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gefaßt ift. 'Da so Glanz und Schönheit bet Juwelen, durch keine Umrahmung abgeschwächt, in ihrer freien Wirkung' sich entfalten, hebt man den Reiz der einzelnen Steinarten durch feine Kott- trnstierungen hervor, indem man z. B. den Diamanten von einer Fassung ganz kleiner farbiger Steinchen umspielt werden läßt, deren bunter Lichterglanz den einsamen Strahl des Solitaires noch verstärkt. In der formalen Gestaltung des Schmucks geht man auf historische Muster zurück, wie sie das 18. Jahrhundert und der Empirestiel darbieten. Schlank edele, antikisierende Linien walten besonders in Schmuckkämmen rind Diademen vor. Während das Moderne Kunstgelverbe vor einigen Jahren auch im Schmuck das einfache Ornament betonte und allen Luxus des Linienspiels verbannte, erfreut Man sich jetzt wieder an dem reichen Arabeskenwerk des Rokoko, das bis zur Nachahmung von Spitzen in Diamanten sich steigerte. Tie aus der Natur ent« noMmenen Motive von Pflanzen, Blumen, Trauben usw. sind aufgegeben und an Stelle der plastischen Wirkung, die man im Schmuck erstrebte, ist eine mehr zeichnerische Schönheit getreten, die sich an der reinen Köstlichkeit des Materials in der geschmackvollen Wirrnis einer schönen und kühnen Linienführung erfreut. Die feinen zarten, sich leicht zum herrlichsten Ornament anordnenden Perlen sind die Lieblinge der neuesten Mode; matt trägt sie als Collier und Kreuz, auch bei Nachmittags-Gesellschaften. Sehr viel getragen wird die Form' des „.Hundehalsbandes", die sich eng um den Hals schmiegt. Diademe in allen Größen und allen Formen sind der schönste Haarschmuck bei größeren Festen'; mit ihnen wetteifern runde Kronen aus Juwelen und kostbare Schmucktämme als Ausdruck höchster Pracht in den neuen Schmuckmoden.
* Typen ans den: Bettlerparadies. Die Kaufleute der Champs-Elysoes in Paris haben an den Polizeipräfektest eine Petition gerichtet, um dem immer stärker werdenden Eindringen der Berufsbettler in diesen Lieblingsweg des eleganten Paris zu wehren. Werden doch hier die eleganten Equipagen direkt von Zudringlichen angefalien, die auf das Trittbrett heraufspringett und einen bestaubten Blumenstrauß so lange Hinhalten., bis man sich durch ein Geldstück von ihnen befreit. Dieses immer deutlichere Hervortreten, die immer weitere Ausbreitung des Bettlerwesens in Paris beleuchtet Guy Dorval in einem Artikel des Gaulois, in dem er die hauptsächlichsten Bettlertypen vorführt. Die Seinestadt ist ja eine Art Paradies für Bettelnde, denn der Pariser ist gutmütig und gibt leicht. So ist denn die Zahl der falschen Einarme, der falschen Blinden, der falschen Beinlosen Usw. Legion, und diese ganze Scheinwelt menschlichen Elends lebt behaglich von ihrem Bettelgewerbe, zum Schaden der wirklichen Armen, die nicht wagen, ihre 9iot öffentlich zur Schau zu stellen. Denn das Betteln ist für die, die es mit Geschick ausführen, ein einträglicher Beruf; es gibt eine Elite von Bettlern, die den Somnier itt Badeorte gehen und im Winter an die Riviera, die sehr wohlhabend sind und eine schöne sichere Einnahme haben. Nie ist der Bettler Vagabund. Er hat sein Heim, seine eigenen Möbel, sei es auch nur in einer kleinen Wohnung und einer schlechten Gegend. In solchen Schlupfwinkeln machen nun diese Künstler der Verstellung aus einem