Ausgabe 
14.8.1909
 
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- SOL

bloß ein frommer Wunsch, sondern ich selbst bitt Ihnen ein lebendiges Beispiel, da ich im 83. Lebensjahre mit meiner Arbeit nach Kräften meinen Miintenschen noch nützlich werde. Herr Adickes hat aber auch die Antigone des Sophokles zur Feier Ihres Schaffens angezogen unter Verweisung auf den herrlichen Chor Vers 32 u. ff.:Vieles Gewalt'ge lebt, und nichts, was gewaltiger als der Mensch." V. 34 ff.: Er, der über die graue See, In des stürmischen Sü­dens Wehn, Einzieht durch schwellende Wogen, Den laut umtosten Pfad; Und müdet ab die hohe Göttin, die unerschöpfliche Erde, die ewige, Kreisenden Pfluges von Jahr zu Jahr sie mit dem Rossegeschlechte furchend. Leichthin träumender Vögel Schaar, Führt er in der Umgarnung hin, Und im Walde des Wildes Volk, Und das Wassergeschöpf des Meeres, Mit netzgewundenen Fäden, der hochbegabte Mensch, Bezwingt erfindungsreich des Berges Einsames Thier, Und umschirrt den Mähnigen Nacken dem Roß mit umhalsender Fesselung, Und dem nie gebeugten Bergstier. Auch hat er die Sprache, den Flug des Gedankens (rc.) erlernt."

Diesen Zeilen hat Herr Baisr folgendes Gedicht bei- ; gefügt:

Dem Blitzstrahl nahm er die zerstörende Kraft, Senkt ihn an's Eisen gebannt tief in die Erde hinein; Den elek­trischen Funken wandelt' er um in Licht, Licht in Wärme und Wärme in Kraft, Mit dem gefesselten Dampf trieb er Maschinen hin in Schiffen über das Meer, hindern konnte ihn nicht des Aeolos feindliche Macht. In unendliche Fernen trug er Sprache und Schrift. Doch an die Erde gefesselt blieb er mit allen Erfindungen seines hochstrebenden Geistes. Vielfach hat er versucht, den Flug der Vögel sich zu eigen zu machen; vergeblich ist dieß gewesen.

Doch nicht ruhte der Geist des Menschen. Heut ist uns eilt Großer erwachsen, Der hoch in die Lüfte uns trägt Und ohne Bahnen uns führt über Meere und Land; Graf Zeppelin ist dieser Mann. Das Luftschiff gehorcht seinem Wort, es achtet nicht Wetter und Wind. Gleich dem Meere wird jetzt die Luft der Träger der Schiffe, und so wird sie näher und näher verbinden die Völker der ganzen Welt. Von Pol zu Pol tragend das Wunder unserer Zeit, Graf Zeppe- lin's Schiff."

Graf Zeppelin ließ für diese poetische Huldigung Herrn Geheimrat Batst folgendes Schreiben zugehen:

Friedrichshafen a. B., 6. August 1909 Nm.

Hochwohlgeboren

Herrn Geh. Justizrat Th. Batst

in Gießen.

Euer Hochwohlgeboren

beehre ich mich im Auftrag des Herrn Grafen v. Zeppelin dessen herzlichen Dank für das von so mariner Anteilnahme und hoher Begeisterung für sein vaterländisches Lebens­werk zeugende Schreiben vom 4. d. Mts. ergebens! zu über­mitteln. Die ihm von so verdienstvoller Seite gewordene Anerkennung hat Seine Exzellenz außerordent­lich gefreut.

Hochachtungsvoll

Der Generalbevollmächtigte: Ernst Uhland.

Vermachtes.

. * Königin Luise und Andreas Hofer. Eines der schönsten Dokumente für die Begeisterung, die die Ge­stalt des getreuen Passeiers schon bei den Zeitgenossen er­weckte, findet sich in einem Brief der Königin Luise, die fern vom Pregel einer Freundin schrieb:Aus den Bergen ist die Freiheit." Klingt diese Stelle, die ich erst jetzt ver­stehe, nicht wie eine Prophezeiung, wenn Sie mir das Hoch­gebirge blicken, das sich auf den Ruf seines Hofer erhoben hat? Welch ein Mann, dieser Andreas Hofer. Ein Bauer wird ein Feldherr, und was für einer! Seine Waffe

