Ausgabe 
15.11.1909
 
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alles!'

Als Stadt bin ich

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buch- und Stcindruckcrei. R. ßange, Gießen-

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Rätsel.

bekannt in Deutschlands Gauen,

Schatz, Ivie findest du

Lieb e über w i n d e t

Fügst due l" hinzu, bin ich als Tier zu schauen. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer:

irgendwo gestohlen haben." Audebrand ging bei Heilte bald aus nnb ein und gewann einen Einblick in das Meuschliche-- Allzumenschliche dieses merkwürdigen Zusammenlebens. Vieles erfuhr er auch durch den klatschhaften Weill, und wir iverden diese Schilderunge,r mit Vorsicht aufnehmen müssen, besonders wo die ehelichen Streitszenen zwischen ihm und Mathilde in allzu grelles Lickt gerückt sind. Ma­thilde war Verkäuferin in einem Handschuhgesthäft der Pas­sage Choiseul gewesen, ivo Heine sich seine Handbekleidung von ihr anmessen ließ, sich in sie verliebte und ihr den Vorschlag des Zusammenlebens machte.Ein deutscher Dich­ter, was bringt das ein?" fragte Mathilde die Besitzerin des Ladens.Das bringt noch etwas weniger ein als ein französischer Poet," antwortete die Patronin. Nach Ande- brands Darstellung wäre diese wilde Ehe ein ewiges Ge­zänk gewesen:Er hatte keine Geduld und sie keine Nachs- giebigkeit; sie machte ihm Szenen und er schlug sie... Er schlug sie gewöhnlich Montags und versicherte, daß diese wöchentliche Züchtigung für sie unerläßlich tväre. Ihre Ver­teidigung bestand in einem Strom von Tränen, sonst wehrte sie sich wenig, zog ihn nur manchmal an den Beinen. Dann rollten sie beide über den Fußboden und erhoben sich end­lich, von Müdigkeit gebrochen und ganz ruhig. Weill und Audebrand überraschten sie mehr als einmal in dieser merk­würdigen Situation. Sie lachten alle zusammen darüber." Heine verglich sich gern mit Sokrates; er heiratete seine Xanthippe und warf sich nach der Zeremonie an den Busen seine Freunde im Cafe Porte-Montmartre.Ich habe mein Testament gemacht," erklärte er,ich vermache all mein Gut Mathilde, unter der Bedingung, daß sie sich wieder ver­heirate. Ich will, daß es einen Menschen auf Erden gibt, ; der mich jeoen Tag bedaure und sägen möge:Warum ist der arme Heine tot? Wäre er nicht tot, hätte ich nicht seine Witwe." Neben seinen häuslichen Sorgen litt er unter beständigem Geldmangel. Er pumpte, um nicht selbst ange- pnmpt zu werden.Verfügt über mich," sagte er zu seinen Freunden,eßt einen Teller Suppe bei mir. Aber bittet mich niemals um Geld. Erstens habe ich keins und dann will ich Euch nicht als Freunde verlieren." Die großen Hoffnungen, die er auf eine Erbschaft von seinem reichen Onkel Salomon setzte, erfüllten sich nicht. Lachend zitierte er selbst grausame Bemerkungen, mit denen ihn der Ham­burger Bankier gekränkt.Na ja, mein lieber Neffe," schrie - Onkel Salomon,tust Du immer noch nichts in Paris?"

Bitte um .Verzeihung, lieber Onkel, ich mache Bücher." Na, das ist's ja eben,"was ich sage: Du tust nichts." Aude- brand erzählte auch von jenem berühmten Frühstück, zu dem sich auf eine Einladung Weills hin Heine, Eugene Sue und Balzac vereintem Die vorzüglichen Weine versetzten in eine angeregte Stimmung und die beiden Romandichter fingen an, miteinander über die soziale Frage zu streiten. Sue verfocht sozialistische Ideale und Balzac vertrat seinen mehr Aristokratischen Standpunkt. Schließlich wandten sich die beiden eifrigen Streiter an den stumm dabei sitzenden deine und fragten ihn um seine Meinung. Der hob sein Kelchglas, schaute nachdenklich auf die weiße klare Flüssig­

keit, in der Lichtreflexe aufblitzien und sprach dann:Die Zeit ist gewoben aus einer ewigen Abfolge von Tagen und Nächten. Der Tag ohne die Nacht, die Nacht ohne den Tag, sie wären unfruchtbar und leer. Die Natur bietet nur Verschiedenheiten dar und Kontraste. Der Mann und die Frau... Gegensätze... Um ein gutes Geschäft zu machen bedarf es eines Schurken und eines Dummkopfs. Zwei Dissonanzen erzeugen eine Harmonie... Der Kontrast, sage ich Euch, ewig der Kontrast..." Wieder versank er in die Betrachtung des goldhellen Weines, in dem beim Kerzen­schimmer die leichten Perlen emporstiegen; er schien darin­nen nach der Zukunft zu spähen und er schloß:Ich will weder allein die Republik, noch allein die Monarchie. Ich will die eine und die andere und nicht die eine oder die andere, ich glaube, daß es nichts Dauerhafteres gibt als Regierungsform denn eine Monarchie, beherrscht von Re­publikanern, oder eine Republik, geleitet von Monarchisten " Die beiden andern lachten zu dieser originellen Lösung der Frage, über die sich schon so viele vergebens den Kopf zerbrochen und Heiterkeit durchströmte wieder den Salon des Cafes Anglais, in dem Heine,Balzac und Sue tafelten...

