Ausgabe 
15.7.1909
 
Einzelbild herunterladen

436

MW ergab eine» Karren Heb tt'nb 1/21 Karren Grum. Jeder?, der Frucht zog, hatte einSeil" Korn zu liefern; die Lieferung brachte 5 Malter ein. Ferner wurden von jedem OrtsbürgeU 2 Leib Brot erhoben. Die Accidentien setzten sich zusammen: >,bey einer Kindtauf 5 alb., bey einer Hochzeit TO alb., und so sie Hochzeit halten, muß ein Stück Fleisch, Suppe unb Kuchest gehoben werden, bey einer Leiche 10 alb., und ein Leib brodt vors Geläut." Der Stelleninhaber durfte so viel Vieh halten, wie er wollte und auf die Gemeindeweide treiben. Vom Ke- meindenutzen erhielt er ein Loos. Als der Bürgermeister bem' Lehrer Henckelmann das Recht des Viehhaltens beschränken wollte, wurde dem Lehrer von dem Superintendent Bielefeld zu Gießen befohlen,sich seiner Schul-Fretzheit nichts zu begeben, tbann die Gemeinde nicht .zu ruhen vermeinet, kann sie ihre Klage am gehörigen Orte Vorbringen."

Unverständlich bleibt nachstehende Bemerkung im Saalbuch: »,Mcm hat etl. mahl eine freye Schule zu machen gesuchet Und es ist auch deßhalb die Sache an Höchst. Konsistorium be­richtet worden, aber noch keine Confirmation eingelanget." Sollte es sich hier um Errichtung einer Privatschule handeln? Eine Aufhebung des Schulgeldes, das 54 fl. in der Besoldung ausmachte, kann doch nicht geplant gewesen sein. Wer konnte und wollte dep Besoldungsausfall decken, die Gemeindekasse sicher nicht? =&=.

Vermischtes.