kräftigen und gesunden Menschen, der iin Vollbesitz all seiner Glieder ist, einen Einarm, einen Stelzbein, einen elenden Krüppel. Einer von ihnen versteht die besondere Spezialität, auf Armen und Beinen seiner Kollegen scheußliche Wunden anzubringett, die zugleich grünlich und blutig aussehen. Das ist ein koloristischer Künstler, eine Art Delacroix. So ziehen sie täglich aus, eine Armee entsetzlichen Jammers. Doch sind sie heimgekehrt, dann findet der Einarm sein verschwundenes Glied wieder, der Blinde sieht vorzüglich, der „Rücken- Märker" ist geschmeidig wie ein Tänzer, der Stelzbein hat seine Füße wieder und der mit eklen Wunden Behaftete läßt sie wie durch Zauber verschwinden, indem er sie mit einem Lappen abreibt. Dann geht man trinken und ist vergnügt in den benachbarten Schenken. Die beiden großen Klassen, in die die Masse der Bettler zerfällt, sind der wandernde und der seßhafte' Bettler. Der erstere macht alle Boulevards, alle öffentlichen Platze und Straßen heute da, morgen dort, .besonders des Nachmittags, unsicher. Der andere sitzt stets an derselben Stelle und hat seinen bestimmten Bezirk, den ihnl niemand streitig zu machen wagen würde. Manche bevorzugte Plätze machen ihren Besitzer reich und werden von ihnen als wertvoller Besitz weiterverkauft. So trat ein Blinder — diesmal ein wirklicher — seinen Platz für die hübsche Summe von 8000 Franks einem anderen ab. Er hatte an ihm durch- schncktlich sieben Franks täglich „verdient". An solch einem Lieblingsort der Bettler, etwa an.einer Kirchentür, kann man dann Gespräche hören wie etwas das folgende, in dem ein Stelzbein Itnb ein Blinder sich unterhalten. „Du gehst also nicht mehr als Krüppel ohne Beine?" „Nein, diese Woche bin ich Blinder . . . Und du, hast du nicht Mehr deinen Veitstanz?" „Nein, das ist mir zu anstrengend, ich gehe jetzt mit einem Bein." Von dem Proletariat zur Aristokratie der Bettler führt der Almosenemp- fänger, der mehrere Sprachen versteht. Er weiß auf englisch, deutich, rutzttch, spanisch ein paar Phrasen, in denen er um Hilfe bittet rind dankt. Er täuscht sich nie in der Nationalität seines Opfers; mit einem Blick weiß er, ob er einem Sohn Albions oder einem Deutschen gegenübertritt. Er steht mit Vorliebe vor
bett großen Hobels und wartet in bett eleganten Straßen. Sein Benehmen ist korrekt, seitt Auftreten diskret, seine Stimme dringlich, aber weder flehend noch belästigend. An seinem Benehmen wird er nur von dem besseren Hausbettler übertroffen, der sich des Morgens einstellt, höflich, zeremoniell, ja unterwürfig. Er ist bald ein imglücklicher Schriftsteller, bald ein stellungsloser Lehrer, bald eilt Künstler ohne Engagement. Hat er unser Mitleid sich nutzbar gemacht, dann zieht er sich mit ehrerbietiger Ker'- beugung zurück. Nächstes Jahr sehen wir ihn wieder, wir sind seine Kunden geworden, unser Name steht in seinem Adressenbuch eingetragen. Man hat solch ein Adressenbuch einmal beschlagnahmt. Es enthielt Rainen unb Adressen der „Klienten", den Tag des letzten Besuches, die Höhe der empfangenen Summe und bei jedem besondere Bemerkungen, z. B. 3c., zunächst filzig, U., man muß von seinem letzten Roman sprechen, Z., naiv, leicht gerührt, W., man Muß auf die Freimaurer schimpfen. Mit Hilfe dieses Buches verdieiite der kluge Mann seine 8—10 000 Franks das Jähr.
