783
Md dorr FrauÄl M SkchtIamMte öffentlich aufgetreten, hat Ulan nicht in Kvnstmy, Berlin, Bochum, Düsseldorf, Celle, Liegnitz, Oldenburg. -Osnabrück, Hildburghausen, Kattmvitz und Meiningen iveiblicha Mitglieder in die Schnlaussichtsbehörde ausgenommen UM? Und erst im freien Amerika! Dort hat man schon über 300 weibliche Provinzschulräte, der ungezählten Stadtschulräte gar nicht, zu gedenken; die Staaten Idaho und Colorado haben sogar weibliche Unterrichtsminister und — was fast unglaublich klingt,— der Staat Oregon nennt einen weiblichen Eonvenieur sein eigen. Mrs. Sheldon, die dort die Regiernngsgeschäfte der Republik mit, zarter Hand führt, vertritt zwar nur den zum Mmdessenat in Washington befohlenen Gouverneur, aber sie vertritt ihn doch als Staatsoberhaupt der Berfassnng gemäß. Tas rst immerhin. bemerkenswert, umsomehr, als sie sich von der StrKung einer einfachen Maschinenschreiberin bis zu ihrem heutigen veranttvortungs- und ehrenvollen Posten hinaufgearbeitet hat.
Fast iwch seltsamer berührt es uns, da st eine Londoner Bvr- vrlgenreinde weibliche Detektivs zur lleberivachung der Lebens- mittelfälschung mrgestellt hat. Frauen als Detektivs sind ja »n sich kenis übergroße Seltenheit, nur verwendet man sie eben «n Gehermen, das; nvan sie dagegen vor aller Welt als „Spitzel" bezeichnet und ihnen als solche Beamtenstellmrg einräumt, ist leben das Absonderlick-e.
Im übrigen sind cS eigentlich nicht jette Frauenberufe, mit denen das „schöne itnb schlrache Geschlecht" starken ins Hand- ioerk psnscht, von betten ich hier reden will, sondern solche, die, sviveit bekannt ist, bisher noch von niemand, gleichviel ob Mann oder Weib, ausgeübt wurden. So fittb z. B. in unserer modernen Zeit eine Unzahl der wunderlichsten Fra neue rwerbsa rt-en aus dem Gebiet der Reklame gleich Pilzen aus der Erde herausgetrachfen. ßn Amerika und, wie man sagt, auch in England, leben v.ece Frauen und Mädchen davon, baß sie die zauberhafte Wirkling iraend eines Geheimmittels der staunenden Welt praktisch vor Augen führen. Die Sache spielt sich etwa derart ab: Ein Arzt erfindet einen Trank gegen Fallsucht. Bei einer Theater-Vorstellung verfällt nun eine Dame plötzlich ht Krämpfe; während man eben im Begriff ist, sie ans dem Schauspielhaus zu tragen, nähert sich ihr ein Herr und flößt ihr einen Lössel voll aus dem Inhalt einer Flasche ein, worauf die Patientin sich sofort rrlMt, und zlvar so völlig, dach sie inOande ist, der Vorstellung bis zum Schluß beizuwohncu. Ter barmherzige Samariter verfehlt aber natürlich nicht, das Publikum Mit dem Namen und der Bezugsquelle des Medikamentes bekannt, zu machen. Ein ««derer Fall, Ein schönes, junges Mädchen beschmiert sich das Gesicht derart, daß sie wie eine alte Frau erscheint, und besucht tn dieser Entstellung täglich ein bestimmtes Lokal. Tann besinnen eines Tages ihre Runzeln zu weichen und ihre Züge ein reines frisches Aussehen anzuuehmen, die Verjüngung geht nun schnell vorwärts, und bereits nach einer Woche ist aus der „Alten" eine in Jugendblüte strahlende Schöne geworden. Darüber befragt, wie daS Wunder hat geschehen können, erklärt sie, daß sie ihr«» entzückenden Teint irgendeiner neuen Salbe oder einem Haut- wässer zu danken habe. Trotzdem das Publikum diesen Schwindel genugsam kennt, fällt es doch immer von neuem daraus herein, wenn bie ReklanveHeldin ihre Rolle gut spielt. .
