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Aber Paul" sie sah nun doch aufwie komisch Ml bist! Ich, muß doch die Kinderwäsche in Ordnung bringen, Samstag wechseln sie alle; zerrissen können sie nicht gehen. Ich weiß gar nicht, sonst läßt du mich immer nähen, wenn du Kopfweh hast oder arbeitest; aber seit gestern abend bist du so verstimmt!"

Noch einen wehmütigen Blick auf die Maschine, dann begann sie emsig mit der Hand zu nähen.

Er sagte nichts, er schloß die Augen und suchte mit dem Kopf eine bequemere Stellung an der harten Lehne.

Jetzt war's ganz still, für fünf Minuten, für zehn Mi­nuten; vom Korbsessel kamen gleichmäßige Atemzüge. Frau Elisabeth blickte lauschend hinüber, ein verschmitztes Lächeln spielte um ihren hübschen Mund.

Er schläft!" Jetzt lachte sie leise und vergnügt:Hi, hi, nun kann ich wieder! Er merkt's ja nicht. "

Rrrrr" ging das Rad, etwas schüchtern und vorsichtig, aber doch eindringlich genug. Mit einem Seufzer fuhr der Schläfer ans. Wie eine ertappte Sünderin schreckte die Frau zusammen und ließ die Kurbel fahren.

Ach entschuldige, ich dachte, du schliefest!"

Sie spkang auf und näherte sich ihm mit reumütiger' Miene.

Laß nur, laß nur!" Er lächelte ein sarkastisch wehmütiges Lächeln.Ich weiß ja, du kannst nicht ohne deine Maschine bestehen, geschweige denn ein paar Augen­blicke müßig sitzen. Nähe nur weiter! Ich habe keine Kopf­schmerzen mehr."

Also doch! Kopfschmerzen! Siehst du, wie deine Frau dich kennt? Jedenfalls war die Bowle, gestern abend in Mülz, gepantschtes Zeug. Nelda hatte auch ganz trübe Augen und Ramer sah so echauffiert aus. Natürlich, daher ist's!"

"

Sag' mal, Elisabeth, findest du nicht, daß Nelda Dall- mer 'seit dem Frühjahr sehr verändert ist? Ob das die Sorge um den Vater macht? Ist dir nichts an ihr ausgefallen?"

Er blickte gespannt zu seiner Frau hinüber.

Gott, ich habe darüber wirklich nicht nachgedacht, man hat so viel wichtigeres im Kops! Aber ja, ja, jetzt, wo du mich darauf aufmerksam machst, finde ich es auch. Sie war immer ein bißchen anders als sonst die jungen Mäd­chen aber abgesehen davon sie hat jetzt so was ich weiß nicht recht, wie ich mich ausdrücken soll so was Gespanntes. Weißt du, sie hat am Ende Ramer gern? Es ist doch komisch, immer treffen die zwei hier bei uns zu­sammen ; früher kam Nelda alle Jubeljahr, jetzt kommt sie zweimal die Woche. Du, es wäre eigentlich ganz nett, wenn die zwei sich heirateten, findest du nicht? Freilich, sie haben nichts; und dann Ramer mit seinem Namen! Aber na, Nelda kann ja auch keine großen Ansprüche machen!"

Warum nicht?"

Aber Paul! Hübsch ist sie nicht, und Geld hat sie nicht, und riesig liebenswürdig ist sie auch nicht; sie ist ja sehr nett, aber ich glaube auch nicht, daß Ramer sich wirklich was aus ihr macht, der denkt viel zu viel an sich." Die junge Fran reckte sich und warf sich in die Brust.Für so was habe ich einen Blick! Der versinkt immer in seine alten Geschichten, der merkt gar nicht, wenn sich eine um ihn hat!"

Schade, schade, ich wünfchte, wir hätten die zwei nie miteinander bekannt gemacht! Auch auf die gestrige Partie hätten wir Nelda nicht mitnehmen sollen oder Ramer ab­winken. Ich mache mir Borwürfe. " Lylander seufzte.Es ist ein Jammer, wenn das Mädchen auch schon so früh ange- rnickt hrirb gerade das Mädchen!"

Liebe Zeit, aber Paul, was kannst du dafür? Fass' die Sache immer ein bischen praktisch aus! Es ist doch besser, es öffnet sich ihr überhaupt eine Chance als gar keine; wer weiß, vielleicht wird's doch was und wenig­stens. hat sie dann später mal Erinnerungen."

Nein, nein," sein Gesicht wurde finsterdu kennst Ramer nicht, wie ich ihn kenne. Eigensinnig, zäh an seinen fixen Ideen hängend; wie du richtig sagtest, ganz in sich versunken selbst w enn sie zusammenkämen, wäre das ein Glück für dies offne, hochherzige Geschöpf?! Aber es wird nichts, ich weiß es genau."

So? I Also du ha.st was gemerkt?! Erzähle doch, haben sie dir was gesägt? Woher weißt du denn das genau? tzerzenspaul, so sag' doch, bei meinem Interesse für die beiden kannst du mir's, mußt du mir's verraten! Also

sie haben sich gern was? Ja? Wissen es schon andere Leute?"