* Die Abrüstung in der Tierwelt. Auf eine merkwürdige Erscheinung in der Natur hat Dr. Felix Os- ivald in der Monatsschrift „Science Progreß" hingewiesen. Nach einer Mitteilung, die wir darüber im „Türmer" finden, könnte es fast scheinen, als ob die Tierwelt den Menschen ein Vorbild allgemeiner Abrüstung geben wolle. In den großen naturwissenschaftlichen Museen, die auch mit den Resten ausgestorbener Tiere reichlich ausgestattet sind, finden sich stets zahlreiche Skelette, die den Beweis liefern, daß in früheren Zeiten der Erdgeschichte manche Tiere, auch solche von ungeheurer Größe, wie sie jetzt gar nicht mehr erreicht wird, mit Panzern von erstaunlicher Mächtigkeit ausgerüstet waren. Es ist nun eine höchst reizvolle Aufgabe für den Naturforscher, durch Vergleiche der aüsgestorbenen Tierwelt mit der noch lebenden zu verfolgen, wie die einzelnen Familien sowohl größerer wie kleinerer Tiere im Laufe der Zeit ihre Rüstungen zmn Teil gänzlich abgelegt haben. Es gibt ja auch heute noch recht tüchtig gepanzerte Lebewesen. Unter den niederen Teeren, namentlich unter den Insekten, braucht man nach Beispielen nicht lange M suchen. Aber auch unter den großen Wirbeltieren, gerade unter den Riesen ihrer Klasse, finden sich die „Dickhäuter" mit ihrem dicken Fell, das erst die mörderischen Geschosse der Neuheit zu durchdringen vermochten. Außerdem fallen jedem selbstverständlich sofort solche Wesen wie Schildkröten und Gürteltiere ein. Dennoch läßt sich nach Dr. Oswald der Nachweis führen, daß im allgemeinen in der Tierwelt die Neigung zum Ausdruck kommt, die Rüstung abzulegen. Die Amphibien und Reptilien, die heute meist nackt oder schlecht behaart sind, haben Vorfahren mit einer kolossalen Panzerung gehabt. Die Zahl der Knochenfische, die vor alters vielfach in einen soliden Panzer eingeschlossen waren, ist wesentlich zurückgegangen oder hat ihr Schutzkleid zum großen Teil verloren. Die Gürteltiere stammen von Ahnen ab, die einschließlich des Schwanzes und der Beine in Knochenpanzern von riesigem Gewicht steckten, und sogar die Wale und Delphine, deren Haut bei den heutigen Vertretern nur durch die dicke Fettschicht eine erhebliche Widerstandskraft erhält, sind die Nachkommen von gepanzerten Tieren. Ob die Menschheit dem Vorbild der Tierwelt erfolgreich nacheifern wird?
* „Fräulein, weshalb sind Sie beim so unhöflich mit dem jungen Mann? Letzthin waren Sie doch noch so liebenswürdig zu ihm." — „Ja, inzwischen haben wir uns aber verlobt."
* Richter: „Sie haben dem Kläger bie zwei Ohren ausgerissen?" — Angeklagter: „Ja, mehr hat er nit g'habt!"
* Lehrer: „Hans, hast du beinern Vater gesagt, wie schlecht gestern bie lateinische Lektion ging?" — Hans: „Wo denken Sie hin, Herr Lehrer, ich schwatze doch nicht aus der Schule."
* A. (im Eifer): „Wie Sie als Vegetarier dieses — Wurstblatt lesen können, ist mir ein Rätsel!"
Tauschrätsel.
Hagen — Ober — Dose — Leber — Ost — Feige — Keller — Falle — Alba — Durst — Aller — Dame — Leid — Wanne.
Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebenso viele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben ein Sprichwort ergeben.
Auflösung in nächster Nummer/
Auslösung des Kammrätsels in voriger Nummer: Spanien a t g a
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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


