Ausgabe 
17.4.1909
 
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durch die Hintertür ins Haus. Niemand begegnete ihr; Mamsell wär längst zu Bette und Jan war fortgegangeu.

Nun noch das Feuer in der Küche zuracken," dachte Sine,dann lege ich mich aufs Bett und weine mich satt. Ach, ich unglückliches Mädchen!"

Jak hatte Tine wohl gesehen. Er hatte auch die Mut gesehen, die auf ihren Augen brannte, und die zuruck­gehaltenen Tränen, die in beit Augen schimmerten. Er hatte den heiseren, zitternden Ton an ihrer Stimme ge­hört, und ein Triumphgefühl schwellte seine Brust.

Nachdem alle Bemühungen Jaks, den Wirt nnizu- stimmen, gescheitert waren, trank er seine beiden Gläser leer, legte/anderthalb Groschen auf die Tonbank und sagte: Adjns". Da klärte sich Frie Krügers Gesicht aus, als wäre es die liebe Sonne selbst; flink fuhr er in seine Pantoffeln und rief dem Davougehenden frenndlich nach: Komm bald mal wieder!"

und weinte. t .

Jia Hause merkte niemand etwas von der Verandeimig, die in dem Verkehr zwischen Jak und Tine vor sich ge­gangen war. Tine war jetzt Jak gegenüber womöglich noch scheuer als vordem. Mit niedergeschlagenen Augen sah sw

am Tische. .. .

Jak war auch keineswegs sanfter und liebevoller gegen das Mädchen als früher. Wenn er sie in den Arm misst daß es ihr weh tat und ihr dazu ins Ohr raunte:Dostge Deern!", so war das nur eine seiner kleinen Zärtlichtein».

Die Tage vergingen wie im Rausch. Tine sah iliässt wie draußen die Marsch im Sommerglauz erblnhte,^ü

3«l ging di- «Me -nttong. 1>W auf di- T-u»-n. I «mm°, M

«t» et an d-z Kant«« Karten wtotfam, fal) er Jan, bet Wfe W nut fUl,re ortt nut ferne - dort fast jeden Sonntagabend zubrachte. Die Kantorkmder I erschauerte, wenn |ic an tijit M .

spieltenMaus, magst Speck?" Jan und Frauke spielten | (Fortsetzung folgt.)

auch mit, und der Kantor saß mit seiner Frau in der Laube |

«Mne senkte Ja, wenn man das ltnglück «töten , nebenan, rauchte die lange Pfeife und schaute vergnügt zu. könnte wie ein löpschlaufend Pferd! Ich habe meinem Jan machte lange, unbeholfene Schritte.. Frailke sah rosig armen N^sjnng n ob er gleich mein leibhastiger Tochter- und lieblich aus. Ihr blaues Kleid flatterte; sie trug.selbst ?ow, ist doch viel Kummer und Herzeleid aus den Karten im raschesten Laufe das Helle Köpfchen hoch und ausrecht, vrophe eier" müssen Nun sitzt der arme Jung in dem Jak sah durch den Ligusterzaun. Dummes ZeuM^ mnr- aroßen Dithmarschen einsam und verlassen!" Sie wischte melte er im Weitergehenund hinterher:Der dvsige ^nng. fleh nüt ddni SchürzeiiMfel die nassen Augen. Er war in sehr schlechter Laune, und dabei empfand

Während Schone Söuksen der Mutter die Karten legte, er ein heftiges sinnliches Sehnen nach Tine.

lunr Tine ans offene Fenster getreten. Sie sah hinaus in I Mit hiesem Gefühl schritt er durch die Fennen und den Garten, auf den blauen Lavendel und die blühenden blieb schließlich am Hecktore stehen, wo Eine ihn sah. Feuerlilien Ihr ivar's, als ob hinter der Weißdornhecke Einen Augenblick stand er noch, nachdeni sie vorüber Niel-' Sönksens Wuschelkopf auftauchte und eine Stimme I war. Er lächelte vor sich hm, tat einen Pflsf durch du) ihr ins Ohr flüsterte:Tine, ich hab' dich gräßlich lieb." Zähne und ging langsam nach. . ,

Ja ja, Nasche, eine Hochzeit liegt darin, aber sie I Er trat durch die Hoftür hinein und ging au cer liegen noch weit auseinander," tönte vom Tisch her Schönes Küche vorbei. Dort stand Tme, einen kleinen Petroleum-

Stiinme Etwas verschämt erwiderte Anndortjeu:Aber I Puster in der Hand, am Herd, nm die --orfglut für ue

Nasche ich bin doch eine alte Frau und denn ein Mann I Nacht unter die Asche einznbetten. sie hatte chr sonntag»-

mit Geld^ Wie sollte der mich arme Witfrau wohl nehmen? gewand abgelegt und stand da un Korsett und Unterrock

Misck nochmal, Nasche, misch nochmal." mit bloßen Armen, -sie hielt das Larnpchen hoch, imd

An diesem Abend ging Tine früher als sonst fort, die kleine Flämme ivarf emen hellen schein ans ihres

