Ausgabe 
16.12.1909
 
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Erde er fie; bte ganze Zeit anfehen, .und den Blick nicht von ihr wenden.

In der Stube drinnen saß Warte, seine siebeniähriae Schwester, ^und lugte vorsichtig zum Fenster heraus: sie behielt beide in, Auge. . . '

-Sie sollten beide heute auf die Henne aufpassen.

t 3>!,c Henne war alt und war so lange allein gewesen, rwß _ sie sich allerhand Streiche angetvöhut hatte. Sie wechselte jedesmal das Nest, wenn sie ihr die Eier ge- "?r>lmcn hatten, und versteckte sie au den un- glanbnchsten Stellen, wo es niemand einfiel, zu suchen; einmal hatte sie die Eier in ein paar hohe Gras- vuschel glerch neben der Türschwelle gelegt, und da lag sie und brütete acht Tage, ehe sie sie fanden. Und sie war so ausspekulrert klug geworden, daß es beinahe unmöglich war, sie zu hüten. Einmal, als die Mutter selber auf fte aufge­paßt hatte, so daß sie nicht entwischen konnte, hockte sie nieder und legte das Ei mitten auf die nackte Erde.

stlitte die Mutter für je acht Eier, die sie fänden, ein Er als Prämie ausgesetzt. Nuu hatte sie vor ca. vierzehn Tagen wieder ihren Platz gewechselt, so daß es jetzt sechs vrs sieben Eier sein --mußten und heute sollte sie wieder legen die Mutter hatte nachgefühlt.

Es war ein brennend heißer Sommertag, die Insekten suminten durch die Luft, die Schwalben flogen zwitschernd hin und her nach ihren Nestern am Stallgiebel, und im hohen Gras an der Wand entlang schlich die Katze dahin, hob vorsichtig ihre P.oten und schielte nach oben, wie sie wohl die Nester erreichen könnte.

Hans lag ,in der warmen Sonne und sah nach- der Henne. Cie stand auf einem Bein, blinzelte gegen die Sonne und sah ihn lange an. Dann tat sie plötzlich gleich­gültig, machte ein paar Schritte, scharrte in der Erde und tat, als fände sie etwas zum Aufpicken.

O nein, auf diese Art sollte sie ihn nicht hinteraehen: er kannte ihre Faxen.

Nach einer Weile blieb sie stehen, sah wieder auf und schielte zur Seite.

Nein, er lag immer noch da und verfolgte sie mit den Augen; sie blieb,wieder auf einem Bein stehen und blinzelte; das konnte langweilig werden, wenn es lange dauerte.

Hans fand auch, daß es sich lange hinzog; jetzt hatte er gewiß eine Stunde hier gelegen.

Nein, sie war so ausgefeimt, daß sie sah, ivohin er seine Augen richtete. Er mußte tun, als ob er wo anders hinsähe. Er schielte nach dem Fenster.

Oh, er sah wohl, wie Warte den Kopf schnell ivegzog; ja, sie konnte gern dort stehen, er war am nächsten, er würde sie diesmal zuerst finden.

Er sah wieder nach der Henne. Sie war ein paar Schritte gegangen, während er wegblickte und stand jetzt wieder still. Nein, er mußte so tun, als ob er nach der Stallecke sähe, dann vielleicht

Er tat es. Im selben Augenblick strichen zwei Schwal­ben neben ihm mit lautem Geschrei dicht an der Erde hin sie hatten die Katze erblickt. Diese schlug mit der Pfote nach ihnen; wahrhaftig, bei einem Haar hätte sie eine erwischt! Es. kamen mehr; alle begannen sie am Boden hin zu fliegen, sie zu foppen und auszuschelten.

Ach, wie dumm sie war, daß sie sie nicht erwischte, sie duckte sich nur, legte die Ohren zürück und verkroch sich tiefer ins Gras. Es half nicht, da kniff sie aus, verschwand um die Ecke und in den Stall. Sieh, da zerstreuen sich die Schwalb en und flogen wieder von und nach ihren Nestern.

Zn dumm, daß der Eckbalken am Stall so glatt war, daß er nicht daran in die Höhe klettern konnte; sonst hätte er das niedrigste Nest erreichen können. Das wäre fein gewesen, ein paar von den Jungen zu haben; sie waren schon so groß, daß sie die schwarz und weißen Köpfe zum Nest heraussteckten. Wen« er ein paar kriegte, so würde er ihnen ein Bauer zurechtmachen und für Nahrung würde er auch sorgenes gab so kolossal viel Fliegen am Fenster.

Da würde Marte neidisch werden; sie sollte sie nicht einmal zu sehen kriegen; oder doch vielleicht, wenn sie ihm für jedesmal eins von ihren Eiern gäbe; sie hatte wohl schon vier, und er erst drei

Eier?

Wo war die Henne? Fort.

Zum Teufel, hatte sie ihn auch diesmal genarrt?

Er stand auf, stampfte mit dem Fuß auf, und war dem Weinen nahe. |

i ,, So eine schurkische Henne, so ein infames Mest. Kaurn lreß er sie aus den Augen, so war sie auch schon entwischt.