* Die Katzen und die Mäuse. Tie Tierpsychologie beschäftigt sich seit langem mit den: schwierigen Problem, ob bei den Tieren außer ihrem unbewußten und instinktiven Nachahmungs­trieb auch eine bewußte und absichtliche Nachahmung bestehe. Untersuchungen, die man in der letzten Zeit bei Katzen vorgenommen hat, und die sich u. a. mit der Lieblingstätigkeit dieser Tiere, dem Mäusefaug, beschäftigen, haben nun zu interessanten Ergeb­nissen geführt, die eine bejahende Antwort erlauben. In Century Magazine berichtet der Professor an der Harvard-Universität Ro­bert Perkes in einem längeren Aufsatz über diese Versuche, die er zusammen mit Tr. Berry vorgeuommen hat. Schon vor zehn Jahren hatte sich Professor Thorudike mit dem gleichen Problem beschäftigt, war aber bei seinen Versuchen mit Katzen zu ganz negativen Resultaten gekommen. Die neu, aufgenommenen Experi­mente haben deshalb zu einem besseren Ergebnis geführt, weil sie mit einer größeren Anzahl Katzen und viel längere Zeit hindurch ausgeführt wurden. Sechs Monate hindurch wurden neun Katzen drei Stunden täglich beobachtet. Als beste Versuchstiere erwiesen sich eine Katze von der Insel Män und ihre drei Jungen., Die Tiere wurden in Kästen gesetzt, von denen aus sie einander ganz genau beobachten konnten, und es ergab sich, daß die Jungen allmählich der alten Katze, wenn sie ihr sechs oder mehr Mal genau zugeschaut hatten, allerlei Kniffe ablernten, z. B. das Aus­stößen des Schiebers an der Tür, das Trinken aus einer Milch­flasche ober das Rollen eines Balles in ein bestimmtes Loch. Die Tür aufzuschieben, lernte die eine der kleinen Katzen in zwanzig Minuten, die zweite etwa eben so schnell, die dritte aber konnte ks an fünf verschiedenen Tagen, obgleich sie sich sehr mühte, Nicht zustmrdebringen. Tas Begreifen der Tiere ging nur langsam von statten, aber die Fähigkeit bewußter Nachahmung zeigte sich doch bei ihnen entwickelt. Tas interessanteste Experiment bestand in der Untersuchung,wie die Katze Mäuse fangen lernt." Tie jungen Katzen wurden im Alter von fünf Monaten, wo sie bereits genügende Größe und Stärke besaßen, um sogar eine große Maus zu töten, in einem großen Käfig zusammen mit einer Maus eilt» gesperrt. Natürlich war darauf gehalten worden, daß sie niemals vorher das Fangen oder Töten einer Maus gesehen hatten. Die Kätzchen hatten zunächst vor der großen schwarzen Maus ein wenig Furcht und näherten sich ihr sehr vorsichtig. Als die Maus voller .Schrecken weglief, rannten sie ihr nach und fingen mit ihr zu spielen .an, ohne sie irgendwie zu kratzen ober zu schlagen. Nach einer Stunde konnte die Maus, ohne daß sie einen Schaden erlitten hatte, aus dem Käfig entfernt werden. In diesen mehr­mals wiederholten Versuchen gaben die Katzen nicht die geringste instinktive Absicht kund, eine Maus zu fangen, zu töten und zu fressen. Allmählich gewöhnten sich die Katzen an das neue lebende .Spielwerk, schlugen Wohl auch einmal mit den Krallen stärker zu, aber niemals verletzten sie die Mans ernstlich, auch nicht, als man sie vieriindzwanzig Stunden hatte hungern lassen. Nach dieser sechswöchentlichen Gewöhnung an die Maus wurde nun den jungen Katzen- Gelegenheit gegeben, die alte Katze beim Toten und Fressen einer Maus zu beobachten. Man wollte konstatieren, ob sie nun wenigstens den Mäusefang erlernen könnten, den man doch bisher für einen den Katzen angeborenen Instinkt gehalten hatte. Während also die eine junge Katze mit der Maus spielte, wurde plötzlich die alte Katze in den Käsig gelassen, die die Maus sofort tötete und verzehrte, während die junge Katze zusah. Sobald die alte Katze ihren Raub gefressen hatte, wurde sie wieder aus dem Käfig entfernt Und der jungen Katze eine neue Maus gegeben. Sie spielte mit ihr, ebenso wie sie es mit der anderen getan hatte, ohne ben geringsten Anschein, daß sie sich das gemerkt hätte, was sie eben gesehen. Erst als die alte! Katze mehrmals Mäuse vor den Jungen getötet und ihnen von dem Fleisch zu essen gegeben hatte, lernten

sie allmählich deii Mäusefäng. Durch dies Experiment würde also erwiesen, daß junge Katzen im Aller von fünf bis sieben Mo­naten keine instinktive Neigung haben, Mäuse zu fangen und zu töten, sondern daß sie das erst durch häufigere Beobachtung der alten Katze erlernen, es also in einer bewußten, mit Willen oer- folgten Nachahmung tun. Allerdings ist dies bisher nur bei einer bestimmten Art von Katzen, eben denen von der Insel Man festgestelU. Als Resultat all seiner zahlreichen Untersuchungen, über die Nachahmungsfähigkeit bei Katzen stellle Tr. Berry fest, daß eine bewußte Nachahmung bei ihnen vorkommt, daß Katzen bis zu einem gewissen Grade auch Handlungen von Menschen nachahmen und daß Katzen nicht instinktiv Mäuse töten und fressen, sondern es erst durch Nachahmung erlernen.

