Ausgabe 
18.1.1909
 
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Montag den |8. Januar

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Ntaria Hendrina von Coch.

Novelle von Luise Schulze-Brück.

(Nachdruck verboten.)

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Als.sie am Abend wieder nach Mainz fuhr, nahm sie Beert nochmal auf die Seite:

Ich hab' die Hendrina mitnehme wolle nach Mäünz szr ä paar Tag," flüsterte sie,awwer er Hot net gewollt. Er Hot gesagd, es mißt jetzt zum Klappe komme, & groß Dochder kennt er net hüte, und 's ivür am beste, wann die Hendrina ä Mann kriegt eso oder eso. Und wie ich em gesagt hawwe, daß ich der Hendrina nor dann mei Geld vermache däht, tvann der Mann mir auch basse däht, da Hot er nor gelacht und Hot gesagd, des wär ihm egal, un ich denk mir, der ald Fuchs rechnet, wann du der Mann bis, do is es jo gut, und wenn der anner es is, da kkanns em aach egal sein, weil der das ville Geld Hot. Nn wääßt's, nu Banntschte dich danach richte. Was is der heit schun gesagd hawwe, altert: un wis un schalu muß ä Barsch sein Trauerkloß. Im iwwerige bin ich ja aach noch da, ich bin doch der Hendrina ihr Mutterschwester int hawwe a ooch noch was mitzurede, un am Sundag komm ich Widder."

Tann nickten ihre blauen Hutfedern noch ein paarinal zum Gruß aus dem fahrenden Zuge, und sie war fort. Der alte van Endert war doch mißgestimmt. Er murmelte böse Worte. Beert war schweigsam und nachdenklich. Und nur Hendrina ging wie auf einer Wolke, nnd ihre Augen waren wie erhellt von einem inneren Licht.

Sie gingen gleich auf das Schiff. Alle waren müde von dem Balle in der Nacht vorher. Und schon um 9 Uhr erlosch das Licht in Hendrinas Schrankverschlag. Sie schlief und träumte schöne Träume.

Auch Beert schlief. Nur Matthes, der Schiffs knecht war noch wach. Er saß in seiner Kajüte unten im Schiffsrumpf, angestrengt aus einem der kleinen Fenster starrend, das er durch Anhauchen blank hielt. Er hatte eine Art Schleuder an dem Fensterrahtnen befestigt und legte zuweilen eine Erbse darauf, während er schaden- fwh grinste:

Ich wer'm eins auf den Pelz brennen," murmelte er ab­gerissen.Watt brauch Karl do erum ze streichen un nach ttuserm Kind ze spionieren. Eso en Kujon! Uns Kind, datt is fih: unsen Beert und ugich für so einen. Wart, komm Du nur, Tn Filu! Eso en Erbs, die tut ordentlich weh, wann se an den richtigen Platz kommig! Ich will Dir datt Erumstreichen verdreiwcu, Du Nachscul!"

^ber er wartete vergebens. Und zuletzt schlief er am Fenster sitzend em, und erst tief in der Nacht wurde er wach und kroch ärgerlich in seine Koje.

7.

blieb doch kalt. Jeden Morgen fahlHendrina van Endert be- gterig irach dem Thermometer, und jeden Morgen freute sie sich, haß die Quecksilbersäule tief unter dem Nullpunkt endete. Und ihmner wieder staunte sie über das herrliche Schauspiel, wenn die

Sonne strahlenlos hinter ben Bergen hervorlugte, das ganze Rheinthal mit einem seltsamen roten Licht füllend, ilnd wie sie daml allmählich Kraft bckanr und die Strahlen sendete, wie der erst fahle Himmel tiefblau wurde, und wie der Raureif in tausend Millionen Funken glitzerte. Jedes Wölkchen, das aus den Schorn­steinen der Schiffe sich in die Luft kräuselte, war silberig blau.

An den Schiffen traten scharfe beschneite Linien aus dem Schwarz der Rümpfe grellweis hervor, die bunt gestrichenen! Kajüten, die Wasserbttnke und Böcke waren lustig anzusehen, wie die hellspiegelnden kleinen Fensterchen mit den schneeweiße Gardinen dahinter.

In der Kajüte derMaria Hendrina von Goch" war ein schier betäubender Mumenduft. An den Fensterchen standen dicht aneinander gereiht Töpfe mit Hyazinthen nnd Weilchen, mit Mai- blumen und Taz-etten. Die hatte der Amerikaner gebracht, und Beert stellte sie jeden Abend sorgfältig hinaus in den kleine»! Borraum, damit der starke Duft Hendrina des Nachts nicht schade.^ Er mußte jedesmal fast lächeln darüber, daß er die Liebesspenden seines Rivalen so sorgfältig bewahrte. Heute hatte er sich verspätet mit dem Aufstellen am Morgen, der alte van Endert hatte ihn nach der Po stgeschickt, nnd so saß Hendrina schon angekleidet in der Kajntenstube, als er zurückkam. Di« Blumentöpfe standen noch in der Kajüte. Er brachte sie hinein. Hendrina sah ihm gedankenvoll zu.

Warum bringst Du mir eigentlich nie mal Blumen mit, Beert?" sagte sie ganz plötzlich.

Eine leichte Röte stieg in Beerts Gesicht.Ich," sagte er langsam.Ich weiß ja nicht, ob Dir Blumen von mir Spaß machen."

Hendrina sah ihn aufmerksam an.Du bist gar nicht mehr der alte Beert, der alte Beert von früher."

Sie nickte gedankenvoll vor sich hin.Die Hendrina von früher! Das mag wohl sein! Aber darum könnts Tu mir doch einmal einen Strauß Veilchen bringen. Das ist so sclchn, daß es Blunten gibt im Winter. Wenn man denkt, daß man Veilchen hat im Januar. Ich hab' nur gewußt, daß es Hyazinthen gibt, und Tulpen in Töpfen, die. man sich selber ziehen kann. Aber Veilchen, das hab' ich nicht gewußt!"

Sie sah träumerisch vor sich hin.So viel hab' ich nicht gewußt, so viel. Und ich bin manchmal ganz irre. Wenn ich nur mit jemand reden könnte. Aber da ist ja keiner! Die Hildegard, die die hat ja gar kein Herz. Die lacht ja über

alles. Die sagt, daß man dumm ist, wenn man sich das Herz,

schwer macht. Und meins ist ja auch gar nicht schwer. Aber auch nicht froh. Manchmal klopft es so arg wie mit einem Hammer.

Ich glaub' das ist nur, weil ich gar niemand hab', mit dem ich

reden kann, wie ich möchte. Und wenn man dann einen so gern hat so gern."

Beert van Endert stand ganz stimmt wie erstarrt.

Wenn ich Dir doch alles sagen könnte. Beert. Aber was weißt Du von solchen Sachen! Tu hast ja sicher auch noch nie­manden so gern gehabt."

Hendrina, sei still."

Es kam so gepreßt heraus, daß Hendrina aus ihren! TvänmW