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Auf Liebespfaden.
Äniffli von. S>. E h r Hardt.
'Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Ais sie etwas Mb und bensnrmen ins Freie traten, sagte Helene mit schüchterner Stimme:
..Bitte, HnnS, las; mich die Hälfte der Rechnung bezahlen, ich habe noch eine Menge Geld, und wenn ich mit Papa zusammen bin, brauche ich ja keins m-chr."
Er schien sehr peinlich berührt.
„Welche Idee, Kind!" sagte er so schroff, wie sie ihn gar nicht finmte. „Diese kleine Freude, dich zu einem Wschiedsdincr eingeladen zu Haben, mußt du mir schon lassen. Wenn ich auch citt armer Teufel bin, aber für eine Dame, mit der ich ansgehe, bezpUe ich, und wenn ich ein Jahr lang abend» trockenes Brot essen muhte."
Helenens Augen füllten sich mit smrkrlndem dtaß, itnb sie hatte große Mühe, ihre Tränen hinunter zu schlucken.
„Sei mir nicht böse, Hans, ach —- lieber Hans, sieh nicht so finstzer aus — ich dachte, weil gerade Ende des ALonats ist, mich weit du doch sonst, immer ganz offen Mer deine Geldnot sprichst —"
Er nahm ihren Arm und bog mit ihr in einen Promermden weg ein, der sich seitwärts von ihnen öffnete und der ganz einsaM lag. 'Die Sonne bramite, der Kiesweg knirschte unter ihren Tritten. Im verftaubten Fliedergebüsch zwitscherte ein Bogelstimmchen.
Hassingen beugte sich nieder, sah die weinenden Augen und den wehen, inngeu Mund — Reue und leidenschaftliche Aift-ch lichkeit wallten in ihm auf. Er küßte das Mädchen heiß.
„Verzeih du mir, kleine, liebe Helene!" bat er demütig, und während sie dicht aneinander geschmiegt planlos in den grün .umbuschten Wegen weiter tvauderteu, fuhr er fort: „Ich bin ein roher Patron, ich weiß es. längst, mir geht das Verständnis ab sirr zartes, nwMicheS Empfinden. Tas kommt davon, weil ich acht Jahre meines Lebens, gerade in der Zeit, in der Charakter Und Wesen sich zu entwickeln und zu formen pflegen, mit meist herzlich wenig zartfühlenden Jungen zusammengepfercht war, uw nur brutale Kraft sich behaupten konnte und .weiche Naturen sich entweder ändern oder zugrunde gehen mußten. Keine weiblich mildernde, versöhnliche Hand leitete mich und mein Fühlen, so bin ich irr vieler Beziehung hart und rauh geworden, ich kcknn's nicht mehr ändern."
„Da must ich mich also daran gewöhnen, Hans." Es klang doch ein wenig schmerzlich.
„Ja, kleine Helene, das wirft du schon, müssen!" lächelte er. „Jft.es nicht gewiß, wenn ich mein Unrecht wenigstens sofort einsehe und Abbitte tue? Obgleich —", er rückte den Hut aus der heißen Stirn und strich sich dann Wer die Augen, als wolle •er kÄvas fortwischeu, „so ganz im Unrecht war ich doch nicht. Du hast es gut gemeint, Liebling, ich weiß und verstehe es, aber
eS tat doch weh - cs brachte nur so recht zum Bewußtsein, welch armseliger Kerl ich bin — so gern würde ich dir alle -Schätze der Welt-zu Füßen legen, und nicht mal einen schlichten Goldreif kann ich dir an den Finger stecken, weil ich lein Geld habe, weil ich kaum weiß, wie ich mich allein dnrchbringen soll."
Es tvar ein momentaner Ausbruch der Verzweiflung, int nächsten Augenblick besann er sich schon und wurde ruhiger.
„Mach feine so erschreckten Äugen, Schah, es -ist nickst so. schlimm, ich biu's ja schon gewohnt, und meist stört es mich gar nicht. Rur manchmal lauft mir die Galle über — siehst du, ich bekomme meine Anlage zur Hälfte, von Vater und einem Onkel, jeder gibt mir 30 Mark, das Heißt von Vater laß ich mir mir 20 schicken und 10 auf die -Sparkasse legen — ein Notgroschrst für nuerwartete größere Ausgaben -- nun vergißt aber mein Onkel so oft das Geld - und es ist so bitter, mahnen zu sollen, ich kann es nicht — es Mit ihm ja auch später ein, und es ist mir natürlich nicht verloren, aber es s-ckstt mir doch — ich bin ganz ehrlich gegen dich. Lieb, das Geld für die Heutige Fahrt hat mir Espach geborgt — darüber mach ich mir nun weiter keine Skrupel, in zwei Tagen kriegt er's wieder."
Er wollte recht sorglos und leichtherzig erscheinen, aber die Mädchoiwhren hörten, doch den bitteren Unterton heraus, den ganzen niederdrückenden, heimlichen Kampf, den man- so treffend „glänzendes Eiend" nennt.
„Ach. Harts, wie .traurig ist das alles — aber nicht ivahr, glücklich bist -bn doch -gewesen in diesem Sommer — sag mir#, hab ich dich glücklich gemacht?"
„Sehe, sehr glücklich, mein Liebling."
Noch einmal flüsterte grünes Vnchenlaub über ihren Häuptern, noch einmal barg Waldeinsamkeit treulich ihre junge Liebe.
Sie setzten sich auf eine Bank, neben der ein silberklaresi Bächlein sprudelnd und plätschernd zu Tale Hüpfte.
Born Kurplatz herauf klangen durch die Stille rauschwido. Musikweisen. Der Torgauer Marsch leitete das Nachmittagskonzert ein.
„Hast du Lust, dort unten eine Tasse. Schokolade zu trinken, Kind?"
Sie hatte den Hut abgenommeu und ihr Köpfchen an seine Schnlter gelehnt. Ohne sich zu rühren sagte sie keife:
„Nein. Was sollen mir die vielen Menschen? Ich will mir dich, und ich will dich ganz allein."
„Kleine Egoistin."
„Ich habe dich nur noch zwei Stmtoen!" entschuldigte sie sich. „Dann hab ich gar keinen Teil mehr an dir, du wirst hier uird dort sein, das und jenes erleben, und ich werde nichts mehr davon wisse» ■— alle vom Regiment betrachten es als ganz selbstverständlich, daß du zu ihnen gehörst, sie. laden dich ein, rind du mußt mit den jungen Mädchen musizieren und tanzen, und ich muß beiseite stehen nnd werde nichts tun könnet' mich wenn du mich vergißt —"
„Ich werde dich nie vergessen, Kind."
Unten int .Kurpark spielte die Kapelle jetzt speich und trift!-- merisch einen Walzer -von Strauß,
MmWich. erblichen die Sonnenstrahlen, die durch das grstm


