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In Europa liegt der Schwerpunkt. Im Altertum der Erde erfolgte während der polaren Phase von einem alten tropischen Stock von Lebewesen eine rein mechanisch« Verschiebung der Lebe- Ivescn aus dem Sudack in das Gebiet des Mittclmeeres nnd weiter zu uns. Solche Verlegung von Lebewesen konnte für diese verschiedene Konsequenzen haben. Tie plastischen, anpassungsfähigen Individuen unter ihnen gestalteten sich in neue Formen um, die weniger plastischen, aber doch beweglichen wichen nach Süden oder auf dem ihnen passenden Breitegrade südwestlich oder südöstlich aus, die nicht anpassungsfähigen und auch nicht beweglichen Formen starben aus. Bei neuerlicher Verleguug nach Norden arbeitete die Natur an den so entstandenen neuen Formen in gleicher Weise weiter.
Wasser und Festland verhalten sich der Zentrifugalkraft der Erde gegenüber verschieden. Tas Festland wird bei der polaren Phase der Erdpendelung aus dem Wasser emporgehoben, vermag schließlich der Schleudcrkrast nicht mehr Widerstand zu leisten, bricht ein und faltet sich zu Gebirgen, umgekehrt wird es bei der üqua- torialen Phase wieder untergetaucht. Tas Wasser aber behält, der Zentrifugalkraft folgend, immer die abgeplattete Kugelgestalt der Erde bei. Wassertiere entstehen, >vcnn bei der polaren Phase Landtiere den stärkeren Temperaturschwankungen in der freien Lust auszuwcichcn suchen und sich in das viel gleichmäßigere lvarme Wasser begeben, und in der äquatorialen Phase, wenn Land mit seiner Tierwelt untertaucht.
In Europa sind so alle Lebewesen, mindestens als Familien, entstanden. Sie wurden so weit verschoben, als noch Bedingungen vorhanden waren, welche denen ihres europäischen Entstehungs- Herdes entsprechen. Tie Umwandlungen, die sie unterwegs erfahren, sind nur untergeordneter Art.
Wie ist nach diesen Lehren die E n t st c h u n g d e s M e n s ch e n vor sich gegangen? Da alle Reste vorweltlicher Menschen zwischen den Pyrenäen und Kroatien gefunden wurden, müsse der Mensch bei uns entstanden sein. Indem diese Urwaldbewohncr mechanisch in baumlose Gegenden verlegt wurden, waren sie genötigt, auf dein Boden zu gehen und sich so aus Baumbewohncrn in die gehenden Menschen nmznwandcln. Fast alle Menschenrassen erscheinen unter dem Schlvingungskreis vom Kap bis Lappland nnd Grönland übereinander gelagert, .hier sind auch die ersten Kulturen entstanden nnd haben sich in Lebensgemeinschaft mit dem Menschen die Haustiere herausgebildet, während die wilden Formen in der Tertiärzeit nach ihren heutigen Wohngebieten ansgewichen sind. '
Unter dem Kulminationskreis, dem durch die Schwing- pole gehenden Meridian, gelangen in jeder Pendelschwingung die Organismen auf der nördlichen Erdhälfte in ihre nördlichste Lage. Unter diesem Kulminationskreis wird das Land am weitesten gegen den Nordpol hin verschoben. In der Alten Welt ist dies die Taimyrhalbinsel. Man sehe sich darauf hin die Vogelzugstraßen an, die strahlenartig aus dem Umkreis des Nordpols, aus Neu- sibirien, Taimyr, Nowäja Semlja, Spitzbergen und Ostgrönland ausgehen. Tie östlichen Zugstraßen von Jenissei ab gehen in südlicher und südöstlicher Richtung, die westlichen in südwestlicher Richtung. Bon der Taimyrhalbinsel geht eine Vogelzugstraße den Ob entlang nach dem Schwarzen und Griechischen Meere nnd nach der Levante, während einzelne Zweige nach dem Kaspischen Meere und nach Turan verlaufen. Tie Vorfahren dieser Wandervögel erreichten die Taimyrhalbinsel entweder von Südlvcstcn oder von Südosten her, daher geht der Wandcrzng entweder nach Südwcst oder nach Südost, kein Zugvogel aber kreuzt die Halbinsel. Hier wird, sagt Simroth, der Wanderzug der Vögel in seinem Maximum geradezu zu einem mathematischen Problem. Auch das riesenhafte Auswachsen vorweltlicher Tiere in Nordamerika, weiters die eigenartige Tierwelt des Baikalsees findet in der KnlminntionS- krcislage seine Erklärung. .
