Mau must mit der spitze seiner Truppen bivouaguiereu, Tag und Nacht zu Pferd fein, mit der Spitze marschieren, nm beständig Nachrichten zu haben oder lieber in seinem Serail bleiben. (Scceftre 478 und 479.)

so rst es utcht dasselbe! Zu diesem Schluß muß mmt kommen, wenn man am gleichen Tage in zwei englischen Blättern dis <wr, m,TA. < a ä- . - ------i merkwüMgen Kontrastbilder nebenemaiidersieht, die ihnen ihre!

^^^Tolker vnter den <rolgen Krieges leiden. (Leeestre 318.) ! Korrespondenten vom heutigen Berliner Leben entwerfen.

An den Mahnruf zur Sparsamkeit, den der Reichskanzler 'jetzt erneut erhoben hat, kuüpste der Berichterstatter derDaily Mail" oib um in einer längeren Betrachtung den Luxus, Leu Prunk und die Verschwendung zu schildern, die in den letzten Jahren ein charakteristisches Merkmal des reichshauptstädtischen <Wtl- schastslebens geworden sei. ,,Ter erste Appell des Kanzlers an die Sparsamkeit und an den Sinn für die Einfachheit verhallte vor tauben Ohren. Tie wohlhabenden Gesellschaftsklassen sind m dre Wintersaison mit einem Hang zur Ueppigkeit und zur Großartigkeit getreten, der früher hier unbekannt gewesen. Man hat wrners und Bälle gegeben, bei denen die Kosten absolut lerne Rotte mehr spielten, Kleider im Werte von 20008000 Mark werden bestellt und die Berliner Modehäuser plündern die Vor­räte in Paris und London, um den Ansprüchen ihrer Kundinnen! genügen zu können. Pelze im Werte von 2660 000 Mark und Hüte für 400, 600 und 1000 Mark finden ohne weiteres bereitwillige Käufer; Stiefel und Pantoffel, die reich mit Juwelen geschmückt sind, werden für MO Mark und noch teurer verlangt .mb gelaust. Juweliere sind heute gezwungen, ilM Vorräte bis zu einem Wert von vielen .Hunderttausenden zu erhöhen, im> v-ther eine bescheidenere Auswahl noch genügen konnte. Ein« . , Firma Unter den Linden hat allein in den letzten Wochen für I nicht weniger als anderthalb Millionen Perlen verkauft. Darunter dksand sich ein einziges Perlenhalsband im Werte von einer halben V«lwn, das ein Berliner Geschäftsmann für seine Frau kaufte. Und nicht geringer als die Summen, die für Kleidung und Schmuck ausgegeben werden, stich die Beträge, die man für den Luxus mner erlesenen wasel anfwendet. Obgleich erst in letzter Zeit in Berlin drei große Luxushotels eröffnet wurden, machen die zahl­losen neuen Restaurants und Tafts glänzende Geschäfte. Leute, die ehedem mit einem leichten Souper für 5 Mark zufrieden waren uue die dazu eine oder zwei Flaschen billigen Tischwein tranken, essen heute neben bis zehn Gänge, trinken teure Jahrgänge! und zahlen am Abend 2540 Mark für ein Couvert. Zigarren $u * -Mark werden ost verlangt, in Privathäuseru und in Klubs erreichen dte verspielten Summen schwindelhafte Höhen, zu Hun- derten durchsausen elegante Luxusaiitomobile die Straßen und täglich werden Vermögen für kostbare Blumen ausgegeben. Das Verlangen, Geld auszugeben, beherrscht alle und alles strebt nach einer glänzenden repräsentativen Lebens- f ütz r u n g. Wesentlich anders liest sich die Schilderung des anderen Briten, den ein launischer Zufall zu gleicher Zeit iml -Taily Expreß" seine Berliner Eindrücke beschreiben lässt und der. M so ganz anderen Ergebnissen kommt als sein Kollege. Die Deutschen-, so schreibt dieser zweite Beurteiler,legen offenbar «ein G e w f ch t auf die änße r e E r s ch e i n n n g,

erregen wird. Verläufen Sie Ihre Möbel, Ihre Schmncksacheu und bezahlen Sie Ihre Schulden, geht über alles. Man wird Ihnen wenig wenn Sie nicht Ihre Schulden bezahlen, wenn

