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„Schön. Hier hast du das GottsgeE?) nun gib mir dem Dienstbuch."
Als ob sie einem inneren Zwange gehorche, gutg Tme mechanisch zu der Kommode und holte das Dienstbuch.
Anndortjen war total verblüfft. Wie war das so schnell gekommen? Sie hatte gar nicht so schnell sich besinnen können. _ c. _ r
„Ja, ich weiß nicht," redete sie, „man muß die Sache doch erst beschnackeu und beschlafen. So etwas schiebt man doch nicht in beit Backofen. Wenn Tine es nun nicht recht macht, oder sie wird krank, oder ihr Passiert was? — Es passiert doch so schrecklich viel in der Welt."
Jak reckte seine große, breitschulterige Gestalt.
„Dafür bin ich da!" Wie er so daftand, sah er wohl MS, als könnte ihm niemand etwas anhaben, als wäre er zum Schirm und Schutz berufen. Er reichte den Frauen die .Hand. „Adjüs, Frau Nachbarn. Also Tine, am ersten März holt einer von uns dich mit deiner Lade ab, entweder Jan oder ich. Abjüs, Tine." .
Er preßte ihre Hand. Noch einmal tauchte sein Blick in den ihrigen; daun ging er. z
„Wie konntest du mau bloß so schnell zusagen!" schalt Anndortjen ihre Tochter. „Ich begreife dich nicht. Ich habe immer gesagt, du bist eine schnaksche Deern. Wie konntest du ihm bloß das Dienstbuch geben?"
„Ich mußte ja", sagte Tine leise, und für sich fügte sie hinzu: „Er hat mich behext!"
»Ja, muß ist 'ne harte Nuß!" seufzte Anndortjen. Ihre und ihrer Tochter Gedanken gingen weit auseinander.
Tine hatte ihren Dienst abgetreten. Still und scheu verrichtete sie ihre Arbeit.
Mamsell hatte sie bei ihrem Kommen mit mißtrauischem Mick gemustert. . z „
„So eine hättest du auch nicht zu mieten brauchen", äußerte sie später in ihrer grollenden Weise zu Fak. „So eine mit solchen glupschen, schwarzen Augen!"
Jak lachte hell auf. „Auf die Augen kommt es doch nicht an!" „
Tine ging unverdrossen ihrer Arbeit nach. Es gab Viel zu tun auf dem großen Hofe. Wiebke Themanu hatte wohl die Milchwirtschaft in guter Ordnung gehalten. Putzen und Staubwischen dagegen war ihre schwache Seite gewesen. So fand Tine ein reiches Arbeitsfeld, und die Langeweile kam bei ihr nicht auf.
Mit Jan stand sie gleich nach ihrem Antritt auf freundschaftlichem Fiiße. An seine Person knüpften sich die freundlichsten Erinnerungen ihrer Kindheit. Sie faßte sogleich zu seiner treuherzigen Art Vertrauen, und er bezeigte ihr ein brüderliches Wohlwollen.
Die Furcht, die sie anfangs Mamsel. gegenüber hegte, schwand allmählich. Die Alte verließ selten ihren Platz hinter dem Ofen, wo sie mit der Feuerkieke unter den Füßen saß und rauhe, unregelmäßige Wolle spann und haspelte, aus der sie unförmliche, schwarze Strümpfe strickte. Selten kroch sie einmal, bis über die Ohren vermummt, im Hause herum und steckte ihren Kopf in die Küchentür.
Aus den verdrießlichen, scheltenden Reden der Alten machte sich Tine nicht viel, dergleichen war sie von ihrer Mutter her gewohnt. Rur das Unheimliche, Finstere in ' Mamsells Wesen war es, was das Mädchen ost erschreckte.
Wollte Trienlieschen aber mal in ihrer alten Weise aus sie losfahren, dann nahmen Fak Und Jan sie in Schutz. ; „Aber Tante!" mahnte Jan.
„Halt's Maul!" rief Jak.
Dann zog sich die Alte knurrend in ihre Ecke zurück. „Gegen dreie'kann ein einzelner Mensch nicht aufkommen."
Am scheuesten war Tine Jak gegenüber. Er merkte es wohl, wie sie ihm aus dem Wege ging, wie sie ihn furchtsam verstohlen beobachtete, und es ärgerte ihn.
„Ich beiße dich nicht", sagte er einmal barsch, als sie bei seinem Eintreten in die Küche unwillkürlich zu- sammensuhr.
Tine lachte gezwungen und nahm sich seitdem etwas wehr zusammen.
Im Dorfe reckte mancher den Hals nach der schmucken Deern, wenn sie in der hier gebräuchlichen Dienstbotentracht, dem gestreiften Rock und der kurzärmeligen schwarzen Samttaille, durch die Straße schritt. Sie aber blieb allen gegenüber gleich scheu und zurückhaltend.
*) Mietstaler.