Sekundär macht sich auch ein anderes solares Prinzip, die elfjährige S o n n e n f l e ck e n p e r i o d e geltend. Schon seit langem hat man das Auftreten der Heuschreckenschwürme mit dem der Sonnenflecken in Verbindung gebracht. Während die Periode der Sonnenfleckenmaxima zwischen 6 und 17 Jahren schwankt, würde die der Tiere, deren Abhängigkeit von der Sonnensleckenperiode behauptet wird, fast genau das Mittel, 11 Jahre, betragen. Im Jahre 1896 stellte sich in Deutschland der dünn- schnäbelige sibirische Tannenhäher (Nucisraga caryocatnetes ma- crorhyncha) in Unmengen ein. Simroth prophezeite für das Jahr 1907 einen neuen Masscneinbruch dieses Vogels, der auch tatsächlich stattsand. Während man bisher der Meinung war, daß es eine Mißernte au Zirbelnüssen, der Hauptnahrung des Tannenhähers, sei, die den Bogel von Zeit zu Zeit zu uns führt, schreibt es Simroth dem besonders reichlichen Sameuertrage der Zirbelnüsse, der infolge solcher Nahrungsfülle eine überreiche Vermehrung des Tan- nenhühers herbeiführt, zu, daß der Tannenhäher seine Wanderungen in die Fremde antritt. Tas Jahr 1907 brachte auch andere Tierwanderungen, massenhafte Henschreckenschwärme in Ungarn, massenhaftes Anstreten von Wespen, Eichhörnchen, zahlreiche Schwärme von Libellen, Tistetfaltern. Wien war durch zwei Tage der Schauplatz einer Masscnivanderung des Ringelspinners, der alle Gärten, Straßen, öffentlichen Lokale mit seinen Schwärmen erfüllte und von Zeit zu Zeit selbst die Bogenlampen ans den hohen Masten verfinsterte. Termiten, die vor elf Jahren die Holzbestaudtcile des Nationalmuseums zu Washington angriffen,
stellten sich int Jahr 1907 neuerlich in noch größerer Mengs ein. Auch das Steppcnhuhn, das im Jahre 1888 in so enormen Mengen nach Europa gekommen war, machte im Jahre 1907, also nach zwei Sonnensleckenperioden, neue Einwanderungsversuche.
Auch der Vulkanismus erscheint nach den Erklärungen der Pendnlationstheorie in anderem Lichte. In jeder polaren Phase, so im Altertum der Erde und im Tertiär, erreicht er sein Maximum. Wie die Organismen scheinen auch die Erdbebenlinien gleichen Verbreitungsgesetzen zu folgen, und das dürfte auch für die meteorologischen Vorgänge in der Atmosphäre seine Gültigkeit haben. l
So wird nach der Pendnlationstheorie die ganze Schöpfung folgerecht und kontinuierlich. Seit dem Kambrium, seit der Zeit von der an die Ergebnisse der Paläontologie eine genauere Rechnung möglich machen, lag der Schauplatz aller wichtigen Umbildungen da, wo die Kultur des Menschen ihren Höhepunkt erreicht hat..
