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wib Rot auf der Wand. Diluviale Tierreste uns Werkzeuge lagen el-zeitig tu der Höhle gehäuft. Die Entscheidung gab aber
erst 1901 die wissenschaftliche Erschließung der seither wcit- berübmtcn beiden Höhlen von Combarclles und von Font- de-Gaume, beide in kleinen Seitentäler»! des immer wieder in seinen Enthüllungen und Schätzen einzigartigen V e z ö r e t a l s gelegen Nachdem angesehene deutsche Fachleute die Angaben der französischen Forscher gerade an diesen glänzendsten und be- weismrdsteit SMleu selbst uachgehrüft und rückhaltlos anerkannt batten, war das Eis wieder einmal gebrochen. Auch dieses letzte und höchste Wunder diluvialer Stunft stimmte. Seither sind noch über ein Dutzend solcher „Bilderhöhlen" in Südfrankreich und Spanien enthüllt worden. Das; Leute, die so zierlich schnitzten und Bilder aus kleinstem Raum tu schwierigstes Material ritzten, in Winterstunden der absoluten Muße auch ihre Höhlenwaud oder Höhlendecke zu den Launen ihrer Kunst herangezogen haben sollen, kamt mt sich ja wieder gar nichts so sehr Besonderes haben. Eine flache Lampe aus rotem Sandstein, tu der man noch die Wirkung des verbrannten Tierfetts bemerkt, gefunden in einer der Bilderhöhlen neben Feuersteinklingen und angeb rannt en Renn- lierknocheu, scheint uns noch eine gute Illustration dazu zu geben- Es liegt feilt direkter Grund vor, diese Lampe als prähistorisch auzuzweiseln, obwohl ihre napfartige fteinerne Mulde seltsam aus einem andern Grunde anmutet: in einer Welt nämlich noch ohne Kenntnis von Töpferei; so nahe scheint man das künstliche Gefäß also schon vor Augen gehabt zu haben tut buchstäblich hellsten Lichtkreis — und doch hat man die andere Technik noch nicht gesehen! Daß die Leute Farbstoffe zur Hand hatten, haben wir auch schon bemerkt. Was am meisten also eigentlich packt, ist wieder die Kombination: daß die gezeichneten Tierbilder nun eben auch gefärbt wurden — und dann die Größe, ein gewisser neuer Prunk, ein Grandioses des ganzen Stils. Bon magischen Beschwörungsbildern ist hier gewiß keine Rede mehr: man steht ganz ersichtlich vor reiner Kunstfretide. Was muß das aber schon für ein reiches Phantasielebeii gewesen sein, das beim misteten Lichtschein in solchem tiefen, engen Höhlenschacht das ganze Leben und Treiben der Jagd da draußen noch einmal erstehen ließ, nicht bloß als Traum, sondern umgesetzt tn künstlerische Bilder, die nach so viel Zeit noch in ganzer Frische heute vor uns stehen, während all das, was einst diese Jägeraugen als „wirklich" gesehen hatten, selber verschollen und versunken ist, wie ein wilder Traum! . . .
