reden tote mau endlich frei von der Leber weg! Sie werden sich doch nicht vor Ihrem eignen Fleisch und Blut fürchten, Berehrteste? Na, da brate mir einer 'nen Storch! Mir ist es sehr ä propos, wenn die Sache MNl Klappen kommt. Sehen Sie mal, der erste Juli isst vor der Tür, wir kündigen, machen Hochzeit, feine Reife nach der Ostsee oder dem Harz oder nach Friedrichsroda, was? Ersten Oktober sitzen wir gemütlich eingespunden in unsrer neuen Wohnung, Berlin W. Kott sei Dank, wir können's ja!"

Ach, wie schön!" Die Rätin seufzte sehnsüchtig, dann schaute sie ängstlich nm.Aber Neida, Nelda?!"

Na, sie reist eben mit uns. Ich habe Neldachen sehr gern. Und es ist ja auch für Sie hochinteressant!"

Gott, Schmolke, lu-ie Sie Nelda kennen" der Ton war ganz ärgerlichals ob die so gleich Ja und Amen sagte! Ich möchte lieber sagen, ich habe einen totgeschlagni, als ihr das erzählen. Ach, könnte man mal ein Glück hadert, gleich wird es einer» getrübt! Meinetwegm mag sie Ku den: Bürgermeister, aber jetzt doch nicht; ich kann sie iricht entbehren. In ein paar Tageir läßt sich doch feine Hochzeit Herrichten; und so lange rnuß sie bei mir bleiben, die Dehors müssen gewahrt werden!"

Aber, Werte, bei uns alten Leuten!"

Das ist ganz egal. Ich 'weih gar iricht, tvas Sie immer mit dem Alter wollen! Die Dehors müssen gewahrt werden, nran ist das fernem Stand schuldig. Mein guter Dallmer war Regierungsrat, mein Vater Registrator und mein Onkel" hier machte sie eine kleine PauseGe­heimer Rechnungsrat! "

Ja, freilich, freilich!" Schmolke wurde ganz rot vor Bewunderung; sein Vater hatte Korinthen rind Zichorien verkauft urrd die Düten selbst gedreht in dem dunkeln Lad- chen des kleinen märkischen Fleckens. Er war froh, als es draußen zweimal klingelte, urrd verschwand. Nach fünf Mi­nuten kam er mit Nelda wieder herein.

Nun, wie wars?" Frau Dallmer hatte begründete Ursache, einen freundlicheren Ton gegen die Tochter anzu­schlagen; sie sah, wie Schmolke an seiner Krawatte zupf.e und beit gestreiften Hemdbusen berausdrückte. Er präpa­rierte eine Ansprache. Ihr schwindelte.

Na, Neldachen," sagte der gute Schmolke und klopfte das Mädchen auf die Schulter,das war ja 'ne Freude! Wirklich ein nobler Mann, außerordentlich nobel, und das Jungchen ganz charmant! Was Sie alles für Bekanntschaf­ten haben! Aber nun bleiben Sie auch lieber hier, nicht wahr, Neldachen? Sie werden doch Muttern nicht kränken Und jetzt reifen ? Sehen Sie mal" er druckste und schluckte Und räusperte sichwir können Sie jetzt absolut nicht ent­behren. Wir" er druckste wieder und schluckte und bekam sogar einen Hustenanfallwir nämlich sehen Sie mal" eine atemraubende Pause. Frau Rätin hatte das Gefühl, in ein Mauseloch kriechen zu müssen.Wir, näm­lich die Frau Mama und ich sind gesonnen, in den heiligen Stand der Ehe zu treten!" Es war heraus, Gott fei Dank!

Nelda fühlte ein eigentümliches Zittern in den Knteen; sie mußte sich am Tisch niederlassen und den Kopf in die Hand stützen, alles ging mit ihr rundum.Also doch «lso doch?!" War es ihre Stimme, die das sprach, merk­würdig starr und klanglos? Sie warf keinen Blick zur Mutter herüber, sie konnte nicht; ein eisernes Gewicht drückte ihr den Nacken nieder, glühende Röte stieg ihr bis in die Stirn das war die Scham.O, mein Vater, mein Vater". Sie hätte laut herausfchreien mögen:Du bist vergessen, dein Name wird abgeworfen wie gar nichts Vater, Vater ist's möglich?!" Sie Pein stieß ihr fast das Herz ab, die Kehle schnürte sich zu, kein Laut wollte über die Lippen.

Fran Rätin sah angstvoll nach der Tochter hin, sie hatte einen lauten Ausbruch gefürchtet.Nelda, ach, sei nicht böse," bat sie kläglich,es mag dir ja komisch sein, aber so eine atme Witwe wie ich! Und Schmolke ist so gut und es ist ja auch gut für dich! Denk' mal, du brauchst dich nicht mehr mit Stundengeben zu quälen! Ach Gott, du hist ja mein einziges Kind, wie liegst du mir am Herzen Neldachen, verdirb mir doch das Vergnügen nicht!"

Die Tochter hielt die Lider krampfhaft gesenkt; war das Trotz oder Schmerz um ihren Mund? Wohl nur das letzte; es klang unsäglich traurig;Und hast du denn Papa ganz vergessen?"