Für die Straßen, welche die sich ausbreitenden Tiere gegangen sind, erscheinen die Wanderungen, denen sie jetzt folgen, bezeichnend. Tie bei polarer Phase von uns aus verdrängten Formen (z. B. Wanderratte, Ziesel, Tannenhäher, Steppenhuhn, die auf Helgoland eintreffenden amerikanischen Zugvögel) kehren jetzt bei entgegengesetzter Phase als rückflut^nde Formen zurück. Zu beiden Seiten des Beringsmeeres suchen jetzt die Lachse die Stellen in den Gebirgen auf, die ihren Bächen bei südlicherer Lage den Ursprung gaben, heute aber in höhere Lagen emporgehoben sind. Viele nordische Säuger wandern noch heute bei stärkster Kaltes aus, am stärksten auf der Taimyrhalbinsel.,
Wohl verhält sich die Mehrzahl der Forscher dieser Theorie gegenüber noch zurückhaltend, aber es ist nicht zu leugnen, daß sie in interessanter und umfassender Weise das Werden der irdischen Schöpfung zu erklären sucht. . ,
vom deutschen Lotsenwesen
entwirft Paul Schreckhaase in einem Aufsatz, der in „lieber Land und Meer" veröffentlicht wird, ein interessantes Bild. Während die Lotsen früher ihr Gewerbe mit staatlicher oder städtischer Erlaubnis selbständig und mit eigenen Schissen betrieben, wurden sie seit dem achtzehnten Jahrhundert zuerst von den Hansestädten, später von Preußen und den anderen deutschen Küstenstaaten organisiert und sind heute Staatsbeamte; die Regierungen Unterhalten auch die Lvtseu- Stationen, -Gebäude und -Fahrzeuge. Die Lotsen sind über alle deutschen Häfen ober für die Schiffahrt wichtigen Punkte verstreut; da sie meist viele Jahre dieselbe Station haben, so kennt jeder Einzelne sein Fahrwasser bei Tag und Nacht sehr genau. Für die Schiffahrt besteht von einer bestimmten Große au int Interesse des Verkehrs und der öffentlichen Sicherheit an dem größten Teil der deutschen Küste Lotsen- zwang. Besonders schwierig sind die Fahrwasserverhältnisse der Nordsee. Weit vorgeschobene flache Sände und Watten engen viele Meilen in See schon die Fahrt ein, die bei Ebbe trocken fallen und mir bei sonnigem Wetter ihr warnendes Hellgrün zeigen. „Gefährliche Küsteit machen gute Seeleute", und so sind denn auch die Elb- und Weserlotsen besonders tüchtig, wie ihre Arbeit schwer und verantwortungsreich ist. Weit draußen zwischen Helgoland und der Elbmündnng, bei Wester Till und nördlich vom Weserfeuerschiff kreuzen ihre durch ihre Takelung, Flagge und Bezeichnung kenntlichen Fahrzeuge tage- und wochenlang umher, um die einsteuernden Schiffe mit Lotsen zu besetzen'. Hat nun ein Schiff das Signal gegeben, daß es einen Lotsen wünscht, so segelt der Schoner auf dieses zu, bringt sein Boot zu Wasser, in dem zwei oder mehr Mann der Besatzung den Lotsen, der an der Reihe ist, hinüberrudern. Ist das Wetter nnd die See ruhig, so geht das schnell und leicht; die Nordsee ist aber meist schlechter Laune, daher ist auch sehr häufig ein Seegang vorhanden, dessen Grnndseen gerade in unserer deutschen Bucht bei westlichen Stürmen gegen den Ebbestrom besonders hoch und steil auflaufen und die lieber» fahrt von Schiff zu Schiff gefährlich, manchmal unmöglich machen. Dann beginnt ein Manövrieren beider Fahrzeuge, um das Boot zu decken; das zu besetzende Schiff, meist beträchtlich größer als der Schoner, macht ein Lee, das heißt es hält seine Breitseite gegen Wind und See, und in diesem Schutz nähert sich das Boot. Ter Lotse wartet den richtigen Moment ab und springt auf die übergehängte Leiter oder auf das Fallreep, mitunter noch durch eine Fangleine von oben gegen Abstürzen gesichert. Das lieft sich leicht, in Wirklichkeit aber ist die Situation verteufelt ernst. Wenn der haushohe Rumpf des Dampfers schwer in der See rollt, das Boot bald hochfliegt, dann in die Tiefe sinkt, stets bedroht, von beit brausenden Wassern an der eisernen Wand zerschlägeit zu werden, dann die zugeworfene Leine zu greifen, sich längsseits zu holen, bei jeder See das Boot