Die ganze Pracht der diluvialen Malerei zeigt die Höhle Von Font-de-Gaume. Der Ban dieses Schachts ist verwickelter. Eine breitere Vorhalle macht »wch am ehesten den Eindruck eines Anlaufs zu einer richtigen Stalaktitengrvtte mit Tropfstemsaulen. Dann geht's durch eine Art engster Felspforte aber erst ms Aller- heiligste, auch hier wieder einen ziemlich engen, doch etwas höheren Kellergang. Und da drinnen ist nun diesmal regelrecht gemalt worden. Mangaufchwarz und Ockererde sind wie tn Altamira die chemische Voraussetzung, sie ergeben in Mischungen alle Tone von rot über braun zu tiefschwarz. Die Umrisse der großen Tierkörper sind auch hier vielfach eingeritzt mid schwarz durchzogen, die Innenfläche aber ist dann noch naturgemäß ausgemalt, vor allem in Brann und Rot. Wir kennen ja solches Rotbraun ans den sibirischen Funden direkt als Mammutfarbe, kennen es auch von unseren lebenden Przewalski-Wildpferdcn, unseren asiatischen Wildeseln und unseren wenigen noch ausdauernden europagchcu Wiseutstieren. Und da ist es beim diesmal vor allem eben der Wisent selbst, der so dominiert. 49 solcher braunwolltgen Wtld- ochsen zieren die Wände dieses Tartarus. Das gewöhnlichste Jagdwild muß diese heute im Osten unseres Erdteils, tn Litauen und int Kaukasus, schwach noch vegetierende prachtvolle Hochwild- form damals in Südfrankreich gewesen sein. Nur zwei Mammutbilder finden sich diesmal, spärlich auch Pferde. Dagegen entzückt noch eine Gruppe von zwei weidenden Ncnntieren, skizzenhaft tut erwähnten Sinne auch sie, aber mit einem Schwung der charakteristischen Andeutungslinieu, der gar nicht zu überbieten ist. Ueberwältigend deutlich empfindet mau, wie der Kunststtl, der etwa in dem kleinen eingeritzten Remitier des Keßlerlochs minutiös in den Einzelheiten arbeitet, hier umgekehrt ein durchaus monumentaler, auf die Freskowirkung hin ist.
Aus dem Zurücktreten von Mammut und Pferd gegenüber dem Wisent hat man schließen wollen, daß die Malereien dieser zweiten Höhle einem etwas anderen Naturmilieu entnommen sein dürsten als die von Combarelles, eventuell einem etwas späteren innerhalb der diluvialen Schlußgrenze, wo die Mammut- fanna sich sckwn mehr durch eine Tierwelt zu ersetzen begann, wie sie noch lauge nach dem Diluvium dann die typische ,itr Europa geblieben ist. Jedenfalls haben uns diese Mammut- itttb Wifentmaler der Vezsretalgegend »roch eines dazu aus ihrem eigenen Leben verewigt. Mitten zwischen den Jagdtteren tauchen nämlich auf einmal hier unverkennbare Bilder von Zelten auf. Richtige Lederzelte sehen wir da, mit eurer Stützstange tn der Mitte und einem halbovalen Ausschnitt als Eingang. Der Maler, der hier im engen Höhlenschacht von den lustigen Jagdstunden des Sommers phantasierte, gedachte auch der Behausungen, die zu solcher Zeit fern von dem Winter- und Stamm-
quartier, ber HoWe, in' einfachster Technik ckus StMgett Kndi Fellen hergestellt wurden. Wir aber lernen damit immerhin »wch etwas Bedeutendes hinzu: daß das künstliche. Haus schon ew funden war, das gelegentlich die Naturhöhle bereits ersetzen durfte. In keinem zweiten Zuge scheint so sehr die Idee einer nahenden neuen Kulturepoche heranfzudämmern, die nicht mehr tn dem Worte „Höhlenmensch" erschöpft !var. Wobei es allerdings auf der anderen Seite durchaus naheliegend bleibt, daß gerade dieser Zeltbaii selber damals auch schon eine recht alte Aushilfe war, die bereits überall läirgst gedient hatte, wo die Natur überhaupt keine Höhlen bot. Der endgültige Uebergang vom flüchtigen Zeltbaii streifender Jägerstämme zum festem Hausbau und zum Dorf ist gewiß an sich »wch ein ganz gewaltiger Umschwung gewesen, und wir haben keinen Anhalt, daß er in der Diluvialzeit schort irgendwo vollzogen worden sei; aber die Voraussetzungen lüabeit auch hier (wie in jenem Fallt von Lampenschale »mb Töpferei) sicherlich viele jahrtausendelang gleichsam! bereitgelegen, gleichsi sam unvollzogen sich in der Schwebe gehalten; der Vollzug c»- schien dann später ebendeswegen nicht wie ein Ruck, sonders wie etwas galt; Selbstverständliches." .
Wie »ins von der Geschäftsstelle des „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde", »wch mitgeteilt wird, soll im nächsten Jahre! ein weiteres Bändchen aus Bölsches Feder folgen, das den Mmsthepl der Pfahlbauzeit behandelt.