Jan war neugierig darauf, was Frauke zu dem neuen Dienstmädchen sagen würde.
Frauke kam eines Nachmittags selbst, um die Butter zu holen. Auf der Diele traf sie Tine, und sie war betroffen über die leuchtende Schönheit des Mädchens. . . .
Jan hätte gar zu gern gewußt, was Tine von seiner angebeteten Frauke halte. Als das junge Mädchen gegangen war, sagte er zu Tine gewandt: „Das' war dem Kantor seine Tochter, magst du sie leiden?"
„Ja, sie ist ein feines Fräulein; ja, die ist fein." Und Tine seufzte leise und- unbewußt. Sie fühlte, daß des Kantors Tochter etwas besaß, was ihr fehlte, sie wußte ihm nur nicht den rechten Namen zu geben.
Jan aber dachte bei sich: Meine Frauke hat auch ein feines, gutes Herz und Sin feines, kluges Köpfchen! . . .
„Was sagst du zu unserer neuen Steernfragte er Frauke, als er das nächstem al zu Kantors kam.
„Sie list hübsch", sagte Frauke. „Nein, sie ist schön", verbesserte sie sich.
„So?" meinte Jan. Ihm war Tines Schönheit nie aufgefallen. Er meinte nur, sie sähe noch immer so aus tote früher.
„Ja," fuhr Frauke sinnend fort, „und ich glaube, sie ist auch gut und klug."
„Ja, gut von Natur ist sie," bestätigte Jan. „Sie kann keinem Bogel etwas zu leide tun; aber klug? Nein, klug ist sie nicht. Sie ist man wenig in die Schule gegangen. Den Sommer über wurde sie immer als Sommerdeern vermietet, und im Winter war manchmal nicht durch den Schnee hindurchzukommen. Ja, wenn sie solche Schule gehabt hatte wie ich!" fügte er mit freudigem Stolz hinzu...
Von Niels hatte Tine Abschied genommen, als sie nacb ihrem Antritt einmal Sonntags zu ihrer Mutter gegangen war. Er war jetzt in Dithmarschen, und Tine erhielt selten Nachricht von ihm.
„Erstens wollen wir die Post, die schon Geld genug hat, nicht reich machen," hatte Niels erklärt, „und zweitens fällt einem Menschen, der nicht studiert hat, das Briefschreiben gräßlich sauer. Wenn du mal was an mit zu bestellen hast, dann sag es nur Ode Schane, die bestellt es Drees Buhmann, und der gibt es dem Dithmarscher Fuhrmann mit. So geht es wenigstens sicher und kostet nichts weiter als „Danke schön"."
Tine hatte ans diesem Umivege schon ein paarmal von Niels gehört, daß es ihm „gräßlich" gut gehe, und sie ließ zurückbestellen, es gehe auch ihr gut. Dabei blieb es vorläufig.....
Mit Jak unbefangen zu verkehren, geiaug -mue nur halb. Seine Nähe wirkte lähmend und doch wiederum aufregend auf sie. Obgleich sie sich zu beherrschen suchte, zitterten doch ihre Hände, sobald er in ihrer Nähe war.
Einmal, als sie im Garten Kartoffeln pflanzte, stand er, als sie sich aufrichtete, plötzlich wie aus der Erde gewachsen vor ihr. ,
Ein gellender Schrei entftlhr ihrem Munde; sie wurde leichenblaß.
„Dösige Deern!" sagte er geringschätzig, drehte si um und ging ins Haus, ohne sich noch einmal nach ihr :m- zusehen. t .
Von dieser Zeit an behandelte er das Mädchen mit kalter Verachtung, und Tine litt entsetzlich darunter.
Sein Blick glitt eiskalt über sie hinweg; er richtete nur gezwungen das Wort an sie, und sprach er mit ich, dann klang seine Tonart hart und befehlerisch
(Fortsetzung folgt.)
Heber die hygienische Bedeutung der Zommerurlaridr für primweamte.
Bon Tr. nieb. S chü f f e r, prakt. Arzt, Gießen.
Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Hingt ein Lied Mw immerdar.... , — m
Wenn an einem schönen FriWingsabend unter dem AW der Syringen, Narzissen und anderer holder Kinder Floras, unter den flötenden Tönen von Amsel und Nachtigall ein npciMrnaA Pistonbläser unsere Weihestmmnmg durch dies herrliche. Lno f Wht, fo fliegen die Gedanken weit zurück. Freud und Lew umer Kindheit taucht aus der Vergessenheit und das Ergebnis una, Sinnens ist ein frohes. Denn wer dächte nicht gern an »■ sorglosen Jahre im Elternhause und auch an die nicht- inu n sorgenfreien in der Schule zurück. Was ist es wvhl, dasa die intensiver Arbeit gewidmeten Schuljahre uns noch naaMP - in so angenehmem Licht erscheinen laßt, sie, die doch fit io vre