Der Fingerhut.

Es gibt heutzutage wohl nur wenige Dinge, über die nicht Zum mindesten einige Bände vollgeschrieben sind, zu düsen wenigen aber gehört der Fingerhut. Selbst der alles wissende Brockhaus erwähnt ihn in seinen achtzehn dickleibigen Büchern nicht. Natür­lich hat dieser kleine, aber nützliche Gebrauchsgegenstand seine Gc - schichte, wie jeder andere, nur muß man sich, um nur annähernd einen Einblick darin zu gewinnen, die einzelnen Notizen mühsam aus alten Folianten, Briefen und sonstiger Literatur zusammeit- suchen. Und doch blickt der Fingerhut auf ein längeres Dasein zurück, als die Nähnadel in ihrer heutigen Gestalt. Man war schon ziemlich weit in der Kunst der Stickerei, als man noch keine Nadel mit einem Oehr kannte; die ersten Stickereien wurden mit Pflanzendornen ausgeführt, später bediente man sich zu dem Zweck einer öhrlosen Nadel, vermöge deren Man Löcher in den Stoff stach, durch die man den Faden dann zog in beiden Fällen! aber war, wollte man sich nicht verletzen, der Fingerhut fast noch unentbehrlicher als heute. Wie er ursprünglich beschaffen. war, weiß man freilich! nicht sicher, daß er aber existiert hat, feit ge­schickte Hände anfingen, Gewandstücke zusammenzufügen und mit Stickereien, zu schmücken, unterliegt in Anbetracht seiner Not­wendigkeit keinem Zweifel. Wahrscheinlich hat er sich aus einem Ende 'Baumbast oder etwas Aehntichem, das man sich uni den Finger wickelte, um den Dorn durch das Fell zu drücken, entwickelt, später ersetzte man ihn! vielleicht durch ein Stückchen Fell, bis der Mensch in' der Kultur so weit vorgeschritten war, um sich Werk­zeuge nach unseren Begriffen zu fabrizieren und sich demnach Fingerhüte aus Holz oder .Horn zu schnitzen. Jedenfalls sind die ältesten, die uns erhalten geblieben, aus diesem Material her- gestellt. Die wenigen Exemplare, die wir besitzen, rühren zum! Teil noch aus vorgeschichtlichen Zeiten her und sind teils in Höhlen, teils zwischen Schutt und Moder unter der Erde gefunden worden. ,

Während fast zwei Jahrtausenden find Horn und Knochen das beliebteste Material für den Fingerhut geblieben Nur aus^alt- ägyptischer Zeit stammen ein paar aus einem blauschwarzeu totem oder einer glasähnlichen Masse bestehende derartige Formen, doch sind sich die Gelehrten über ihre Bestimmung ebenio wemg völlig klar, alö über mehrere griechische, zierlich aus Gold gearbeitete. In einer englischen Sammlung befindet sich auch ein seltsames römisches Stück aus Gold, das wahrscheinlich einen Fingerhut vor­stellen soll. Er hat Metallbänder, die über die Hand taufen nud zu seiner Befestigung dienen. . .

Als der Fingerhut dann im Mittelalter allgentemer luurbe und man ihn außer ans Horn und Knochen mich aus HM, gehärtetem Leder und sogar ThoN verfertigte, bildete er, aus Edelmetall ge­schmiedet und mitunter mit Edelsteinen und Perlen besetzt, eilt beliebtes Geschenk für fürstliche Frauen. Zur Zeit, als die att- niederländischen Meister die Malerei in ihrem Vaterlande zm hoben Blüte brachten, wandten sie ihre Aufmerksamkeit auch diesem kleinen Gegenstände zu, indem sie ihn mit Mimaturbildcheit zierten. Mieris hat beispielsweise die ganze Passronsgeschichte auf einem Fingerhut dargestellt. Hand in Hand mit dieser malerischen Kleinkunst' stichelten Kupferstecher das Vaterunser, sowie lange Gebete in Fingerhüte ein. Der Burenprasident Pant Kruger, har übrigens in Erinnerung an jene winzigen Meisterwerke erneu, goldenen Fingerhut mit eingravierteiii Vaternuscr und Wappen nebst Initialen in Emaille als Hochzeitsgeschenk für die Königin Wilhelmine von Holland anfertigen lassen. ,

Ja unserer Gegenwart wird int allgemeinen wenig Luxu» mit Fingerhüten getrieben. Jede Frau besitzt einen oder mehrere, aber selbst Damen, die einen reichen Jüwelenschatz ihr eigen, neunen, begnügen fleh oft mit einem Fingerhut ans Zinik oder Messing. Wenns hoch kommt, ist er aus Silber. Ein goldenen gehört zweifellos zu den Seltenheiten. Hier erwüchse unser eist Kleinknustgewerbe noch eine hübsche Aufgabe. A n g e l ü..

Ein MLrtyr«r. Sie:Nun sage mir ausrichtig, lieber meins Kochkunst?" Er:W sthr d

humoristisches.

* Ein Pfiffikus. Arzt:Diese! Medizin nehmen Sie alle zwei Stunden. Auch dürfen Sie wieder ein Glas Bier trinken. Patient:Auch alle zwei Stunden?"