Ja, dann also das nächste Mal; er guckte nach dem Fenster, denn Marte hatte sie doch wohl auch nicht gesehen? Sre nxrr übrigens vom Fenster verschwunden. Da kam sie heraus.

Sie sah so verschlagen aus. Ob sie vielleicht doch?

Hast du dre Henne gesehen, Hans?

Rein, du?

Nein.

.Es stak bestimmt etwas dahinter. Marte tat so gleich­gültig. Er wollte schon auf sie aufpassen.

", Ä^stbe fast, sie ist in den Stall gegangen, sagte er, icf) will dort nachsehen, er wußte wohl, daß sie dort nicht war, denn da hatten sie jeden Winkel abgesucht.

muh zuerst, sagte Marte, intb tat, als ob sie hin- lausen wollte. -

Nein, ich will zuerst und Haus sprang davon.

Ja, es war deutlich, sie wollte ihn forthaben, denn fte tat gar nichts, um zuerst W kommen. Er wollte sie schon überlisten?

Er schlüpfte in den Stall und guckte durch eilte Ritze. Ae stund erst ruhig und blickte sich vorsichtig um, dann schlich fte auf den Zehen au der Stallwaud entlang. Er kam heraus, schlich bis zur Ecke und steckte den Kopf vor.

Ah, eben war sie im Begriff, nach den großen Brenn­nesseln abzuLiegeU.

Dort hatte sie also die Henne.hineinschlüpfen sehen

Er stürzte vor, gerade auf ihren Rücken los:

Ich weiß es, ich fand sie zuerst.

Sie fielen beide in die Brennesseln. Die Henne flatterte schreiend davon.

Cie standen auf; es brannte schrecklich an Gesicht und Händen.

Eine Weile standen sie da, und starrten sich an, Hans die Mundwinkel verzogen, bereit zu weinen, Marte beide Hände voller Rührei in die Höhe haltend.

Plötzlich klatschte ihm die eine Hand hinter die Ohren, daß das Rührei spritzte, und er zu Boden kollerte.

Dann singen sie beide an zu heulen.

Die alte Henne schalt sürchlerlich drüben ans dem Hof- plotz. ______________

Aeber die Nunst in Her DiluvialzeiL

plaudert Wilhelm Bölsche in dem soeben zur Ausgabe gelangten: KosmosbändchenDer Mensch der Vorzeit I". Er schildert die verschiedenen aufsehenerregenden Funde, die besonders in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gemacht wurden, nach ihrer Bedeutung. War daS Erstaunen der gebit eteu Welt schon groß über die künstlerische Betätigung des Tilnvialmenschen, wie sie sich in einfarbigen Zeichnungen und Schnitzereien in Mammut- elfenbein und Reuntiergeweihuiochen offenbarte, io begegnete die erste Kunde von der Anwendung einer Maltechnik im Anfang nur ungläubigem KopfWitteln. Bölsche erzählt hierüber:

Schon im Jahre 1880 behauptete jentand, er habe in Nord- fpamen eine Höhle entdeckt, die an Wand und Decke von prä- historischen Händen mit den prachtvollsten Tierbildern in Farben bemalt fei. Das ging selbst den Kühnsten der Kühnen über die Hutschnur, und der Manu, ein Genosse Don Quichottes, Marcellino de Santnola, wurde mündlich ausgelacht. Altamira hieß die Märchenhöhle. Die Tierbilder führten in höchst charakteristischer, technisch wohlgelungener Darstellung an der Decke ein gehäuftes Gedränge von Wildstieren, Wildpferden, Wildschweinen, Hirschen und Steinböcken vor, zum Teil in den Umrissen eingehaucn und in Schwarz, Rot und Braun sauber ausgemalt. Daß ein moderner Fälscher (eg müßte schon ein besserer Tiermaler gewesen sein) sich gerade darauf verlegt haben sollte, einen solchen HöhlcN- plafoud mit allem Raffinement auszumalen, um ein paar Spezial- forscher hinters Licht zu führen, war eigentlich auch ein wenig Zumuttmg. Die Tiere waren solche, die in spätdiluviale Staffage durchaus paßten. Aber was zu bunt war, war zu bunt, hier im eigentlichsten Sinne.

Und doch haben sich die Zweifler auch in diesem Fall all­mählich, aber gründlich bekehren müssen.

Ganz langsam sickerte in den nächsten zwanzig Jahren die eine oder andere Post von solchen ausgemalten Höhlen doch wieder durch. Ein Lehrer hatte in Slldfrankreich eingeritztei Mammutbilder aus einer Höhlenwand entdeckt, fand aber auch zunächst natürlich keinen Glauben. Dann zeigten sich in der Grotte La Mouthe in der klassischen Dordogne, also dem dilu­vialen Pompeji selbst, Wandbilder, die Mammut, Wildpferd, Renntier, «Iso gerade;» die diluvialen Hanptvertreter, erkennen! ließen. Eine Höhle der Gironde lag bis zum Rand voll Schutt, und erst, als man den mühsam entfernt hatte, erschienen, sechzehn Meter vom Eingang entfernt, Mammute und Pferde in Gelb