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BetauS verwundert ausschoute, und da sah sie, daß Beert gaNtz > fahl war. ., , _ , , r I

Hendrina, wie kannst Du das sage»! Wie kannst Du imch so quälen. Hab' ich Dir daZ b-emt nicht gesagt, wie wir den Rhein hinans gefahren sind, Tn hast nur nichts hören wollen?"

Sie lachte halb ungläubig:Ach, Beert, das war doch nur Halber Spaß von Dir. Tas hast Tu ja gar nicht so gemeint. Wenn Man ein Mädchen gern hat, dann ist man doch nicht so still wie Du und geht um es herum', einen Tag wie alle Tage."

Beert preßte die Zähne auf die Lippen. War das. nicht das­selbe, was Tante Sette gesagt hatte:Wenn man ä Mädche lieb hat, dann muß mer wif sein un allertt un schlau!"--,

das konnte er freilich nicht. Das konnte der andere besser. Und er sagte scharf:

Freilich! Du mußt das ja wissen. Schwadronieren und von seiner Verliebheit reden und den Mädchen den Kopf verdrehen, da§ kann freilich der Amerikaner besser als ich. Der hat ja auch Mehr Uebung drin." .

Hendrina für auf:Beert! Schäm- Dich! Schämen sollst Tu Dich was! Schlecht -jit reden von einem, der Dir nichts getan hat."

Mir nichts getan hat, Heudrina!" Der große stille Mensch war außer sich.Mir nichts getan hat! Hat der mir nicht das Schlimmste angetan, was ein Mensch dem andern antun kann? Hat der Dich mir nicht weggenonimen. ? Weggestohlen hat er. Dich, Mit schönen Worten und mit seinen schwarzen Augen. Gekiißt hat er Dich am Silvesterabend, ich hab's wohl gesehen! Und wer weiß, wann noch. Und Du, Tu läßt Dich von ihm sängen. Du bist'» ganz anderer Mensch geworden zwischen heut' und gestern, von einer Stunde zur andern. Du fragst nicht danach, was er für einer ist, Du denkst an nichts als an den mehr. O Du!---"

Er stand vor ihr, jetzt stammend rot. Seine sonst ruhigen Augen glühten, seine Lippen lebten, seine Hände zuckten.

Heudrina sah ihn erstaunt, erschrocken an. Einmal schon hätte sie ihn ähnlich gesehen, aber dämals hatte sie ja kaum! gewußt, was ihn bewegte. Gar nicht geivußt hatte sie es. Heute aber, da wußte sie's. Und seltsaur. Fast hatte sie Angst, Beert gu verlieren. Hatte Angst vor allem, was kam. Angst vor sich selber.

Der alte van Endert kam herein. Listig gingen seine Augen zwischen den beiden. Aber er sagte nichts. Mochte doch Beert sehen, wie er zurecht kam. Ihm war es egal, im Gegenteil, ihm konnte es sogar recht sein. Mochten die zwei in Nöten sein, was gings ihn an. Das waren ja alles verliebte Narrenspvssen Dummheiten. Darüber wuchs ihm kein graues Haar. Die Sett' hatte ihm die Höll heiß gemacht wegen des Amerikaners, der ein rechter Nichtsnutz sei. Tu lieber Himmel, weil er ein paar dumme Streiche gemacht hatte. Junges Volk, das mußte sich eben austoben. Das kannte man doch. Nachher, wenn einer tüchtig seinen wilden Hafer gesät hat, dann wird er ein desto besserer Ehemann. Und das viele Geld, das er hatte, das deckte doch viel zu. Ter Alte war ein Schlauberger. Er hätte sich lvieder und wieder erkundigt, es war wirklich so. Eine Unmenge Geld hatte der Georg Werner, ein forscher Kerl war er auch, und verliebt war die Heudrina in ihn bis über die Ohren.

Ach, er würde sich das zunutze machen. Er würde ihn schon jetzt binden mit einem Ehekontrakt, in dein ihm das Vermögen Hendrinas zur Verwaltung blieb. Und dann war er der Herr derMariä Hendrina von Goch". Tann würde er auch schon Mittel finden, den Beert klein und kusch, zu halten.

Er ging Hinaus und schwerfällig aufs Eis hinunter. Und dann umkreiste er stapfend das Schiff und freute sich daran. Sv darum hericmgehen, das konnte er ja sonst nicht, wenn es auf dem Wasser lag. Und er ging mit weitansholenden Schritten immer rundum itttb verglich dieMaria -Hendrina" mit. den anderen Schiffen und das Herz schwoll ihm vor Stolz. Wer auf einmal schnupperte er in die Lüft. Was war denn das? Die Sonne schien nicht mehr heil wie früh am Vormittag, ein seiner grauer Schleier zog sich darüber. Und die Luft war nicht mehr klar, sie schien ihm auch nicht mehr so kalt. Sollte der Weingartner recht behalten, wurde das' Wetter mild? Das wäre! Na, ein vier, sechs Tage dauerte das ja immer noch. Und da war ja noch Zeit genug. Da konnte der Georg Werner alles klar, und er alles fest machen. Dann nur Ostern heirateten sie und mochten sehen, wie sie zurecht kamen. Er brauchte sich dann um seine Tochter nicht mehr zu sorgen, die Bas ging in ihr Altweiberstift, hnd er fuhr mit derMaria Hendrina" als ein freier' Mann.

Drin in der Kajüte saßen die zwei jungen Menschen noch immer, Hendrina hatte die Hände gefaltet und sah starr gerade- ä»s. In ihren Augeit standen Tränen und machten sie noch blauer und schimmernder. Und Beert van Endert sprang auf und ballte die Fäuste und knirschte. 'fast mit den . Zähnen und -fühlte,

wie neben seiner Liebe', die bis jetzt nur tief und still gewesen^ etwas anderes in ihm ausstieg, ein Brand und ein wilder Wunsch, das Mädchen, das ihm so nahe war, an sich zu reißen und »u drücken, zu küssen und den anderen, der nur die Hand auszu- strecken brauchte, um sie zu nehmen, den zwischen seinen Fäusten! zu zermalmen, daß er seine verliebten Künste für immer vergäße.

Im Laufe des Tages war das Wetter umgeschlagen. Noch taute es nicht, aber es begann zu schneien. Schwere Flocken wir­belten in der Lust, machten das schimmernde Rheineis zu einer flaumigen Decke, setzten den Dächern und Türmen von Bingert weiße Mutzen auf und zeichneten jede Linie der Schiffe im Winter­hafen mit einem weißen Streifen nach. Der alte van Endert! ging unruhig umher. Und als es zu dämmern begann, während iroch immer die Flocken wirbelten und der Niederwald mit dem! Denkmal der Rüdesheimer Berg mit dem Schloß Ehrenfels, und sogar der nahe Rochusberg fast verschwanden in dem graue» Dunst und dem stiebenden FlockengewimMel, setzte er seine Ohr- mütze aus, hieß Hendrina daheim -bleiben und ging fort.

Hendrina sah ihm unruhig nach. Wohin ging er, was hatte; er vor? Sie hatte immer eine Scheu vor ihren: Vater gehabt. Er war nie streng zu ihr getvesen, aber auch nie gut. Sis fühlte es schon als kleines Ding, daß sie nicht viel für ihn be­deute. Nie brachte er ihr von seinen Fahrten etwas mit, nie be­schäftigte er sich mit ihr. Als sie älter und vernünftiger wurde, da merkte sie wohl, daß sie ihm eher eine Last war, etwas! Ueberflüssiges und Unnützes. Uno sie hatte das dumpfe Gefühl, daß er auch jetzt nur tue intb wolle, was ihm für sich nützlich und angeneHm erscheine. Sie saß an dem kleinen Fenster und schaute in das Schneetreiben. Sie dachte an Georg Werner. Ach, sie dachte ja eigentlich immer an ihn. Sie sehnte sich nach ihm, nach seiner Nähe. Aber sie war doch unruhig und bedrückt. Ach, wenn sie doch ein so leichtes Herz gehabt hätte wie die Hilde­gard. Dann hätte sie keine schweren Gedanken, dann ließ sie sich nnr von ihm Herzen und küssen und verliebtes Zeug erzählen. Wer in ihr !var ja das niederrheinische Blut, das schwer machte und seltsame Gedanken. Hildegard hatte ihrs in diesen Tage» ost genug gesagt, und sie. fühlte es durch alles hindurch.

(Fortsetzung folgt.)

Nach dem Erdbeben.

Zustände und Lehren des Unglücks. s I.

DioSchmerzensstadt", in der man jetzt jede Hoffnung fahren lassen muß, habe ich als Ruiuenstätte nicht mehr gesehen, denn es ist Belagerungszustand proklamiert und die Truppen weisen jeden zurück. §ier herrscht ebensoviel Verwirrung, Kopflosigkeit, Durcheina:der, Konfusion Lohn Wabvhu, wie in Messina selbst, lieber 20 000 Ver­triebene unb Verwundete haben sich hierhin geflüchtet. Alle Hospitäler, Schulen, öffentlichen Gebäude sind überfüllt. Das Mnncipio, das natürlich auch den Kopf verloren hat, weiß nicht mehr ans unb ein. Die Bahn, bie natürlich nach italienischer Art nur ein Geleise hat, funktioniert nicht, bie Post hat aufgehört, regelmäßig zu verkehren, unb Privattelegramme werben überhaupt nicht mehr befördert, da der Staat den Draht mit Beschlag belegt hat für bis Regienmgsbepeschem Hier lebt man ja tmdoux pays" her Zentralisierungsmaschinerie, kein Beamter wagt etwas auf eigene Faust zu tun unb will baher gut bohimentierte Befehle von ber Hauptstadt Rom, bie ihn gegen spätere Verantwortlichkeit schützen. Wie soll man ba in Rom» fern vom Kriegsschauplatz, bie Sachlage überschauen können.

Dazu kommt, baß ber Handel stockt unb alle Arbeiter feiern, selbst bie Hafenpackknechte, sie haben Angst; beim nicht nur in Messina bauern die Stöße fort, fonbern auch! hier bebt es leicht täglich mehrere Male. Unb habet ist ber Tag nicht mehr fern, wo bas Mrmicipio fein Gelb! mehr hat, unb bie Piraten zu mübe werben, um die hungernden unb frierenden Flüchtlinge zu verpflegen. Was! bann? Wirb bie Unzufriedenheit nicht zu Unruhen führen? Ueberall trifft man auf Menschenansammlungen, bie betni Vorträge eines ber Ueberlebenden lauschen; im Hotel, im! Cafö kamt man keinen Schritt tim, ohne von einem Poli­tiker angehalten zu werben, bet auf bis Soldaten, bie Re­gierung, bas vernachlässigte Sizilien unb bie Presse bes Kontinents zu schimpfen beginnt, bie es gewagt hatte, bett Sizilianern zu. raten, sie sollten doch auch selbst etwas tun,, anstatt alles von ber Zentralregierung zu verlangen. Dan» kommt jeden Augenblick ein Flüchtling unb erzählt mit fub*