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meßr- Oel ins Feuer zu gieren, feinem Kaiser genauen Bericht über die Revolte in Hessen zu erstatten. Dieser erfuhr durch seine Spione doch den wahren Sachverhalt, tadelte die Milde feines Gouverneurs und befahl ihm, strengere Maßregeln zu ergreifen, wie folgender Brief zeigt. Er lautet in deutscher Übersetzung: An den General Lagrange, Generalgouverneur von Kassel. Warschau, den! 13. Januar 1807. Ich sende Ihnen die Einzelheiten der Delikte, die in dem Lande Hessen begangen worden sind, und von denen Sie in Ihren Briefen gar keine Moriz nehmen. Diese besagen mir gar nichts. Doch sollten Sie Von diesen Borgängen unterrichtet sein und waren Sie verpflicht et/ niir davon zn berichten.
Tie Einruohuer von Hers se id scheinen schuldig zu fein. Man soll eine leichte Abteilung von 4000 Manu dorthin schicken und die ganze Stadt vollständig plündern lassen für die Beleidigung, die 60 Solem.cn meiner Ärmer dort erfahren haben. Man soll durch eine Proklamation bekannt geben, die Waffen abzuliefern, und erklären, dass jeder, dec bewaffnet betroffen wird, mit dem Tode bestraft wird.
lTer badische Oberstleutnant Lingg wurde mit der Straf- exekiitivn in' Hersseld beauftragt; jedoch dank' der mcnschensmnid- lichen Gesinnung dieses braven, Offiziers und des warmen Appells an das Herz seiner Jäger unterblieb der Vollzug der Strafe.)
Napoleons Brief fährt, weiter fort: Die Stadt Wacht (Vach) ist. schuldig. Sie soll die vier Hauptrüdelssührer ausliefern, oder sie.wird verbrannt werden.. • - Eschwege, .der.Hauptplatz der Znsankmenrotlungen, soll die Schuldigen einliefern, »der die Stadt wird n ieder g e b r a nn l werden. Schließlich, soll der Hauptmauil, der den Aufstand. leitete, ergriffen und erschossen werden.
Sie haben doch genügend militärische Kräfte. Wenn Sic dieselben, was ich nicht glauben kann, entfernt haben, so lassen Sie sie' wiederkommen. Erbitten Sie sich das 19; Linienregiment vom General Loison in Münster.
Sim haben doch 2 rögimeuts prooisoires, das Pariser Regiment, die Gardefüsilierc, und ein italienisches Regiment.. Der General Thiebauld (GouverWur von Fulda) hat 1500 Mann. Ich schätze also, daß Sie fast 10 000 Mann zusammen haben können. Vermehren. Sie Ihre Truppenanzahl, wenn cs nötig ist, damit das. Land endlich entwaffnet wird. Heben Sie die Waffen- fabrik in Schmalkalden auf, nehmen Sie Geisel, lassen Sie eine Stadt odervi'n'i ge Flecken niederb rennen. Lassen Sie das Wappen des Kurfürsten überall, wo es noch sein sollte, entfernen. Die Offiziere (hessische), die keinen Dienst (französischen) genommen haben, find auf der Stelle festzu- nchmen und nach Frankreich abzuführen.
Alle diese Angelegenheiten sind schlecht geführt worden. Es ist lächerlich, daß Offiziere von ihren Kapitänen abgesandt worbe» sind, um die Soldaten (ehemals hessische) wieder zu bewaffnen (um in französischen Dienst zu treten). Ich habe niemals ge- wollt.^daß man Gewalt, anwenden sollte; aber endlich muß de r S ch i in Pf, der m eine n Wa ff en a u g e t a n worden ist, m it Blu t g eracht w erde n. Wenn Ihnen nicht 10 000 Mann dazu genügen, werde ich Ihnen noch 20.000 Mann schicken.
Wenn Ihre Maßregeln getroffen worden sind, lassen Sie. eine Proklamation ergehen. Erklären Sie, daß ich aufgebracht bin über das Benehmen dieser oder jener Stadt. Setzen Sie die Leute (verdächtigen) auf eine Liste, die eine jede Stadt auszn- liefern hat, bei Strafe der Einäscherung. Fügen Sie weiter hinzu, daß das Haus des Kurfürsten niemals mehr in Hessen regieren wird, weil die jüngsten Bvr- kommnisse die Frucht sind der. schlechten Leitung, die man dem Volksgeist gegeben hat.
Um die Schlechtgesinnten in Deutschland zu erschrecken, muß man sichtbare Spuren zurücklassen. So habe ich es auch gemacht, als ich im Jahre 4 (1804) den großen Flecken Bignasco habe niederbrennen lassen; ich habe (dadurch), die Ruhe Italiens aufrecht erhalten.
Man muß mir nicht die Wahrheit verhehlen. Machen Sie mir einen Auszug von allen Verbrechen, stellen Sie eine Liste ans von allen Leuten, die getötet worden sind, legen Sie mir Rca;cuschast ab von allen Geschehnissen, wie sie im wahren Lichte erichemen.; Es gibt auch Leute, die. sich wohl verdient gemacht hären, io der Major von Schmalkalden: bezeugen Sie ihnen meine Anerkennung.