Eine qualvolle Unruhe hatte sie ersaßt. Es litt sie nicht weiße Schulter

mehr bei den schwatzenden Frauen. Sie lies vor die Haus- Jetzt war sie fertig und drehte sich um. wa stand tür und spähte den'Weg entlang; sie eilte in den Garten Jak plötzlich ganz dicht vor ihr und sah sie an.

bis an das äußerste Ende, wo Kälberrohr und Nesseln Dem Mädchen war es, als ob aus ihrem Herzen eine

wuchsen. Endlich setzte sie ihren schivarzen Schäferhut auf,. Flamme emporschiüge bis in ihr Antlitze hinein. Hmb um­sagte hastig Adieu und ging. gewendet stand ,w und sah ihn wieder au, so wie er sie

Flüchtigen Schrittes eilte sie dahin, vorbei an den an'b'lickte, so fest, so brennend. .

blühenden Hecken, den wogenden Kornfeldern. Als sie dann Tine zuckte nicht mit der Wimper; sie schrie sticht au,, in die Marsch kam uni), ihr die weite, grüne Fläche ent- Wenn sie geschrien hätte, dann wäre er wohl un nächsten gegen leuchtete, hemmte sie ein wenig den raschen Schritt Augenblick mit zurückgeworfenem Kopf über die Diele ge- und atmete mit vollen Zügen die frische, feuchtkühle gangen. Keinen Laut gab das Mädchen von sich, und x\nt Mari bluit ei trat einen Schritt näher und noch einen. Tme imch ebenso

Schon begannen vom fernen Westen her die Nebel zu langsam Schritt für Schritt zurück. Noch immer tauchten wallen. Träumend ging Tine weiter. Sie sah im Geiste ihre Blicke bohrend und gd'hend ineinander; die öcj imei dunkle Augen vor sich auftauchen; aber Niels Söul- I Mannes voll Begehrens, voll wilder smnenlust, die des iens Anaen ivaren es sticht Mädchens ahnungsvoll fragend, sleheiid. . ,

' Als 'sie bei Spätinghof anlangte., stand Jak, den Rücken Immer weiter drängte er sie zurück,.bis sw ui.dem dem Wege zugewandt,' am Eingänge der Trist. Mit dem äußersten Winkel der Kuckst stand. Da legte die Hando eine» Arm lehnte er am Heckpfahl. Die andere Hand hielt kreuzweise, wie zum schütz, über die Brust und erwmtcte die kurze Vieiie Er stieß kurze dicke Rauchwolken aus I ihr Schicksal.

und arrte ins Weite Ms Tine dicht an ihm vorüber-Tine!" sagte der Manu mit leiser, tietcr stimme, strich, sah er sich nicht um; er antwortete auch nicht auf Er> umfaßte sie nut seinen starken Armrnr und presch, sw lvr icbücknernes Guten Abend". I an sich. Ein Schauer überrieselte sie. Ein <on «)it un

In Tinas Mg-n gnoll -s 1,- auf; ihr- slnic Wblen. Schlinhj-n dran!, ans i^rem *'"£'bS ffl* HMS MM! I WML 5? H K H«

starken Arme und trug sie in ihre Kammer.

4luf dem Küchen tisch stand noch stundenlang tn« stistter- lämpcheu; es flackerte nnd dunstete, allmählich wurde i iu Flämmcheu kleiner und verschwand.

Am anderen Morgen beim Kaffee sagte ^an zu dem Bruder:Bei Pe Kühl war wohl gestern viel los? Eie Uhr war ja schon, nach drei, als du zu Hanse kamst."

Jak blickte mißtrauisch auf, aber Jan sah treuherzig

, uuv ------- ,----- ------- , und harmlos aus Tstw neigte sich tief über ihre schwarz-

Es war ein langweiliger Abend für ihn gewesen, Nach I brotschnitte; ihr Gesicht war stammend rot.geworden. - ... dem Abendbrot war er zu Pe Kühl auf den Tanzboden Es folgte für Tine eine selige und doch unselige Zcu. aeaangen. Er war über die Diele geschlendert und hatte Eine Zeit voll Leid und Lust, voll Unruhe und Banmn.

ein paarmal getanzt. Als ihn dann eine dicke, blonde Ihr Herz war voll heißer, berauschender liebe, »me

Dienstdeern mit wasserblauen Augen, eine, mit der er I Nerven vibrierten vor Leidenschaft. vsn ihrem Ropsmen früher mal zum Punschen gegangen war, verliebt an sah, aber, in das so wenig Weltklugheit gepflanzt worden >vnr,

erfaßte ihn plötzlich ein Ekel. Er ging fort in den Kirch- spukten die alten Gedanken von Zauberest und dunklen

spielkrua und trank ein Bier und einen Kümmel. I Machten. Immer wieder sagte sie zu sich selbst:Er yar

Im Kruge war er der einzigste Gast, und Frie Krüger, | mich behext." Dann schlug sie wohl die Hande vor,- Gesicht der Wirt, der gerade ein bißchen mit seiner Frau über die Fennen spazieren wollte, verbarg nicht seinen Mißmut über den unwillkommenen Gast. Er steckte die Hände in die Hosentaschen, kaute einen Priem und sah dabei ans dem Fenster mit einem Gesicht wiedrei Tage Regenwetter".