An Jerome Malewr König von Westsalm! c i 1809 ein Schreiben', in dem er JärSmes Lebensführung und , . -käri», den 4. Januar 1808. I Regierungsweise aufs schärfste verurteilt. Das Schreiben tontet*

. empfing Ihren Brief vom 28. Dezember, aus dem ich Ich empfing Ihren Bries vom 22. Herr Otto hat mir davon ersehe, daß Sie mit dem Gchanken umgehen, die Herrschaft I in einem Schreiben vvm 28. mitgeteilt Ich billige durchaus Fürstenstei n mit 40000 Livres Rente dem Herrn Lecanms daß Sie das RegimentBerg" scharf im Auge habens ljedenftcklS zu verleihen. Ich kann mir nichts Nnsmmgeres denken, als einen ein verdächtiges Regiment bei dem Aufstand), ich iverbe ihm schritt, der Ihren Interessen zuwider ist, verhängnisvoll Befehl zugehen, lassen, zu kommen; aber achten Sie auf dasselbe für den Staat, und auch verhängnisvoll für sie selbst. Was hat I wenn es notwendig ist. Sie können sich ja die Division kommen' dieser Herr Leocutms getan? Er hat dem Vater laude I lassen, die in Hamburg steht, wenn es auch holländische Truppen keinen Dien st getan; er hat nur Ihrer Person sind. Ich befehle Kellermrmn, sich nach Mainz zu begeben; er gedient. Ist das eme Aiierkeiinmig, die den Diensten entipricht, wird Ihnen, wenn es die Umstände und seine Mittel eAaubcii die er Ihnen geleistet hat? Seit meiner ganzen Regierung ist I die nötige Hilfe gewähren.

jnir eine ähnliche Willkür noch nicht vvrgekommen. Ich habe Ihr Königreich ist ohne Polizei ohne Finaw- mehr denn 10 Leute, die mir mein Leben gerettet haben, denen ich I zen, o h n e Orggnisativn. Mit u n m Ä ßi g e m Luxus uitr .600 Franks Pension gebe. Ich habe Marschälle, die mir gründet man keine Monarchien Das was Ihnen! 10 Schlachten gewonnen haben und oft verwundet wurden, die nun passiert ist, habe ich kommen sehen Ich wün-- lucht den klingenden Lohn gefunden, den Sie dem Herrn Lecamus I sche, daß es Sie bessert Nehmen «je Bitten1 und «eben . . . Wenn Herr Lecamns 40000 Livres Rente erhält, was Gewohnheiteir au, die denen des Landes eutspre- foil ich den Marchallen Berthier Laimes und Bernadotte und chen, das Sie regieren. Dann werden Sie auch noch anderen 20 Pevfonen geben, die Ihnen mit schweren Ihre Einwohner.für sich gewinnen durch die Ach- Wuttden deu Thron erkauft haben? . . . (Leeestre210). Hing, die nur erreicht wird, durch Sittenstrenge Wiederholt ermahnte Napoleon feinen Bruder JSrome zu und Einfachheit. Nebrigeusistjetztui ch tdieZe it, größerer Sparsamkeit. Bon diesen zahlreichen ernsten Vor- Strafpredigten zu halten. Statuieren Sie ein ftellnngeit fet nur nachstehender Brief erwähnt: I strenges Exempel! "(Seceftre 441)

9lu Föröme Napoläon, König von Westfalen! Die Ermahnung des kaiserlichen Bruders, sich ernstlich zu

Bayomie, den 16. IM 1808. | bessern, verfehlten bei Jströiwe jede Wirkung. Es wurde im alten

Geiste weiter gewirtschaftet. Selbst wenn auch hierin eine Aeude- rung eingetreten wäre, so waren doch die Spuren der seitherigen, westfälischen Mißwirtschaft zu einschneidend, als daß das auf Gewalt und Ungerechtigkeit 'gegründete Königreich sich auf die Dauer hätte halten können. Stoch ehe das Glück der Waffen! Napoleons Geschick bei Leipzig entschied, war der morsche Bau des Königreichs Westfalen znsammengebrocheu. Die Saat war reif zur Ernte.z