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Du erhältst eine gewichtige Rolle Gold und die Erlaubnis, dich einen Dag in Paris auszuruhen.
„Aber ausruhen soll sich der Monsieur auch wirklich," sagt der Oberst und kneift dich in das Ohrläppchen, — wie er es dem Kaiser abgesehen hat.
Zwei Dage später geht es nach Straßburg, von wo du mit der jungen Kavalleriemannschaft zur Armee stoßen sollst. Und neuer Jubel hebt an inmitten der Kameraden, unter deren Erzählungen von der Schlacht deine Erlebnisse zu Parts und Malmaison sich ausnehmen wie ein duftendes Bukett in einem Meer von Blut und Kot.
Und doch ist dies alles nichts gegen das, was dir bevorsteht!
Wieder sitzest du auf deinem braven Gaul in der Eskorte. Vor dir wimmelt es von goldbordierten Marschällen Und Generalen; du siehst das Pferd des Kaisers schimmern. Nie, niemals to-irb er selbst dich sehen, wie sehr du dich reckst, den .Hals vorstreckst, deinen Gaul mit den Sporen kitzelst. Was war Malmaison, die Kaiserin gegen die Spannung in diesem Moment?
Aber seinen Blicken kann nichts entgehen; durch die Menge der Generale treffen sie plötzlich dich. Das berühmte Lächeln gleitet sacht über sein Gesicht, und deutlich spricht er durch die ihn umgebende Stille:
„Ah! — Wieder da? — Willkommen!"
Und ob dir bestimmt ist, als alter General inmitten deiner Kindeskinder zu sitzen, ob dir bestimmt ist, in Rußland zu erstarren, — dies wird zu deines Lebens Ereignis; und wenn dein Herz zum letztenmal schwillt, wird es sein, weil er mit dir sprach, obgleich du nur ein einfacher Leutnant warst, weil er zu dir sagte: „Wieder da? Willkommen!" — er, er sagte:
„Willkommen."
Vermischtes.
* Der sparsame Intendant. In einem trefflichen Buche, betitelt: „Humoristische Rückblicke auf Berlins gute alte Zeit" teilt Hugo Mauer eine Anzahl Erinnerungen nnd Anekdoten aus den Jahren 1834 bis 1864 mit, die das größte Interesse verdienen. Der Schreiber, der jetzt als Greis von 82 Jahren in Berlin lebt, ist ein Sohn des ausgezeichneten Charakterdarstellers Karl Waner, der einst am Berliner Schauspielhaus reiche Mimenkränze erntete. Das ganze alte künstlerische Berlin wird in diesem Büchlein lebendig, das mit frischestem Humor geschrieben ist. Besonders lustig sind Waners Erinnerungen an einen Vorläufer der Hülsen und Hochberg, an den sparsamen Hoftheaterintendanten Ritter Karl Dheodor v. Küstner, eine der originellsten Erscheinungen unter den Verwaltern dieses Postens. Küstner, der als Intendant in München eine wahrhaft bewunderungswürdige Sparsamkeit -entwickelt hatte, wurde int Jahre 1842 vom König von Preußen nach Berlin be- rusen, und zwar direkt zum „Sparen", was er denn auch gründlich besorgte. Er entfaltete bald in Kostümen und Dekorationen -eine schier unglaubliche Geizerei; so ließ er zum Beispiel für „fürstliche Zimmer" Sofas und Stühle von Kiefernholz unfertigen, von den Dekorationsmalern zu Eichenholz umgestalten und mit Schnitzereien und Sammetpolstern — bemalen! Als Feind aller Renovierungen ließ der Ritter auf dem grünseidenen Vorhang des Theaters einen gewaltigen dunklen Fettfleck von 50 Zentimetern Höhe sich ruhig seines Daseins erfreuen. In der Regel führte die -Sparsamkeitswut Küstners gerade zu ihrem -Gegenteil. So wurde ein grauer Tüchrock, in dessen ungestörtem Alleinbesitz sich zuerst der riesige, breitschultrige Karl Wauer befand, plötzlich zum Mitgebrauch für den alten Weiß, ein kleines, schmächtiges Männchen, bestimmt. Zur Ausgleichung der verschiedenen Körperdimensiouen wurde nun der Rock zu jeder Vorstellung, in der er gebraucht wurde, für einen der beiden Darsteller umgenäht. Dies geschah im ganzen dreißigmal — dann war der Graue eine gräßlich verstümmelte Leiche geworden. Das Beste aber war, daß diese Sparmethode, mit der Ritter v. Küstner die Anschaffung eines zweiten Grauen hatte umgehen wollen, ein
