Ausgabe 
14.10.1909
 
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Vsnnerttag den 14. Oktober

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Rheinlandstöchter.

Roman von Clara Vie big.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Nun Pochte Nelda an der Freundin Mädchenstübchen.

Herein!"

In dem rosigen blumengejch,muckten Nest stand die Braut und ließ sich von der Jungfer das elegante Reisekleid über­streifen.

STt), Nelda du?! Hast du ihn gesehen? Ist er schon fertig? Kommt er gleich? Ast der Wagen da? Daß Carlo nur ja nicht auf mich warten muß! Rasch, Trautchen, rasch!" Sie zitterte vor Ungeduld, das Mädchen mühte sich hastiger. Aber seien Sie doch nicht so ungeschickt! Trautchen, rasch, eilen Sie sich!"

Ich bin's nur," sagte Nelda.Der Wagen ist noch nicht da, und Herr von Osten ist eben erst von Tisch weg- gegangen. Du hast viel Zeit."

Nein, nein, liebste Nelda wo ist denn mpinHHut, mein Schleier? Rasch, suchen Sie, Trautchen! Liebe Nelda, ich habe so Angst, wir kommen zu spät zur Bahn. Meine Handschuh! Nun noch der Abschied von Papa und Mama! Es iväre schrecklich, wenn wir den Zug versäumten!"

Ich will dir gern adieu sagen, Agnes!"t ' >

Gleich, gleich Trautchen, den Mantel! Meine liebe, gute Nelda!" Ein flüchtiges Umschließen, ein rascher Kuß. Verzeih, ich bin so unruhig, so aufgeregt, mein Kopf ist ah, es klopft! Herein!"

Herr und Frau Röder traten in die Stube.

Mein teures Kind!" Die gute Mutter zerfloß in Dränen, auch in Papa Röders Äugen schimmerte es feucht. Nimm unseren Segen mit komm gesund wieder werde glücklich laß dir's" die elterliche Rührung erstickte fernere Worte. Die Tochter tunkte aus einer Um­armung in die andere, jetzt kamen auch ihr die Tränen. Da" sie erhob horchend den Kopf von der Schulter der Mutter'da ist er!"

Draußen wurden Schritte laut, es pochte leise; Ostens gedämpfte Stimme fragte:

Bist du fertig? Der Wagen ist da! Geliebtes Herz, koinm!"

Ja, ja!" Agnes machte sich hastig los.Adieu, adieu, ihr alle!" Sie riß die Tür auf.Da bin ich!"

Er schlang seinen Arm um sie und trug sie, mehr als er sie führte, die Treppe hinunter. Die Eltern drängten sich hinterdrein, dann das Mädchen mit kleinen Gepäck­stücken und Reisedecken; zuletzt kam Nelda, sie folgte langsam.

Ulkten noch einmal lebewohl, Agnes erwiderte mechanisch die Küsse, bann Hob sie der Gatte in den Wagen.

Adieu, adieu, geliebte Kinder! Glückliche Reise, kommt gesund wieder!"

Adieu, adieu!"

Es klang wie ein Jubelruf, das junge Paar winkte noch Kopf an Kopf geschmiegt, zum Fenster hinaus, lächelnd, glückstrahlend.

Nelda schaute dem Wagen nach, bis er um die Ecke ver­schwunden war. Wenn schon Agnes, die Liebenswürdige, Rücksichtsvolle, so ganz der andern vergaß, welch' allge­waltige Macht mußte die Liebe sein!

*

Dein Volk ist mein Volk, dein Gott mein Gott."

Es summte Nelda in den Ohren, es stieg ihr heiß zu Kopf; sie hatte hastig und viel getrunken, jetzt fühlte sie es. Sie war mit der getreuen Laura auf dem Heimweg. Es war noch nicht ganz dunkel, als sie der Brücke zuschritten; die Frühlingsdämmerung währt lang. Laura rannte furchtbar.

Wie geht es Papa?" fragte Nelda.Hustet er noch so wie heute mittag?"

O jemmich," seufzte die biedre Magd,ganz gräßlich! Ich bin als bang, mit unfern guten Herr Rat gibt es noch- emal ebbes Schlimmes. Heut nachmittag war der Medezin- rat da, un jetzt muß ich noch nach der Apthek in Ehren- breitstein."

Und was hat der Doktor gesagt?" Nelda war fast atemlos, es überfiel sie Plötzlich eine große Angst.Jst's was Schlimmes?" stieß sie hervor.

O ne, ne, en Erkältung. Aber der .Herr Rat soll sich schonen un nit so viel arbeiten. Sagm Se mal, Fräulein- chen, nix for ungut," fuhr die treue Seele vertraulich fort, könnten Se sich nit bald einen anschaffen und sich ver­heiraten? Dann braucht der Herr Rat nit so viel mehr in die Wiens zu schreiben die Madam hat mer's erzählt, er tut et nur, bis Sie versorgt sind."

Laura!" Nelda hob abwehrend die Hand.Was fällt Ihnen ein?!"

Der Don war ungeduldig, schmerzlich und verletzt zu­gleich.

Erschrocken schwieg die Magd. Am Ende der Brücke fragte sie verlegen:

Fräulein, Fräuleinchen, sind Se noch bös? Ich mein es ja so gut, ich hab' Se doch gekannt, wie Se so klein waren!"

Sie wies einen Fuß hoch über den Boden.

Nein, Laura, ich bin ihnen nicht bös!. Aber wissen Sie was? Gehen Sie jetzt nach der Apotheke in Ehrenbreit­stein, ich laufe vor nach Haus. Ich kann ganz gut allein gehen, es ist noch nicht spät. Vor was sollte ich mich fürchten?" *

Ferdinand von Rainer war in der Kirche gewesen; ganz an der Seite, von einem dicken Pfeiler gedeckt, hatte er der Trauung beigewohnt. Er hatte auch Nelda Dallmer gesehen. Gleich hinter der zierlichen, ganz in Duft und Schleier gehüllten Braut stand sie, ihre schlanke, kräftige Gestalt überragte die meisten der Damen. Sie trug dasselbe weiße Kleid wie damals auf dem Ball, er erkannte es wieder