Bilderrätsel.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei- N. Lange, Dieben.

lieg sich nun völlig ton der Fremrdesstinime steuerst. Wir kainM auf einen Weg, der ton der Heide herab in das an ihrem Rande liegende Quartierdorf führte. Ein paar schwach erleuchtete! Fenster war alles, waS in der pechfinsteren Nacht zu erkennt war. Doch brauchte ich das Gehöft, too wir für die Nacht bim gehörten, nicht zu suchen. Hinter einem Scheuirentor rief der Rappe immer von neuem gleichsam seinHierher!" und schlug ungeduldig mit dem Hufe ans Tor. Als ich mich Jet dem Rittn meister meldete, sagte er:Gott sei Dank, daß Sie. wieder da sind," und lobte meine Findigkeit. Ich gab aber das Lob an die beiden treuen Freunde weiter in Gestalt einer Extraration Hafer, die ich für sie vom O.nartiermeister erbettelte.

* Eine Sammlu ng von altamerikanischem Gold sch muck. Der Goldreichtum Amerikas ist in einigen Ge­bieten schon sehr früh von den Bewohnern für SchmucksacheM, Amulette und dergl. ausgeuntzt worden. Während nun von solchen a(ten Goldsachen aus Kolumbien und dem Gebiete des Isthmus von Panama sehr reiche Sammlungen erhalten sind, sind Ar­beiten von den Autillen und Guayana fast gar nicht, aus Mexiko nur sehr spärlich und auch aus Pern nur in beschränktem Um­fange in europäische Sammlungen gelangt. Das hat seinen Grund darin, daß die erstgenannten Gebiete in der Zeit der Couquistg gründlich auSgePländert wurden, wobei die gesamte Beute in den Schmelztiegel wanderte, während in Kolumbien und auf dem Isthmus, Gegenden, die auch an sich besonders reich an Gold waren, die Sitte, dem Toten feilten ganzen Schmuck und all seine Fettische mit ins Grab zu geben, einen doch nicht unwesents lichen Teil des alten Bestandes bis auf unsere Zeit gerettet hat. .Das Königliche Museum für Völkerkunde hat nun seine Samm ­lungen altamerikanischer Goldarbeiten, wie Prost Seler in hfrt Amtlichen Berichten aus den königlichen Kunstsammlungen mtt- teilt, durch einige prächtige Neuerwerbungen wesentlich ergänzt und bereichert. Darunter befinden sich einige halbmondförmig^ Schmuckstücke, die als Gehänge au der Nasenscheidewand befestigt wurden, dann einige Schmuckplatten, die an dem Seitenrand«! mit durchbrochen gearbeiteten Vogelköpfen und Vogelflügeln ver­sehen sind. Wie diese Stücke ans dem großen alten Knlturgebiet Kolumbien stammen, so kommen auch von dort her zwet interessante; Masken aus Goldblech. Die wichtigste Erwerbung aber ist eine ganz einzigartige Sammlung von Schmuckstücken, die. aus dem berühmten Goldlande deö Isthmus von Panama und den au- grenzenden Teilen von Costariea Herkommen. Die Arbeiten such wohl fast alle Amulette und wurden vermutlich an einen Halsschnur befestigt auf der nackten Brust getragen. Allerhand, Tierfiguren sind in ihnen dargestellt, laugschnäblige Vögel, Fleder­mäuse, Spinnen, Eidechsen, Fische, Insekten, aber auch Dämonen in menschlicher Gestalt, in Tauzstcllimg nut der Rassel m der Hand. Abgesehen von einigen Stücken, den Spinnen, die als Schellen ausgebildet sind, der doppelschwänzigen Eidechse und dein. Fische, sind sämtliche Stücke mit einer breit ausladenden unteren Verlängerung versehen. Wie die merkwürdigen neuseelandiscyen Figuren, die als Brustschmuck getragen wurden, ihre.Gestalt durch beit ursprünglichen Halsschmuck, ein Bei!, in das sie hui- eingezwängt werden mußten, erhielten, so scheinen auch die Formen der Goldamulette in dar kolumbischen und Jsthmns-Region mw der Form eines Beiles erwachsen zn sein, das ursprünglich als Schmuck oder Amulett am Halse getragen wurde.

* Sein Wunsch. Süffel lsenfzend eine im BierglaS sOoiirn utenbe Fliege betrachtend):Wer auch, 'mal solchen Tod haben könnte!" _____________

VsL'mlfchies.

* Leben mit Tieren. Unter diesem Titel ist im Verlage desKosmos, -Gesellschaft der Naturfreunde", in Stuttgart ein hochinteressantes Buch mit tierpsychologischen. Plaudereien und Erinnerungen von Eonrad M. von Unruh erschienen. Der Verfasser schildert seine Erfahrungen während jahrzehntelanger liebevoller Beschäftigung mit Pferden, Hunden, Katzen und andern Tieren. Das nachstehend geschilderte Erlebnis aus dem 1864 er Feldzug zeigt seine lebensvolle, frische Schilderung: Der mächtige laudsmännische Braune hatte bald meine ganze Neigung gewonnen. Aber seine Neigung mußte ich mit dem Rappen meines Burschen teilen. Im Quartier und Biwak stets dicht nebeneinander stehend, verband eine ungewöhnlich zärtliche Freundschaft die _ beiden Wallache. Vielleicht waren sie Heimats- und Jugendgefährten. Beim Marsche getrennt, begrüßten sie sich, sobald sie einander ansichtig wurden, mit freudigem Lachwiehern. Gern ließ ich die Frenndschaft gewähren und hatte meine Freude am Beobachten. Ritt ich auf den Märschen längs der Schwadron, so trafen sich oft die Nasen der beiden sich anlachenden Freunde zn flüchtiger Be­rührung wie zu einem Kusse. Der Rappe war der sehnsüchtigere, zärtlichere, der Braune hatte mehr vornehme Zurückhaltung. Ich habe bald Nutzen davon gehabt. Anfangs Februar waren wir hinter den Dannevirken auf dem Marsche nach Norden, bei mäßiger Kälte war noch gegen drei Uhr nachmittags klare Luft. Mir kamen durch ein ärmliches Heidedorf, als der Rittmeister mich nach vorn rufen ließ. Dänische Dragoner sollten uns hier, nach Westen in die Heide ausgewichen sein. Er zeigte mit aus der Karte das noch eine halbe Meile weiter nach Norden gelegene Dorf, worin unsere Schwadron die Nacht zubringen werde, und befahl mir, zur Sicherung das Gelände westlich aufzuklären. Nehmen Sie sich zwei Mann von Ihrem Zuge, reiten Sie direkt westlich, etiva eine Meile weit! Finden Sie nichts Feind­liches, so wenden Sie daun nördlich eine halbe Meile, dann östlich, bis Sie unfer heutiges Qnartierdorf erreichen!" .Zu Befehl!" Aus der weitermarschierenden Schwadron nahm ich zwei Mann mit guten Pferden, aber nicht den Burschen mit dem Rappen. Im Abreiten sahen wir und unsere Pferde der Schwadron nach, sie kannten also deren Marschrichtung. Wir trabten dann west­wärts in die verschneite Heide hinauf. Oben, sah ich von Westen eine Wolkenwand aussteigen, es wurde dunstig, kein Baum, kein .Strauch 'kennzeichnete den Weg, nur Spuren von alten Wagen­geleisen im Heidekraut. In der Ferne ragte etwas wie Gebäude ans, aber als wir herankamen, waren es alte Torfschuppen also frisch weiter westwärts. Die Dunkelheit siel fast plötzlich ein, und es ward immer schwieriger, Gleisspnren zn merken. Nördlich wendend, gerieten wir zwischen zahlreiche unregelmäßig angelegte Torflöcher, mußten also vorsichtig langsam reiten. Zum Ueberfluß begann bei mäßigem Nordwest ein leichter, aber dichter Schnee herabzurieseln. Vom Feinde keine Spur, aber auch von Weg und Richtung keine mehr. Der Zeit nach mußte der Augen­blick gekommen sein, ostwärts zu wenden, aber gerade da wurden ' die Torslöcher immer dichter. Hin und. her mußten wir uns durchwinden, verloren aber dahei alle Richtung. Es war stock­finster geworden, und noch immer rieselte der Schnee. Der eine von meinen Leuten meinte, wir müßten mehr links halten, der andere mehr rechts.Ich verlasse mich auf meinen Braunen," erwiderte ich und ritt mit langen Zügeln sacht weiter, die beiden still hinter mir her. Der Braune ging gerade vor dem Winde. Wenn der sich nicht gedreht hatte, mußte unsere Richtung also Südost feilt. Ab und zu nahm der Braune die Nase auf den Boden hinunter, und au den Unebenheiten des Tretens merkte ich, daß er einer alten Wagenspur folgte. Plötzlich blieb er stehen und hob den Kopf. Die schwach dunklen Umrisse gegen den matt leuchtenden Schnee ließen mich erkennen, daß er gespannt horchte. Dann ging er etwas rechts abbiegend weiter. Einige Minuten später hielt er wieder plötzlich an, reckte sich förmlich hoch in die Höbe, den Kopf fast steil in die Lust und stieß nun einen wiehernden Ruf auZ, so laut und seltsam, lute ich noch nie vordem den Ruf eines Pferdes gehört hatte. Dann horchte er gespannt, Verriet aber nichts Gehörtes und ging weiter. Wenige Minuten darauf nochmals plötzliches Anhalten und Hochrecken, wieder der fast dämonische Rus hoch in die Lüste und das angestrengte Horchen.. Mit einmal war er wie elektrisiert, ließ ein weniger lautes, freudig klingendes, kurzes Wiehern hören und schritt mit scharfer Wendung nach rechts lebhaft weiter. Die Leute sagten nachher, es hätte fie wie Grausen gepackt, als der Braune so in die Nacht hinaus schrie daS hätte so schaurig geklungen, daß ihnen Geister­geschichten aus Kinderjahren eingefallen wären. Als nach etlichen Minuten der Braune wieder stehen blieb, wieder laut, aber niait mehr so schaurig rief, da löste sich uns das Rätsel. Ich hörte zwar nichts, denn ich habe nie ein feines Gehör gehabt, nur'ungewöhn­lich weit und scharf sehende Augen, aber die Leute riefen beide: Der Rappe antwortet ihm!" Die ganze Schwadron kannte ja die seltsame Freundschaft der beiden Pferde und freute sich daran. Der Braune quittierte daS Antworten des Rappen mit einem langen, vergnügten Lachwiehern. In immer kürzeren Pausen ertönten nun Rns und Antwort. Dabei waren wir immer noch Vielleicht an tausend Schritt weit in der Heide. Der Braune

Auslösung in nächster Nummer.

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