Gebet; sein Bundesgenosse Gott? Er kämpft mit ge­falteten Händen, er kämpft mit gebeugten Knien und schlägt wie mit dem Flammenschwert des Cherubs! Und dieses treue Schweizervolk (!), das meine Seele schon aus Pesta­lozzi angeheimelt hat. Ein Kind an Gemüt, kämpft es wie die Titanen mit Felsstücken, die es von seinen Bergen niederrollt. . ." Dei dieser Gelegenheit sei die wenig be­kannt gewordene Ansprache mitgeteilt, die der tapfere Sand­wirt zwei Tage nach der Schlacht am Berge Jsel, am 15. Ang. 1809, mittags 12 Uhr, aus einem Fenster des Gasthofs ,,Zum goldenen Adler" in Innsbruck an seine Landsleute hielt. Ihr köstlicher Lapidarstil ist denkwürdig genug:Grueß enck Gott, meine liebn S'brucker, weil ös mi zum Ober- kommandanten g'wölli hobt, so bin i holt do; es sehn ober a viel andere do, koni S'brucker sehn. Alle, unter meine Waffenbrüder wem wöll'n; ober dös nit ihnen wöll'n, soll'« haim gien, i roth encks und mit mir gien, söll'n mi nit verlass'n, i wer enck a nit verlass'» so wahr i Ändert Hofer hoaß! G'sogt hob ich encks, g'söchen hobt's mi; b'hied enck Gott!"

* Geteiltes Leid. Sie:Da hast's gut, gehst Skat­spielen, und ich muß mich mit den Jungens herumärgern." Er:Tröste dich mit mir, Agathe, mir machen beim Skat die Jungens auch oft Aerger!"

* Scherzfrage.Warum werden geliehene Bücher häufig nicht zurückgegeben?"Weil es leichter ist, die Bücher selber, als ihren Inhalt zu behalten!"

Literatur.

Wie - W o - Wie ? oder: Wie heißt der Ort? Wo liegt der Ort? Wie wird er geschrieben? Ein deutsch-geographisches Merk- und Postverkehrsbuch. Für jedermanns täglichen Gebrauch herausgegeben von H. Rottwinlel. Verlag von A. Riffarth in M.-Gladbach. Das genannte Buch darf ass eine ganz neuartige, praktische und interessante literarische Erscheinung bezeichnet wer­den. Ist schon der Titel eigenartig, dann in erhöhtem Maße der Inhalt selbst. Zunächst zeigt der Verfasser im Vorwort sehr überzeugend, wie wichtig in jeder Adresse die genaue Angabe der Lage des Bestimmungsortes ist, z. B. an Ascheberg (Holstein) und Ascheberg (Westfalen), und an Osterfeld (Bezirk Münster) und Osterfeld (Bezirk Halle). Ferner werden ähnlich lautende Orte, wie Barnsdorf mit Barnstorf, Dühren mit Düren, Freden mit Vreden, Gailenkirchen mit Geilenkirchen, Hildesheim mit Hillesheim, Kempen mit Kempten, Rheidt mit Rheydt, Schwerta mit Schwerte, Schwaig mit Schweich, Schwaigern mit Schweigern und viele andere zum Vergleich gestellt. Der dann folgende 1. Teil bringt das Verzeichnis aller Postämter und Postageu- turen des Reiches mit genauer Lagebezeichnung. Hier ist nbtt noch etwas besonderes geboten, insofern, daß durch einen vor dem Namen gedruckten Punkt angegeben ist, ob der Postort auch! Eisen­bahnverbindung hat. Am Schlüsse des 1. Teils befindet sich ein sehr orientierender Anhang über die Bahnpostämter, die Ober- postdirektions-Bezirke und über die zu mehreren Bundesstaaten gehörenden Postämter. In 102 kleingedruckten Spalten des zweiten Teils sind alle zweimal und mehr in gleicher Schreibweise im Reiche vorkommenden Post- und Telegraphen-Anstalten aufge­führt, deren Aufzählung und übersichtliche Zusammenstellung allein eine ganze Arbeit für sich ist. Der 3. Teil enthält das Ver­zeichnis der Gerichtsorte in einer apart übersichtlichen Zusaimnen- stellung. Nun zum 4. Teil. Hier sind in genau 100 Spalten alle Orte, bereit Schreibung, Aussprache oder Klang andern ähn­lich und leicht zu Verwechselungeu führen können, ungemein über­sichtlich zusammengetragen. Es folgt noch ein Verzeichnis in­teressanter Ortsnamen, dann eine kleine Statistik, ferner ein Geo­graphisches Allerlei.

Vexir-Rätsel.

Es war Herr Ritter Waldemar So sehr sür seine Braut entbrannt, Daß ans des Ritters Schilde gar Der Raute der Geliebten stand. Und habt ihr richtig hingeschaut: Ihr seht den Namen seiner Braut.

Auflösung in nächster Nummer;

Auflösung des Diamaniratsels in voriger Nummer: I

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Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,

Redaktion: I B.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen