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Vermischtes.
* Mit rwei uralten schwäbischen Luf ts ch isie rn, von denen der eine schon um die Wende des 16., der andere um die Mitte des 18. JahrdnndertS lebte, beschäftigt fiel) ein lunsatz des Iesnitenvaters Wilhelm aus Feldkirch in der „Deutschen Zeitschrift für Luftschiffahrt". Ter erste dieser beiden ziemlich vergeßenen Pioniere war seinerzeit unter dem Namen des fliegenden Möncyes von Schussenried berühmt. Er war ein Geistlicher vom Orden der Prämonstratenser, der, wie die Ueberlieserung sagt, nut einer burcl) Riemen bewegten und mit Füßen getretenen Maschine zwei stunden weit von seinem Kloster bis zn seiner benachbarten Psarret flog. Später würbe dieser Mönch mit seiner Erfindung auch bildlich verherrlicht, indem er im Bibliolhelsaal des Klosters von schuhen- ried von einem Parterre von Philosophen, unter; denen sich auch der alte Aristoteles befindet, durch die Himmelsglorie hinan, in die Region der Engel fliegt. Von der Flugmaschine ist aut dem Bild nur so viel zu ernennen, daß sie auS Flügeln nut echten geoeni und au-"- Riemen bestand, die von den Flügeln durch die Hande über die Füße verlaufen und von diesen getreten werben. Tics Bild ist jedenfalls später geschaffen worben und der Maler hat sich von der Beschaffenheit der Erfindung des fliegenden Mönches nicht mehr durch den Augenschein überzeugen können, Wahrscheinlich wurde diese zn Ansang deS Jahres 1647 nebst dem ganzen Kloster bei einer Plünderung durch die Schiveden verbrannt. So vie ist aber sicher, daß sich der Mönch, namens Casper Mohr, nut Flugversuchen abgegeben hat; außerdem erfahren wir, daß er die ti'lugel ans Gansiedern verfertigte, die er mit Peitschenschmiren zusammen- band. Er machte sich anheischig, bamit vom Dache eines drei Stocks hohen Gebäudes in den Garten hinunter zn fliegen; doch soll dieser Versuch nicht zur Ausführung gekommen sein. Ungefähr aiu)ert= halb Jahrhunderte nachher nahm der Müller schweikarl auS Wild- berg in Württemberg wieberum Flugversuche vor, die fpater m einem besonderen Werke beschrieben ivurden. Cs ist merfwurbtg, daß darin schon ein Unterschied zwischen „fliegen" und „Instschchen gemacht wirb. Er machte auch einen Versuch mit zwei großen Flügeln von einem Berge aus, erntete aber damit keinen Enoch.
Lichtfallen für schädliche Insekten. Dw Vernichtung schädlicher Waldinsekten, besonders des forstteindlichcn Nonnenfalters, durch elektrisches Licht ist bei Zittau in Lachsen mit Erfolg probiert worden. Die bekannte Anziehungskraft des Lichtes auf die Nachtschwärmer und Schmetterlingseiftew wurde benutzt, um sie in größeren Schwärmen aus dem Walde herauszulocken und die das Licht umflatternden Tiere dann zu vernichten. Zunächst wurden nach Eintritt der Dunkelheit möglichst alle Bogenlampen der Straßenbeleuchtung eingeschaltet, und zwar ohne Glocken, damit der ungedämpfte Lichtschein auf den einige Äfto- nteter entfernten Wald einwirke. Die herbeigelockten, gegen die Lampen schwirrenden Falter kamen teilweise mit den glühenden Kohlenstisten in Berührung und fielen versengt zu Boden. Nachdem dieser Versuch die Anziehungskraft der verfügbaren Lichl- guelle erwiesen, wurde nachts 11 Uhr die Straßenbeleuchtung! gänzlich ausgeschaltet und an vier erhöhten Punkten Scheinwerfer mit 40 Ampere Stromstärke ausgestellt, deren gewaltige Licht- knqel ans die von den Falter» am kneiften hermaesuchten Wald- teile gerichtet wurden. Diese Scheinwerfer erwiesen sich als ein starkes Anziehungsmittel und würben in ihrer Wirkung noch verstärkt durch je zwei bedeckte Bogenlampen, die gewissermaßen als Tummelplatz für die herbeigelockten Insekten dienten. Zur Vernichtung der Falter diente bann -ein in unmittelbarer Nahe ausgestellter Ventilator (Exhaustor), vor dessen Ausblaseosfnung ein Stück weitmaschiger Drahtgaze ausgespannt war. Die hmcin- gefogenen Tiere wurden gegen das Drahtnetz geschleudert und sielen mit zerbrochenen Flügeln zu Boden. So wurden iN manchen Nächten von einem einzigen Aufstellungspunkt 30 bis 60 Kilogramm, das sind bis 400 000 Falter, vernichtet, wahrend an anderen Tagen das Verfahren weit weniger erfolgreich war, namentlich bei Hellem Mondschein, Kälte und gegen die Anflug- richtuiig wehendem Winde. In warmen, ganz ruhigen Nachten von 12 bis 15 Grad Celsius bei bedecktem Himmel fand bisweilen ein außerordentlicher Zuzug statt, den auch mäßiger, lang am fallender Regen nicht sehr störte. Mit einem fahrbaren Azetylen- Apparat nebst Ventilator sind dann auch im Walde selbst günstige Ergebnisse erzielt worden, so daß gegründete Hoffnung besteht, hier eine erfolgreiche Methode zur Bekämpfuilg dieser schliinmen Waldfeinde entdeckt zu haben.
*’ Fische, die Angler sangen. Der Angelsport, der nach dem Urteil der Laien, die nie die Anglerleidenschaft gespürt haben, nur eine Art Geduldsprobe ist, birgt bisweilen für den Fischer seltsame Gefahren und Abenteuer. In einer englischen Zeitschrift erzählt ein Angler, lute er in einem kleinen Flusse in Devonshire nach Forellen angelte, als plötzlich ein großer Lachs anbiß. Das Angelgerät war dem kräftigen Gesellen nicht gewachsen, es war nicht möglich, die ungestümen Befreiungsversuche des Fisches zu verhindern, und der Angler mußte buchstäblich hinter dem Lachs her am Bache hinlaüfen. Zum Schlüsse riß die Angelschnur und der Lachs entkam. Aufregender verlief ein
AnglererlebniO, das I. A. Brenton an der Küste von Florida hatte. Ein riesiger Megalops atlantieus, einer jener Fische, die am Mexikanischen Golfe „Silberkönige" genannt werden, biß an; das kräftige Tier zog das Boot hinter sich her, es war unmöglich, d'ie Küste' zu gewinnen, die Nacht brach herein, aber der Fisch zeigte keinerlei Ermüdung. Aber der Angler gab nicht nach, und endlich, sechs Meilen von der Anbeißstelle entfernt, gelang es, den Fisch ins Boot zu ziehen. Er wog 122 Pfund. Ein ähnliches Abenteuer erlebte E. R. Soudder an der kalifornischen Küste mit einem riesigen Thunfisch. Der Fisch trieb sieben Stunden lang mit dem Boote des Anglers fein Spiel und legte in der Zeit beinahe zwanzig englische Meilen zurück. Als nach vollendetem Fang die Beute gewogen wurde, zeigte sie ein Gewicht von 118 Pfund. Einer der zähesten und kräftigsten Fische ist der Pfeilhecht, der in den Gewässern des Golfes von Mexiko und an der brasilianischen Küste gefunden wird. Der kantpflustige Geselle hat messerscharfe Zähne und seine großen schwarzen heimtückischen Augen sind den Negern ein Gegenstand angstvollen Aberglaubens. Der bekannte Naturforscher C. F. Holder harpunierte an der Küste Floridas einen großen Pfeilhecht. Tas wütende Tier zerrte das Boot in wilden Kreisen umher und mehr als einmal war man in Gefahr, zu ertrinken. Als mau ihn schließlich näher aus Boot heranziehen konnte, packte er mit den Zähnen das Ruder und zerbiß es buchstäblich in Stücke. Holder hatte ein ähnliches Abenteuer mit einem Hammerhai, den er bei der Insel Santa Catalina fing. Der Hai ging mit dem Boote durch uud der Gelehrte hätte die Beute schließlich preisgebeu müssen, wenn ihm nicht im Augenblicke der höchsten Gefahr durch andere Boote Hilfe gekommen wäre. Aber erst als fünf Boote zusammengekoppelt waren, gelang es, den wilden Gesellen ans Ufer zu ziehen.
* Vom Sprachverein. Seit Atters führen viele Orte der französischen Schweiz aitch einen deutschen Namen. Es war sehr befremdlich, das; reichsdeutsche Behörden vor etlichen Jahren solche eingebürgerte Formen völlig außer acht ließen und in amtlichen Drucksachen nur die welschen Bezeichnungen anwandten. Nachdem viele Beschwerden erhoben waren, sind nun im Rcichs- kursbuch die deutschen Namen wieder zn Ehren gekommen. Wir lesen da nicht nur Neuenburg uud Gens, sondern auch Delsberg (Telemout), Münster (Montier), Tachsfelden (Tavannes), Neueu- stadt (Neuville), Averuach (Auvernier). Gransee (Grandwn), Jserten (Averdon), Morste (Morges), Neuß (Nyon-, Losauen (Lausanne), Martinach (Martigny) u. a. Alle diese Namen besitzen in der Schweiz amtliche Anerkennung, und doppelt besthainend ist das Verhalten so vieler Reichsdeutscher, die sich mit Vorliebe des Französischen bedienen, sobald sie die Neichsgrcnze überschrittet haben, die sogar schon in Elsaß-Lothringen anfangen, lhre Lprnch- kcnntnisse prahlerisch zu entfalten oder zum Schaden des-deutschen Volkes zu bereichern. Dem Franzosen lallt es nicht ein, Mainz, München, Leipzig zu sagen. Ruhig beharrt er bet Mayence, Munich, Leipsic. Ahmen wir doch in diesem Stücke ihm nach, und reden wir auf der Reise deutsch, so weit es irgend geht! Und cs geht gewöhnlich weiter, als man hier zu Lande denkt.
* Wörtlich z u nehmen. Huber: „Ich Hütte mich bei Ihnen recht schön bedankt, wenn Sie mir Ihren Freund Muller nicht vorgestellt hätten, er hat mir am Sonntag beim Tarockipict zwanzig Mark abgenommen." — Mayer: „Ich habe es Vynen ja gleich gesagt, der Mann gewinnt bei näherer Bekanntschaft. , * San d w irisch aftliches. „Girgl, was is den _ dos„ a Güterzertrümmerer?" — „Dös wird halt so a' Autler Zem.
"Der große Hut. „Du, Bummel, du hattest doch zwei große Floretts — wo sind denn die hingekommen?' — hab' ich meiner Braut als Hutnadeln verehrt !"
Stiidterätfel.
Erkelenz — Eschweiler — Bacharach — Bingen — Hofgeismar — Honnef — Mainz — Mühlhausen.
Die vorsteheiiden ©iäbtenamen Jollen derart geordnet weröflfr daß der erste Buchstabe des ersten NamenS, der zweite des sweiten, der dritte des dritten u. f. w. wieberum einen etabtenmneu ergeben.
Auflöstmg in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer«
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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch-- und Steitidruckerei, R. Lange, Gieße»-