Vsvmr Achtes»
* Napoleons Scheidung. (16. Dezember 1809.) seph ine Beanharnais war schon im Verblühen begriffen, als sw im Jahve 1796 dem General Bonofoarte ihre Hand retcW. Tw Ehe war nicht unglücklich, aber sie blieb kinderlos, und das war die eine Ursache zu ihrer Trennung, als ans dem General ciitf Kaiser geworden war. Napoleon wollte feilte ungeheure ME gern einem Leibeserben hinterlassen, anstatt seinem Neffen Lotus, dem zweiten Sohne seines Bruders Ludwig von Hollano. Aber noch eilt zweiter Gedanke bestimmte ihn, eine Scheidrmg tn» Ange zu fassen. Die Trennung von Josephine erlaubte ihm, sich mit einem der Men Herrscherhäuser Europas zu verbinden. Er erreichte dadurch die Aufnahme in den Kreis der legitimen,, regierenden Geschlechter und die Anerkennung seiner Ebenbürtigkeit. Schließlich besprach er die Angelegenheit mit Josephine selber, wobei er die Mtwendigkeit, einen Erben zu haben, betonte:, „Wenn es nötig wird," sagte er, „so wirst du, Josephine, mich bet einem solchen Opfer »interstützen. Ich würde von deiner Freundschaft erwarten, daß du mir das Gehässige einer zwangsweise Scheidung ersparst. Nicht wahr, du würdest selbst die Schetdun^ verlangen und hättest den Mut, dich selber zurückzuztehen." Das tat nun freilich Josephine nicht, aber ihre Antwort gab dem! Kaiser doch zu erfeniten, daß sie einem bestimmt ausgesprochenen! Verlangen auf Scheidung nicht widerstreben würde, was ihr freilich dem Willen des Allmächtigen gegenüber auch nichts geniitzt Hatte Doch vergingen noch einige Jahre bis der Kaiser ferne Acht ast ausführte. In dieser Zeit wurde er von seiner Unrgcbima, iucht zum mindesten von seiner Familie, bearbeitet, die S-cheidung ausztlsprechen. Endlich tat Napolooir den entscheidenden Schritt Am 15 Dezember 1809 fand der Form wegen ein Famtlienvatz statt, in dem Napoleon in einer Erklärung seinen schritt begründete und Josephine ihre Zustimmung schluchzend erklärte. Ten Tag darauf trennte ein Senats-beschluß. d« Ehe. Jvsephme. behielt den Kaiserlichen Titel, erhielt drei Millwueü FraukA Apanage und da§ Schloß MaliNaison, sowie zahlreiche Kostbarkeiten Nun war noch die Zustimmung der Kirche emzuhoten, Napoloon begnügte sich mit der kanonisch nicht genügenden des ad hoc unter dem Vorsitze des Erzbischofs von Paris eingesetzten geistlichen Gerichtes. Im Januar 1810 wurde mich hier die Scheidung ausgesprochen, „weil der Kaiser bei der kirchlichen Trauung im Jahre 1804 sein Jawort nur unter einem moralischen! Drucke gegeben hatte und dadurch die Sakramentshandlung mv gültig gemacht worden fei." Josephine blieb trotz ber schewunD und trotz der Wiederverheiratung Napoleons mit ihm tu Briefwechsel und hat seinen Sturz nicht lange überlebt. Am 29. Mas 1814 ist sie gestorben.
Zitateu-Riitsel.
Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu uehmeii, so daß sich ein neues Zitat ergibt: .
1. Dem Zweitel gebet in eurem Herzen feinen Raum.
2, Web dem Lande, wo man nicht mehr singet.
3, Hilst Gott uns nicht, kein Kaiser kamt uns betten!
4. Wahre Prinzen aus Genieland zahlen bar, was sie verzehrt»
5. Des Menschen Wille, das ist sein Glück.
6, Zankt, wenn ihr sitzt beim Weine, Nicht um des Kaisers Bart.
7. Fürchterlich ist einer, der nichts zu vertieren hat, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer t Ans Freunde im Unglück rec()ne nie.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©teinbructerei, N, Lange, Gieße«,