Das ist's ja eben!" Thlander wühlte sich in den Haaren und sprang heftig auf.Muß ich mir heut morgen nach dem Dienst, als ich mir im Kasino einen Schoppen leiste, die Bemerkungen von den Bengels anhören. Osten sollte sich auch was schämen, sitzt ruhig dabei, wenn über die Freundin seiner Frau skandaliert wird! Dem Rönt- heim, seinem Intimus, hätte ich am liebsten in das malitiöse Gesicht geschlagen. Nelda soll sich Rendezvous geben Nelda soll einsame Spaziergänge, tief in den Wald, mit einem Herrn man nennt Rainer unternehmen! Nelda soll ä, was rede ich davon! Es ist viel zu niedrig. Früher hat sich keiner von den Herrn um das Mädchpst gekümmert, jetzt, wo es an ihr zu mäkeln gilt, ist sie in ihren Mäulern, diesen ungewaschenen Mäulern, die viel zu schmutzig sind für ihren reinen Namen! Arme, arm'e Nelda!"

Er ließ sich schwer in den Korbstuhl fallen und beschattete das Gesicht mit der Hand.

Frau Elisabeth war glühend rot geworden.

So heftig? Ich kenne dich gar nicht wieder! Du scheinst dich ja sehr für Fräulein Dallmer zu interessieren."

Gewiß, das tue ich auch!" Sein sonst so gemäßigter Ton war noch immer erregt.Sie ist das beste, prüch!- tigste Mädchen, das ich mir denken kann. Jeder Manu könnte Gott auf den Knien danken, wenn er sie bekäme. Sie sind nur alle blind in ihren Ansichten, in den vew rotteten Vorurteilen dieses erbärmlichen Klatschnestes mag sein, daß äs überall so ist nun, ich habe ihnen heut energisch meine Meinung gesagt, beinah wären wir uns in die Haare geraten!"

Um GotteswiUen!" Die junge Frau stürzte auf ihn loss und umschlang ihn mit beiden Armen.Paul, mach' dir doch keine Ungelegenheiten! Was gehen dich fremde Leute an? Laß Nelda Dallmer zusehen, wie sie fertig wird; wa-s änacht sie solche Geschichten? Aber ich sage dir, hierher braucht sie nicht mehr zu kommen!" Die Tränen schossen ihr in die Augen, sie stampfte mit dem Fuß aus. Ich will keinen Aerger im Haus und keine Alteration; wir haben genug mit uns zu tun!"

Rege dich nicht unnütz ans, nähe nur weiter," sagte er und machte sich los.

Rrrrr" die Maschine sauste geradezu.Rrrrrr" da, der Faden war gerissen!

Die Frau Hauptmann hob den Kopf

Tie Hand zu küssen brauchst du ihr auch nicht mehr, Paul! Das ist überhaupt hier am Rheni gar nicht Sitte." (Fortsetzung folgt.)

Die Anruhen um und in Hungen in den Jahren MV und w.

Von Adolf Staubach, Hungen.

(Schluß.)

5. An die Beseitigung des P r äs e n t a t i o n s r e chtes. Das Präsentationsrecht ist weit nachtheiliger, als man dieses int Allgemeinen zu glauben geneigt ist. Staatsrechtliche Grundsätze werden verletzt; die Aemter werden an Leute vergeben, denen sie nicht gehören. Ein anderer Nachtheil aber ist der, daß hie Bürger mit stetem Mißtrauen gegen diese Beamten erfüllt sind, namentlich in Prozessen gegen die Standesherrschaft, und wäre es daher wünschenswert, wenn die auf diese Weise angestellteu; Beamten versetzt würden.

6. Die Ablösung der Hut- und Pserchgercchtigkeit nach dem Willen der Pflichtigen.

Diese Ablösung ist in hohem Grade wichtig und wünscheus- werth; denn wenn die Wohlfahrt gedeihen soll, so muß das Grundeigentum frei seyn.

7. An die Erlassung eines Gesetzes, wonach sich die An­gestellten aller Nebeugeschäste zu enthalten haben.

8. Desgleichen, daß die Stempeltaxe ermäßigt wird, indem häufig unbemittelte Staatsbürger ihr Recht schwinden lassen müssen, weil sie den Stempel nicht vorlegen können.

9. Desgleichen, daß das Wahlgesetz, dahin abgcändert wbrde, daß jeder rechtliche Bürger Hessens ohne Vermögens­berücksichtigung an den Landtag wählbar erscheint, indem es ent­schieden richtig steht, daß ein minder Vermögender ganz gleiche Rechte an und für sein Vaterland besitzt.

10. Daß alle Güter ohne Ausnahme einer ganz gleichen! Besteuerung unterworfen werden.

11. Desgleichen,, daß den Beamten zur strengsten Pflicht gemacht wird, im dienstlichen Umgang mit den Staatsbürgern, sich mit Humanität gegen letztere zu benehmen.