Jo nein, o nein!" Frau Rätin brach in lautes Schluchzen aus.Er war ja meine erste Liebe. Aber ich

habe zu viel durchgemacht int Leben; immer Krankheit, und nicht so mittun können, wie man eigentlich gemußt und gern gewollt hätte! Da wird man zuletzt praktischer. Danke du Gott, daß du eine Mutter hast, die immer dein Bestes bedenkt, andere Mütter sind ganz anders, die denken nur an sich. Mein Himmel, was hast du für ein Glück, daß du so einen guten zweiten Papa kriegst, der dich lieb hat und für dich sorgen will!"

Ich will seine Siebe, ich will seine Sorge nicht, schäm' dich!" Tas schwebte Nelda auf der Zunge; da eine todeskalte Hand legte sich ihr auf den Mund halbverlöschte Schriftzüge zeigten sich ihren Augen, von der unsicheren Hand eines Sterbenden aufs Papier gekritzelt ein fernes, fernes Flüstern tönte:Sei gut gegen deine Mutter, sie ist schwach und bedarf der Stütze."

Ein Zittern lief durch Neldas Glieder.

O mein Vater!" Mit einem Jammerlaut legte sie den Kopf auf den Tisch.

Regen Sie sich nicht auf, Neldachen, man ja nicht!" Schmolke kam langsam um den Tisch herum und pflanzte sich neben das Mädchen hin; mit der einen Hand trommelte er verlegen auf die Platte, die andre versuchte ungeschickt die blonden Haare zu streicheln.Na, sehen Sie, Neldachen, ich kann das gut begreifen, daß Sie nicht sehr erbaut sind; so'n Manu, wie Ihr Herr Vater, bin ich schon lange nich wenn ich allein die Stellung bedenke! Aber, Kindchen, man muß mit den Verhältnissen rechnen!"

Sie hob den Kopf und sah so gramvoll ins Leere, daß dem guten Schmolle eine Gänsehaut Über den Rücken kroch. Hätte sie lieber geheult, es wäre noch angenehmer ge­wesen. Das besorgte freilich Frau Rätin fchon zur Genüge.

Tie wischte sich die Augen und putzte sich die Nase, jetzt klang's mit ganz verquollner Stimme:Ich habe in meinem Leben immer verzichten müssen wenn Nelda sich so lieblos stellt da können wir's ja auch ausgeben!" Mit einem vehementen Ruck legte sie nun auch den Kops auf den Tisch.

Ter arme Schmolke stand wie angewurzelt, er sah angst­voll von der einen zur andern.Gotte doch," stieß er endlich hervor,ich habe es doch nur gut gemeint! Teuerste, Ver­ehrteste, Werteste, kriegen Sie man nicht gleich so ver­zweifelte Gedanken! Und, Neldachen, gucken Sie nich immer gradeaus, gucken Sie Schmollen mal an, ein einzig Mal! Was sehen Sie so, das war nett! Und nun geben Sie mir mal die Patsche so. Wissen Sie, Neldachen, ich will mich ja auch gar nicht mit Ihrem Herrn Vater gleichstellen, Ehre, wem Ehre gebührt! Ich bin kein studierter Mann, dafür hat's in der Jugend nich gelangt. Aber ich verehre die Frau Geheime unaussprechlich" hierbei verbeugw er sich und legte die Hand aufs Herzdie ist grade so ne richtige Frau, wie sie im Buch steht. Sie sorgt so gut für mich; wir ergänzen uns, was sie zu viel hat, habe ich zu wenig und umgekehrt. Sie ist allein, ich bin allein. Für sie ist esne Versorgung, für mich 'ne Ehre. Man muß die Sache nur richtig beleuchten. Und, Neldachen, sagen Sie selbst, Ihnen bin ich doch immer herzlich gut g-ew seit was? Neldachen, können Sie mich denn gar nicht leiden?"

Ter alte Mann hatte so etwas Gutmütiges in der Stimme, bittend sah er das Mädchen aus den kleinen hell­blauen Augen an. Neldas Gesicht wurde unwilllürttch um einen Schern freundlicher.Ich habe auch gar nichts gegen Sie, Herr Schmolke!"

Äa, fcljcn !"

"Es ist mir nur so schrecklich" Nelda stockte und warf zum erstenmal einen Blick zur Mutter hinüberdaß Ma daß meines Vaters Frau je wieder neben einem andern leben kann, als ob o wenn Sie meinen Vater gekannt hätten!" Sie hob die gefalteten Hände, eine hei.ige Zärtlichkeit war beim letzten Wort in ihrer Stimme.Meinen Vater!" Tie Tränen fingen an, ihr schwer ans den Augen zu tropfen,

(Fortsetzung folgt.)

Seltsame Frauenberufe.

Plauderei von M. Kotzak.

Daß beit Frauen, die man mit ihrer Tätigkeit ehedem' frt Küche, Keller und Kinderzimmer verwies, sich allgemach fast! alle Berufsarten eröffnet haben, ist allbekannt. Gibt es nicht in Schottland bereits einen weiblichen Geistlichen, sind nicht hier