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Nerven.
Novelle von Georg Freiherr von Ompteda.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Aber die Serben kehrten auf fürchterlichen Umwegen über Schnäpse und Zigaretten, über liebenswürdige Worte und Dinge, die gar nicht dazu gehörten, immer wieder dahin zurück, es müsse geschossen werden.
Nachdem wir so ziemlich lange gekämpft hatten und bereits mehrere Stunden verflossen waren, ohne daß wir von der Stelle gekommen wären, standen Ziesow und ich auf, zogen uns in eine Ecke des Zimmers zurück, besprachen die Sache und kamen zu dem Entschluß, daß eben nichts anders übrig bleibe, als das Duell anzunehmen.
Wir schlugen also die Bedingungen vor, bemüht, alles in möglichst milder Form einzurichten, wenn auch Ziesow, als wir wieder nach langem Kampfe eine Pause gemacht hatten, leise zu mir sagte:
— Ich bin eigentlich der Ansicht, daß ein Duell nicht zum Scherze da sein soll. Es sollte überhaupt nicht dazu kommen, aber wenn es dazu kommt, dann zeigen, daß es kein Kinderspiel ist!
Die beiden andern Herren ivollten durchaus die aller- schwersten Bedingungen durchsetzen. Ich glaube, wenn es nach ihnen gegangen wäre, so hätten sie ausgemacht: Entfernung einen Meter; zielen, solange jeder will; Stecher; gezogene Waffen; Kugelwechsel bis zur Kampfunfähigkeit berder Gegner.
Wir kämpften Zoll um Zoll, und unwillkürlich, während es uns gelang, dieses und jenes nach Hinundherreden von einer Stunde zu ermäßigen, dachte ich an meines armen Freundes Gesicht. Er stand mir immer vor der Seele. Ich sah ihn wie an dem Abend auf meinem Zimmer, als seine Züge das Entsetzen malten.
Die Nacht war längst hereingebrochen. Wtr hatten das elektrische Licht angezündet, die Vorhänge zugezogen. Der Kellner wurde noch mehrmals nach Zigaretten tote nach einem Imbiß geschickt.
Als eine Pause eintrat, um zu essen, sagte Herr Petrowitsch mit.verbindlichem Lächeln:
— Wenn es den Herren recht ist, setzen wir jetzt die Verhändlungen aus und sind sozusagen wieder Privatleute.
Obgleich wir beiden Deutschen es nicht für am Platze hielten, mit den Vertretern des Gegners nun noch ein Abend!- essen einzunehmen, so war dem doch nicht gut aus dem Wege zu gehen, und der Körper siegte, denn nach sieben- stündiger Verhandlung hatte ich in der Tat genug.
Unwillkürlich steckte die Redensart von den Privatleuten an. Ich machte nun geradezu davon Gebrauch und sagte in der Essenspause:
Meine Herren, auf Ihren Wunsch sind wir jetzt einfach Herr Petrowitsch, Herr von Ziesow, Herr Boschano-
witsch und ich. Wenn ich Sie recht verstanden habe, nicht wahr, haben wir jetzt mit Herrn Protitsch und W Morsum eigentlich gar nichts zu tun? Meine Herren, ich nehme jetzt an, daß ich von der Angelegenheit, die wir hier verhandeln, erst durch einen dritten hörte, und da würde ich zweifellos sagen: „Die Sekundanten sind dafür verantwortlich, daß die Austragung der Angelegenheit im Verhältnis steht zu der Schwere des Falles."
Herr Petrowitsch meinte:
— Ich denke, das ist auch der Fall, und ich häbs höchstens das Bedenken, die Bedingungen, die Ste uns schon abgerungen haben, möchten nicht ganz im Verhältnis zu der Schwere des Falles stehen. Nach unserm Dafürhalten ist der Fall einer Beleidigung des Vaterlandes einfach gleich zu achten der schwersten Beleidigung: der Beq leidigung durch einen Schlag.
Nach einiger Zeit begannen die Verhandlungen von neuem, und plötzlich,' als Ziesow und ich erklärt hatten^ wir würden unter keinen Umständen einwilligen, daß dis Entfermmg der Barriere geringer würde als zwanzig Schritte, stand Herr Petrowitsch ganz erregt auf:
— Meine Herren, ich überlege mir, ob ich unter solchen Umständen nicht einfach mein Mandat in die Hände des Herrn Protitsch zurücklegen soll. Ich glattbe, Herb Boschanowitsch denkt tote ich.
Der andere Serbe nickte. Ziesow und ich blickten uns. an, und Ziesow sagte: ,
— Das tut uns sehr leid, aber wir muffen bet unfern
Bedingungen bleiben.
Herr Petrowitsch gestikulierte mit den Händen und überstürzte feine Worte, während er sprach:
— Meine Herren, ich inödjte Sie aber darauf aum merksant machen, daß Sie dadurch Ihrem Mandanten durch- aus nichts nützen Tonnen, Sie verschlechtern bloß die Sache, Ich muß Ihnen die Mitteilung machen....
Plötzlich uttterbrach er sich, blickte Herrn Boschanowitsch an und fuhr fort: .
— Nein, das würde über meine Befugms hinansgehem Ich kann Ihnen das jetzt hier nicht sagen. Meine Herren, wir nehmett Ihre Bedingungen an.
Ich war wie erlöst, aber doch sehr erstaunt.
Ziesow sagte:
— Also gezogene Pistolen ohne Stecher, zwanzig Schrtite Karriere, Schuß auf Kommando, dreimaliger Kugelwechsel.
— Jawohl!
Mr waren ganz paff über diese Wendung, und tch vermutete irgend einen Hintergedanken. .
Aber damit schien die Sache abgemacht ztt fein. Ztesow sollte nur noch unter Beihilfe des Herrn Boschanowitsch ein Protokoll enttoerfen.
Während die beiden Herren hieruttt beschafttgt waren, trat ich mit Herrit Petrowitsch atts Fenster, das wir öfft neteit, so daß frische Luft hereinströmte. Das war enti schieden nötig, denn ein Zigarettenrauch lag über feetti