* Schwänke aus dem Mittelalter. 1. Tie sieben Sinne. Ein Bauer kam zur Beichte und bekennt:Ehrwürdige« Herr, ich gebe mich schuldig, an meinen sieben ©innen." Der Beichtvater sprach:Es gibt ja nicht mehr als fünf Sinne." Da antwortete der Bauer:Lieber Herr, ich bin Schultheiß, da darf ich doch wohl zwei Sinn« mehr haben als ein gewöhnlicher Bauer." 2. Ter Rangstreit der Fakultäten. Zu Pavia war ein Streit ausgebrochen zwischen den Doktoren der Rechte und der Arznei. Eine Fakultät Wollte der anderen Vorgehen. Darüber appellierten^ sie an den Herzog von Mailand und baten um seinen Ausspruch, Dieser beriet sich mit feinen Räten darüber, aber sie tonnten nicht einig werden. Als der Narr des Herzogs davon hörte, sprach er: Diese Sache wollte ich wohl entscheiden." Fragt der Herzog: Wie?" Spricht der Narr:Wenn einer ausgeführt wird .geht der Missetäter voran, der Henker hinten nach."

* Boshaft.Meine Frau habe ich gelegentliche eines Eisenbahnunfalls kennen gelernt!"Da können Sie von der Eisenbahnverwaltung entschieden Schadenersatz beanspruchen."

* Verblümt. Schutzmann:Sie wollen also den Manu bestimmt an seiner erfrorenen Nase erlenneit ?.....Hm, die

meinige ist ziem Beispiel doch auch erfroren!" Zeuge:J'a, dem seine ist aber wirklich erfroren!" _,

* Heransgeredel. Sie:Warum wollen Sie denn Unsere Hochzeit bis zum Frühjahr verschieben?" Gr:Aber, wollen Sie denn nicht begreifen, daß ich unsere innige Liebq nach Möglichkeit in die Lange ziehen mochte?"

Literatur'.

Deutsche Arbeit. Monatsschrift für das geistige Leben der Deutschen iit Böhmen (Prag, Karl Bellmann). Herausgegeben im Auftrage der Gesellschaft zur Förderung! deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen. VIII. Jahrgang, Nr. 10. Dieses Heft steht imter dem Zeichen des heimischen ArchitektenJoses Zasche". Karl Krattner entwickelt in einem lehrreichen Aufsatz die Grundzüge von Zasches Schaffen, zahlreiche Bildbeispiele in bekannt guter Ausführung beweisen das Wort mit der Tat. Im neuen Jahrgang sollen die Arbeiten zum Neubau des Deutschen Hauses und zum Bau der neuen Deutschen Um- versität in Wort und Bild, vorgeführt werden. Dr. Franz Stephan Schindler fügt in das Bild des heimischen lehrten Bolzano einen neuen Stein als Schluß der diesem bedeutenden Manne gewidmeten Aufsatzreihe in diesem Jahr­gang, unter dem TitelBolzano als Sozialpolitiker". Selbst Kenner Bolzanos dürften überrascht sein und hohen allste-« meinen Interesses ist die Staatslehre Bolzanos sicher. In dem VortragWarmbad und Pflanzentreiberei", der mit Illustrationen versehen ist, zeigt sich der Gelehrte in schönem Bunde mit dem praktischen Kunstgärtner. Prof. Hans Molisch hat darin wieder ein Muster eines populärwissenschaftlichen Vortrages geschaffen. An Belletristik enthält das Heft neben der kräftigen ErzählungDer Kurat von Sankt Anton" des unlängst in jungen Fahren verstorbenen Joses Schicht eine NovelleHans Girmann" von Ferd. Gruner, eine herzhafte HumoreskeDie Stimme vonn Himml" in nordböhmischer Mundart von Josef Schwaab u. v. a.

Magisches Quadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAAABBEEN N N N R UUZ derart einzutragen, daß die wagrechten u. fenkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Ein Verbrechen.

2. Mädchennamen.

3. Früheres Gewicht.

4. Holländischen Maler.

Auflosimg in nächster Nummer.

Auflösung des Vevsteckvätfels in voriger Nummer: Ein en 3)i 0 h r e 11 k a n n in a n n i ch t weiß w a f ch en.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießeil.