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Pyy — Nr. M
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Rheinlandstöchter.
Roman von Clara Viebig.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
- Dank, sie weinte! „Der Mann kann sich noch
im Grabe freuen," brummte Schmolle. „Ich wünschte, meine ollen Föhren Hütten nur halb so viel für mich übrig!" Er Kog das Taschentuch vor, räusperte und hustete umständlich, dann trat er mit zwinkernden Augen dicht an Nelda heran und bückte sich tief zu ihr herunter,
, „Neldachen," flüsterte er, „Sie sind 'n gutes Mädchen! Wissen Sie was, Neldachen, haben Sie mich man auch en bißchen lieb, man en ganz klein bißchen!"
Er rührte sie; sie sah zu ihm auf und dann zu der Mutter herüber und sah dann wieder in das ehrliche rote Gesicht, ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen, aber sie zwang sich zu einem Lächeln.
„Viktoria, wir haben ihr!" Schmolke stieß einen Freudenschrei aus, daß Frau Rätin blitzgeschwind den Kopf erhob; er umfing Nelda mit beiden Armen und drückte ihr einen schallenden Kuß aus die Stirn. „Sie lacht! Teuerste, Verehrteste, Geheime, sie lacht, unser Töchterchen lacht! Kommen Sie an mein Herz, nein, komm an mein Herz! Jetzt sage ich „du"; wir sind einig! "
Frau Rätin tauchte einen Augenblick in die ausgebreiteten Arme, verschämt machte sie sich dann frei, zupfte an ihrer Schürze und schielte unter gesenkten Lidern zur Tochter hin.
„Na, Neldachen, tut sagen Sie doch Muttern ein gutes Wort, soll sie stehen und drauf lauern? Ae, wissen Sie was, Neldachen, wir beide sagen nu auch „du", das gehört sich! Geh, geh, mein Kind, sag' du nu Muttern ein Wort!" Er faßte das Mädchen um die Schultern und schob es mit sanfter Gewalt der andern zu.
„Ich gratuliere dir, Mama!" Neldas Stimme schwankte, Eiseskälte und eine natürliche Erregung stritten darin miteinander.
„O Nelda, dieses Glück!" Frau Rätin siel der Tochter Hin den Hals. „Wenn das Dallrner wüsste, er war so gut!"
Nelda bebte wie Espenlaub. Sie küßte die Mutter und machte sich dann sanft von ihr frei. „Möchtest du glücklich werden," sagte sie leise.
„Ta haben wir's, da haben iuir’S," frohlockte Schmolke. „Und nu sagt Neldachen auch „Papa" zu mir! Nicht wahr, Herzenskiildchen, die Liebe tust du mir an?" Er klopfte ihr zärtlich die Wange.
Des Mädchens Herz drohte zu brechen; das Ivar zu viel, die herunter gezwungenen Tränen stiegen erstickend in der Kehle aus.
„Na, und Baiern lassen ivir ein schönes Denkmal setzen, was?" schwatzte der glückselige Schmolke weiter. „Einen Engel, der mit dem Finger nach oben weist. Wir reisen hin; ,
und Rosen lassen wir anpflanzen, die feinste Sorte. Ja, ivir reisen hin. Sag' nur, daß du willst, meine Tochter —ich weiß ja, du sehnst dich!"
„Ja, ich sehne mich. Aber ich möchte allein reisen) Ich danke dir, Pa" — das Wort wollte nicht über die Lippech sie zwang sich — „Papa!"
lieber Berlin spannt sich der Nachthimmel; so klar Und sterndurchblitzt, wie es ihm über den aber tausend Schloten, dem Wust, dem Dunst, dem Schmutz möglich ist Es hat sich am Dag abgewittert. Die Hitze steckt nur noch in bett Wohnungen und die Müdigkeit in den Gliedern. Wer schlafen kann, schläft, und wer es nicht kann, mirft sich, ärgerlich in den Kissen.
Uno jetzt zieht der Mond aast Langsam kommt er angeschwommen, ein paar Wolkenschleier norm Gesicht. Werd er scheinen? Erst kriecht der blanke Rand unter den dunkeln Säumen vor, rutscht und rutscht, ivtrb breiter und breiter, die Wolkenfetzen verschweben nach oben und mischen sich gestaltlos ins gleichmäßige Grau des Nachthimmels. Da hängt die ganze matte Scheibe. Zitternde Strahlen schießen nieder zur Erde, gießen Silber über die Dächer, schlüpfen hinter die Gardinen und sehen schlafenden Menschen in die Gesichter.
Bei Dallmers brannte kein Licht mehr; auch die erregtesten Szenen nehmen ein Ende, man wird doppelt müde danach. Ein Berlobungstag ist immer aufregend, besonders unter solchen Umständen. Nun schlief auch Frau Rätin den Schlaf der Befriedigung, Schmolke schnarchte. Nur Nelda lag im Bett, die Augen weit offen, und folgte dem tänzelnden Mondstrahl auf ihrer Bettdecke. Sie mar nicht mehr unglücklich. Von verklärenden Strahlen umwoben, tauchte daK Grab des Vaters vor ihr auf; bald würde sie daran fitieen, sie würde die Hand auf den begrünten Hügel legen —t „Vater, ich sollte ja gut sein, bin ich's gewesen? Die Mutter hat jetzt eine Stütze, darf ich nun gehen?" — „In sechs Wochen machen wir Hochzeit," hatte Schmolke erklärt. „In sechs Wochen reife ich zu Onkel Konrad!" Nelda hob die Arme hoch empor, sie fing an sich zu freuen; und mitten in der Freude, die ihr Herz leis zu bewegen begann, schlief sie ein. Der Mond beschien ihr Gesicht, an den Wimpern hingen noch Tränen, aber der Mund lächelte.-----1
Ist es derselbe Strahl, der im Tiergarten durch die Bäume fließt, sie mit Zauberlichtern besteckt und im Garten der Ranchstraße magische Kreise auf den kiesbestreuten Wegen zieht?
Die Fliederbüsche bat der Gewitterivind tüchtig geschüttelt, die üppigsten Dolden haben ihre Blüten auf die Erde gestreut. Da liegen sie nun, ein Nachthauch kommt und her», weht sie. Die Spitzen des Gesträuchs baden sich im Mond- licht; in der Mitte bleibt's dunkel, da sitzt die Nachtigall und singt und lockt: „Züküt — züküt!" Oder klagt sie?
Duft kriecht über den Boden hin, hebt sich und weW hinein durchs breite Balkonfenster in das Boudoir der gnädigen Frau. Kein Licht. Aber Mondschein genug, um die


