Ausgabe 
15.12.1909
 
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Rheinlandstöchter.

Roma., von Clara Vie big.

(Fortfthung.) (Nachdruck verboten.)

Cr mußte lachen wider Willen das war wieder der alte frische Ton, der ihn anmntete lute Waldesrauschen und erquickender Windhauch! Er glaubte keinen gleichen Klang gehört zu haben seit Jahren.Und was macht Ihre Fran Mutter? Wie leben Sie? Was war das für ein .alter jovialer Herr, der mir eben aufmachte?"

Ein Schatten glitt über Neldas Gesicht, sie zögerte einen Augenblick.Der Mama geht es ganz gut; sie würde sich auch sehr freuen. Sie zu sehen, aber jetzt gerade kann sie nicht, sie ach, warum soll ich's nicht sagen?! Ich habe sie geärgert. Aber Sie werden doch wiederkommen, nicht wahr?" 'Sie sah ihm zutraulich bittend in die Augen. Dann habe ich Mama hoffentlich nicht gerade geärgert. Der alte Herr ist Rentier Schmolle, unser Mieter ein sehr guter Mann doch lassen wir das, sagen. Sie mir, was macht Ihre Frau, und Ihre Kinder, Ihre lieben Kinder?"

Sie werden uns besuchen, Nelda, ja? Sie versprechen es mir, Hand darauf!"

Aber" das Mädchen sah ihn groß anSie wissen doch, Ihre Frau mag mich nicht mehr!" Ein tiefes Not schoß ihr über die weiße Stirn.So schwer es nur wird, ich möchte dann auch lieber nicht, daß Sie uns be­suchen, wenn Ihre Frau es nicht leiden mag!"

Unsinn!" Er lachte ein klein wenig forciert.Kinde­reien! Elisabeth ist jetzt ganz anders, ich glaube, am liebsten wäre sie selbst mit herauf gekommen. Sie hat mich mit den Kindern bis hierher begleitet und" er zögerte sollte er sagen: sie steht unten ? _ ;

Warum ist sie denn nicht Mit herauf gekommen-'

Ach, Nelda, Sie kennen ja Elisabeth, bei aller Herzens- aütc'ist ie doch ein bißchen nun wie soll ich sagen?" Er suchte verlegen nach einem Ausdruck, sie sah, wie eine lang­same Röte ihm ins Gesicht stieg. Solchen Zug hatte er immer gehabt, wenn Frau Elisabeth etwas sagte, was ihm nicht ^"b^Das schadet nichts," kam sie ihm zu,Hilfe.Ich- komme zu Ihnen!" ,,

O Sie!" Er machte eine Bewegung, als wolle ec ihre Hand an die Lippen führen, aber dann schüttette er­ste ihr wie einem guten Kameraden.Sie sind nicht klein­lich! Mein Gott, loie konnte ick's eigentlich aushalten, sechs,- nein, sieben lange Jnhre, ohne von Ihnen"

Er kam nicht dazu, auszusprechen, draußen hatte es leise au der Klingel gerührt. Nun noch einmal. Sie horch­ten beide, eine Kiuderstimme wurde laut. Jetzt steckte Herr Schmolte sein rotes Gesicht zur Tür herein.Herr Major, ergebenster Diener, entschuldigen Sie, der Herr Sohn fragen nach dem Herrn Papa! Ein charmantes Jungchen!

Papa, du fällst 'rnnterkominen," tönte Friuchens Stimme im Hintergrund.Die Mama is ungeduldig!"

.Mander wurde glühend rot.Ich komme gleich, geh' voran, Fritz!" Hastig ergriff er Neldas Hand.Und, Fräu­lein Dallmer, nicht wahr, Sie kommen zu uns, bald?" .

Sie nickte flüchtig. Mit sehnsüchtigen Augen sah sie zu. dem Jungen herüber! der auf der Schwelle stand, die Beins gespreizt,' die Hände in den Hosentaschen, die blaue Ma­trosenbluse über der gewölbten Brust offen, die Mütze keck auf dem blonden Kopf. Er sah der Blutter ähnlich, Zug mit Zug; aber er hatte des Vaters treue Augen.

Und das ist Fritz?!" Nelda eilte auf den Knaben zu und legte ihm deii Arm um die Schultern.Du kannst mich nicht kennen, lieber Junge, aber ich kenne dich sehr gut, ich habe dich auf dem Arm gehalten, als du noch ein ganz kleines Wickelkind warst! " . .

Der Junge wurde rot, es kam ihm höchst despektierlich vor, einmal ein Wickelkind gewesen zu sein; dann aber riß er die Mütze vom Kopf und sah Nelda offen an, mit einem klaren fragenden Blick. , .

Grüß' deine Mutter von Tante Nelda, horst du t

Tante Nelda, ja!" ,

Sie bückte ich hastig und küßte ihn auf die Stirn.Du lieber Kerl! O wie glücklich Sie sind!" wandte sie sich zu Kalander; es kam ihr ans tiefstem Herzen.

Und Sie kommen zu uns, Nelda, Sie kommen?

Ich komme. Ich muß Ihre Kinder sehen, ich komm«

Komm jetzt, Papa," sagte Fritz und faßte des Vaters Hand.Du, man muß Frauenzimmer nicht warten lacken, du weißt doch! Fall nicht, hier sind Stufen! Ich darf doch aus der Straße auch mit dir gehen, Papa, ).a? Wir beide! Ich geh' am liebsten immer mit dir."

*

Im Berliner Zimmer war eitel Wehklage, Frau Rätin schwamm in Tränen. Sie hatte sich ebc-* zu sehr über Neld« geärgert. Sagte doch das undankbare n.no aus Aule» des Briefes, der vom Onkel gekommen war man hatte ihm von Neldas Krankheit geschrieben und er wünschte dringend die Nichte zu ihrer Erholung bet sich zu haben, wolltemun- gehend das Reisegeld schicken und so weiter - sagte doch da- undankbare Kind:Mama, da reis' ich gleich, ^ch freu mich unsäglich, bei. Onkel Konrad zu sein und sehne mich nach Papas Grab!" Wie unzart, immer vom Grab zu sprechen!Du wirst mich nicht zu sehr vermissen, Mama, batte sie auch gesagt. Wie bockig sie war, jetzt gerade reisen zu wollen, wo man sie so nötig brauchte!

ä Frau Rätin weinte ihr Taschentuch naß, dagwischeu borckte sie auf die Stimme int Vorderznmner. Wie fatal, daß sie nicht Heroingehen konnte zu Mander; aber mtt den roten Augen, nein! lind angezogen war sie amh nicht, lieber den Aerger mit Nelda mußte entern ja alles ver- aeben Gott,'wie sollte das noch werden-'! m Ö ' Schmolle ging ab und zu und ermutigte.Reden wn.