sehr sonderbares Resultat ergab: das Umnähen hatte nämlich fast hundert Daler gekostet! Noch schöner trat, wie Wauer erzählt, das märchenhafte „Sparsystem" des Ritters in folgendem Fall zutage: „Der alte Magister" von Benedix sollte zutn ersten Male gegeben werden. Dheodor Döring hatte den Requisitenren den Auftrag erteilt, bei den Trödlern nach einem altmodischen echten „Magisterhut" Umschau zu halten. Da sie keinen auftreiben konnten, machte er sich selbst auf die Suche und entdeckte schließlich auch einen, für den der Trödler einen Daler und zehn Groschen verlangte. Der Ritter fand aber den Preis entsetzlich teuer, und nun begann ein wütendes Handeln zwischen der Intendantur und dem Mühlendammer. Küstner meinte, der. „alte Magister" würde doch höchstens zwei- oder dreimal gegeben, dann hätte man „die alte Schartäke auf'm Halse". Schließlich wurde -ein Pakt geschlossen, wonach der Trödler den Hut an jedem Wend der Aufführung für „acht jute Jroschen" herzuleihen hatte. Das Stück errang einen durchschlagenden Erfolg, und nach der vierzehnten Aufführung schickte der Trödler seine Rechnung über: Vier Taler zwanzig Cilbergroschen! — Nun war der hohe Chef nicht wenig verdutzt und befahl den Ankauf der denkwürdigen Schädel- b-edeckuug. Aber siehe da — jetzt zeigte- der Trödler ganz ohne Scham die tiefe Verderbtheit seines schwarzen Herzens, denn er -entgegnete dem Boten, der einen Taler zehn Groschen für den Ankauf mitbrachte: „I wo werd ick denn eenen Hut, der mir in e-enen Monat vier Dahler un zwanzig Jroschen ingebracht hat, vor -eenen Dahler und zehne ver- koofen? Jetzt kostck der Bibi allerwenigstens zehn Dahler!"• Was der Mann schließlich bekam, weiß Wauer nicht mehr. Tie Charakterstärke Küstners beleuchtet er schließlich noch mit einer kleinen Episode. Bei einem „Herrenessen", das der Intendant Künstlern und Kritikern gab und bei dem seltsamerweise Küche und Keller vorzügliches boten, machte Waners Baler dem Intendanten sein Kompliment für die brillanten Leistungen seines Kochs, worauf der Ritter mit seiner schallenden Tbompetenstimme im schönsten sächsisch die Worte beflügelte: „Nu Spaß! Hähähäh! Sie haben ooch — hähähäh — Sie haben ooch — hähähäh — für'n Taler und zähn Neigroschen uffgegässen!"
* V e r ü n g l ü ck t e A n k n ü p f u n g. Alte Jungfer (zu einem älteren Herrn an ihrem Tische): „Sagen Sie, bitte, sind e>ie kurz- oder weitsichtig?" — Er (energisch wegrückend): „Nee — ich bin Sie nämlich bloß — sehre vorsichtig!"
* A b w a r t e n. „Mein Bräutigam gefällt mir soweit ganz güt; nur seine Augen sind ein bißchen klein." — „Warte Mi! ab; die werden ihm nach der Hochzeit schon aufgeheu!
* Heimgezahlt. Baronin: „Herr Professor, ichJ)ore, Sie haben sich verheiratet. Nehmen Sie meine besten Glückwünsche. Natürlich ein bürgerliches Mädchen?" — Prosthor: „Im Gegenteil, erster Adel des Landes — eine Frau von Geist'
* Erklärung. „Was ist denn das eigentlich, ein Natunal- ökonorn?" — „Der beweist wissenschaftlich, warum man keut Geld hat!" _______
Königspromenade«
Man dars die einzelnen Wörter nnd Silben nur in Der Weise miteinander verbinden, daß inan — mie der König aus dein Schachbrett — stets von einem Feld mt$ aus ein benachbartes übergeht.
Auslösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Vexir-Räisels in voriger Nummer: „Hildegard" (versteckt in den Worten: Schilde gar der).
Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitcits-Buch- und Steindruckerei. R. Lauge. Gießen«
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