Andere Arten der Reklame, die indessen nicht auf Täuschung brr Wenge hinauslanfen, sind folgende: eine Dame — aber notwendigerweise eine sehr schöne — zeigt sich an einem öffentlichen Ort mit kastanienbraunem Haar und am nächsten Tage mit aoldbloudcm; am dritten erscheint ihr Gelöst schwarz wie bie' Fittiche des Raben, am vierten iweiß wie Schnee, am fünften brandrot, am sechsten himmÄblau, am siebenten vosa und am achten gar meergrün. Dabei erzählt sie jedem, der es hören oder auch Nicht büren will, daß sie die Haarfärbnüttel, mit denen sie ihrem Hauptschmuck alle diese wechselnden .Farben verleiht, da oder dort zu kaufen pflegt. In der Regel nimmt sie auch gleich Bestellungen entgegen. Tas Auffallende ihrer Persönlichkeit, wel- ches in hohem Grade die Aufmerksamkeit der Leute erregt, zieht eigentlich immer Käufer des Mittels herbei. Sehr beliebt sind M» vielen Orten auch die lebendigen Modefignren. Es sind dies hübsche Mädchen, die irgendein Mvdewarenhans sehr vornehm und nach neuestem Geschmack gekleidet in belebten Straßen spazieren gehen läßt. Sie tragen den Namen und die Adresse der Firma in Riesenbnchstaben auf dem Rücken. Indessen wandeln sie nie sondern immer zu zweien ober dreien, einander unter» gefaßt haltend, daher. In unserer Reichshauptstadt, sah man vor einigen Jahren drei Männer, in völlig übereinstimmenden Mstümen von ausgeprägt gigerlhaftem Schik, derart die Straßen innsichcr machen, doch gewährten sie einen entschieden lächerlichen Anblick, während jene anmutigen Btädchen in ihrer Dreizahl im Gegenteil das Buge geradezu entzücken. Da sie aber keinerlei Schauspielerkünste bedürfen, um die gewünschte Wirkung aus- Wüben, so werben sie auch lange nicht so hoch bezahlt als bte vorgenannten Heldinnen den Reklame. Daß gebildete und fesselnde Frauen in Bädern und anderen Fremdenorten von! den Wirten häufig umsonst, volle Verpflegung und noch -Geld .obendrein erhalten, um die Tafel mit ihrer .Unterhaltung zu beleben und Kberhaupt Gäste herbeiznziehen, ist ebenfalls keine Fabel..,
Alle diese Berufsarten sind, wenn sie von ihren Vertreterinnen auch Schönheit ober Talente erheischen, doch überaus.leicht aus- Miübrn, doch gibt es einen, der weder geistige noch kürpertcckje
Vorzüge verlangt, und dem man gerecht werden kann, ohne arbeiten zu müssen, der aber dessenungeachtet kein leichter genannt werden kann. Es ist dies der Bents der S ch n h a u s t r e t e r i n. Biela ^Tanten haben sehr empfindliche Füße und scheuen sich' neue Stiefel anzuziehen, daher lassen sie jedes Paar, bevor sie es selbst in Gebrauch nehmen, vorerst einige Tage von einer anderen Fran tragen. Damit die Schuhe aber rasch ausgetreten! werden, muß die berufsmäßige Schuhanstreterin immer einen um em ganz weniges größeren Fuß als ihre Kundin haben. Tie «chuhaustrcterinnen sollen von den Eigentümer» großer Schuhladen bett Damen empfohlen werden. Da ich gerade bei den Schuhwaren bin, will ich noch erzählen, daß in den meisten amerikanischen Städten die auf Straßen und öffentlichen Plätzen das Handwerk des Schuhwichsens ausübenden Persönlichkeiten junge 'Mädchen sind. Sia tragen sogar eine eigene, recht kleidsame! und Mette Uniform. Es will uns dünken, als ob diese Tätigkeit sich für Männer besser eignen sollte als für Frauen, aber läßt sich ein gleiches nicht auch von der des Baders sagen? Und do d findet man zurzeit in England und Schweden zahlreiche Angehörig« des weiblichen Geschlechts, die die Herren kunstgerecht rasieren und ihnen das Haupthaar schneiden.
Es verdient sich eben jeder sein Brot so gut rote er kann. Wenn eine Frau es aus einem ihrem Geschlecht allerwegen zugänglichen Arbeitsgebiet nicht vermag, so muß sie wohl ober übel nach einem neuen suchen'. Auf welche wunderliche Gedanken zur Erreichung ihres Zicks sind nicht heute manche Frauen ge- kommeii? Da gibt es in einem Seebäde — ich glaube einem nirckienfrirrgischen — ein Mädchen, das ein bedeutendes Maltalent besitzt, mit dem sie sich in einzigartiger Weise ihren Unterhalt verschafft. Sie streut nämlich mit gefärbtem Sand in den Seestrand riesige Bilder — meist Porträts, daneben aber solche von arabeskenartigem Charakter, bie .großen Teppichen ähneln. Ihre Bilder gekrönter Häupter sind nach bett Nachbildungen in Zeitschriften außerordentlich ähnlich. Sobald diese Gemälde fertig find, zerstört fiel sie wieder. Tie Malerei, frei der sie sich Tüten bedient, die unten offen sind, geht fabelhaft rasch vmOattm. Merk« würdig ist es nur, daß die Künstlerin bisher iwch in keiltest Spielhalle aufgetreten ist. Eine andere für Bildhauerei begabte Dame versteht es, Bäume und Büsche so zurecht zu schneiden, daß sie dis Ansicht von allerhand menschlichen Typen gewähren. Ihrs Fertigkeit wird hier nnd dort, am häufigsten aber wohl in England, in Anspruch genommen. Unter Umständen entwickelt sich aus dem von Erfolg gekrönten Versuch einer einzelnen mit Phantasie nnd Geschmack begabten Persönlichkeit sogar ein blühendes Gewerbe für viele. Tas trifft s. B. für das der „Blumendoö- terirnien", auch „Bluinenverbesserinnen" genannt, zu. Wir finden sie vornehmlich in Frankreich, aber auch in anderen Ländern und Orten, wo der Blumenhandel ein bedeutender ist. Tiefe Frauen! fügen kostbare, aber schon halb entblätterte Blüten so zusammen, das; man ihren Mangel nicht bemerkt, sie machen aber auch welke wieher frisch. Eine Päonie wird in ihrer Hand durch Umbiegeni der Blätter zur herrlichsten Rose, eine Campannla zur seltenem Orchidee und eine weiße Rose durch Färben zur blauen oder grünen. Ich habe im verflossene» Jahre z. B. Narzissen, Maiglöckchen uno Wasserrosen im schönsten Himmelblau gesehen, die ihre uw- wcchrscheinliche Farbe solch einer Künstlerin verdankte>t. Wer Phantasie, Erfahrung und Geschicklichkeit auf dem Gebiet besitzt, kamt mit dieser Tätigkeit viel Geld verdienen.
Alles Seltsame, von dem ich berichtet, wird jedoch durch einen zuweilen in Mittelamerika ausgeübtcn Frauenberuf in de» Schatten gestellt. Seine Vertreterinnen hoben es fich — man höre und ftaime. — als Besonderheit erkoren, lebende Vogelscheuchen bat« zu stellen. Um die Vögel von den Reis- und Kasfeepflanzungcm ab- zuwehren, eilen sie, mit wehenden Lumpen bekleidet, Stöcke mit Fetzen in den hoch erhobenen Händen tragend, ans den Feldern! umher. Um die geflügelten Diebe fernzuhalten. Man sagt, daß nur Frauen, aber keine Männer, sich zu dem Geschäft hergeben!. Ferner wird erzählt, daß in jenen Gegenden Afrikas, nach denen vornehme Europäer reisen, um der Raubtierjagd, obzuliegen, eingeborene Frauen es.als Beruf erkoren haben, die Stimmen der Sei een, Tiger nsw. nachzuahmen, um die Tiere aus ihrem Versteck hervorzulocken und sie den Jägern an geeigneten Plätzen znzu- treiben. Ich gebe diesen Bericht aber mit .Vorbehalt toieb.r, da ich für seine Wahrheit nicht einstcheu kann und er mir sehr wenig glaubwürdig erscheint.
Zmu Schluß will ich noch einen Frauenbcrnf erwähnen, der, tote man behauptet, eine Zukunft hat. Tie ihn pflegen, sind Frauen, die gut kochen können, aber, was noch wichtiger ist, eins sehr seine Zunge haben. Sie gehen in den Garküchen und! Gasthäusern herum, kosten die Speisen und sagen, woran es ihnen fehlt.' Tie Hauptfach« aber ist, daß sie verstehen müssen, einem billigen Gericht durch irgeudeiiien Zusatz erhöhten Wohlgeschumck zu verleihen. Gerade um dieser Fähigkeit willen werden sw gesucht. Andersests zieht man ihre Kunst zu Rate, wenn bei einem bisher sehr bckiebten Mittagstisch die Kostgänger plötzlich wegbleiben. . ,
Ein angenehmerer Beruf jedensalls, als ber jener einjainen, pick frespwcheiren Frau, die auf einer kleinen' Insel m der «udM uMtberfeelenallein haust, um nachts ein Leuchtfeuer al» Wegweiser für die Schiffer aiizuzlmden!