Lassen «>ic durch die .Konsistorien den Pfarrern schreiben, rap, gegenwärtig viel Lrnppeit kommen, und daß noch mehr kommen werden, wenn es nötig ist. Wenn sich das Volk großes Unglück ersparen wollte, so möge cs sich fügen und die Urheber dieses .Aufruhrs bezeichnen.
Ich sehe ans Ihrem Briest vom 3. Januar nur Schwäche. Sic
sagen, der Hauptmann Huscart (v. Uslar) sei gezwungen worden, Dienste bei den Insurgenten zu nehmen. Ich kann diese Ausflucht nicht gelten; lassen. Man nimmt niemals wider seinen! Willen ein Kvntmando au. (Uslar war Anführer der Insurgenten.) Er soll sein Betragen mit dem Kopfe büßen . , . Ich bin peinlich davon; berührt, daß Sie die Absicht haben, mir die Truppen MrückzuschickeN, die Sie haben. Ich treffe im Gegenteil Maßregeln, «in sie zu vermehrest. Keine Truppe soll Kassel verlassen, es sei denn die Schmach, die meinen Waffen widerfahren ist, gerächt. Ich kann gegenwärtig 15000 Maust entbehren; später werde ich es nicht mehr können. Ich e-rwarle von Ihnen Handlen und mehr Festigkeit. Täglich geht einer «keiner Courier^ «ach Kassel ab. Senden Sie mir durch einen jeden von ihnen einen Rapport.
Ordnen Sie selbst, wenn es nötig ist, besondere Cvnrieve ab. Ich habe Eile, zu vernehme;», daß meine Adler g erti ch t Xin d. Leeestre 186).
(Schluß folgt )
vom LZeorm!.
ck. Die Nachricht von einer Feuersbrunst im Escorial, die in wichtigen Teilen dieses einzigartigen Bauwerks erheblichen Schaden angerichtet hat, ruft das düster grandiose Bild dieses Werkes vor die Seele, in dem Spaniens Größe und Macht das geschlossenste Symbol gefunden, düs die Zeitgenossen das achte Weltwunder nannten und von dem der Engländer Stirling gesagt hat, es sei das größte bauliche Unternehmen, das ein einziger Manu erdacht und ausgefnhrk hat. Dieser gewaltige Komplex, der durch den Willen eines Einzigen ohne Vorbild in wenig Jahren mitten in der Wüste ans dem Nichts geschaffen wurde, hinterläßt einen unvergeßlichen Eindruck. „In der Nähe ein wuchtiger Steinkoloß, im Innern ein melancholisches Labyrinth", so schildert Justi diesen Eindruck des Escorial, „gewährt er von Tal und Höhe ans wechselnde malerische Bilder. Er stimmt zu der wildgrandiosen Natur. Sobald diese uns umfängt, verschwindet die Verzweiflung, die uns unter seinen Gewölben ergriffen, man fühlt, man ist noch im Lande der Lebendigen . . . Noch mehr aber gewinnt er nachts. Wie ein unzugängliches Zauberschloß erheben sich da die Silhouetten der Kuppel und Turnmadeln unter dem funkelnden Sternenhimmel Castiliens, gehütet durch Wüsten und Bergketten, im Panzer seiner Manern, vier wachthaltende Riesen in den Ecken um ein hochragendes Heiligtum in der Milte, das Tabernakel eines heiligen Grals, ein Gehäuse mysteriöser, unnahbarer Schätze. Angelehnt an die schroffe Gebirgskette der Sierra, in der auch nichts Entgegenkommendes ist, deren Ausläufer nach Süden im Blau verklingen, hinabblickend in die weite Ebene, wo zwischen Jagdgründen, Weidetriften, Oelwälderii, so weit der Blick reicht, Gruppen von Granitblöcken aus-- gesäet find, als sei hier die Stätte einer untergegangenen meilemveiten Weltstadt, von der nur eine Akropolis, ein Ban mit der Verheißung der Ewigkeit geblieben ist." Ang verschiedenen Antrieben heraus ist der Plan zu dem Ban in Philipp II. entstanden. Der König hatte dein heiligen Laurentius als "eine Art Genugtuung und Gewissensbernhigung ein Kloster gelobt, weil er bei der Belagerung von St. Quentin ans strategischen Gründen ein Kloster des Heiligen hatte zerstören müssen. Als dann Karl V. in freiwillig klösterlicher Einsamkeit sein Leben beschloß und dem Sohne die Sorge für sein Grabmal hinterließ, verband sich mit dem Urplan die Idee einer Familiengruft, und dazu wollte sich Philipp selbst einen abgelegenen Palast für stille Stunden bauen. Nach zweijährigem Suchen ward nicht zu entfernt von Madrid ein Platz oberhalb des Dörfchens Escorial gefunden, der drei wichtige Bedingungen, Wasserreichtum, Steinbrüche und gesunde Luft besaß. Ern merkwürdig vielgestaltiges Leben zog nun in die schweigsame Wildnis ein. Der König selbst erschien unter den Arbeitern, unter den wilden Basken, Navarresen und Welschen, die spanische Dublonen zu unbarmherziger Arbeit trieben. Neberatt tauchte der gefürchtete einsilbige Monarch auf; „sein bloßes Erscheinen schien den Bau emporzuheben, verlieh ihm Leben und Wachstum". Sein düsteres Wesen, der Geist starrer Etikette und finsterer Relft


